Stimme, die Stein zerbricht

Predigt zu Aschermitttwoch 2025 von P. Max Cappabianca OP

Liebe Schwestern und Brüder,

Wir werden gleich während der Austeilung der Asche eines der klassischen Lieder zu Fastenzeit singen GL 266: „Bekehre uns vergib die Sünde, schenke Herr uns neu dein Erbarmen“ Ich mochte schon immer die Melodie. Sie ist so hoffnungsvoll und positiv – zugleich aber ernsthaft und würdig.

Aber auch der Text ist wunderschön.[1] Die Strophen drücken in einfachen Worten die wesentlichen Anliegen der Österlichen Bußzeit aus. So heißt es in der zweiten Strophe: „Bekehrt euch alle, denn das Reich ist nahe; in rechter Buße wandelt eure Herzen. Seid neue Menschen, die dem Herrn gefallen.“ Oder in der sechsten Strophe: „Tut Gutes allen, helft den Unterdrückten und stiftet Frieden: liebet euren Nächsten. Dies ist ein Fasten in den Augen Gottes.“

Fasten ist nicht Selbstzweck, sondern muss eingebettet sein in Taten der Liebe. Und so kennt die christliche drei Säulen des Fastens: „Fasten, Beten, Almosengeben.“ Die erste bezeichnet gleichsam die „körperliche“ Dimension der Umkehr, in einer ganzheitlichen Sicht des Menschen. Das Gebet bezeichnet die zweite, spirituelle Dimension der Fastenzeit und das Almosengeben die dritte, soziale Dimension des Fastens.

Ich möchte mit Ihnen heute einen Aspekt genauer anschauen, von dem in der dritten Strophe die Rede ist: „Hört seine Stimme, ändert euer Leben; suchet das Gute und lasst ab vom Bösen; als Gottes Kinder wirket seinen Frieden.“ Hört seine Stimme! Das greift eine Formulierung aus Psalm 95 auf, die jeden Tag im Stundengebet gebetet wird: „Ach würdet ihr doch heute auf seine Stimme hören!“ Es geht um das Volk Israel, das nach vierzig Jahren der Wüstenwanderung die Zuversicht verliert! Ein Volk, das doch aus der Gefangenschaft in die Freiheit geführt werden sollte!

Neu auf die Stimme Gottes hören: das kann man im Gebet[2] – und tatsächlich ist das Gebet ja eine der Säulen der Fastenzeit! Aber was heißt das? Was ist für Sie Gebet? Wie erleben Sie das Beten? Für viele Menschen ist Beten ein Gespräch mit Gott: Wir rufen zu ihm. danken und bitten und vertrauen darauf, dass unsere Gebete auch erhört werden! Erst aber einmal ein Gespräch in eine Richtung!

Aber offenbar gibt es auch eine andere Richtung. Hört seine Stimme! Gebet ist also mehr als nur ein Anrufen Gottes, sondern auch das Vernehmen seiner Antwort!

Nun kann man natürlich sagen: Wann hört man schon mal Gottes Stimme? Wann hören Sie sie? Man kann sich ja vieles einbilden… Warum nicht auch, dass Gott zu einem spricht? Haben Sie das schon mal erlebt? Und wenn ja: Wenn Sie das Freund:innen oder Verwandten erzählen, dass Sie die Stimme Gottes gehört haben: würden die nicht eher an ihrer geistigen Gesundheit zweifeln?

Keine Sorge: Ich mach mich nicht darüber lustig. Aber es ist natürlich nicht so einfach, von Gottes Stimme zu sprechen, und von seiner vermeintlichen Antwort auf unser Gebet. Auch wenn ich zutiefst davon überzeugt bin, dass es diese Stimme gibt, dass Gott zu mir spricht und dass ich auch in meinem Leben immer wieder an Punkte geführt wurde, wo ich diese Stimme vernehmen konnte – vielleicht nur in einem Windhauch, manchmal aber auch in einem großen und lauten Sturm, der mich fast umgehauen hätte. Was sind das für Erfahrungen, von denen ich spreche?

Ganz ehrlich: Ich fürchte es wird banal, wenn ich in Worten auszudrücken versuchte, wo ich die Stimme Gottes in meinem Leben gehört habe. Oft sind es so einfache kleine Dinge, die aber doch eine riesige Bedeutung für mich haben, weil sie so intim sind und das Innerste meiner Persönlichkeit berühren. Ich zögere daher, ihnen solche scheinbaren Banalitäten vorzutragen.

Wichtig ist vielleicht noch ein weiterer Aspekt: Die Stimme ist ja nicht nur etwas, was man hören kann. Es ist eine Stimme, die zielgerichtet ist: Ich bin angesprochen! Gott labert nicht vor sich hin oder hält Sermone, so wie ich jetzt, sondern seine Stimme spricht mich an! Er flüstert mir zu, setzt mich zu mir in Beziehung, zieht mich in seinen Bann, weil er mich bei meinem Namen ruft. (vgl. Jer 7,14) Gott spricht mich an!

Die Fastenzeit ist eine Zeit, in der wir eingeladen sind, uns neu in Beziehung zu Gott zu setzen und uns ansprechen zu lassen. Wir werden nach der Kommunion ein Lied singen, dass genau das ausdrückt und ich bin der Band der KSG dankbar, dass sie es zusammen mit Herrn Habel ausgesucht haben. Wenn Sie möchten, können Sie das Gotteslob aufschlagen, und sich den Text vor Augen führen. Es geht um das Lied 417. Es heißt „Stimme, die Stein zerbricht“.[3]

Mit keinem Wort wird in diesem Lied Gott erwähnt, und tatsächlich könnten diese Worte auch von einem liebenden Menschen gesprochen werden. Aus dem Kontext wird aber deutlich, dass hier – auch! – Erfahrungen mit Gott gemeint sind!

Gott als eine Stimme, die Stein zerbricht. Mit einer sanften Gewalt. Und die sagt „Hab keine Angst, ich bin da!“ Eine Stimme, die dein ist und sagt „Ich bin’s!“ (Ex 3,14)

Ein ehrliches Lied – vor allem in der letzten Strophe. „Wird es dann wieder leer, teilen die Leere wir. Seh‘ dich nicht, hör nichts mehr“ Wer kennte diese Erfahrung nicht? Wo ist dieser Gott? Grade wenn ich ihn brauche? Warum hilft er nicht?

Und doch gibt es zugleich auch diese andere Erfahrung, die in er letzten Zeile der vierten Strophe formuliert wird: „Und ich bin nicht bang: Du bist hier.“ Trotz aller Leere, Stille und Dunkelheit: Du bist hier!

Liebe Schwestern und Brüdern,

nutzen wir die Fastenzeit, um Gottes Stimme neu zu entdecken. Und machen Sie sich bitte nichts vor! Vielleicht hören Sie nichts und Sie bleiben im Dunkel. Nichts schlimmer als Predigten mit leeren Versprechungen! Aber vielleicht vernehmen Sie doch ein Flüstern, einen Klang, eine Stimme die zu Ihnen spricht. Eine Antwort vielleicht?

STIMME, DIE STEIN ZERBRICHT

Stimme, die Stein zerbricht,
kommt mir im Finstern nah,
jemand, der leise spricht:
Hab keine Angst, ich bin da.

Sprach schon vor Nacht und Tag,
vor meinem Nein und Ja.
Stimme, die alles trägt:
Hab keine Angst, ich bin da.

Bringt mir, wo ich auch sei,
Botschaft des Neubeginns,
nimmt mir die Furcht, macht frei,
Stimme, die dein ist: Ich bin’s!

Wird es dann wieder leer,
teilen die Leere wir.
Seh dich nicht, hör nichts mehr –
und bin nicht bang: Du bist hier.

Amen.

Anmerkungen:

[1] Es sei nicht verschwiegen, dass die Übersetzung „Bekehre uns, Herr “ nicht genau die Bedeutung des Wortes „Attende, Domine“ wiedergibt. Achte auf uns Herr ist eine Bitte um Zuwendung, um Aufmerksamkeit. In Kontext dieser Predigt, in der es um den Beziehungsaspekt und die Reziprozität im Gebet geht, ein weiterer interessanter Aspekt, den wir aber an dieser Stelle beiseite lassen müssen.

[2] Und im Lesen der Heiligen Schrift!

[3] Im Original stammt das Lied aus Schweden. Den Text dichtete 1971 Anders Frostenson (1906–2006).

Mut zum Urteil – aber vergiss den Splitter im Auge nicht!

Predigt von P. Pascal Meyer SJ

Liebe Schwestern und Brüder,

die Worte aus dem heutigen Evangelium nach Lukas kann man nur verstehen, wenn man sie im Gesamtkontext liest. Nämlich als Teil der sogenannten Feldrede, wie wir sie in dieser Form nur bei Lukas finden. Letzten Sonntag endete die Lesung mit einer Art «Gebot» von Jesus, barmherzig zu sein, wie auch der Vater barmherzig ist. Und dann fügte Jesus die Worte hinzu: Richtet nicht, auf dass ihr nicht selbst gerichtet werdet. Urteilt nicht, auf dass ihr nicht verurteilt werdet. Das ist der Aufhänger für unser heutiges Evangelium. Dazu möchte ich gerne drei Gedanken mit Ihnen teilen.

Erster Gedanke: Die Wichtigkeit der Selbstprüfung

Das Gleichnis von den Blinden einerseits. andererseits das Bild vom Splitter im Auge meines Bruders, beziehen sich im Grunde auf denselben Sachverhalt. Jesus will damit aufzeigen, warum es schwierig ist, über andere zu richten oder zu urteilen. Im Gleichnis ist das Kernproblem die Blindheit; Jesus bezieht sich hier nicht in erster Linie auf die Sehkraft der Menschen, sondern es ist Blindheit im übertragenen Sinne: Menschen, die blind sind für ihre Mitmenschen, für Probleme in der Welt, für praktikable Lösungen usw. Das Grundproblem geht aber noch weiter: Es ist unglaublich menschlich, Blindheit jeweils bei den anderen zu vermuten, nur nicht bei sich selber. Deswegen sagte ich zu Beginn: Das Gleichnis von den Blinden und das Bild vom Splitter im Auge meines Bruders beziehen sich auf denselben Sachverhalt. Auch wenn eine Bewertung oder Beurteilung meiner Mitmenschen einen wahren Kern enthält und womöglich auch meine Kritik an den anderen berechtigt sein mag, so gibt mir das nicht automatisch ein Recht, die anderen zu leiten, geschweige denn, es besser zu machen. Der Grund: Auch wir haben unsere «Blindheiten». Selbst bei sehr engagierten und talentierten Menschen kommt es vor, dass sie glauben, der Nation, der Welt oder Gott einen großen Dienst zu erweisen, indem sie anderen vorschreiben, was zu tun ist, weil sie ja den Durchblick haben. Dabei sind sie aber völlig blind für gewisse Aspekte im Leben. So nebenbei: Wenn Ihnen das Bild von der Blindheit nicht gefällt, können Sie es auch mit Ignoranz, Nonchalance, Rücksichtslosigkeit oder schlicht Unwissen bezeichnen. Gerade hier kommt die Lehre von Jesus zum Tragen, dass wir gut überlegen, ob es recht ist, andere zu leiten und zu führen, solange unser eigener Blick selber noch verstellt oder getrübt ist. Es ist eine Ermahnung, bescheiden, selbstkritisch und demütig zu bleiben, bevor wir anderen Menschen vorschreiben, was sie zu tun haben. Darin liegt gleichzeitig eine Einladung, über die Balken in meinem Auge nachzudenken. Als Jesuit würde ich sogar empfehlen: Machen Sie das täglich. Nehmen wir uns die Zeit, über die eigenen «Blindheiten» im Alltag zu reflektieren, bevor wir anderen sagen, wo es lang geht. Mir scheint es bedeutungsvoll, diese Ermahnung unter den Kernpunkten der Lehre Jesu zu finden, neigen doch gerade Menschen mit religiösem Eifer dazu, anderen vorschreiben zu wollen, wie der Weg zu Gott richtig verläuft. Und erlauben Sie mir den Kommentar: Religiöser Eifer ist nicht einfach ein Problem von Ordensleuten oder kirchlichen Amtsträgern. Daher die Ermahnung: Achten wir auf die Balken in unseren Augen.

Zweiter Gedanke: Der Mut zum Urteil

Möchte nun Jesus, dass wir gar keine Urteile über andere fällen sollen? Kann es sein, dass es sich bei den Worten «richtet nicht, auf dass ihr nicht gerichtet werdet» (Lukas 6,37) um ein allgemeines Verbot handelt? Das glaube ich nicht. Denn wäre dem so, wie kann es sein, dass Jesus immer wieder die Aussagen und Handlungen von religiösen Eiferern kommentiert und kritisiert? Wie könnte es sein, dass Jesus die Händler aus dem Jerusalemer Tempel jagt (und das erfolgt alles andere als sanft und friedfertig)? Wir sehen: Jesus urteilt sehr wohl in gewissen Situationen. Das Gebot ist somit kein Verbot. Es geht hingegen darum, nicht selbstgerecht bei jeder Gelegenheit auf die vermeintlichen Fehler oder Schwächen unserer Mitmenschen zu reagieren. Oder noch schlimmer: Anderen Menschen einfach mal so ihr «Christsein» oder «Menschsein» abzusprechen. Umso weniger, als dass wir selber eine ganze Liste von Schwachpunkten und Sünden vorzuweisen haben. Es ist also ein Gebot, klug zu überlegen, wann und wie wir Urteile fällen, stets im Klaren über unsere eigenen Schwächen.

Jedoch ist es kein Verbot, über andere zu urteilen. Ich teile hier mit ihnen meine ganz persönliche Meinung: Niemals zu urteilen klingt zwar für einige ganz fromm im Sinne von: «Alles läuft katastrophal, die Gesellschaft geht den Bach runter und die Gewalttätigen triumphieren… aber Jesus sagte bereits: Urteile nicht, auf dass du nicht verurteilt wirst.» – Da werden die Worte Jesu zum Feigenblatt der eigenen Feigheit! Wie könnte man schweigen angesichts der Bereicherung einiger Weniger, während andere trotz vieler Arbeitsstunden ihren Lebensunterhalt nicht finanzieren können? Wie könnte man schweigen angesichts der Gewalt, die von einigen ausgeübt oder befohlen wird? Wie könnte man schweigen angesichts des Verrats, der sich jenseits des atlantischen Ozeans in diesen Tagen zeigte? Wie könnte man schweigen, wenn mit einer simplen Unterschrift auf einem Dekret die Lebensgrundlage hunderttausender Menschen weltweit entzogen wird, orchestriert vom reichsten Mann der Welt? Jesus würde sagen: «Wehe euch, ihr Reichen!» (Lukas 6,24)

Dritter Gedanke: Prüft die Früchte, so erkennt ihr den Baum

Es gibt somit Momente, wo wir als Christinnen und Christen ein Urteil fällen müssen. Und da kommen uns die letzten Sätze des heutigen Evangeliums zu Hilfe: «Es gibt keinen guten Baum, der schlechte Früchte hervorbringt, noch einen schlechten Baum, der gute Früchte hervorbringt. Jeden Baum erkennt man an seinen Früchten.» (Lukas 6, 43-44) Hier geht es nicht um eine Frage des Geschmacks zwischen Zitronen, Orangen und Grapefruits. Alles sind Zitrusfrüchte, sie haben unterschiedlichen Geschmack, sie alle sind schmackhaft und voller Vitamine. Es sind gute Früchte, auch wenn ich womöglich Zitronen zu sauer, Grapefruits zu bitter oder Orangen zu süß finde. Wir, als Christinnen und Christen, müssen nicht uniform sein bei der Art unserer Früchte, die wir hervorbringen. Die Frage ist: Bringen wir Früchte hervor? Und wenn ja: Sind sie genießbar? Sind sie faul? Sind sie womöglich giftig? Und das können wir auf Menschen übertragen: Ist jemand eine integrierende Persönlichkeit, welche Differenzen überwinden und die Menschen an einen Tisch bringen kann? Oder handelt jemand rein nach egoistischen Zielen? Geht es um Hilfe für die Schwächeren? Oder geht es um Ausbeutung der Schwächeren? Geht es um die Wahrheit? Oder um Likes und Klicks? Kann jemand Frieden garantieren? Oder handelt es sich um einen faulen Frieden, der im Grunde das Recht des Stärkeren durchsetzt? Geht es in einer Beziehung um wahre Wertschätzung und Anerkennung? Oder ist es eine vergiftete Liebe, welche das Gegenüber kaputt macht? Geht es um Gott? Oder um Bigotterie?

Die Worte des heutigen Evangeliums sind eine Einladung, wachsam zu bleiben. In erster Linie gegenüber uns selber. Wir dürfen nie vergessen, dass wir selber unsere blinden Flecken, Fehler und Schwächen haben. Vor jedem Urteil und jeder Bewertung müssen wir uns dessen bewusst sein. Das bedeutet aber nicht, im Alltag einfach zu schweigen. Schauen wir stets wachsam auf diesen Planeten und prüfen dabei insbesondere die Menschen, ihre Worte und die damit verbundenen Handlungen.

Ich schließe mit den heutigen Worten aus dem Alten Testament: „Lobe keinen Menschen, ehe du nachgedacht hast, denn das ist die Prüfung für jede und jeden von uns.“ (Jesus Sirach, 27,7)

Selig, die Gottes Segen weitergeben ohne Grenzen

Predigt von Nicole Oster

Liebe Geschwister,

ich finde Segen ist etwas Wunderbares, Besonderes. Ich mag es zu segnen, Menschen Gutes zusprechen, ihnen Gottes Zusage und Dasein mitzugeben. Ich durfte schon in verschieden Gottesdiensten segnen und immer hat es mich sehr berührt. Denn ich segne nicht nur, ich empfange auch Segen. Jemanden/ etwas segnen, heißt ja, jemandem etwas Gutes zusprechen.

Segen gehört für mich elementar zum Christinssein dazu. Das Gute, die Hoffnung weitergeben, heißt für mich auch, den Segen weiterzugeben. Vielleicht finde ich es gerade deshalb so unverständlich, dass Segen eingeschränkt wird. Dass manche Menschen beschließen, diese Beziehungen dürfen gesegnet werden, diese aber nicht. Kann man Segen einschränken?

Und wenn ich segne, dann ist es mir egal, wer da vor mir steht, und um Segen bittet. Ob Frau, Mann, Nicht-binäre, Trans oder Queer. Wer bin ich, dir Segen zu verweigern?

Menschen, Beziehungen den Segen zu verweigern, zeugt meiner Meinung nach von einem engen Gottesbild. Ich bin schließlich nur die Person, die den Segen spendet. Ob und wie der Segen wirkt, das können nur Gott und die gesegnete Person wissen. Letztlich kommt der Segen von Gott und ich fühle mich nicht in der Lage zu sagen, wem Gott Segen schenkt und wem verweigert. Falls Gott überhaupt Segen verweigert.

Vielmehr glaube ich, dass Gott jeder Person Segen schenken, ihr etwas Gutes wünschen möchte. So wie auch Jesus in den Seligpreisungen verschiedenen Personengruppen Glück verheißt:

Die Armen, die Hungernden, die Ausgegrenzten. Ihnen verspricht Jesus Glück und Heil. Und er stellt die gesellschaftliche Ordnung auf den Kopf. Nicht erst im Himmel, sondern hier, soll die neue Ordnung herrschen, ein solidarisches Miteinander, eine wirkliche Gemeinschaft. Eine Gemeinschaft, die nicht ausgrenzt, in der man sich gegenseitig hilft und jede*r sein darf, wie er und sie ist.

Selig, die Gottes Segen weitergeben ohne Grenzen.

Selig, die sich für eine bunte Gesellschaft einsetzen und aufstehen gegen Hass.

Selig die, die Liebe leben, in allen Formen und Farben.

Bitte kein Schwarzweiß! Colours of faith

Predigt zum Semesterschluss am 9.2.2025 von P. Max Cappabianca OP

Liebe Schwestern und Brüder,

heute darf ich noch einmal über das Semesterthema „Colours of faith“ predigen – ein schönes Thema, das angesichts dessen, was derzeit in den USA passiert, ungeahnt aktuell ist! Die Farben stehen für Vielfalt, für Diversität, gegen Einheitsbrei und – noch viel wichtiger! – sie stehen gegen ein Simples Schwarzweiß!

Ihr habt euch in unterschiedlicher Weise in den letzten Monaten mit dem Thema auseinandergesetzt und ich habe den Eindruck, dass diese KSG wirklich eine bunte, eine vielfältige ist, die keinen Anstoß nimmt, wenn jemand anders ist, sondern die sich an der Vielfalt der Schöpfung Gottes freut!

Leider ist dies aber nicht selbstverständlich! Heute Morgen habe ich den Film „Gotteskinder“ gesehen – ein deutscher Film, in dem es um eine evangelikale Sekte geht. Ich finde es großartig, dass die KSG gemeinsam sich den Film angeschaut, auch wenn krankheitsbedingt wenig da waren. Ich glaube, das war Deine Idee Nicole! Danke dafür und auch danke für das Filmplakat, dass ihr euch von der Filmregisseurin habt unterschreiben lassen und das nun in der KSG hängt.

Der Film erzählt die Geschichte der Geschwister Hannah und Timotheus, die zwischen Glauben und Selbstfindung stehen. Hannah hat ein Keuschheitsgelübde abgelegt, doch als sie sich in den neuen Nachbarsjungen Max verliebt, gerät ihre Überzeugung ins Wanken. Ihr Bruder Timotheus ringt mit seiner sexuellen Identität und sucht verzweifelt nach „Heilung“, weil er glaubt, dass seine Homosexualität eine Sünde ist. Beide stehen vor der Entscheidung, den Erwartungen ihrer gläubigen Eltern zu folgen oder ihren eigenen Gefühlen zu vertrauen. Leider hat der Film kein Happyend!

Nun könnte man sagen: Naja das sind bekloppten Evangelikalen! Aber leider ist das nur die halbe Wahrheit. Auch in der katholischen Kirche gibt es sektenartige Tendenzen, und ich erlebe auch immer wieder in der KSG, dass Leute hier nicht Freiheit suchen, sondern die klare Ansage, was denn „die katholische Kirche“ sagt und die dann ganz enttäuscht sind, wenn ich sage: Die katholische Kirche, das sind erst einmal wir alle!

Und als ich das heutige Evangelium von den Menschenfischern las, dachte ich mir: Mein Gott! Wie sehr kann das missverstanden werden als Aufruf zur Sektiererei! Menschendfischen? Wo bleibt die Freiheit? Das Bild stimmt vorne und hinten nicht! Aber in dem Film und auch in manchen fundamentalistischen katholischen Gemeinschaften kann man sehen, was es heißt, wenn man Menschen ihnen letztlich (!) den freien Willen abspricht und glaubt zu wissen, was für sie richtig ist – vor allem in Moralfragen!

Ich muss sagen: Da bin ich ziemlich stolz auf unsere KSG, dass die meisten hier diesem Missverständnis nicht aufsitzen! Ich sehe Studierende die Freude haben an den vielfältigen Lebensmodellen, die Menschen gleich welchen Geschlechts miteinander leben – getreu dem Motto: Allein die Liebe zählt!

Ich freue mich, wenn Studierende skeptisch werden, wenn ihnen jemand die Welt in Schwarzweiß zeichnet und die Vielfalt dazwischen platt macht!

Ich finde es großartig, wenn unsere Studierenden sich gegen alle Kräfte in unserer Gesellschaft stellen, die diese Vielfalt kaputt machen wollen. Interessanterweise stehen sie dabei Seit an Seite mit anderen, die nicht gläubig sind, die aber unsere Werte teilen! Davor haben wir keine Angst. Es ist gleich, warum Menschen Gutes tun wollen! Hauptsache sie tun es!

„Colours of faith“ – ich freue mich, dass wir die Vielfalt als ein Geschenk Gottes ansehen und uns nicht einreden lassen, wenn Leute uns weismachen wollen, Gott wolle dies oder wolle jenes! Wir sind alle auf der Suche und wir geben uns auch damit zufrieden, wenn wir mal keine Antwort haben. Ein suchender Glaube ist uns hundertmal lieber als ein eingebildeter Glauben!

Am Ende dieses Semester wollen wir diese Freiheit feiern, die der Glaube uns schenkt und seine Segen in die vorlesungsfreie Zeit mitnehmen, um diesen Grundimpuls unseres Glaubens in unsere Lebenswelten zu tragen: Zur Freiheit hat uns Jesus Christus befreit. Amen.

Widerstand aus Glauben – 80 Jahre Alfred Delp SJ

Predigt von P. Max Cappabianca in der KSG Berlin

Liebe Schwestern und Brüder,

Ich vermute, dass einige von euch ähnlich schockiert waren über die vergangenen Tage im Deutschen Parlament. Am Mittwoch wurde vom Deutschen Bundestag mit den Stimmen der AfD ein Entschließungsantrag verabschiedet, und am Freitag wäre sogar fast ein Gesetz mit den Stimmen der in Teilen rechtsextremen Partei durchgekommen, wenige Stimmen fehlten nur – Gott sei Dank!

Die Empörung war groß – nicht zu Unrecht, hatte doch der CDU-Vorsitzende Friedrich Merz zuvor gesagt, dass er so etwas niemals zulassen würde. Ihr erinnert euch: die berühmte Brandmauer! Ich gebe zu, ich war fassungslos und auch wütend über die Partei mit dem C im Namen, das ja für „christlich“ steht. Ist das nicht eine Perversion, wenn man als „christliche“ Partei gemeinsame Sache macht mit Populisten, die unsere Gesellschaft spalten wollen?

Allerdings überkommt mich persönlich immer ein mulmiges Gefühl, wenn die Dinge so eindeutig zu sein scheinen. Ich mag es nicht, wenn man die Welt in Gut und Böse einteilt. Es muss doch Gründe geben, dass vernünftige Menschen wie Merz und andre Unionspolitiker sich so verhalten… Und tatsächlich war ich in den letzten Tagen für jeden kritischen Kommentar dankbar, der mich hat verstehen lassen, warum der CDU-Vorsitzende so gehandelt haben und warum die meisten CDU-Politiker seiner Initiative gefolgt sein könnten.

Zum Beispiel dass zwei Drittel der Deutschen Wähler für eine Verschärfung des Migrationsrechts sind. Das dürfen wir nicht ignorieren! Wenn wir mit dem Finger auf eine Partei zeigen, überzeugt das keinen einzigen migrationskritischen Wähler oder Wählerin. Dass eine so große Mehrheit diese migrationskritische Meinung vertritt, macht sie allerdings auch nicht richtiger. Denn es gibt unverhandelbare Werte, wie zum Beispiel der Respekt der Menschenwürde, die man nicht durch Mehrheitsbeschluss abschaffen kann!

Ein anderes Argument ist, dass Merz Alternativen aufgezeigt habe, die nun klar machten, wofür seine Partei steht. Das stimmt – auch wenn im Detail deutlich wird: Schon die Rot-Grün-Gelbe Koalition hat krasse Verschärfungen im Migrationsrecht beschlossen! Und tatsächlich ist die Migration ja schon deutlich zurückgegangen. Warum sieht das keiner? Das geht im Lärm des Populismus leider einfach unter!

Ich persönlich habe mir vorgenommen, mich nicht moralisch über diejenigen zu erheben, die eine andre Meinung vertreten als ich. Pharisäertum überzeugt keinen!

Ich habe mir außerdem vorgenommen, die Diskussion in der Sache zu suchen, in die Niederungen des Details hinabzusteigen, bevor ich eine andere Meinung verurteile. Dann werden wir alle automatisch leiser! Ich bin auch gegen unkontrollierten Zuzug und ich bin auch der Meinung, dass die Fähigkeit unsere Gesellschaft, Migrant*innen zu integrieren eine Grenze hat. Die Realität ist halt immer komplexer als eine populistische Parole! Wenn wir das alle beherzigen, dann werden wir alle auch etwas leiser!

Und wie stehe ich als Christ dazu? Gehört das überhaupt in eine Predigt, wo ich ja als offizieller Vertreter der katholischen Kirche spreche? Ja und Nein zugleich!

Kirche ist keine politische Organisation, die Wahlempfehlungen oder Warnungen aussprechen sollte! Sie ist eine Gemeinschaft von Menschen die gläubig sind; und wenn dieser Glaube eine Relevanz für das Leben der Menschen hat, dann gehen von ihm Impulse und Orientierungen aus für den Wertekanon, der unsere Gesellschaft leitet!

Aus diesem Grund haben die Bischöfe vor ziemlich genau einem Jahr vor der AfD gewarnt: Völkischer Nationalismus und Christentum schließen einander aus, und da müssen wir Christ*innen auch den Mut haben, Flagge zu zeigen und für unsere Positionen einzustehen!

Dass man hierfür ganz schön viel Rückgrat braucht, beweisen die Menschen, die in einem Umfeld für die Grundrechte der Menschen sich eingesetzt haben, wo man dieses Bekenntnis manchmal mit dem Leben bezahlen musste.

Alfred Delp ist so einer, der für seine Überzeugungen von den Nazis mit dem Tod bestraft wurde. „Das gebeugte Knie und die hingehaltenen leeren Hände sind die beiden Urgebärden des freien Menschen.“ Als Pater Alfred Delp diese Worte im Advent 1944 niederschreibt, saß er mit gefesselten Händen im Gefängnis Berlin-Tegel. Angeklagt von den Nazis wegen Hoch- und Landesverrats. Auf Bitten seines Provinzials hatte er sich in München im Kreisauer Kreis um Graf Moltke engagiert, einer Widerstandsgruppe, die Pläne für ein demokratisches Deutschland nach Hitler entwarf. Am 28. Juli 1944 wurde er verhaftet und vom berüchtigten Richter Roland Freisler zum „Tod durch den Strang“ verurteilt.

Ich möchte diese Predigt beenden mit einem längeren Auszug aus dem Tagebuch von Alfred Delp. Die Zeilen schrieb er nieder, als er schon zum Tode verurteilt war. Darin berichtet er, wie niederträchtige der Richter Freisler und die anderen Nazi-Schergen.  Er schreibt, dass er nicht sterben wollte, dass sein starker Glaube ihm die Kraft gab, vor der Unmenschlichkeit nicht einzuknicken. Er glaubte an eine Gesellschaft, die die Menschenwürde respektiert und dass das Christentum diametral entgegengesetzt ist gegen jeden Totalitarismus.

Ich finde diese Zeilen – heute am 80. Jahrestag seines Todes durch den Strick – nicht weit von hier 25 Minuten mit dem Fahrrad! – ein starker Impuls für uns heute ist, wenn immer die Menschenwürde mit Füßen getreten wird.

„Eigentlich hatten wir damit gerechnet, gleich am Donnerstagabend nach Plötzensee gefahren zu werden. Wir sind anscheinend die ersten, bei denen wieder Fristen eingehalten werden. Oder ob es die Gnaden­gesuche schon waren? Ich glaube nicht: Frank kam gestern zurück, ob­wohl für ihn noch kein Gesuch lief. Dass Frank auch verurteilt würde, hätte niemand gedacht. Aber dort ist alles Subjektivität, nicht einmal amtliche, sondern ganz persönliche Subjektivität. Der Mann [Freisler] ist gescheit, nervös, eitel und anmaßend. Er spielt Theater, und der Ge­genspieler muss unterlegen sein.

Ich kam mir bei der ganzen Sache eigentlich recht unbeteiligt vor. Es war wie eine schlechte Pullacher Disputation, nur dass der Defendens dauernd wechselte und der Dauerobjicient auch zugleich ent­schied, wer recht hat. Die Mitrichter, das «Volk» am Volksgerichtshof waren gewöhnliche, dienstbeflissene Durchschnittsgesichter, die sich in ihrem blauen Anzug sehr feierlich vorkamen und sehr wichtig neben der roten Robe des Herrn Vorsitzenden. Gute, biedere SA-Männer, die die Funktion des Volkes, ja zu sagen, ausüben.

 

Es ist alles da, es fehlt nichts: feierlicher Einzug, großes Aufgebot der Polizei, jeder hat zwei Mann neben sich: hinter uns das «Publi­kum»; meist Gestapo usw. Die Gesichter der Schupos gutmütig-ge­wohnt-gewöhnlich. Das Publikum hat durchschnittlich den Typ des «einen» Deutschland. Das «andere» Deutschland ist nicht vertreten oder wird zum Tode verurteilt. Eigentlich fehlte noch eine Ouvertüre zu Beginn und ein Finale zu Ende oder mindestens Fanfaren. …

Die Beschimpfungen von Kirche, Orden, kirchengeschichtlichen Überlieferungen usw. waren schlimm. Ich musste eigentlich an mich halten, um nicht loszuplatzen. Aber dann wäre die Atmosphäre für alle verdorben gewesen. Diese herrliche Gelegenheit für den großen Schau­spieler, den Gegenspieler für einen gescheiten, überragenden, ver­schlagenen Menschen zu erklären und sich dann so unendlich überle­gen zu zeigen. Es war alles fertig, als er anfing. … Man ist dort kein Mensch, sondern «Objekt». Und dabei alles unter einem inflationistischen Verschleiß juristischer Formen und Phrasen. Kurz zuvor las ich Plato: Das ist das höchste Unrecht, das sich in der Form des Rechts vollzieht.

Ich bitte auch die Freunde, nicht zu trauern, sondern für mich zu beten und mir zu helfen, solange ich der Hilfe bedarf. Und sich nach­her darauf zu verlassen, dass ich geopfert wurde, nicht erschlagen. Ich hatte nicht daran gedacht, dass dies mein Weg sein könnte. Alte meine Segel wollten steif vor dem Wind stehen; mein Schiff wollte auf eine große Ausfahrt, die Fahnen und Wimpel sollten stolz und hoch in alten Stürmen gehisst bleiben. Aber vielleicht wären es die falschen Fahnen geworden oder die falsche Richtung oder für das Schiff die falsche Fracht und unechte Beute. Ich weiß es nicht. Ich will mich auch nicht trösten mit einer billigen Herabminderung des Irdischen und des Le­bens. Ehrlich und gerade: ich würde gerne noch weiterleben und gern und jetzt erst recht weiterschaffen und viele neue Worte und Werte verkün­den, die ich jetzt erst entdeckt habe. Es ist anders gekommen. Gott halte mich in der Kraft, ihm und seiner Fügung und Zulassung gewachsen zu sein. …

So lebt denn wohl. Mein Verbrechen ist, dass ich an Deutschland glaubte auch über eine mögliche Not- und Nachtstunde hinaus. Dass ich an jene simple und anmaßende Drei-Einigkeit des Stolzes und der Gewalt nicht glaubte. Und dass ich dies tat als katholischer Christ und als Jesuit. Das sind die Werte, für die ich hier stehe am äußersten Rande und auf den

warten muss, der mich hinunterstößt. Deutschland über das Heute hinaus als immer neu sich gestaltende Wirklichkeit, Christentum und Kirche als die geheime Sehnsucht und die stärkende und heilende Kraft dieses Landes und Volkes – der Orden als die Heimat geprägter Männer, die man hasst, weil man sie nicht versteht und kennt in ihrer freien Gebundenheit oder weil man sie fürchtet als Vorwurf und Frage in der eigenen anmaßenden, pathetischen Unfreiheit.

Ich aber will ehrlich warten auf des Herrgotts Fügung und Führung. Ich werde auf ihn vertrauen, bis ich abgeholt werde. Und ich werde mich mühen, dass mich auch diese Lösung und Losung nicht klein und verzagt findet.

Das ist ein eigenartiges Leben jetzt. Man gewöhnt sich so schnell wieder an das Dasein und muss sich das Todesurteil ab und zu gewaltsam in das Bewusstsein zurückrufen. Das ist ja das Besondere bei diesem Tod, dass der Lebenswille ungebrochen und jeder Nerv lebendig ist, bis die feindliche Gewalt alles überwältigt. So dass die gewöhnlichen Vorzeichen und Mahnboten des Todes hier ausbleiben. Eines Tages wird eben die Tür aufgehen, und der gute Wachtmeister wird sagen: einpacken, in einer halben Stunde kommt das Auto. Wie wir es so oft gehört und erlebt haben.“ (Alfred Delp S.J.)

Quelle: Günther Weisenborn, Der lautlose Aufstand. Bericht über die Widerstandsbewegung des deutschen Volkes 1933-1945, Reinbek: Rowohlt, 1962, S. 284-287.

Zu Thomas Manns „Mario und der Zauberer“

Predigt von P. Thomas Eggensperger OP am 19. Januar in der KSG Berlin

Zum 150. Geburtstag von Thomas Mann  


„Die Erinnerung an Torre di Venere ist atmosphärisch unangenehm. Ärger, Gereiztheit, Überspannung lagen von Anfang an in der Luft, und zum Schluss kam dann der Schock mit diesem schrecklichen Cipolla, in dessen Person sich das eigentümlich Bösartige der Stimmung auf verhängnishafte und übrigens menschlich sehr eindrucksvolle Weise zu verkörpern und bedrohlich zusammenzudrängen schien. Dass bei dem Ende mit Schrecken (…) auch noch die Kinder anwesend sein mussten, war eine traurige und auf Missverständnis beruhende Ungehörigkeit für sich, verschuldet durch die falschen Vorspiegelungen des merkwürdigen Mannes. Gottlob haben sie nicht verstanden, wo das Spektakel aufhörte, und die Katastrophe begann, und man hat sie in dem glücklichen Wahn gelassen, dass alles Theater gewesen sei.“ (311) 


Liebe Schwestern und Brüder,  

so beginnt eine Erzählung des deutschen Schriftstellers Thomas Mann aus dem Jahre 1930. Der Titel lautet „Mario und der Zauberer“. Die Geschichte handelt von einem Reiseerlebnis der ganz außergewöhnlichen Art. Die Familie macht Urlaub in der italienischen Stadt Torre di Venere und die ganze Beschreibung des Aufenthaltes lässt vermuten, dass es sich zunächst um den typischen Urlaub einer bessergestellten bürgerlichen Familie der 1920er Jahre handelte.  

Und dieses Typische wird auch ausführlich beschrieben. Der Erzähler, er schreibt in Ich-Form, verbringt einige Sommerwochen am Tyrrhenischen Meer – zusammen mit seiner Frau und den Kindern. Alles brav und bieder, man verlustiert sich am Wasser, promeniert am Strand, speist mehr oder weniger lukullisch. Nichts aufregendes eigentlich – eben ganz klassisch bürgerlich. Der Autor, Thomas Mann, er ist literarisch in seinem Metier.  

Dennoch zeigt der erste Abschnitt dieser Erzählung, die ich der Predigt vorangestellt  habe, dass sich etwas Außergewöhnliches ereignet hat. Es ist etwas passiert. Von  einer „Katastrophe“ ist da die Rede, von einem „Ende mit Schrecken“. 

Eigentlich fing alles ganz harmlos an. Der Erzähler beschreibt den gemütlichen  Hotelaufenthalt und er berichtet von einem netten jungen Kerl, der in einem in der  Nähe sich befindlichen Café als Kellner sein tägliches Brot verdient. Der Junge ist 20  Jahre alt und heißt Mario. Und dieser Mario wird noch eine wichtige Rolle spielen in  dieser Erzählung. Und dazu gehört die Antipode des netten Kellnerjungen, nämlich  der bereits erwähnte „Cipolla“. Dieser „schreckliche Cipolla“, wie er genannt wurde,  ist Zauberer. Er tritt als Schausteller auf und führt dem Publikum seine Kunststücke  vor.  

Die Eintönigkeit des Sommerurlaubs der Familie wird unterbrochen durch die  Ankündigung, der berühmte Magier Cipolla würde einen Auftritt haben auf der  Terrasse des Hotels. Und damit sind wir beim Thema der Erzählung: Um diesen  Zauberer Cipolla herum ist die Katastrophe anzusiedeln, von der da die Rede ist.  

Das Spektakel nimmt seinen Lauf. Der Zauberer Cipolla tritt auf, so wie er  beschrieben wird, nicht gerade eine Erscheinung, die man als sympathisch  bezeichnen würde. Eher ist er ein wenig verkniffen, eigenartig angezogen, mit einem  stechenden Blick und einem merkwürdigen Gesichtsausdruck.  

Seine Spezialität ist die Suggestion und die Beeinflussung des Menschen. Das, was er  da auf der Bühne mit seinen Opfern macht, ist in gewisser Weise Hypnose. Er pickt  sich einzelne Zuschauer heraus, provoziert sie und dann beraubt er sie ihres Willens  und lässt sie schließlich im wahrsten Sinne Wortes tanzen, so wie er ihnen das befiehlt.  

Gleich zu Beginn der Show pickt er sich einen jungen Einheimischen heraus und er spricht ihn an:  

„Du gefällst mir, Giovanotto. … Solche Leute wie du, haben meine besondere Sympathie; ich kann sie brauchen. Offenbar bist du ein ganzer Kerl. Du tust, was du  willst. Oder hast du schon einmal nicht getan, was du wolltest? Oder gar getan, was  du nicht wolltest? Was nicht du wolltest? Höre, mein Freund, es müsste bequem und  lustig sein, nicht immer so den ganzen Kerl spielen und für beides aufkommen zu  müssen, das Wollen und das Tun. Arbeitsteilung müsste da einmal eintreten…“  (339f.)  

Cipolla will etwas mit diesem Jungen. Das merkt man. Und so fordert er sein Opfer heraus:  

„´Willst du zum Beispiel jetzt dieser gewählten und verehrungswürdigen  Gesellschaft hier die Zunge zeigen, und zwar die ganze Zunge bis zur Wurzel?´ …  ´Nein´, sagte der Bursche feindselig. ´Das will ich nicht. Es würde von wenig  Erziehung zeugen.´  

´Das würde von gar nichts zeugen´, erwiderte Cipolla, ´… (so) wirst du jetzt, ehe ich  bis drei zähle, eine Rechtswendung ausführen und der Gesellschaft die Zunge  herausstrecken, länger, als du gewusst hast, dass du sie herausstrecken könntest.´“  (340) 

Gesagt, getan. Kurz darauf streckt der Junge dem Publikum seine Zunge heraus,  ganz kurz nur, und dann steht er wieder da, als ob nichts gewesen wäre. Und das  stimmt sogar für ihn. Denn es ist offensichtlich, dass er gar nicht gemerkt hat, wie er  der Anordnung des eigenartigen Zauberers Folge leistet.  

Und damit stehen wir im Zentrum dieser Erzählung. Es ist diese auffallende  Disharmonie vom Willen des Einzelnen aus der Gruppe des Publikums und den  Befehlen dieses Magiers Cipolla, der den Willen bricht, die Menschen auf dem  Podium verbiegt und diesen Hypnotisierten seine Befehle erteilt, die sie dann  willenlos ausüben.  

Das heißt es:  

„Gewiss musste der Jüngling einfach als Belustigungsthema herhalten, wie Cipolla  sich jeden Abend eines herauszugreifen und aufs Korn zu nehmen gewohnt sein  mochte. Aber es sprach aus seinen Spitzen doch auch echte Gehässigkeit…“ (343f)  

Cipolla gehört zu der Gattung Mensch, die keinen Respekt hat vor dem Anderen, vor  deren Willen, Sehnsüchten und auch deren ganz privaten und intimen Dingen.  

Die Erzählung berichtet davon anhand vieler Beispiele. Er macht sich lustig über  zwei Bauernjungen, die nicht lesen und schreiben können und er treibt seinen Spott  mit ihnen. Einem anderen redet er Magenkrämpfe ein und der arme Hypnotisierte  steht auf der Bühne und hält sich zur Belustigung aller den Bauch.  

Und noch andere Situationen gibt es, die damit vergleichbar sind. Auf Kosten  anderer macht sich Cipolla lustig und das in aller Öffentlichkeit. Und die Zuschauer  spüren, dass da etwas nicht in Ordnung ist, aber keiner geht weg. Alle sind sie  fasziniert von diesem Grenzbereich menschlicher Existenz, von dieser schamlosen  Überschreitung der sittlichen und sozialen Normen, so wie sie dieser Cipolla demonstriert.  

In der Erzählung heißt es:  

„Unsere Gefühle für … Cipolla waren höchst gemischter Natur; aber das waren,  wenn ich nicht irre, die Gefühle des ganzen Saales, und dennoch ging niemand  weg.“ (368)  

Die Zuschauer werden mit etwas ganz Eigenartigen konfrontiert – eigentlich mit  etwas Abstoßendem und dennoch verharren sie vor der Bühne und starren gebannt  auf dieses Schauspiel, das da immer unwürdiger wird.  

Die Katastrophe rückt näher. Und sie hat etwas damit zu tun, wie der Zauberer mit  den Menschen umgeht. Mit seinen Kunststücken, die darauf hinauslaufen, Menschen  in aller Öffentlichkeit bloßzustellen, führt er das Ende herbei.  

Nicht umsonst lautet der Titel der Erzählung „Mario und der Zauberer“. Denn auch  dieser junge Kellner Mario befindet sich unter den Zuschauern. Bislang relativ unbeteiligt am Geschehen wird er mit einem Male von Cipolla aufgefordert, nach  vorne zu kommen auf die Bühne. Nun ist Mario derjenige, der von diesem Zauberer  bearbeitet wird.  

Und Cipolla beginnt ein Gespräch mit dem ahnungslosen jungen Mann. Er fragt ihn  aus, und – wie es sich für einen Magier gehört – weiß er auch schon einiges über ihn,  ohne dass er es dem Magier gesagt hatte. Ein eigenartiger Dialog beginnt und – man  kann es nicht anders ausdrücken – es ist eine regelrechte Anmache, die der 20jährige  durch den skurrilen Alten über sich ergehen lassen muss.  

Nach und nach erleben die Zuschauer die Entblößung der innersten Persönlichkeit  des jungen Mario. In aller Öffentlichkeit berichtet der Zauberer von der heimlichen  Liebe Marios zu einem jungen Mädchen aus der Stadt – eine tiefe Liebe, von der er  sich aber nicht traut, sie preiszugeben.  

Und dabei wird die Rolle des Cipolla immer befremdlicher. Für Mario hat er sich  einen Zauber der besonderen Art ausgedacht: In Hypnose verfallen, redet er dem  jungen Mario ein, er selbst – der Magier – er sei dieses Mädchen und er solle sich ihm  nähern.  

Es geschieht, was geschehen musste. Der hypnotisierte Mario sieht in Cipolla seine  große Liebe, dieses Mädchen und das nutzt der Zauberer schamlos aus, um die  Lacher auf seiner Seite zu haben.  

So sagt Cipolla zu Mario:  

„´Küsse mich!´ … ´Glaube, dass du es darfst! … Küsse mich (hier)´ und er wies mit der  Spitze des Zeigefingers … an seine Wange, …“ (390)  

Und Mario küsst – in der Meinung, seine große Liebe vor sich zu haben. Aber es  niemand anderes als der Zauberer selbst, der den Kuss empfängt.  

Weiter im Text:  

„Es war recht still im Saale geworden. Der Augenblick war grotesk, ungeheuerlich  und spannend – der Augenblick von Marios Seligkeit.“ (390f.)  

Den Zuschauern ist schlagartig bewusst geworden, dass der Magier Cipolla sein  Spiel zu weit getrieben hatte. Das war kein Spaß mehr, sondern das war die  Vergewaltigung einer menschlichen Seele.  

Kurz darauf wacht Mario wieder auf, ihm ist sofort klar, was man ihm angetan hat.  Und es folgt das – zu Beginn der Erzählung bereits angedeutete – „Ende mit  Schrecken“. Vor allen Anwesenden tötet Mario diesen Cipolla.  

Und Thomas Mann schließt seine Erzählung mit den Worten:  

„Ein Ende mit Schrecken, ein höchst fatales Ende. Und ein befreiendes Ende dennoch  – ich konnte und kann nicht umhin, es so zu empfinden.“ (392) 

Soweit ein Blick in die Erzählung „Mario und der Zauberer“.  

Leben und Tod gehören zusammen. Über Leben und Tod entscheidet am Ende Gott,  das mag sein. Aber es ist der Mensch, der zuweilen über seine Kompetenz  hinausgeht, und meint, selbstständig über Leben und Tod entscheiden zu müssen.  

Es gibt da einen Grenzbereich, der sich schlecht in Formeln ausdrücken lässt oder in  Paragraphen sich klassifizieren lässt.  

Vielleicht ist es diese Freiheit, die Gott uns Menschen zugesteht, in der wir  entscheiden können, wie weit wir gehen und wo wir eine natürliche, eine sittlich moralische Grenze sehen, vor der wir Respekt haben, und die wir nicht gewillt sind,  zu überschreiten.  

Menschen werden durch Menschen getötet. Vor einem Krieg steht die Suggestion,  die Hypnose durch eine Person oder eine Gruppierung, die von der Notwendigkeit  des Krieges redet. Und plötzlich steht man mittendrin im Geschehen, an der Front.  Und dann gibt es kein Zurück mehr, sondern nur den unweigerlichen Schritt hin zur  Katastrophe.  

Macht zu besitzen über Andere, das bedeutet auch, Macht zu besitzen über die  Persönlichkeit der Anderen. Und das bedeutet auch, Persönlichkeit zu vernichten,  geradewegs zur Katastrophe zu gelangen.  

Die Heilige Schrift ist voll von solchen Begebenheiten. Warnungen gibt es da mehr  als genug, keinesfalls die natürliche Grenze zu überschreiten. Das beginnt mit dem  Brudermord Kains an Abel, das setzt sich fort mit den Verbrechen, die in der  Geschichte des Volkes Israel begangen werden und das endet mit der labilen  Stimmungslage des Volkes, als sie den Tod Jesu forderten, den Tod desjenigen, den  sie kaum einige Wochen zuvor noch hochgepriesen haben.  

Amen!  

Thomas Eggensperger OP  

Literatur  

Thomas Mann, Mario und der Zauberer, in: Ders., Meistererzählungen, Zürich 2002,  309-392. 

ROT – eine Frauengeschichte voller Geist und Liebe

Predigtreihe: „Colors of Hope – Hoffnung im Advent“

Predigt am 4. Advent, Lesejahr C, 22. Dezember 2024, KSG Edith Stein Berlin

© Prof Dr. Ulrich Engel OP, Berlin


Liebe Studierende, liebe Gottesdienstbesucherinnen,

„Liebe ist rot“ – so hatte ich meine Predigt zu den „Colors of Faith“ beim Semestereröffnung im Oktober begonnen: Liebe ist rot. Warum eigentlich? Zwei Antworten will ich versuchen (im Wissen darum, dass es noch viele weitere gäbe):

  • Kulturanthropologisch ist die Farbe Rot mit dem Herzen verbunden, dem Zentrum von Liebe und Leidenschaft. Das Herz wird häufig leuchtend rot dargestellt, und diese Verbindung hat dazu beigetragen, dass Rot zu einem kraftvollen Symbol der Liebe geworden ist. Hinter der Symbolik stehen Erfahrungen: uns kann das Blut zu Kopf steigen, man wird rot, weil man sich schämt, weil man zornig ist oder aufgeregt oder vor Verlegenheit. Oder ich werde rot, weil ich verliebt bin.1
  • Im Christentum ist die Symbolverbindung anders konstruiert. Hier steht das Rot zuerst für den Heiligen Geist. Aber auch die Geistkraft hat mit der Liebe zu tun. Denn die flammendrote Herabkunft des Geistes verheißt nicht weniger als die pfingstliche Umformung der Welt in allumfassende Liebe. Dementsprechend wird die rû aḥ ( ַרוּח), die Heilige Geistin, auch als das Band der Liebe bezeichnet, das Menschen und Gott und Menschen und Menschen eint: „Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt.“ (Joh 5,13)

Liebe Gemeinde,

von diesen beiden Aspekten der Farbe Rot erzählt auch die heutige Perikope aus dem Lukasevangelium. Es ist die alte und altbekannte Geschichte von der „Heimsuchung Mariens“. So nannte die Kirche die Begegnung zwischen Maria und Elisabeth früher.2

Ich vermute, dass vielen von uns der Text wohlvertraut ist. Unzählige Male ist das Geschehen in der Bildenden Kunst dargestellt worden. Und weil die Evangelienperikope so bekannt und ikonisch omnipräsent ist, lohnt es sich, noch einmal genauer hinzuschauen.

Erzählt wird uns von Lukas eine Frauengeschichte.2 Elisabeth und Maria begegnen sich. Sie sind miteinander verwand. Elisabeth wohnt in Bethanien, Maria in Nazareth. „Der etwa 120 km lange Weg durchs Gebirge ist Maria vertraut, geht sie ihn doch mindestens einmal jährlich bis nach Jerusalem. Bethanien liegt 7 km von der Hauptstadt entfernt.“3

Die eine der beiden ist alt mit weißen Haaren und faltigem Gesicht, die andere ein Teenager. Zwei Frauen, die das Schlimmste kennen gelernt haben. Elisabeth ist kinderlos geblieben – so ungefähr das Allerschlimmste, was einer Frau passieren konnte, damals. Außerst peinlich vor den Nachbarn. Da konnte man rot werden. Und das andere Allerschlimmste, was Frauen passieren konnte, war ein uneheliches Kind zu bekommen – wie Maria. Ebenfalls zutiefst beschämend damals. Wer da nicht rot wurde, wenn Nachbar*innen sich das Maul zerrissen …

So weit, so schlimm. Und doch sagt ein Engel beiden Frauen zu: Das Allerschlimmste muss nicht das Allerschlimmste bleiben. „Denn für Gott ist nichts unmöglich.“ (Lk 1,37) Elisabeth ist bereits im sechsten Monat schwanger. Und Maria, ebenfalls in Umständen, weiß sich trotz des fehlenden biologischen Vaters selig gepriesen (vgl. Lk 1,48b).

Liebe Zuhörer:innen,

im Hintergrund der Evangelienszene ist für einen Menschen der damaligen Zeit aber noch mehr zu sehen. Denn man war zumeist gut vertraut mit den alten biblischen Schriften, den Texten der hebräischen Bibel, die wir als das „Erste“ oder „Alte Testament“ bezeichnen.

Hinter Elisabeth und Maria konnten die Menschen damals noch andere Frauen sehen:

Frauen, die ganz ähnliche schlimme Erfahrungen durchmachen mussten, Frauen aus der Geschichte Gottes mit seinen Menschen, denen ebenfalls Schlimmes und Wunderbares widerfahren war. Sie alle treten im Hintergrund der Begegnung zwischen Elisabeth und Maria aus dem Schatten der Vergangenheit hervor:

  • „Sara ist da, Abrahams Frau. Auch sie hat noch ein Kind bekommen zur Unzeit, nach endlosen Jahren ohne Hoffnung. Weiße Haare, ein faltiges Gesicht und ein schwangerer Bauch.3
  • Hanna ist da, auch sie lange kinderlos, mit ihren Tränen und inständigen Gebeten und dem Gesicht voller Schamesröte und Schmerz, die Mutter des Propheten Samuel.
  • Und ebenfalls Ruth und Naomi sind da, die junge Frau und die alte, nach Israel gekommen als Asylantinnen ohne eine Zukunft und später durch ein Kind eingeschrieben in den Stammbaum des großen Königs David.“4

So kann es zugehen bei Gott. Unmöglich ist da nichts. Das wissen Elisabeth und Maria, als sie sich begrüßen, die alte und die junge Frau.

Und alle diese Frauen – die aus dem Vordergrund und die im Hintergrund – alle sind eingeschrieben in das Lied, das Maria nach dieser Begegnung anstimmt. Maria singt es allein. Aber eigentlich ist es ein Chor. Der Chor all der Frauen, die Schlimmes und Allerschlimmstes erleiden mussten und denen Wunderbares zuteil wurde. Und dieser All-Women-Choir singt: „Unsere Seele preist die Größe des Herrn / und unser Geist jubelt über Gott, unseren Retter. Denn auf die Niedrigkeit seiner Mägde hat er geschaut. / Siehe, von nun an preisen uns selig alle Geschlechter.“5

Liebe Schwestern und Brüder,

hier ist die Farbe Rot wieder da, wenn Maria und mit ihr der doppeltestamentliche geschichtsübergreifende Frauenchor jubelnd ihren „Geist“ besingen: „und unser Geist jubelt über Gott, unseren Retter“.

Und von der Geistin, griechisch: πνεῦ μα, lateinisch: spiritus, von der hier die Rede ist, heißt es fünf Verse zuvor, dass es Heiliger Geist ist, der die Frauen erfüllt (vgl. Lk 1,41c). Der Geist Gottes ist vor allem in die verliebt, denen Schlimmes und Allerschlimmstes zugestoßen ist und auch heute zustößt. Ihnen sagt die göttliche Geistkraft zu: Das Allerschlimmste wird nicht das Allerschlimmste bleiben. Denn für Gott ist nichts unmöglich.

Dass es wirklich so ist, das hoffe ich.


1 Vgl. Eva Heller, Wie Farben wirken, Reinbek bei Hamburg 2008, 53.
2 Zum Folgenden vgl. Kathrin Oxen, Angesehen. Predigt zu Lukas 1,26–38(39–45), unter: https://predigten.evangelisch.de/predigt/angesehen-predigt-zu-lukas-139-47-von-kathrin-oxen [Aufruf: 17.12.2024].
3 Herta Handschin OP, Maria besucht Elisabeth daheim [02.02.2017], unter: https://www.klosterilanz.ch/de/wortwoechentlich/archiv/maria-besucht-elisabeth/ [Aufruf: 17.12.2024].
4 Oxen, Angesehen.
5 Lk 1,46b–48. Gegen den Wortlaut des Originals und der EU/2016 ist das Zitat hier in den Plural gesetzt.

Gelb/blau – rot/grün – Goethes „Farbenlehre“ und der Jubel- Prophet Zefanja

Predigt von P. Thomas Eggensperger (OP) am 15.12.2024 in der KSG Berlin


„Wäre nicht dein Auge sonnenhaft,
wie könnt‘ es je die Sonn‘ erblicken?
Wes’te nicht in uns die eigene Gotteskraft,
Wie könnt‘ uns Göttliches entzücken?“

Liebe Schwestern und Brüder,
mit diesem etwas für heutige Verhältnisse seltsamen Spruch möchte ich meine Predigt beginnen.
Die Zeilen stammen von Johann Wolfgang von Goethe, dem deutschen Nationalheiligen der Literatur und Wissenschaft.
Der Text ist fast so pathetisch wie das Jubellied des Propheten Zefanja, das wir gerade gehört haben:

„Juble Tochter Zion! Jauchze Israel!
Freu dich und frohlocke von ganzem Herzen, Tochter Jerusalem“
(Zef 3, 14)

Die Anlässe können unterschiedlicher nicht sein.
Zefanja, der Prophet, der in der Heiligen Schrift seitenweise Unheil und Untergang ankündigt, beginnt in unserem 3. Kapitel mit einem Jubellied. Ich habe nur die ersten Zeilen zitiert, aber es ist ein Lied der Freude, dass der Herr mit dem Volk ist.

 

Goethes Verse stehen in einem ganz anderen Zusammenhang. Er hat eine große Studie verfasst über die Farbenlehre. Es hat sich auseinandergesetzt mit den Farben, die der Mensch sieht und mit den Farben, die etwas ausdrücken und damit den Menschen auch beeinflussen.
Und diese Zeilen zu Beginn meiner Predigt sind die ersten Worte in seiner Schrift „Über physiologische Farbenerscheinungen“ (1805). Da Farben gesehen werden, ist das Auge eben ein wichtiges Organ, das es zu berücksichtigen gilt. Was Goethe in seiner Theorie erkannt hat und uns präsentiert, dass ist die Bedeutung von Farben.

Und weil wir das auch wissen, beschäftigen wir uns in dieser Predigtreihe mit den Farben.
Goethe ist ehrlich genug, uns darüber zu informieren, dass er den Text nicht alleine erfunden hat, sondern dass er zurückgeht auf den antiken Philosophen Plotin. Beide – Goethe und Plotin – halten es für wichtig, sich mit der Farbtheorie zu beschäftigen, wobei es ihnen nicht so sehr um die Physiologie geht, sondern vielmehr um die innere Welt des Menschen.
Die innere Welt – ein geheimnisvoller Ort des Schauens, Fühlens, Erkennens und Verstehens.
Ein innerliches Vermögen, das eng verbunden ist mit Religion. Das Herz gilt – schon bei den alten Ägyptern, aber auch bei den Autoren der Hl. Schrift – als innerliche Mitte des Menschen.
Die Griechen dann werden nicht das Herz, sondern den Geist zur Mitte des Menschen machen.
Auch gut – wir heute denken an beides, wenn es um das Innere des Menschen geht – sowohl das Herz als auch der Verstand spielen ihre Rolle.
Und Goethe bringt jetzt Farbe ins Spiel.
Warum beschäftigt sich ein Geisteswissenschaftler und Literat, wie Goethe es war, mit der Theorie von Farben? Genau aus diesem Grund wie es Plotin getan hat – es ging Goethe am Ende um die sinnlich erfahrbaren Erscheinungen des Lebens. Die Farben an sich sind nicht nur Farben, sondern sie drücken etwas aus und sie beeinflussen das menschliche Leben, den menschlichen Geist, das Innere des Menschen.
In seinem voluminösen Werk der Farbenlehre – es ist fast 600 Seiten dick – beschäftigt sich Goethe ausführlich mit der Theorie – er befasst sich mit der Beschaffenheit des menschlichen Auges, mit den Folgen von Hell und Dunkel, mit den Farbschattierungen. Darauf möchte ich in dieser Predigt nicht weiter eingehen.
Aber er spielt mit dem Wechselverhältnis von Wirklichkeit, von Realität, einerseits und der Erscheinung, der Idee andererseits. Denn beides gehört zusammen.
Er schreibt:
„Kenne ich mein Verhältnis zu mir selbst und zur Außenwelt, so heiß ich’s Wahrheit. Und so kann Jeder seine eigene Wahrheit haben, und es ist doch immer dieselbige.“
Also: Jeder von uns hat seine Vorstellung von Wirklichkeit, seinen Blick auf Farben. Und dennoch – auch wenn jeder ganz unterschiedliche Vorstellungen hat, jeder seine Interpretation dessen hat, was er für Wirklichkeit hält – am Ende ist die Wirklichkeit immer die Gleiche für alle von uns.
Das gilt auch für die Farbe, das Farbspektrum von hell und dunkel, von gelb und blau, von rot und grün. Helligkeit und Dunkelheit gehen ineinander über, auch Farben: Wenn man sie mischt, verändern sie sich – rot wird zu orange, orange zu grün, grün zu blau und blau zu rot etc.
Goethe versucht sogar zu zeigen, wie die einzelnen Farben auf das menschliche Gemüt einwirken.
Licht erfreut die Seele, Dunkelheit macht traurig. Weiß ist die Farbe der Freude, gelb ist die Farbe des Lichtes, rotgelb wirkt aufmunternd usw.

Und so schreibt Goethe in einem Brief über seine Farbentheorie:
„Wenn die gesunde Natur des Menschen als ein Ganzes wirkt, wenn er sich in der Welt als in einem großen, schönen, würdigen und werten Ganzen fühlt, wenn das harmonische Behagen ihm ein reines, freies Entzücken gewährt, dann würde das Weltall, wenn es sich selbst empfinden könnte als an sein Ziel gelangt, aufjauchzen und den Gipfel des eigenen Werdens und Wesens bewundern.“

Und da haben wir es wieder: Die Freude und das Jauchzen, so wie wir es beim Propheten Zefanja gehört haben:

„Juble Tochter Zion! Jauchze Israel!
Freu dich und frohlocke von ganzem Herzen, Tochter Jerusalem“

Sowohl Goethe als auch Zefanja stellen die Sinnfrage – die Frage nach dem Sinn des Lebens des Menschen.
Goethe geht es um die Lebensfreude, Zefanja geht es um die Befreiung/Erlösung.

Eine wirklich farbenfrohe Denkweise, die beide an den Tag legen und die uns helfen, die Freude am Leben zu gewinnen.

Amen!


Literatur:

Annette Haußmann / Peter Schüz, Zur Einführung. Die (Wieder-)Entdeckung der Welt, in: Diess. (Hrsg.), Die Entdeckung der inneren Welt. Religion und Psychologie in theologischer Perspektive, Tübingen 2021, 1-10.

Philippe Laügt, Der Prophet Zephanja, in: https://www.bibelkommentare.de/get/cmt.360.pdf

Wolfgang Peter, Goethes Farbenlehre. Eine Einführung, in: https://anthrowiki.at/images/c/cd/Goethes_Farbenlehre.pdf

GELB – Hoffnung wächst im Dunkeln

Predigt von Nicole Oster

Ich liebe Kerzen und das Licht, das sie verbreiten. Zu Hause habe ich einige Kerzen, viele zu schön anzusehen und manche sogar mehrmals, weil ich sie so schön finde. Ich finde es immer wieder faszinierend, dass eine kleine Kerze einen großen Raum erhellen und gemütlich machen kann. Oft braucht es nur ein Teelicht und alles ist heller, wärmer, hoffnungsvoller.

Wie schön wäre es, wenn das auch einfach mit der Welt und den Krisen funktionieren würde. Kerze anzünden und zack, eine Krise und Sorge weniger. Denn wenn ich mich so in der Welt umschaue und die Nachrichten lese, ist das viel Schwere, Kälte und Dunkelheit. Und da frage ich mich, wo da Licht oder Hoffnung herkommen soll…

So ähnliche Fragen und Sorgen dürften auch die Menschen beschäftigt haben, die zur Zeit der Abfassung des Evangeliums gelebt haben. Die Zerstörung Jerusalems und des Tempels, die Christenverfolgung,…und viele weitere Sorgen. Manche glauben, dass damit die Endzeit, die Apokalypse anbricht. Im Evangelium ist von Zeichen an Sonne, Mond und Sternen die Rede, vom T oben des Meere und Kräften des Himmels, die den Erdkreis erschüttern werden. In all dem Hoffnung zu bewahren, ist nicht leicht. Verständlich, dass die menschen das reich Gottes herbei sehnen.

Doch die Welt geht nicht unter. Jesus kommt nicht in einer Wolke vom Himmel. Doch ist er da, der Menschensohn. Wir haben seine Worte, die Zusage, dass er da ist und die heilige Geisteskraft. Wir haben Gemeinschaft und Zusammenhalt. Wie wir auch in der zweiten Lesung gehört haben: “Der Herr lasse euch wachsen und reich werden in der Liebe zueinander und zu allen, damit eure Herzen gestärkt werden.” Es klingt ein wenig pathetisch und zu einfach, zu sagen “love is the answer” und doch glaube ich daran.

Dass Liebe helfen kann, in Krisen nicht zu verzweifeln, sondern die Hoffnung zubewahren.
Dass Liebe die Dunkelheit besiegen kann. Wenn wir von der Hoffnung reden, sie verbreiten.

Der Zusammenhalt, die Verbindung und der Austausch mit Menschen ist das, was mir Hoffnung gibt und hilft, die Krisen zu überstehen, ja vielleicht sogar sie zu bekämpfen, dass sie kleiner werden.

Hoffnung wächst im kleinen, im Dunkeln. Und doch reicht eine kleine Kerze, um einen Raum zu erhellen.

Um es mit Worte von Albus Dumbledore zu sagen:

“Aber glaubt mir, dass man Glück und Zuversicht selbst in Zeiten der Dunkelheit zu finden vermag. Man darf bloß nicht vergessen ein Licht leuchten zu lassen.”

Glauben in krisenhaften Zeiten

Predigt am 33. Sonntag im Jahreskreis B

© Prof Dr. Ulrich Engel OP, Berlin


Liebe Studierende, liebe Gottesdienstbesucherinnen,
unzweifelhaft leben wir in krisenhaften Zeiten. Ob es die Kriege im Nahen Osten und in der Ukraine sind, ob die Angriffe auf die liberale Demokratie in Ungarn oder den USA, ob es um Hate Speech in den Sozialen Netzwerken geht oder um ideologisch festzementierten Rechtsextremismus, um Massenentlassungen in der Automobilindustrie und ihren Zulieferbetrieben geht, ob um das Erreichen des 1,5-Grad-Kipppunkts bei der Erderwärmung, um Fluchtbewegungen hunderttausender Menschen im und aus dem Globalen Süden, um den massenhaften sexualisierten oder spirituellen Machtmissbrauch in der katholischen Kirche, um zum Teil massive psychische Beeinträchtigungen, unter denen zunehmend mehr Jugendliche und Kinder leiden… – die Zahl der Krisen ist Legion. Und aufgrund ihrer medialen Allgegenwärtigkeit kann sich niemand ihrer Wirkung entziehen. Wir leben in krisenhaften Zeiten und merken das auch.

* * *

Frage: Gehen wir Christ*innen anders mit diesen großen Krisen um? Ich frage nicht, ob wir angesichts der multipolaren Konflikte bessere Lösungen zu bieten haben als andere.
Mich interessiert dabei vor allem unsere je persönliche Reaktion auf diese Krisen. Ganz konkret: Wie gehe ich als Christ*in mit Krisen um?

Sicher ist: Jeder Mensch hat andere Voraussetzungen und Muster, mit Krisen und existentiellen Bedrohungen umzugehen. Das hat mit meinem Charakter zu tun und mit meinen Lebenserfahrung. Frauen ticken oft anders als Männer – und Frauen auch anders als Frauen, und Männer anders als Männer. Ganz sicher spielt die Biographie eine entscheidende Rolle.

Aber bereits in meiner Kindheit wie auch in meinem Erwachsenenleben spielt mein Glaube dabei eine Rolle. Wobei ich „Glaube“ in diesem Zusammenhang ganz weit verstehe:
mein Glauben an das Gute im Menschen, mein Glaube an einen Sinn, der alles zusammenhält, mein Glaube an mich und meine Fähigkeiten, meine Kreativität und meine Begabungen. „Glaube“ meint hier vor allem „Vertrauen“.

Darüber hinaus kann aber auch mein Glaube an Gott und Jesus Christus Einfluss haben auf meinen Umgang mit Krisen prägen.

Liebe Gemeinde,
die heutige Perikope aus dem Markusevangelium (Mk 13,24–32) überliefert uns eine Rede, die Jesus im Tempel von Jerusalem gehalten hat. Dort, wo die prachtvolle Architektur des Tempels Unerschütterlichkeit und ewige Dauer suggeriert, spricht Jesus davon, dass sich die „Sonne verfinstert […] und der Mond […] nicht mehr scheinen [wird]; die Sterne werden vom Himmel fallen und die Kräfte des Himmels werden erschüttert werden.“

In der Bildsprache der Bibel bedeutet das: Alle verlässliche Ordnung wird erschüttert werden. Auf alles, worauf sich Menschen verlassen haben – Sonne, Mond, Sterne, die Gestirne zur Orientierung und Ordnung des Tages – steht in Frage. Nichts wird bleiben, wie es war.

Dieses Gefühl der Desorientierung kannten nicht bloß die Menschen des ersten nachchristlichen Jahrhunderts. Im Gegenteil: das Gefühl des Orientierungsverlusts kennen viele Menschen heute genauso – und erfahren es oft als noch größere persönliche Infragestellung: z.B. wie in Spanien, wo im Raum von Valencia viele Familien Hab und Gut und Angehörige oder Freunde in den Wassermassen verloren haben – genauso wie sie in Folge davon viel von ihrer selbstverständlichen Sicherheit im Leben verloren haben. Corona hatte zuvor schon den Alltag vieler, besonders junger Menschen, verunsichert. Und anderswo auf der Welt ist es gang und gäbe, dass Menschen damit zurecht kommen müssen, dass da kein stabiler Staat existiert, der ihnen und ihren Kindern Sicherheit gibt.

Das Gefühl der Desorientierung verbindet uns Einwohner*innen Berlins im 21. Jahrhundert auf direktem Wege mit den Menschen der Bibel.

Liebe Gemeinde,
im Angesicht des Tempels in Jerusalem, der doch so viel Solidität und Sicherheit ausstrahlt, ruft Jesus solche Bilder und Erfahrungen der Orientierungslosigkeit und des Chaos
auf. Und trotzdem vertraut er auf Gott.

Was lesen wir im Evangelium über dieses Vertrauen?

  1. Jesus vertröstet nicht auf den Himmel. Statt dessen orientiert er sich am Himmel. Das macht den Unterschied aus. Vertröstung verschiebt Lösungen in eine unbekannte Zukunft – nach dem Motto: „… später mal!“ Orientierung hingegen greift jetzt. Hier und heute. Ganz konkret: in meinem Studienalltag, in meiner Partnerschaft, in meiner
    WG…
  2. Jesu lässt sich ganz auf seine Zeit und Welt ein und ist in seinen Gebeten und Gedanken doch jederzeit mit dem Himmel verbunden. Das ist doch das Zentrum unseres glaubenden Vertrauens in Gott: Gott selbst ist in dem Baby von Bethlehem Mensch geworden. In allem Chaos und aller Orientierungslosigkeit kö nnte „glauben“ dann bedeuten: an der Seite Jesu Gott, seinem und unserem Vater vertrauen.
  3. Zu keiner Zeit ist es Christ*innen leichtgefallen, diese Spannung auszuhalten. Wir leben hier, aber „unsere Heimat ist im Himmel“ (Phil 3,20). So heißt es im Brief des hl. Paulus an die Gemeinde in Philippi.

Wie geht das? Vielleicht so:

  • Wir bauen an Strukturen, planen Projekte, organisieren unser Miteinander in Staat, Gesellschaft und Kirchen – und vertrauen zugleich darauf, dass Gott mehr für uns bereit hält, nicht zuletzt dann, wenn unsere tollen Pläne und unsere ehrgeizigen Projekte scheitern.
  • Wir teilen mit allen anderen Menschen auf diesem Planeten Angste und Sorgen – aber wir üben uns ein in Vertrauen, das darauf setzt, dass Gott und seine Liebe am Ende das letzte Wort behalten und eben nicht das Chaos.

Die Spannungen bleiben enorm. Trotzdem bin ich ganz tief in meinem Herzen davon überzeugt, dass Gott uns hilfreich zur Seite geht, wenn wir – wo und wie auch immer – gefordert sind, solche Spannungen auszuhalten.1

Amen.


1 Meine Predigt greift zurück auf eine Vorlage von P. Martin Löwenstein SJ aus dem Jahr 2021 und schreibt diese für den aktuellen Kontext weiter: https://martin-loewenstein.de/predigt-33-sonntag-im-jahreskreis-b-2021.html [Aufruf: 09.11.2024].