Nichts gefunden?
Es gilt das am 12. Juli 2026 in St. Augustinus, Berlin gesprochene Wort.
Kennt ihr das Gefühl, durch Netflix oder Spotify zu scrollen? Tausende Serien. Millionen Songs. Eigentlich müsste etwas für dich dabei sein. Und trotzdem denkst du: „Nee, heute finde ich irgendwie nichts.“
Genau so geht es mir im Angesicht dieser Fülle, die uns in den heutigen Bibeltexten entgegenkommt.
Ich glaube, so geht es vielen Menschen. Man hört Geschichten aus der Bibel und denkt: „Schön – für andere. Aber was hat das mit meinem Leben zu tun?“
Jesus erzählt heute vom Sämann. Er wirft die Samen einfach aus. Überall. Manche landen auf dem Weg. Manche auf Steinen. Manche zwischen Dornen. Und manche auf gutem Boden.
Spannend ist: Der Sämann macht keinen Unterschied. Er sagt nicht: „Du bist geeignet. Du nicht. Bei dir lohnt es sich. Bei dir nicht.“ Er sät einfach.
Manche nennen dieses Gleichnis, das Gleichnis von der Verschwendungsliebe Gottes.
Denn genau so ist Gott.
Gottes Wort ist nicht nur für Menschen, die immer alles richtig machen. Nicht nur für die, die jeden Sonntag in der Kirche sitzen, sich in der Gemeinschaft engagieren. Nicht nur für die, die schon genau wissen, woran sie glauben.
Gottes Wort ist für alle.
Und das Schöne ist: In Gottes Reich ist wirklich für jeden etwas dabei. Mal mehr, mal weniger.
Der eine hört in einer Geschichte die Einladung zur Hoffnung.
Die andere entdeckt Trost.
Jemand merkt plötzlich: Ich muss vergeben.
Ein anderer spürt zum ersten Mal: Ich bin gemeint. Ich bin geliebt.
Dasselbe Evangelium. Aber Gott spricht jeden Menschen anders an.
Das kennen wir auch aus unserem Alltag.
Nicht jeder Song trifft jeden.
Nicht jedes Buch begeistert alle.
Nicht jedes Video geht viral.
Aber manchmal kommt genau dieser eine Satz.
Dieses eine Lied.
Dieser eine Moment.
Und plötzlich denkst du:
„Das war genau das, was ich gerade gebraucht habe.“
So wirkt Gottes Wort.
Nicht immer laut.
Nicht immer sofort.
Aber oft genau im richtigen Moment.
Darum sagt der Prophet Jesaja heute etwas unglaublich Hoffnungsvolles:
Wie Regen auf die Erde fällt und sie fruchtbar macht, so kehrt Gottes Wort nicht leer zu ihm zurück.
Das heißt: Gott redet nie ins Leere und alles hat einen Sinn.
Auch wenn wir denken:
„Ich habe heute nichts verstanden.“
„Die Predigt ist langweilig.“
„Die Bibel ist kompliziert.“
Vielleicht fällt gerade in diesem Moment ein kleiner Same in dein Herz.
Und Samen brauchen Zeit.
Niemand wird ungeduldig neben einem Apfelbaum stehen und rufen:
„Los! Wachs schneller!“
Wir wissen: Das dauert.
Aber warum erwarten wir das von unserem Glauben?
Manchmal wollen wir sofort Antworten.
Sofort Klarheit.
Sofort ein Wunder.
Gott arbeitet anders.
Leise.
Geduldig.
Von innen heraus.
Paulus schreibt sogar, dass die ganze Schöpfung auf ihre Vollendung wartet.
Auch das gehört zum Glauben: Warten.
Nicht, weil Gott langsam ist. Sondern weil echtes Leben wachsen muss.
Und dafür braucht es noch etwas: Mut. Mut, überhaupt zuzuhören.
Denn ehrlich: Unser Leben ist ziemlich laut.
Handy.
Nachrichten.
Social Media.
Termine.
Stress.
Meinungen.
Konflikte.
Da geht Gottes Stimme leicht unter.
Vielleicht ist die größte Herausforderung heute gar nicht, mehr zu reden.
Sondern still genug zu werden, um zu hören.
Was möchte Gott mir heute sagen?
Nicht meinem Sitznachbarn.
Nicht meinen Eltern oder Großeltern.
Nicht den Leuten, die „das dringend mal hören müssten“.
Nein, mir. Was möchte Gott MIR heute sagen?
Denn irgendwo in diesem großen Feld von Gottes Wort liegt genau der Same, den ich heute brauche.
Vielleicht ist es Hoffnung.
Vielleicht Vergebung.
Vielleicht ein Neuanfang.
Vielleicht einfach die Zusage: „Du bist nicht allein.“
In Gottes Reich ist für jeden und jede etwas dabei.
Aber wir können diesen Schatz nur entdecken, wenn wir ihm eine Chance geben – mit Geduld und mit dem Mut, wirklich hinzuhören.
Vielleicht verändert ein einziger Same nicht sofort dein ganzes Leben.
Aber jeder große Baum war einmal ein kleiner Samen.
Und vielleicht beginnt Gott genau heute etwas ganz Neues in dir.
Wer Ohren hat, der höre und lass es wachsen!
Amen.
