Bild: Mario Dobelmann / unsplash

Zwischen Tradition und Neuaufbruch

© Felix Meckl
Es gilt das am 23. August 2026 in St. Augustinus, Berlin gesprochene Wort.
As delivered on August 23, 2026, at St. Augustinus, Berlin.

Liebe Schwestern und Brüder im Glauben,

In Antiochien wurden die Jünger zum ersten Mal Christen genannt. Das geschah in den Jahren zwischen 40 und 45. Also mindestens sieben Jahre nach Tod und Auferstehung Jesu, nach Angst, Pfingsten und Neuorientierung. Mindestens sieben Jahre nach Aufbruch und Missionsbeginn. Ja, manches braucht Zeit. Besonders Veränderungen brauchen Zeit.

Wenn eine Naturkatastrophe, wie ein Erdbeben, ein Tsunami oder ein Tornado zuschlägt, dann kommt die Veränderung zu schnell. Wir werden erschüttert. Emotionen überwältigen uns. Erwartungen werden durcheinandergewirbelt.

Aber wenn Veränderungen mit Vorankündigung geschehen, dann können wir uns darauf einstellen. Wir können uns vorbereiten. Wir können Vertrauen aufbauen, zusammenkratzen was da ist an Glaube, Liebe, Hoffnung.

Von all dem erzählen uns die heutigen Lesungen.

Es beginnt mit der Ankündigung Gottes an den Palastvorsteher Schebna. Er war einer der mächtigsten Männer seiner Welt. Er trug wertvolle Kleider und viele Auszeichnungen, damit jeder seine machtvolle Stellung sehen konnte. Er verwahrte die Schlüssel, öffnete und schloss Tore und Türen der Stadt, der öffentlichen Gebäude, des Palastes. Er fühlte sich wichtig, erhaben über die Meinungen und Erwartungen der einfachen Leute. Maximal dem König war er unterstellt. Doch der war fern, oft nicht da, vertraute seinem Palastvorsteher und darauf, dass alles gut ablaufen würde.

Diese Sicherheit stört Gott!

„Ich werde dich von deinem Posten stoßen und dich aus deiner Stellung reißen.“ Ob wir hier einen gewaltvollen unfairen Gott erleben oder einen milden Vater liegt wie so oft am eigenen Gottesbild.
Die Botschaft ist jedoch klar: Fühle dich in deiner Welt nie auf ewig sicher! Hüte dich vor falscher Sicherheit! Bleibe offen für Gottes Entwicklungen!

Das Evangelium knüpft hier direkt an:

„Für wen halten die Menschen den Menschensohn? (fragt Jesus seine Jünger und) sie sagten: Die einen für Johannes den Täufer, andere für Elíja, wieder andere für Jeremía oder sonst einen Propheten.“

Dieses rein Wiedergekäute genügt Jesus nicht. Deshalb fragt er weiter:
„Ihr aber, für wen haltet ihr mich?“

Da diesmal nicht die Jünger als Sprechende auftreten, sondern nur Petrus, dürfen wir vermuten, dass die anderen schwiegen, verunsichert waren, überfordert von Jesu Frage nach der persönlichen Meinung. Kurzum: nicht bereit für eine Veränderung. Nur Petrus ist so weit. In ihm ist etwas gewachsen.

Petrus ist hier nicht der superkreative Inventor. Denn, ich erinnere euch daran, als Petrus von seinem Bruder Andreas berufen wird, Jesus kennenzulernen und ihm nachzufolgen, da sagt Andreas seinem Bruder genau das: „Wir haben den Messias gefunden.“

Doch in der heutigen Perikope macht Petrus etwas ganz Entscheidendes, was für das Selbstverständnis und für die Zukunft der Jüngerschaft Jesu von herausragender Bedeutung sein wird:
Er übersetzt das hebräische Wort „Messias“ und damit die gesamte jüdische Bedeutung in eine neue Sprache und noch dazu in die aktuelle Realität, in der die Jünger sich gerade befinden.
„als Jesus in das Gebiet von Cäsaréa Philíppi kam“. Dort sprach man Griechisch und Latein, lebte eine eher unjüdische Kultur.

Der einfache jüdische Fischer vom See Genezareth, Simon Bar Jona, der als Sohn seines Vaters definiert wurde, Bar Jona, Sohn des Jona, und als Berufener durch seinen Bruder auftrat, wird zum lateinischen und damit römischen Petrus, zum Felsen auf dem Jesus seine Kirche erbaut sehen will. Hier schimmert der pfingstliche Missionsauftrag durch!

Jesus will die Verwurzelung im Alten. Aber noch mehr will er den mutigen und offenen, den toleranten und selbstbewussten Aufbruch ins Neue. Worte schaffen Realität!

Liebe Mit-Suchende,

Veränderungen gehören zum Leben dazu. Sie machen unsere Welt aus und müssen auch unseren Glauben ausmachen. Das lehren uns die Texte dieses 21. Sonntages.

Was wir binden, wird gebunden sein. Was wir lösen, wird gelöst sein. Aber nur, wenn wir in Jesu und Petri Schuhen stehen: die Zeichen der Zeit lesend die Traditionen neu bewerten und für andere mutig und voller Gottvertrauen ins Neue hinübergehen.

Lasst uns in diesem Sinne miteinander Christen sein!

Bild: Rémi Walle / unsplash

Himmel im Alltag: Was Maria uns wirklich lehrt

© P. Felix Meckl
Es gilt das am 16. August 2026 in St. Augustinus, Berlin gesprochene Wort.
As delivered on August 16, 2026, at St. Augustinus, Berlin.

Liebe Brüder und Schwestern,

Für eine Himmelfahrt Marias gibt es keinen biblischen Beleg. Es ist deshalb kein gänzlich ökumenisches Fest. Denn die eher biblisch orientierten Christen, also die meisten Kirchen der Reformation, feiern es nicht. Sie lehnen die dogmatische Überhöhung der Gottesmutter ab. Auch wenn hier ein Stachel im Fleisch der von Jesus erflehten Einheit seiner Christinnen und Christen schmerzt, feiere ich dieses Fest gerne.

Vielleicht erleben wir ja noch den Tag, an dem wir Römer manche Dogmen zurückstellen, damit andere das ökumenische Potenzial dieses Festes erkennen, wertschätzen und es deshalb gerne mitfeiern können; auch wenn es keinen biblischen Beleg für die Himmelfahrt bzw. die Aufnahme Mariens mit Leib und Seele in den Himmel gibt.

Weil ein Beleg fehlt, greift das Evangelium der heutigen Messe auf die Heimsuchung Elisabeths durch Maria zurück. Das mag zunächst überraschen: Wir feiern Maria in der Herrlichkeit des Himmels und begegnen ihr im Evangelium beim Dienst an ihrer Verwandten Elisabeth. Doch gerade darin liegt eine zentrale Botschaft des Festes.

Papst Franziskus sagte beim Angelus-Gebet 2023: „Es ist die Liebe, die das Leben in die Höhe hebt. Wir wollen unseren Brüdern und Schwestern dienen, und gerade durch diesen Dienst werden wir aufsteigen.“
Der Weg Mariens zum Himmel führt über die Liebe im Alltag.

Dass das Leben von Maria von liebevollem Dienst geprägt und ausgefüllt war, ist biblisch deutlich belegt: Ihre Bereitschaftserklärung gegenüber dem Engel, ihr mutiges Aufbrechen, ihr sich Fügen in der Zeit von Verfolgung und Flucht bis hin zu allen Begegnungen mit ihrem Sohn.

Maria liebt ihn, liebt ihre Familie, liebt für sich und andere wider alle Zweifel, gesellschaftliche Enge und negativen Impulse.

Das heutige Fest lehrt uns also, am Beispiel Marias, der einfachen Frau aus dem Volk, dass der Weg in den Himmel ein Weg der Liebe ist. Wenn Maria für uns „nur“ – in deutlichen Anführungszeichen gesetzt – eine einfache Frau aus dem Volk ist, ist diese Haltung besonders. Wenn Maria „im ersten Augenblick ihrer eigenen Empfängnis durch ein besonderes Gnadengeschenk Gottes vor jedem Flecken der Erbsünde bewahrt blieb.“, verkommt ihr mutiger Dienst und ihr konsequenter Weg der Liebe zu einer logischen unfreien Konsequenz. Das finde ich schade! Beschädigt es doch eher Marias mutiges Agieren und ihr liebe- und vertrauensvolles Verhältnis zu Gott. Doch gerade darin – davon bin ich überzeugt – liegt der Kern ihres Vorbildseins für uns einfache Menschen aus dem Volk.

Das Evangelium zeigt noch eine zweite Besonderheit Marias, die ihr nach einem erfüllten Leben den Weg zum Himmel eröffnete, vielleicht sogar schon im Leben ermöglichte: ihre Haltung zum Lobpreis.

Kaum ist Maria bei Elisabeth angekommen, dankt sie Gott für das, was er in ihrem Leben getan hat: „Meine Seele preist die Größe des Herrn und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter. Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut. (…) Denn der Mächtige hat Großes an mir getan.“

Hier greift Maria, die junge jüdische Frau, auf den Propheten Jesaja zurück. Sie zitiert ein uraltes Lobpreisgebet ihrer Tradition und bezieht es auf sich. Und das ist das besondere!

Maria repetiert nicht einfach nur alte Gebete, überlieferte Traditionen. Sie aktualisiert den alten Lobpreis, holt ihn in die Gegenwart, spricht sich selbst und anderen Mut zu, indem sie es wagt sich selbst in eine Beziehung zu bringen mit dem alten ewigen und oft so fern erscheinenden Gott.

„So ein Lobpreis ist wie eine Leiter: Er hebt die Herzen in die Höhe“, sagte Papst Franziskus. Wer dankt und Gott lobt, baut eine Brücke zwischen Himmel und Erde, zwischen dem Göttlichen und dem Menschlichen, zwischen frommer Hoffnung und nackter Lebensrealität.

Liebe Schwestern und Brüder auf dem Weg

Mit ihrem ganzen Leben und Sein möchte Maria Gott groß machen. Das zeigt sie in ganz vielen Momenten ihres Lebens, von denen uns die wichtigsten überliefert sind. Und obwohl sie sich so klein macht und fügt, wird sie dadurch selbst nicht kleiner. Im Gegenteil.

Papst Benedikt XVI. predigte anlässlich dieses Hochfestes, ganz von Augustins Gnadenlehre und Menschenbild erfüllt: „Wenn Gott groß ist, sind auch wir groß.“

Gott nimmt uns nichts von unserer Freiheit und unserem Lebensraum. Schon gar nicht, wenn er uns einlädt ihm zu dienen. Seine Gegenwart weitet unser Leben. Sein Ruf lässt uns aufblicken und lenkt uns zielstrebig dem Himmel entgegen.

Das Fest der Aufnahme Mariens in den Himmel zeigt daher allen Menschen guten Willens einen Weg zu Gottes wunderbaren Himmeln: dienen und loben, lieben und danken.
Christus ist der Weg; Maria ist ihn uns als Vorbild vorausgegangen; Gott selbst begleitet uns auf ihm.

Bild: Alex Jackmann / unsplash

Hoffnung. Immer noch und immer wieder neu

© Nicole Oster
Es gilt das am 02. August 2026 in St. Augustinus, Berlin gesprochene Wort.
As delivered on August 2, 2026 at St. Augustinus, Berlin.

Fünf sind geladen, zehn sind gekommen. Gieß Wasser zur Suppe, heiß alle willkommen.
So könnte man auch das heutige Evangelium zusammenfassen.
Das wäre eine kurze Predigt und wir kämen schneller zum Essen
Aber wäre doch ein wenig zu einfach und wird dem Evangelium nicht gerecht.
Schauen wir auf den Ausgangspunkt des Evangeliums.
Wenige Verse vorher wird von der Enthauptung Johannes des Täufers berichtet. Johannes, der für viele eine Hoffnungsfigur war und für den Messias gehalten wurde.
Das Volk braucht neue Hoffnung. Am Anfang steht Verzweiflung, Trauer und Sorge. Auch Jesus von Trauer erfüllt, sucht eigentlich die Abgschiedenheit des Berges zur Trauer, zum Beten.
Aber das Volk sucht ihn, seine Worte, neue Hoffnung.
Er hätte auch wegschicken können, sich zurückziehen, die Jünger vorschicken. Aber er widmet sich dem Volk. Hat Mitleid, heilt und hört bestimmt auch zu, erzählt. Denn er fühlt mit ihnen, fühlt, dass sie Hoffnung, Trost, Zuspruch brauchen.
Jesus merkt die Trauer der Menschen, was sie von ihm erwarten, und vielleicht merkt er bei sich innen auch, dass ihm Gemeinschaft doch gut tut.
Miteinander das Schwere aushalten, teilen und gemeinsam wieder Hoffnung schöpfen.
Das ist die Hoffnung, von der auch Paulus in der Lesung geschrieben hat. Die Gewissheit, dass nichts uns von der Liebe Gottes trennen kann.
Die Hoffnung und das Vertrauen auf Gottes Liebe. Als Christen haben Verzweiflung, Resignation, Angst nicht das letzte Wort. Das ist unsere Basis, die Grunderfahrung von Gott geliebt zu sein.
Das bedeutet nicht, dass ich schweren Momenten etwas positives abgewinnen muss.
Da wäre Beschönigen. Trauer hat ihren Platz. Auch Angst und Verzweiflung. Es gibt Momente in unseren Leben, die einfach bescheiden sind. Die wir aushalten müssen.
Wie das Attentat auf den CSD, der Verlust eines Elternteils, wenn ich die Politik und das Weltgeschehen so beobachte- Weltschmerz spüre. Diese Gefühle haben ihren Platz.
Ich darf trauern, zweifeln, Angst haben – aber diese Gefühle behalten nicht die Oberhand.
Denn da ist die Hoffnung, dass wieder Licht kommt. Die Grunderfahrung von Gott geliebt zu sein. Das ist der Anhaltspunkt für unsere Hoffnung
Dies Hoffnung gibt mir auch den Mut aufzustehen, ganz aktuell im Blick auf das letzte Wochenende, das Attentat auf den CSD. Auch da trägt mich die Hoffnung, macht mir Mut aufzustehen, gegen Instrumentalisierung von Politik und auch von katholischen Priestern, die das Attentat als Zeichen Gottes gegen die queere Communitiy auslegen. Die Hoffnung gibt mir Mut, für die Liebe und das Leben einzustehen.
Die Hoffnung, die wir Christen haben, verneint nicht die Trauer oder die Angst.
Die Hoffnung zeigt uns einen Weg, bringt Licht und macht Mut.
Wir dürfen zweifeln, trauern, Angst haben, uns auch zurückziehen- doch die Basis der Liebe Gottes, die Hoffnung auf eine gute, bessere Zukunft bleibt.
So wie Jupiter Jones in einem Lied singen „du fragst auf das Leben“ und ich sag „immer noch“. Ich habe immer noch Hoffnung, Hoffnung auf eine Welt, wie sie Gott verheißt, eine Welt, die gut ist, voll Hoffnung und Liebe.
Diese Hoffnung ist was Jesus der Menschenmenge mitgibt, zurückgibt. So wie Jesus dem Volk, Männer, Frauen und Kindern Hoffnung zurückgibt
Gemeinsam trauern sie und schöpfen wieder neue Hoffnung.
Durch Gemeinschaft, zuhören und gemeinsames Essen – sie sind eingeladen zum Bleiben, denn bei Jesus ist für alle Platz
Jede*r ist willkommen; Keine Türsteher, die Leute wegschicken; offene Türen und Herzen.
Das ist auch, was wir Sonntags feiern
Die Gemeinschaft
Wir alle, die wir zusammen kommen
Mit unseren Gefühlen – so ganz unterschiedlich bilden eine Gemeinschaft und teilen: Brot & Wein, Gefühle, Sorgen, Hoffnungen.

Komm wie du bist
Und bring alles an dir mit
Komm wie du bist
Hier ist Platz für dich
Amen.

Bild: Michael Dziedzic / unsplash

Neues und Altes aus dem Schatz des Himmelreichs

© Felix Meckl
Es gilt das am 26. Juli 2026 in St. Augustinus, Berlin gesprochene Wort.
As delivered on July 26th, 2026 at St. Augustinus, Berlin.

Liebe Brüder und Schwestern im Glauben,
das eben gehörte Evangelium war der Abschluss der sogenannten Gleichnisrede Jesu. Aus ihr hatten wir bereits die letzten beiden Sonntage als Evangelien gehört.
Darin verglich Jesus das Reich Gottes mit dem verschwenderischen Aussäen Gottes ohne dabei Rücksicht zu nehmen auf die Beschaffenheit des Bodens. Es folgte das Gleichnis vom Senfkorn, das das höchste Potenzial zum Wachsen hat. Wir erinnern auch das Gleichnis vom Sauerteig, auf das wir uns fragen konnten: was durchsäuere ich mit Hoffnung?
Im heutigen Abschnitt hörten wir drei weitere Gleichnisse vom Reich Gottes: der Schatz im Acker, die schöne Perle und der übergroße Fischfang. Alle drei mögen wieder wenig mit unserem Alltag zu tun haben, doch wirken ihre bildhaften Worte fort, lassen sich gut adaptieren auf unser aller Leben und Situation.
Beim Schatz im Acker finde ich es sehr beeindruckend, dass der Mann auf einem fremden Acker sucht und dort unverhofft sein Glück findet. Im übertragenen Sinn darf das also bedeuten, dass wir unsere Komfortzone verlassen müssen, um das Reich Gottes zu finden?
Unser Gott ist ja ein Gott der Weite und der Freiheit. Da finde ich es wenig überraschend, wenn er uns dazu einlädt, out-of-the-box zu denken und zu handeln.
Auch, dass er den Mann bedächtig sein lässt, finde ich sehr stimmig. Gott will keinen Diebstahl oder vorschnellen Aktionismus, der dann umso schneller wieder abflaut, wenn die Probleme des Alltags sich einstellen.
Unser Gott hat einen langen Atem – von Ewigkeit zu Ewigkeit – und will uns mit hineinnehmen in seine geduldige Ruhe und nachhaltige Handlungsweise. Still und gewissenhaft zu dienen, lebt Gott uns vor, immer wieder. Die lauten, schrillen Unheilspropheten entlarven sich also mit ihrem Tun selbst. Das Reich Gottes ist ein Reich der lebendigen Beschaulichkeit.
Im Gegensatz zum Ackerkäufer agiert der Kaufmann im zweiten Gleichnis ohne dabei große Freude zu erleben. Ob der Evangelist es bewusst oder unbewusst nur dem einen zugeschrieben hat, weiß ich nicht, finde ich aber spannend.
Das Reich Gottes darf also auch emotionslos gefunden werden?
Auch dass der Perlenhändler „schöne Perlen“ sucht und dabei eine „besonders wertvolle Perle“ findet, macht mich neugierig. Ist das Reich Gottes vielleicht weniger schön als wertvoll? Oder ist alles Schöne zugleich wertvoll? Gott kann doch nicht so oberflächlich sein, oder?
Und beim dritten Gleichnis fischt Jesus – im wahrsten Sinne des Wortes – in seinem Terrain. Er war zwar Zimmermann, aber die meisten seiner Freunde waren Fischer. Für sie bedeutete so ein volles Netz wirtschaftliche Sicherheit, einen guten Tag und das Aussortieren war natürliche Arbeit.
Hier macht Jesus noch einmal klar, dass nicht sie als (Menschen-)Fischer für das Aussortieren zuständig sind, sondern Gott selbst seine Engel senden wird. Im Reich Gottes richtet nur ER; nicht wir! Das sollte Kirche sich immer vor Augen halten…
Am bedeutsamsten für uns Christinnen und Christen finde ich jedoch das vierte und letzte Gleichnis, das so versteckt daherkommt. Wir überhören es vielleicht vorschnell, weil wir noch am Schreckensbild von „Heulen und Zähneknirschen“ hängen. Aber es steht da, gehört ganz klar zur Gattung der Gleichnisse und dient erstmals uns, die wir mit 2000 Jahren Kirchengeschichte auf dem Buckel am Reich Gottes mitbauen. Vers 52 lautet:
„jeder Schriftgelehrte, der ein Jünger des Himmelreichs geworden ist, gleicht einem Hausherrn, der aus seinem Schatz Neues und Altes hervorholt.“
Die Schrift zu kennen, ist also eine Grundvoraussetzung zum Verständnis des Reiches Gottes. UND: man muss ein Jünger respektive eine Jüngerin des Himmelreiches geworden sein. Und wenn dieses zusammenfällt, dann wird man zum Hausherren respektive zur Hausdame. Aber damit noch nicht genug: man wird zu einer besonderes Führungskraft! Nämlic zu jemanden, der aus dem was er hat – Wissen über die Schrift und Verständnis vom Reich Gottes – aus diesem Schatz, holt man Neues und Altes hervor. Neues und Altes. Nicht Altes und Neues. Neues und Altes. Wow! Was für ein Schlusswort, hm?
Also, liebe Schwestern und Brüder der Hoffnung,
lasst uns lernen, was in der Schrift steht und lasst uns erkennen, wie Gottes Reich aussieht. Wie es aus der kleinsten Geste heraus wächst und gedeiht für einen selbst und andere, wie wir Hoffnung einpflanzen können als Sauerteig des Herrn und dass wir alles wachsen lassen sollen, ohne vorschnell einzugreifen.
Gott sät großzügig was sein Reich ausmacht und es wächst mitten unter uns. Nehmen wir das Neue wahr und holen wir zudem auch das Alte hervor. Nicht um es gegeneinander aufzuwiegen, sondern um bei allen Menschen die Einsicht zu wecken: Gott ist immer bei uns und hört auf die aufrichten Bitten eines weisen und hörenden Herzens. Das schenke euch Gott!
Amen.

Bild: ross tek / unsplash

Für Schwestern und Brüder in der Ungeduld

© P. Felix Meckl
Es gilt das am 19. Juli 2026 in St. Augustinus, Berlin gesprochene Wort.
As delivered on July 19, 2026 at St. Augustinus, Berlin.

Liebe Schwestern und Brüder im Glauben,
das eben gehörte Evangelium ist die direkte Fortführung des Evangeliums vom letzten Sonntag. Darin hörten wir, dass Jesus in ein Boot gestiegen war, um zur großen Menschenmenge zu sprechen, die sich aus Neugier wegen ihm am Ufer des Sees Genezareth versammelt hatte.
Jesus arbeitete viel mit Gleichnissen, aber in dieser Passage bündelt der Evangelist eine ganze Reihe dieser Geschichten, um Jesu Hauptanliegen zu thematisieren, nämlic die Ausbreitung des Reiches Gottes oder auch des Reiches der Himmel, wie es oft übersetzt wird.
Auch wenn die von ihm vor fast 2000 Jahren verwendeten Bilder heute nur noch wenig mit unserem Alltag zu tun haben, behalten sie durch die Bildhaftigkeit ewigandauernde Bedeutung. Gehen wir daher das heutige Evangelium, versehen mit dieser hermeneutischen Brille, noch einmal durch:
Mit dem Himmel ist es, wie
– Mit einem Mann, der guten Samen auf seinen Acker säte.
Wer ist dieser Mann? Wer ist dieser Mann in meinem Leben? Kann es auch eine Frau sein? Oder alle dazwischen und außerhalb?
STILLE, ca. 15 Sekunden
Welche Samen werden da gesät? In MEINEM Leben? Und was bedeutet gut? Gut für MICH? Gut für mein Umfeld? Gut für die Ausbreitung des Gottesreiches? Hat das etwas mit mir zu tun? Bin ich denn ein Acker Gottes? Bzw. WILL ich das sein?
STILLE, ca. 15 Sekunden
Wer ist der Feind? Was ist dessen Unkraut in meinem Leben? Welche „Knechte“ – in Anführungszeichen – dienen welchem Gutsherrn in meinem Leben? Also wer kümmert sich um MICH? Wer spricht in meinem Namen/bringt meine Sorgen und Nöte ins Wort?
STILLE, ca. 15 Sekunden

Dann das zweite Gleichnis: der Samen ist jetzt ein Korn, ein Senfkorn? „Das kleinste von allen Samenkörnern“, wie Matthäus seinen Jesus erklärend dazusagen lässt. Das Senfkorn mag das Kleinste sein, doch hat es aber auch das höchste Potenzial. Denn der sogenannte Echte Senfbaum (Salvadora persica), der sogar in den Trockengebieten des Nahen Ostens beheimatete Baum oder große Strauch wächst typischerweise 6 bis 7 Meter hoch, kann aber in seltenen Fällen Wuchshöhen von bis zu 10 Metern erreichen. Zudem konnte nahezu alles von diesen Gewächsen verarbeitet werden: es war eine wichtige Koch- und Heilpflanze, brachte also Lebensfreude und Heilung.
Was ist MEIN kleinstes Senfkorn? Hoffnung? Was hat bei mir Potenzial? Was bringt mir Lebensfreude UND Heilung?
STILLE, ca. 15 Sekunden
Wer nistet in meinen Ästen? Wo bin ich Sauerteig? Welches Mehl nutze ich als Nährboden für noch Größeres?
STILLE, wenige Sekunden

Liebe Schwestern und Brüder in der Ungeduld,
die Gleichnisse Jesu haben ein großes Potenzial: sie sind ewiggültig und können für jede und jeden von uns unterschiedliche Bedeutung haben.
Bei unserem Denken, Reden und Tun sind sicher viel „gute Frucht“ und viel „Unkraut“ dabei. Aber selbst das lässt Gott wachsen. „Der Geist nimmt sich unserer Schwachheit an.“ Vermittelt, und trägt unsere „unaussprechlichen Seufzer“ direkt vor Gott. Paulus schrieb das auch der ungeduldigen Gemeinde in Rom.
Doch neben dieser inhaltlichen Beruhigung lehren uns die Gleichnisse noch drei sehr entscheidende Dinge:
1. Kraut und Unkraut dürfen gleichzeitig sein und sind bei jedem von uns unterschiedlich. Also Gleichzeitigkeit und Verschiedenheit. Beide erfordern Toleranz.

2. Beides darf, soll und muss wachsen, damit man es besser oder überhaupt erst unterscheiden kann. Wir Christinnen und Christen brauchen Geduld; und zwar eine ganze Menge davon.
Und
3. Schnitter in unserem Wildwuchs sind die Engel. Kein Freund Jesus, kein Teufel, schon gar nicht ich mir selbst oder noch schlimmer, ich einem anderen? Gott selbst wird – wenn die Zeit gekommen ist – urteilen, scheiden, verarbeiten.
Und das, liebe Freunde der Ungeduld, braucht Vertrauen.
Amen.

Bild: Susanna Marsiglia / unsplash

Verschwenderisch und locker säen!

© Karen Siebert
Es gilt das am 16. Juli 2026 in der KHSB gesprochene Wort.

Liebe Kolleg*innen, liebe Studierende,

macht es Sinn, so zu säen wie der Sämann im Gleichnis?

Ich habe mich – mithilfe von ChatGPT – schlau gemacht.

Damals in der Antike war es die übliche Sämethode. Man hat weiträumig gesät, den Boden relativ wenig bearbeitet und dann die Natur machen lassen.  Auf die Frage, ob es heute noch Sinn mache, so auszusähen wie der Sämann hat ChatGPT eine eindeutige Antwort: Es sei ineffizient und führe zu hohen Verlusten und geringen Erträgen.

Heute setzt man auf Präzision statt Breitwürfigkeit. Die Samen werden in Reihen oder mit Einzelkornsaat platziert, um Platz, Nährstoffe und Wasser optimal zu nutzen. So minimiert man Verluste und steigert den Ertrag. Vor der Aussaat wird der Boden gelockert, gedüngt und von Unkraut befreit.

Je nach Methode (z. B. Pflug, Mulchsaat, Direktsaat) wird der Boden unterschiedlich bearbeitet, um optimale Keimbedingungen zu schaffen. Bei der  Aussaattechnik kann man wählen z.B. zwischen Direktsaat, Vorkultur, Reihensaat etc.

Sämaschinen sorgen für gleichmäßige Verteilung, richtige Tiefe und Abstand. Das Saatgut und die passende Methode werden nach Boden, Klima und Pflanzenart ausgewählt.  So wird z. B. auf trockenen Böden früher gesät, um Feuchtigkeit zu nutzen, oder auf erosionsgefährdeten Flächen mit Mulch gearbeitet. Zudem wird gezielt bewässert, gedüngt und Unkraut bekämpft.

Wenn man sich das anhört, möchte man dem Sämann von damals Verschwendung und geradezu Faulheit nachsagen. Es gab sicher Gründe in der Antike so zu sähen, denn verschwenderisch konnte man mit dem Saatgut auch damals nicht umgehen.

Dennoch fragt man sich: kann er nicht ein bisschen gezielter werfen? Zumindest die Wege aussparen? Kann er nicht die Fruchtbarkeit seines Bodens erhöhen? Kuhdung und Kompost ausbringen? Die Humusschicht dort erhöhen, wo die Frucht nicht tief wachsen kann? Bewässerungsgräben anlegen. Zumindest eine Vogelscheuche aufstellen? Ist das nicht fahrlässiges Verhalten?

Jesus spricht ja gerne in Gleichnissen. Es wusste, wie Storytelling funktioniert. Wie er nicht nur den präfrontalen Kortex, sondern auch das limbische System erreicht. Emotionen erzeugt und wie seine Worte im Gedächtnis bleiben und nachwirken. Die Saat, die der Sämann aussieht, steht bei Jesus für das Wort. In diesem Fall für die frohe Botschaft von Gott. Und seine Message war: Verschwenderisch das Wort Gottes verkünden. Und erst am Ende gucken, wer es kapiert und verinnerlicht hat.

Auch Sie als Lehrkräfte – oder sie z.B. als zukünftige Religionslehrer*innen – säen das Wort aus. Das Wort ihres Wissens und ihrer Inhalte.

Da sind sie also und sähen das ganze Semester fleißig das Wort aus. Und wenn dann die Leistungsnachweise, Seminararbeiten, Prüfungen und Abschlussarbeiten zurückkommen, sehen Sie, ob die Frucht aufgegangen ist. Manches studentische Bemühen trägt Frucht, bei anderen war es ChatGPT. Bei anderen kommt gar keine Rückmeldung und sie wissen nicht, was mit ihrem vermittelten Wissen passiert ist.

Natürlich gehen auch sie zeitgemäß vor. Sie säen nicht einfach ohne Sinn und Verstand in der Gegend rum. Stattdessen: Zielgruppenanalyse, Differenzierung, Evaluation, didaktische Innovation, Studentenengagement, Supervision, Sprechstunden, individualisierte Betreung, Verlängerungen etc. Sie steigern die Erträge! Es macht wirtschaftlich, pädagogisch und menschlich ja auch nur Sinn.  Mehr Studierende legen gute Leistungen ab oder schaffen es, überhaupt das Studium abzuschließen.

Aber auch: Uff! Da muss ich an den berühmten Ausspruch des Berliner Musiker Funny van Dannen denken: „Wer rasen sät, wird Mäher ernten.“

Stellen wir uns mal vor, Sie an der KHSB (oder vielleicht auch Sie später in der Schule oder ihrem sozialpädagogischen Berufsfeld) gingen so vor wie der Sämann: Wissen haben sie genug, sie können ruhig verschwenderisch damit umgehen. Sie schütten das Wissen also aus, großzügig, weiträumig ohne sich viel Gedanken darüber zu machen, ob es auf fruchtbaren Boden fällt. Ohne sich zu kümmern, dass der Boden fruchtbar wird. Das wäre erstmal ein ganz schön befremdlicher Gedanke. Es ist wirtschaftlich unsinnig, Studierende nicht dabei zu unterstützen, ihr Studium auch abzuschließen. Das hätte nichts mehr mit Chancengleichheit zu tun: was kann denn der Boden dafür, dass er nicht bearbeitet, bewässert, gedüngt wird?

Andererseits: Irgendwie beneide ich auch den Sämann um seine Leichtigkeit. Er wirft einfach drauf los. Vorurteilsfrei. Er vertraut da drauf, dass irgendwo, irgendwann schon etwas aufgehen wird. Er vertraut auf die Kraft des Samens, auf die Unzuverlässigkeit der Umweltbedingungen. Kann es nicht doch vorkommen, dass in diesem Jahr die richtige Menge Regen zur rechten Zeit fällt und auch auf dem flachen Boden etwas gedeiht? Kann es nicht sein, dass die Vögel das Samenkorn übersehen? Wächst nicht auch auf unseren asphaltierten Straßen in jedem noch so kleinen Spalt eine Pflanze?

Und auch wenn nichts aufgeht, betrachtet er das mit bewundernswertem Gleichmut.

Ich will ihnen jetzt natürlich nicht raten, die einzelnen Studierenden / Schüler*innen nicht mehr in den Blick zu nehmen. Ich rate der KHSB und der Bildungslandschaft natürlich nicht, nach dem Gießkannenprinzip zu verfahren oder sich nicht zu hinterfragen: wie kann meine Lehre noch mehr auf fruchtbaren Boden fallen. Ein Gleichnis ist immer auch eine Komplexitätsreduzierung.

Aber: dem Boden, der Umwelt, Gott und besonders den einzelnen Studierenden zu vertrauen und nicht gleich zu sagen: da wächst eh nichts. Ist das nicht auch eine Haltung, von der wir etwas übernehmen können?

Dass wir nicht alles beeinflussen können, heißt ja dann auch, dass wir nicht die Verantwortung für den Lernerfolg komplett auf unseren Schultern tragen müssen.

Es heißt Studierende / Schüler ernst zu nehmen. Den Erfolg eines jeden einzelnen erst ganz zum Schluss, am Erntetag zu bewerten. Studierende entwickeln sich, sie suchen sich Hilfe, knien sich rein, finden andere Wege oder übernehmen Verantwortung für sich und ihr Leben.

Manche brechen vielleicht auch ab, aber heißt das, dass die Saat nicht aufgegangen ist? Wer weiß, bei welcher Gelegenheit sich die eine oder andere noch an ihre Inhalte erinnern wird.

Ich möchte sie aber zu mehr Leichtigkeit und Vertrauen ermuntern. Im Coaching gibt es den Satz: arbeite nie härter als dein Klient. Studierenden so zu begegnen heißt auch, sie und ihre Selbstwirksamkeit ernst zu nehmen. Ergebnisoffen. Und: genießen Sie das säen und warten Sie – jetzt in den Semesterferien – gemütlich die Ernte ab.

Bild: Glenn Carstens-Peters / unsplash

Nichts gefunden?

© P. Felix Meckl
Es gilt das am 12. Juli 2026 in St. Augustinus, Berlin gesprochene Wort.

Kennt ihr das Gefühl, durch Netflix oder Spotify zu scrollen? Tausende Serien. Millionen Songs. Eigentlich müsste etwas für dich dabei sein. Und trotzdem denkst du: „Nee, heute finde ich irgendwie nichts.“

Genau so geht es mir im Angesicht dieser Fülle, die uns in den heutigen Bibeltexten entgegenkommt.

Ich glaube, so geht es vielen Menschen. Man hört Geschichten aus der Bibel und denkt: „Schön – für andere. Aber was hat das mit meinem Leben zu tun?“

Jesus erzählt heute vom Sämann. Er wirft die Samen einfach aus. Überall. Manche landen auf dem Weg. Manche auf Steinen. Manche zwischen Dornen. Und manche auf gutem Boden.

Spannend ist: Der Sämann macht keinen Unterschied. Er sagt nicht: „Du bist geeignet. Du nicht. Bei dir lohnt es sich. Bei dir nicht.“ Er sät einfach.
Manche nennen dieses Gleichnis, das Gleichnis von der Verschwendungsliebe Gottes.

Denn genau so ist Gott.

Gottes Wort ist nicht nur für Menschen, die immer alles richtig machen. Nicht nur für die, die jeden Sonntag in der Kirche sitzen, sich in der Gemeinschaft engagieren. Nicht nur für die, die schon genau wissen, woran sie glauben.

Gottes Wort ist für alle.
Und das Schöne ist: In Gottes Reich ist wirklich für jeden etwas dabei. Mal mehr, mal weniger.

Der eine hört in einer Geschichte die Einladung zur Hoffnung.
Die andere entdeckt Trost.
Jemand merkt plötzlich: Ich muss vergeben.
Ein anderer spürt zum ersten Mal: Ich bin gemeint. Ich bin geliebt.

Dasselbe Evangelium. Aber Gott spricht jeden Menschen anders an.

Das kennen wir auch aus unserem Alltag.
Nicht jeder Song trifft jeden.
Nicht jedes Buch begeistert alle.
Nicht jedes Video geht viral.

Aber manchmal kommt genau dieser eine Satz.
Dieses eine Lied.
Dieser eine Moment.

Und plötzlich denkst du:
„Das war genau das, was ich gerade gebraucht habe.“

So wirkt Gottes Wort.

Nicht immer laut.
Nicht immer sofort.
Aber oft genau im richtigen Moment.

Darum sagt der Prophet Jesaja heute etwas unglaublich Hoffnungsvolles:
Wie Regen auf die Erde fällt und sie fruchtbar macht, so kehrt Gottes Wort nicht leer zu ihm zurück.

Das heißt: Gott redet nie ins Leere und alles hat einen Sinn.

Auch wenn wir denken:
„Ich habe heute nichts verstanden.“
„Die Predigt ist langweilig.“
„Die Bibel ist kompliziert.“

Vielleicht fällt gerade in diesem Moment ein kleiner Same in dein Herz.
Und Samen brauchen Zeit.

Niemand wird ungeduldig neben einem Apfelbaum stehen und rufen:
„Los! Wachs schneller!“

Wir wissen: Das dauert.

Aber warum erwarten wir das von unserem Glauben?

Manchmal wollen wir sofort Antworten.
Sofort Klarheit.
Sofort ein Wunder.

Gott arbeitet anders.

Leise.
Geduldig.
Von innen heraus.

Paulus schreibt sogar, dass die ganze Schöpfung auf ihre Vollendung wartet.

Auch das gehört zum Glauben: Warten.

Nicht, weil Gott langsam ist. Sondern weil echtes Leben wachsen muss.

Und dafür braucht es noch etwas: Mut. Mut, überhaupt zuzuhören.

Denn ehrlich: Unser Leben ist ziemlich laut.
Handy.
Nachrichten.
Social Media.
Termine.
Stress.
Meinungen.
Konflikte.

Da geht Gottes Stimme leicht unter.

Vielleicht ist die größte Herausforderung heute gar nicht, mehr zu reden.
Sondern still genug zu werden, um zu hören.

Was möchte Gott mir heute sagen?

Nicht meinem Sitznachbarn.
Nicht meinen Eltern oder Großeltern.
Nicht den Leuten, die „das dringend mal hören müssten“.

Nein, mir. Was möchte Gott MIR heute sagen?

Denn irgendwo in diesem großen Feld von Gottes Wort liegt genau der Same, den ich heute brauche.

Vielleicht ist es Hoffnung.
Vielleicht Vergebung.
Vielleicht ein Neuanfang.
Vielleicht einfach die Zusage: „Du bist nicht allein.“

In Gottes Reich ist für jeden und jede etwas dabei.

 

Aber wir können diesen Schatz nur entdecken, wenn wir ihm eine Chance geben – mit Geduld und mit dem Mut, wirklich hinzuhören.

Vielleicht verändert ein einziger Same nicht sofort dein ganzes Leben.
Aber jeder große Baum war einmal ein kleiner Samen.
Und vielleicht beginnt Gott genau heute etwas ganz Neues in dir.

Wer Ohren hat, der höre und lass es wachsen!

Amen.

 

Bild: Brendan Church / unsplash

Ein Glas Wasser, bitte

© Felix Meckl
Es gilt das am 28. Juni 2026 in St. Augustinus, Berlin gesprochene Wort.

Liebe Schwestern und Brüder im Glauben,

ein Glas Wasser bitte. Wie oft haben wir diesen Satz schon ausgesprochen, gerade auch in den letzten Tagen?! Ein Glas Wasser, aus der Leitung oder aus der Flasche? Mit oder ohne Sprudel? Kalt oder zimmerwarm? Evian aus den Quellen südlich des Genfer Sees? Oder Brandenburger Quell aus der Diedersdorfer Heide, ca. 5 Kilometer von uns hier? Oder das gehypte Fiji Water, das 16.000 Kilometer zurücklegen muss, bevor es in Berliner Spätis gekauft werden kann? Ein Glas Wasser bitte?

Ein Glas Wasser eröffnet eine ganze Welt. In Afrika entscheidet es manchmal über Leben und Tod. Am vergangenen Donnerstag, als wir uns auf das Deutschlandspiel vorbereitet haben, verbrauchten die Berlinerinnen und Berliner in der einen Stunde zwischen 20 und 21 Uhr sage und schreibe 49 Millionen Liter Trinkwasser! Das sind ca. 250 Millionen davon. Ein Glas Wasser bitte…?!

In Italien wies das oberste Gericht diese Woche die Klage einer Touristin ab, die von einem 5-Sterne-Hotel in Südtirol 2.700 Euro Schadensersatz forderte, da Wasser ein universelles Menschenrecht sei und ihrer Meinung nach zum Hotel-Standard gehören müsse. Das Hotel servierte Mineralwasser für 7 Euro die Flasche. Gute Frau, fahr nach Frankreich. Die carafe d’eau ist dort Standard in jedem Bistro!
Ein Glas Wasser bitte?!

Mit dem „Becher frischen Wasser“ im heutigen Matthäusevangelium (Mt 10,42) macht Jesus deutlich, dass jede noch so kleine, unscheinbare Tat der Nächstenliebe in den Augen Gottes einen enormen Wert hat und nicht unvergolten bleibt.

Ein Becher kaltes oder frisches Wasser war und ist im heißen Orient eine alltägliche, fast mühelose Geste der Gastfreundschaft. Jesus zeigt damit, dass Gott nicht nur spektakuläre Großtaten belohnt, sondern die aufrichtige Liebe im Alltag als Kern seiner Nachfolge sieht.

Man muss kein Holzkreuz durch Wallfahrtsorte tragen oder Echtgoldanhänger auf dem Dekolleté blinken lassen. Man muss auch nicht gleich Kranke heilen, allen Besitz veralmosen oder als Wandermissionar in gefährliche Gegenden ziehen.

Die kleinen Dinge des Alltags bauen das Reich Gottes auf!

Im durstigen Obdachlosen, dem wir eine Flasche Wasser beim Bäcker holen, begegnen wir Jesus. Der muslimischen Frau mit dem Kinderwagen an der U-Bahn-Treppe verschaffen wir Heil, wenn wir mit anpacken.

Der Becher Wasser kann so vielfältig sein. Der Lohn wird immer groß sein. Und er wird immer angemessen sein. Angemessen nicht im Sinne des Gegenwertes, denn Gottes Maßstäbe sind anders. Sondern der Lohn wird immer so aussehen, wie wir ihn uns erwünschen, ihn ersehnen, ihn wirklich brauchen, um ein Leben in Fülle zu erlangen.

Die vornehme Frau aus Schunem hatte alles: ein eigenes Haus mit sogar einem Obergemach, einen Mann und, weil sie als vornehm beschrieben wird, Ansehen und Stil. Für den Einsatz am Diener Gottes Elischa bekommt sie als Lohn einen Sohn. Sie bekommt damit Zukunft und etwas, das sie mehr lieben kann als alles andere, was sie schon hat. Weise verheißt ihr der Prophet im Vers 16a den Sohn, den sie liebkosen kann. Elischa hat erkannt, dass sie alles hat und alles liebt, nur ein eigenes Kind fehlt ihr noch zum wahren Leben in Fülle. Durch Gottes Dankerweisung wird ihr eine ganz neue Welt erschlossen. Sie bekommt durch Gottes Dankgeschenk die Chance ihre ganze Welt mit neuen Augen zu sehen: ist ein eigenes Haus, Wohlstand, Ansehen und der alternde Mann wirklich das Höchste im Leben? Sie wird ihr Kind liebkosen und wird darin nicht nur das lang ersehnte Kind, die Zukunft und die Absicherung im Alter erkennen. Sie wird im geliebten Kind Gott erkennen. Jenen Gott, der große und kleine Taten nicht gegeneinander aufrechnet, sondern großherzig Dank erweist und stets eine neue Weltsicht darin einfließen lässt.

Ein Glas Wasser, bitte?

Liebe Schwestern und Brüder im Glauben,

Nachfolge Jesu erfordert keine großen Opfer, sondern Erkenntnis und Dienstbereitschaft. Jesus will, dass wir IHN in unseren Nächsten erkennen und wie Elischa den Menschen helfen, ihre eigene Welt mit neuen Augen zu sehen. Der einfachste Weg dies zu tun, ist dem Nächsten zu Dienen. Dienst am Nächsten beeindruckt immer und löst oft genau dieses Um- und Neu-Denken aus. Die Evangelien sind voll von Berichten, wo Jesus das getan hat.

Folgen wir ihm bereitwillig nach. Nicht indem wir unser Kreuz monstranzartig vor uns hertragen, sondern indem wir SEIN Kreuz auf uns nehmen. Das heißt, indem wir mit wachen Sinnen durch die Welt und die Begegnungen mit den Individuen gehen und jeder Seele helfen, sein respektive ihr Leben in Fülle zu finden.

Amen?

 

Bild: © Erzbistum Berlin/Jörg Farys

Das theologische Buffet

© P. Felix Meckl
Es gilt das am 14. Juni in St. Augustinus, Berlin gesprochene Wort.

Liebe Schwestern und Brüder im Glauben,
als ich zur Vorbereitung auf unseren heutigen Sonntagsgottesdienst die vorgeschriebenen Texte gelesen habe, schossen mir unzählige Predigtthemen in den Kopf.
Man könnte den langen Irrweg des Volkes Israel durch die Wüste als Preis der Freiheit thematisieren und dabei herausarbeiten, dass es immer wieder einen Berg Sinai braucht, an dem man lagern und Kraft tanken kann. Einen Ort an dem Gott sich sicher zeigt, sich zuwendet und einem Mut zuspricht. Einen Ort, an dem jede und jeder sein darf, wie er respektive sie ist. Wo man zur äußerlichen Ruhe gezwungen wird, um auf die innere göttliche Stimme zu hören.
Auch wollte ich eine Spruchpredigt halten über den dritten Vers aus der heutigen Lesung: „Ihr habt gesehen, (…) wie ich euch auf Adlerflügeln getragen habe“.
Das Gottesbild als Vergleich mit dem Adler ist nämlich eines meiner liebsten:
Der Adler hegt und pflegt sein Junges. Doch dann drängt er es aus dem Nest. Er will seinem Nachwuchs Freiheit und Selbstständigkeit schenken, fernab von fauler Gemütlichkeit oder Versorgungsmentalität. Also drängt der Adler sein Junges aus dem hoch oben liegenden Nest – idealerweise an einer sicheren steilen Felsenwand. Er drängt es an den Rand, bis das Junge ins Bodenlose fällt. Das Adlerbaby fällt, struggelt, kämpft um sein Leben und müht sich es in den Griff zu bekommen. Es versucht seine gottgegebenen Flügel zu nutzen. Schafft das Junge es, gut. Dann soll es fliegen, leben, selbstständig werden für sein eigenes Leben. Schafft es das Junge nicht, stürzt der Adler im Sturzflug hinterher, packt das Junge scharf mit dem Schnabel, wirft es kurz hoch, taucht unter es und trägt es „auf Adelers Fittichen“ wieder zurück ins Nest. Schonfrist! Bis zum nächsten Versuch. Ein wirklich wunderbares Gottesbild, wie ich finde!
Auch kirchenpolitisch könnte man zu dieser kurzen Lesung predigen:
wir sind ein priesterliches Volk, alle wie wir hier sitzen. In der Taufe wurden wir sogar dazu gesalbt! Wir sind Könige und Königinnen, Propheten und Prophetinnen, Priester und Priesterinnen. Wir haben Recht und Pflicht zu leiten, in die Weite zu führen und zu beten – miteinander und füreinander!
Das Evangelium ist nicht weniger gefüllt mit tollen Predigtthemen:
gleich zu Beginn zeigt Christus Jesus eine Haltung, die wohl die wichtigste Haltung eines Christenmenschen ist: Mitleid.
Mitleid ist eine Form der Nächstenliebe und ich finde es super, dass Jesus dieses Gefühl empfindet, wenn er auf uns, sein Volk, schaut.
Doch dann frage ich mich, sind wir wirklich so mitleidsbedürftig?
Leiden WIR wirklich so sehr?
Schränkt das Gefühl Mitleid das Gegenüber nicht ein und versperrt den wahren Blick auf die gesamte Lebenssituation des „Notleidenden“?
Oder löst Mitleid sogar die falsche Reaktion aus?
Daher hätte ich zu gerne das Wort im Originaltext „esplaixvisthä peri auton“ näher analysiert, ob damit nicht vielleicht doch „Mitgefühl mit ihnen“ gemeint ist!?
Denn „Mitgefühl“ ist etwas anderes als „Mitleid“. Bei Mitleid schwingt das Wort „Leid“ mit. Dabei fühlt man den Schmerz der anderen Person so stark, dass man selbst darunter leidet. Dies kann zu emotionaler Erschöpfung (dem sogenannten empathischen Stress) führen, weil dann oft das Gefühl der Abgrenzung verloren geht.
Aber vielleicht ist es genau diese Haltung, die Gott uns in Jesus zeigen wollte: Einsatz bis zum Äußersten, keinerlei rein emotionale Antizipation.
Naja, man hätte auch wunderbar über Nachwuchsgewinnung und Berufung predigen, die lange Liste der Apostel diskutieren und ekklesiologisch einordnen können.
Wir hätten uns über die Wunder des Alltags und unser allgemeines Verständnis von Wundern austauschen können.
Auch hätte ich gern den Herrn Jesus kritisch hinterfragt, weshalb er seine Jünger nur zu den „verlorenen Schafen des Hauses Israel“ sendet und sie ganz bewusst „den Weg zu den Heiden“ meiden „und (…) keine Stadt der Samaríter“ betreten sollen.
Was soll das denn bitte?
Jesus als elitärer ausgrenzenden Fatzke?
Brauchen nicht die „Kranken“ den Arzt?
Ja, manchmal findet man kein Thema und heute war die Auswahl zu groß.
Deshalb belasse ich es dabei.
Möge jede und jeder von euch sich Seines heraussuchen, selbst zur Bibel greifen, um die heutigen Passagen noch einmal nachzulesen und dein Thema für diese neue Woche finden.
Zum Abschluss rufe ich euch nur noch einmal das zu, was Jesus uns am Ende des heutigen Evangeliums zugerufen hat, denn ich glaube bei der Fülle an Themen kommt es genau darauf an:
„Geht und verkündet: Das Himmelreich ist nahe!
Heilt Kranke,
weckt Tote auf,
macht Aussätzige rein,
treibt Dämonen aus!
Umsonst habt ihr empfangen,
umsonst sollt ihr geben.“
Amen.

Bild: © Erzbistum Berlin/Jörg Farys

Kein Sündenbock gesucht

© P. Felix Meckl
Es gilt das am 7. Juni in St. Augustinus, Berlin gesprochene Wort.

Liebe Schwestern und Brüder im Glauben,
ganz unerwartet werfen die Texte dieses 10. Sonntages im Jahreskreis ein Thema auf, dass mich seit Wochen, ja Monaten, umtreibt. Mein spirituelles Ringen kreist dabei um den Begriff „Opfer“.
Was feiern wir eigentlich, wenn wir das „Opfer Christi“ feiern?
Was tun wir, wenn wir das „heilige Messopfer darbringen“?
Was hat das zu tun mit den unzähligen „Opfern von Krieg und Gewalt, von Mobbing, Betrug und Missbrauch“, die auch in dieser Woche zu beklagen sind?
Kurzum: was meint der christliche Begriff „Opfer“, wenn der Ausruf eines dickhosigen Berliner Jugendlichen erstaunlich lange in einem nachhallt: „Ey, du Opfer!“
Aus den Erfahrungen meines Ringens heraus, kann ich Ihnen und Euch sagen: den Opferbegriff zu diskutieren, sprengt den Rahmen einer Predigt, gar eines Gottesdienstes.
Dennoch will ich es versuchen; auch, weil es mich eben umtreibt. Und es sind die Schlussverse unserer drei Lesungstexte, die dieses schwierige Thema heute aufrufen:
Es begann mit der Selbstaussage Gottes, die uns der Prophet Hosea überliefert hat. Im Vers 6, seines 6. Kapitels spricht Gott durch Hosea zu seinem Volk und damit auch zu uns: „an Liebe habe ich Gefallen, nicht an Schlachtopfern, an Gotteserkenntnis mehr als an Brandopfern.“
Gott will Liebe und Gotteserkenntnis und keinen leeren oberflächlichen Opferkult. Als guter Prophet hält Hosea so dem Volk den Spiegel vor und vermittelt lebendiges Wissen um den hier und jetzt anwesenden, schenkenden und fordernden Gott.
„Feiert nicht einfach nur stumpf irgendwelche alten Rituale und lehnt euch dann beruhigt (wenn auch weiterhin unsicher) zurück!“ Gott will Liebe erleben, teilen, zu Teil werden lassen und er möchte als guter Gott mit einem Anspruch erkannt und nicht als erbsenzählender Bürokrat abgestempelt werden.

Dass uns Gläubigen ein solch gnädiger, milder und barmherziger Gott schwer zu vermitteln ist, wird im Evangelium klar. Hier argumentiert Jesus, der Sohn Gottes, der neue Mittler des ewigen Bundes, unser Christus als großer Weisheitslehrer im Streit mit den unverständigen Gesetzestreuen:
„Geht und lernt, was es heißt: Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer!“
Dieser Ausruf Jesu klingt schon fast resignierend: „Oh Mann! Leute, ey! Habt ihr es immer noch nicht kapiert? Papa will Liebe und keine Härte!“
So spannt sich also der Bogen eines nicht final ausdiskutierten Opferbegriffes vom antiken jüdischen Opferkult über die bei den Römern verbreitete Opferpraxis bis hinein in die postmoderne Werktagsmesse, wo mit abgezählten Hostien und exklusiven Beschwörungsworten ein unverstandenes Wunder geopfert wird. „Zur Opferung singen wir: Beim letzten Abendmahle“
Damals wie heute ist es Paulus, der versucht zu vermitteln, der sich müht Jesu Rolle und seine Sicht der Dinge klarzustellen gegenüber dem, was schon immer so wahr, was einfach zu glauben und leicht zu verstehen ist:
Der antike Feldherr zog in den guten Krieg und opferte einen Stier damit alles gut ausgehen würde. War er erfolgreich, opferte er zum Dank den besiegten Herrscher. Hat er die Schlacht verloren, opferte er beim parfümierten Festmahl einen Becher Wein für seine getöteten Landsleute.
Wenn der blöde katholische Mopp, wie in fast jeder mittelalterlichen Stadt in Europa, mal wieder Ruhe im Bankkonto haben wollte, massakrierten die Gottgläubigen einfach alle Juden, raubten deren Besitz und bauten als demütigenden Finalschlag ein ach so demütiges Sühneopfer in Form einer gotischen Marienkirche: „Bitt Gott für uns Maria!“
Paulus wirbt um Jesu Verständnis bis heute, wenn er schreibt: „Er wurde stark im Glauben, indem er Gott die Ehre erwies.“ Jesus kannte Gott, daher nannte er ihn Papa. Und Papa ist kein trockener Bürokrat, der seit Jahrtausenden Excellisten befüllt, um irgendwann Schuld und Sühne aufzuwiegen mit bis zur Unkenntlichkeit ritualisierten Opfern.
Weil Jesus Papa kannte, wagte er – wie Abraham – aus Vertrauen in den Gott der Liebe, den Schritt ins Unbekannte. Das ist kein Opfer! Das ist Mut! Das ist Liebe! Das ist Hingabe!
Im Englischen gibt es wenigstens den Unterschied zwischen „victim“ und „sacrifice“: dabei ist victim das Opfer DER blöden Menschheit und sacrifice das Opfer FÜR die blöde Menschheit!
Jesus hat das freiwillig getan! Unser Gott ist nicht so blutrünstig, wie manche ihn sich wünschen. Er schickt seinen geliebten Sohn nicht in den brutalen Tod, nur um seine Liebe zu beweisen.
Viele in der Kirche, gerade auch die charismatischen Neugläubigen, die ach so gern die Hl. Schrift, das wahre Wort Gottes zitieren und einen mit aus dem Zusammenhang gerissenen Bibelversen versuchen in ihre eigene Enge zu treiben, poltern immer nur: Römerbrief, Kapitel 4, Vers 25: „Wegen UNSERER Verfehlungen wurde er hingegeben, wegen unserer Gerechtmachung wurde ER auferweckt.“
Die Abrahamgeschichte, die zu diesem Schlussvers elementar dazugehört, lassen sie großzügig weg. Es ist doch viiiiiel besser, wenn ich anderen Schuld einreden, sie schwach und gefügig halten kann, indem ich sie mit psychischem Druck in eine kleinhaltende Heilsangst zwinge.
Liebe Geschwister der Hoffnung, noch einmal:
„Geht und lernt, was es heißt: Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer!“
Jesus war, ist und wird kein Opfer vor Gott! Gott forderte keinen Sündenbock. Im Lamm Gottes, das sich freiwillig zur Schlachtbank auf Golgotha begab und sich zu jeder Messfeier freiwillig auf den Altar legt, schenkt Gott sich hin: weniger, um uns von unseren peinlichen Verfehlungen reinzuwaschen, als vielmehr um uns die Erkenntnis seiner Liebe zu vermitteln.
Jeus Kreuz ist kein Ort der Sühne für einen zornigen Gott, der nur durch Opfergaben zu besänftigen ist. Jesu Handeln ist der absolute Höhepunkt einer bedingungslosen Hingabe aus vertrauender Liebe. Das lasst uns glauben und leben! Amen.