Bild: Glenn Carstens-Peters / unsplash

Nichts gefunden?

© P. Felix Meckl
Es gilt das am 12. Juli 2026 in St. Augustinus, Berlin gesprochene Wort.

Kennt ihr das Gefühl, durch Netflix oder Spotify zu scrollen? Tausende Serien. Millionen Songs. Eigentlich müsste etwas für dich dabei sein. Und trotzdem denkst du: „Nee, heute finde ich irgendwie nichts.“

Genau so geht es mir im Angesicht dieser Fülle, die uns in den heutigen Bibeltexten entgegenkommt.

Ich glaube, so geht es vielen Menschen. Man hört Geschichten aus der Bibel und denkt: „Schön – für andere. Aber was hat das mit meinem Leben zu tun?“

Jesus erzählt heute vom Sämann. Er wirft die Samen einfach aus. Überall. Manche landen auf dem Weg. Manche auf Steinen. Manche zwischen Dornen. Und manche auf gutem Boden.

Spannend ist: Der Sämann macht keinen Unterschied. Er sagt nicht: „Du bist geeignet. Du nicht. Bei dir lohnt es sich. Bei dir nicht.“ Er sät einfach.
Manche nennen dieses Gleichnis, das Gleichnis von der Verschwendungsliebe Gottes.

Denn genau so ist Gott.

Gottes Wort ist nicht nur für Menschen, die immer alles richtig machen. Nicht nur für die, die jeden Sonntag in der Kirche sitzen, sich in der Gemeinschaft engagieren. Nicht nur für die, die schon genau wissen, woran sie glauben.

Gottes Wort ist für alle.
Und das Schöne ist: In Gottes Reich ist wirklich für jeden etwas dabei. Mal mehr, mal weniger.

Der eine hört in einer Geschichte die Einladung zur Hoffnung.
Die andere entdeckt Trost.
Jemand merkt plötzlich: Ich muss vergeben.
Ein anderer spürt zum ersten Mal: Ich bin gemeint. Ich bin geliebt.

Dasselbe Evangelium. Aber Gott spricht jeden Menschen anders an.

Das kennen wir auch aus unserem Alltag.
Nicht jeder Song trifft jeden.
Nicht jedes Buch begeistert alle.
Nicht jedes Video geht viral.

Aber manchmal kommt genau dieser eine Satz.
Dieses eine Lied.
Dieser eine Moment.

Und plötzlich denkst du:
„Das war genau das, was ich gerade gebraucht habe.“

So wirkt Gottes Wort.

Nicht immer laut.
Nicht immer sofort.
Aber oft genau im richtigen Moment.

Darum sagt der Prophet Jesaja heute etwas unglaublich Hoffnungsvolles:
Wie Regen auf die Erde fällt und sie fruchtbar macht, so kehrt Gottes Wort nicht leer zu ihm zurück.

Das heißt: Gott redet nie ins Leere und alles hat einen Sinn.

Auch wenn wir denken:
„Ich habe heute nichts verstanden.“
„Die Predigt ist langweilig.“
„Die Bibel ist kompliziert.“

Vielleicht fällt gerade in diesem Moment ein kleiner Same in dein Herz.
Und Samen brauchen Zeit.

Niemand wird ungeduldig neben einem Apfelbaum stehen und rufen:
„Los! Wachs schneller!“

Wir wissen: Das dauert.

Aber warum erwarten wir das von unserem Glauben?

Manchmal wollen wir sofort Antworten.
Sofort Klarheit.
Sofort ein Wunder.

Gott arbeitet anders.

Leise.
Geduldig.
Von innen heraus.

Paulus schreibt sogar, dass die ganze Schöpfung auf ihre Vollendung wartet.

Auch das gehört zum Glauben: Warten.

Nicht, weil Gott langsam ist. Sondern weil echtes Leben wachsen muss.

Und dafür braucht es noch etwas: Mut. Mut, überhaupt zuzuhören.

Denn ehrlich: Unser Leben ist ziemlich laut.
Handy.
Nachrichten.
Social Media.
Termine.
Stress.
Meinungen.
Konflikte.

Da geht Gottes Stimme leicht unter.

Vielleicht ist die größte Herausforderung heute gar nicht, mehr zu reden.
Sondern still genug zu werden, um zu hören.

Was möchte Gott mir heute sagen?

Nicht meinem Sitznachbarn.
Nicht meinen Eltern oder Großeltern.
Nicht den Leuten, die „das dringend mal hören müssten“.

Nein, mir. Was möchte Gott MIR heute sagen?

Denn irgendwo in diesem großen Feld von Gottes Wort liegt genau der Same, den ich heute brauche.

Vielleicht ist es Hoffnung.
Vielleicht Vergebung.
Vielleicht ein Neuanfang.
Vielleicht einfach die Zusage: „Du bist nicht allein.“

In Gottes Reich ist für jeden und jede etwas dabei.

 

Aber wir können diesen Schatz nur entdecken, wenn wir ihm eine Chance geben – mit Geduld und mit dem Mut, wirklich hinzuhören.

Vielleicht verändert ein einziger Same nicht sofort dein ganzes Leben.
Aber jeder große Baum war einmal ein kleiner Samen.
Und vielleicht beginnt Gott genau heute etwas ganz Neues in dir.

Wer Ohren hat, der höre und lass es wachsen!

Amen.

 

Bild: Brendan Church / unsplash

Ein Glas Wasser, bitte

© Felix Meckl
Es gilt das am 28. Juni 2026 in St. Augustinus, Berlin gesprochene Wort.

Liebe Schwestern und Brüder im Glauben,

ein Glas Wasser bitte. Wie oft haben wir diesen Satz schon ausgesprochen, gerade auch in den letzten Tagen?! Ein Glas Wasser, aus der Leitung oder aus der Flasche? Mit oder ohne Sprudel? Kalt oder zimmerwarm? Evian aus den Quellen südlich des Genfer Sees? Oder Brandenburger Quell aus der Diedersdorfer Heide, ca. 5 Kilometer von uns hier? Oder das gehypte Fiji Water, das 16.000 Kilometer zurücklegen muss, bevor es in Berliner Spätis gekauft werden kann? Ein Glas Wasser bitte?

Ein Glas Wasser eröffnet eine ganze Welt. In Afrika entscheidet es manchmal über Leben und Tod. Am vergangenen Donnerstag, als wir uns auf das Deutschlandspiel vorbereitet haben, verbrauchten die Berlinerinnen und Berliner in der einen Stunde zwischen 20 und 21 Uhr sage und schreibe 49 Millionen Liter Trinkwasser! Das sind ca. 250 Millionen davon. Ein Glas Wasser bitte…?!

In Italien wies das oberste Gericht diese Woche die Klage einer Touristin ab, die von einem 5-Sterne-Hotel in Südtirol 2.700 Euro Schadensersatz forderte, da Wasser ein universelles Menschenrecht sei und ihrer Meinung nach zum Hotel-Standard gehören müsse. Das Hotel servierte Mineralwasser für 7 Euro die Flasche. Gute Frau, fahr nach Frankreich. Die carafe d’eau ist dort Standard in jedem Bistro!
Ein Glas Wasser bitte?!

Mit dem „Becher frischen Wasser“ im heutigen Matthäusevangelium (Mt 10,42) macht Jesus deutlich, dass jede noch so kleine, unscheinbare Tat der Nächstenliebe in den Augen Gottes einen enormen Wert hat und nicht unvergolten bleibt.

Ein Becher kaltes oder frisches Wasser war und ist im heißen Orient eine alltägliche, fast mühelose Geste der Gastfreundschaft. Jesus zeigt damit, dass Gott nicht nur spektakuläre Großtaten belohnt, sondern die aufrichtige Liebe im Alltag als Kern seiner Nachfolge sieht.

Man muss kein Holzkreuz durch Wallfahrtsorte tragen oder Echtgoldanhänger auf dem Dekolleté blinken lassen. Man muss auch nicht gleich Kranke heilen, allen Besitz veralmosen oder als Wandermissionar in gefährliche Gegenden ziehen.

Die kleinen Dinge des Alltags bauen das Reich Gottes auf!

Im durstigen Obdachlosen, dem wir eine Flasche Wasser beim Bäcker holen, begegnen wir Jesus. Der muslimischen Frau mit dem Kinderwagen an der U-Bahn-Treppe verschaffen wir Heil, wenn wir mit anpacken.

Der Becher Wasser kann so vielfältig sein. Der Lohn wird immer groß sein. Und er wird immer angemessen sein. Angemessen nicht im Sinne des Gegenwertes, denn Gottes Maßstäbe sind anders. Sondern der Lohn wird immer so aussehen, wie wir ihn uns erwünschen, ihn ersehnen, ihn wirklich brauchen, um ein Leben in Fülle zu erlangen.

Die vornehme Frau aus Schunem hatte alles: ein eigenes Haus mit sogar einem Obergemach, einen Mann und, weil sie als vornehm beschrieben wird, Ansehen und Stil. Für den Einsatz am Diener Gottes Elischa bekommt sie als Lohn einen Sohn. Sie bekommt damit Zukunft und etwas, das sie mehr lieben kann als alles andere, was sie schon hat. Weise verheißt ihr der Prophet im Vers 16a den Sohn, den sie liebkosen kann. Elischa hat erkannt, dass sie alles hat und alles liebt, nur ein eigenes Kind fehlt ihr noch zum wahren Leben in Fülle. Durch Gottes Dankerweisung wird ihr eine ganz neue Welt erschlossen. Sie bekommt durch Gottes Dankgeschenk die Chance ihre ganze Welt mit neuen Augen zu sehen: ist ein eigenes Haus, Wohlstand, Ansehen und der alternde Mann wirklich das Höchste im Leben? Sie wird ihr Kind liebkosen und wird darin nicht nur das lang ersehnte Kind, die Zukunft und die Absicherung im Alter erkennen. Sie wird im geliebten Kind Gott erkennen. Jenen Gott, der große und kleine Taten nicht gegeneinander aufrechnet, sondern großherzig Dank erweist und stets eine neue Weltsicht darin einfließen lässt.

Ein Glas Wasser, bitte?

Liebe Schwestern und Brüder im Glauben,

Nachfolge Jesu erfordert keine großen Opfer, sondern Erkenntnis und Dienstbereitschaft. Jesus will, dass wir IHN in unseren Nächsten erkennen und wie Elischa den Menschen helfen, ihre eigene Welt mit neuen Augen zu sehen. Der einfachste Weg dies zu tun, ist dem Nächsten zu Dienen. Dienst am Nächsten beeindruckt immer und löst oft genau dieses Um- und Neu-Denken aus. Die Evangelien sind voll von Berichten, wo Jesus das getan hat.

Folgen wir ihm bereitwillig nach. Nicht indem wir unser Kreuz monstranzartig vor uns hertragen, sondern indem wir SEIN Kreuz auf uns nehmen. Das heißt, indem wir mit wachen Sinnen durch die Welt und die Begegnungen mit den Individuen gehen und jeder Seele helfen, sein respektive ihr Leben in Fülle zu finden.

Amen?

 

Bild: © Erzbistum Berlin/Jörg Farys

Das theologische Buffet

© P. Felix Meckl
Es gilt das am 14. Juni in St. Augustinus, Berlin gesprochene Wort.

Liebe Schwestern und Brüder im Glauben,
als ich zur Vorbereitung auf unseren heutigen Sonntagsgottesdienst die vorgeschriebenen Texte gelesen habe, schossen mir unzählige Predigtthemen in den Kopf.
Man könnte den langen Irrweg des Volkes Israel durch die Wüste als Preis der Freiheit thematisieren und dabei herausarbeiten, dass es immer wieder einen Berg Sinai braucht, an dem man lagern und Kraft tanken kann. Einen Ort an dem Gott sich sicher zeigt, sich zuwendet und einem Mut zuspricht. Einen Ort, an dem jede und jeder sein darf, wie er respektive sie ist. Wo man zur äußerlichen Ruhe gezwungen wird, um auf die innere göttliche Stimme zu hören.
Auch wollte ich eine Spruchpredigt halten über den dritten Vers aus der heutigen Lesung: „Ihr habt gesehen, (…) wie ich euch auf Adlerflügeln getragen habe“.
Das Gottesbild als Vergleich mit dem Adler ist nämlich eines meiner liebsten:
Der Adler hegt und pflegt sein Junges. Doch dann drängt er es aus dem Nest. Er will seinem Nachwuchs Freiheit und Selbstständigkeit schenken, fernab von fauler Gemütlichkeit oder Versorgungsmentalität. Also drängt der Adler sein Junges aus dem hoch oben liegenden Nest – idealerweise an einer sicheren steilen Felsenwand. Er drängt es an den Rand, bis das Junge ins Bodenlose fällt. Das Adlerbaby fällt, struggelt, kämpft um sein Leben und müht sich es in den Griff zu bekommen. Es versucht seine gottgegebenen Flügel zu nutzen. Schafft das Junge es, gut. Dann soll es fliegen, leben, selbstständig werden für sein eigenes Leben. Schafft es das Junge nicht, stürzt der Adler im Sturzflug hinterher, packt das Junge scharf mit dem Schnabel, wirft es kurz hoch, taucht unter es und trägt es „auf Adelers Fittichen“ wieder zurück ins Nest. Schonfrist! Bis zum nächsten Versuch. Ein wirklich wunderbares Gottesbild, wie ich finde!
Auch kirchenpolitisch könnte man zu dieser kurzen Lesung predigen:
wir sind ein priesterliches Volk, alle wie wir hier sitzen. In der Taufe wurden wir sogar dazu gesalbt! Wir sind Könige und Königinnen, Propheten und Prophetinnen, Priester und Priesterinnen. Wir haben Recht und Pflicht zu leiten, in die Weite zu führen und zu beten – miteinander und füreinander!
Das Evangelium ist nicht weniger gefüllt mit tollen Predigtthemen:
gleich zu Beginn zeigt Christus Jesus eine Haltung, die wohl die wichtigste Haltung eines Christenmenschen ist: Mitleid.
Mitleid ist eine Form der Nächstenliebe und ich finde es super, dass Jesus dieses Gefühl empfindet, wenn er auf uns, sein Volk, schaut.
Doch dann frage ich mich, sind wir wirklich so mitleidsbedürftig?
Leiden WIR wirklich so sehr?
Schränkt das Gefühl Mitleid das Gegenüber nicht ein und versperrt den wahren Blick auf die gesamte Lebenssituation des „Notleidenden“?
Oder löst Mitleid sogar die falsche Reaktion aus?
Daher hätte ich zu gerne das Wort im Originaltext „esplaixvisthä peri auton“ näher analysiert, ob damit nicht vielleicht doch „Mitgefühl mit ihnen“ gemeint ist!?
Denn „Mitgefühl“ ist etwas anderes als „Mitleid“. Bei Mitleid schwingt das Wort „Leid“ mit. Dabei fühlt man den Schmerz der anderen Person so stark, dass man selbst darunter leidet. Dies kann zu emotionaler Erschöpfung (dem sogenannten empathischen Stress) führen, weil dann oft das Gefühl der Abgrenzung verloren geht.
Aber vielleicht ist es genau diese Haltung, die Gott uns in Jesus zeigen wollte: Einsatz bis zum Äußersten, keinerlei rein emotionale Antizipation.
Naja, man hätte auch wunderbar über Nachwuchsgewinnung und Berufung predigen, die lange Liste der Apostel diskutieren und ekklesiologisch einordnen können.
Wir hätten uns über die Wunder des Alltags und unser allgemeines Verständnis von Wundern austauschen können.
Auch hätte ich gern den Herrn Jesus kritisch hinterfragt, weshalb er seine Jünger nur zu den „verlorenen Schafen des Hauses Israel“ sendet und sie ganz bewusst „den Weg zu den Heiden“ meiden „und (…) keine Stadt der Samaríter“ betreten sollen.
Was soll das denn bitte?
Jesus als elitärer ausgrenzenden Fatzke?
Brauchen nicht die „Kranken“ den Arzt?
Ja, manchmal findet man kein Thema und heute war die Auswahl zu groß.
Deshalb belasse ich es dabei.
Möge jede und jeder von euch sich Seines heraussuchen, selbst zur Bibel greifen, um die heutigen Passagen noch einmal nachzulesen und dein Thema für diese neue Woche finden.
Zum Abschluss rufe ich euch nur noch einmal das zu, was Jesus uns am Ende des heutigen Evangeliums zugerufen hat, denn ich glaube bei der Fülle an Themen kommt es genau darauf an:
„Geht und verkündet: Das Himmelreich ist nahe!
Heilt Kranke,
weckt Tote auf,
macht Aussätzige rein,
treibt Dämonen aus!
Umsonst habt ihr empfangen,
umsonst sollt ihr geben.“
Amen.

Bild: © Erzbistum Berlin/Jörg Farys

Kein Sündenbock gesucht

© P. Felix Meckl
Es gilt das am 7. Juni in St. Augustinus, Berlin gesprochene Wort.

Liebe Schwestern und Brüder im Glauben,
ganz unerwartet werfen die Texte dieses 10. Sonntages im Jahreskreis ein Thema auf, dass mich seit Wochen, ja Monaten, umtreibt. Mein spirituelles Ringen kreist dabei um den Begriff „Opfer“.
Was feiern wir eigentlich, wenn wir das „Opfer Christi“ feiern?
Was tun wir, wenn wir das „heilige Messopfer darbringen“?
Was hat das zu tun mit den unzähligen „Opfern von Krieg und Gewalt, von Mobbing, Betrug und Missbrauch“, die auch in dieser Woche zu beklagen sind?
Kurzum: was meint der christliche Begriff „Opfer“, wenn der Ausruf eines dickhosigen Berliner Jugendlichen erstaunlich lange in einem nachhallt: „Ey, du Opfer!“
Aus den Erfahrungen meines Ringens heraus, kann ich Ihnen und Euch sagen: den Opferbegriff zu diskutieren, sprengt den Rahmen einer Predigt, gar eines Gottesdienstes.
Dennoch will ich es versuchen; auch, weil es mich eben umtreibt. Und es sind die Schlussverse unserer drei Lesungstexte, die dieses schwierige Thema heute aufrufen:
Es begann mit der Selbstaussage Gottes, die uns der Prophet Hosea überliefert hat. Im Vers 6, seines 6. Kapitels spricht Gott durch Hosea zu seinem Volk und damit auch zu uns: „an Liebe habe ich Gefallen, nicht an Schlachtopfern, an Gotteserkenntnis mehr als an Brandopfern.“
Gott will Liebe und Gotteserkenntnis und keinen leeren oberflächlichen Opferkult. Als guter Prophet hält Hosea so dem Volk den Spiegel vor und vermittelt lebendiges Wissen um den hier und jetzt anwesenden, schenkenden und fordernden Gott.
„Feiert nicht einfach nur stumpf irgendwelche alten Rituale und lehnt euch dann beruhigt (wenn auch weiterhin unsicher) zurück!“ Gott will Liebe erleben, teilen, zu Teil werden lassen und er möchte als guter Gott mit einem Anspruch erkannt und nicht als erbsenzählender Bürokrat abgestempelt werden.

Dass uns Gläubigen ein solch gnädiger, milder und barmherziger Gott schwer zu vermitteln ist, wird im Evangelium klar. Hier argumentiert Jesus, der Sohn Gottes, der neue Mittler des ewigen Bundes, unser Christus als großer Weisheitslehrer im Streit mit den unverständigen Gesetzestreuen:
„Geht und lernt, was es heißt: Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer!“
Dieser Ausruf Jesu klingt schon fast resignierend: „Oh Mann! Leute, ey! Habt ihr es immer noch nicht kapiert? Papa will Liebe und keine Härte!“
So spannt sich also der Bogen eines nicht final ausdiskutierten Opferbegriffes vom antiken jüdischen Opferkult über die bei den Römern verbreitete Opferpraxis bis hinein in die postmoderne Werktagsmesse, wo mit abgezählten Hostien und exklusiven Beschwörungsworten ein unverstandenes Wunder geopfert wird. „Zur Opferung singen wir: Beim letzten Abendmahle“
Damals wie heute ist es Paulus, der versucht zu vermitteln, der sich müht Jesu Rolle und seine Sicht der Dinge klarzustellen gegenüber dem, was schon immer so wahr, was einfach zu glauben und leicht zu verstehen ist:
Der antike Feldherr zog in den guten Krieg und opferte einen Stier damit alles gut ausgehen würde. War er erfolgreich, opferte er zum Dank den besiegten Herrscher. Hat er die Schlacht verloren, opferte er beim parfümierten Festmahl einen Becher Wein für seine getöteten Landsleute.
Wenn der blöde katholische Mopp, wie in fast jeder mittelalterlichen Stadt in Europa, mal wieder Ruhe im Bankkonto haben wollte, massakrierten die Gottgläubigen einfach alle Juden, raubten deren Besitz und bauten als demütigenden Finalschlag ein ach so demütiges Sühneopfer in Form einer gotischen Marienkirche: „Bitt Gott für uns Maria!“
Paulus wirbt um Jesu Verständnis bis heute, wenn er schreibt: „Er wurde stark im Glauben, indem er Gott die Ehre erwies.“ Jesus kannte Gott, daher nannte er ihn Papa. Und Papa ist kein trockener Bürokrat, der seit Jahrtausenden Excellisten befüllt, um irgendwann Schuld und Sühne aufzuwiegen mit bis zur Unkenntlichkeit ritualisierten Opfern.
Weil Jesus Papa kannte, wagte er – wie Abraham – aus Vertrauen in den Gott der Liebe, den Schritt ins Unbekannte. Das ist kein Opfer! Das ist Mut! Das ist Liebe! Das ist Hingabe!
Im Englischen gibt es wenigstens den Unterschied zwischen „victim“ und „sacrifice“: dabei ist victim das Opfer DER blöden Menschheit und sacrifice das Opfer FÜR die blöde Menschheit!
Jesus hat das freiwillig getan! Unser Gott ist nicht so blutrünstig, wie manche ihn sich wünschen. Er schickt seinen geliebten Sohn nicht in den brutalen Tod, nur um seine Liebe zu beweisen.
Viele in der Kirche, gerade auch die charismatischen Neugläubigen, die ach so gern die Hl. Schrift, das wahre Wort Gottes zitieren und einen mit aus dem Zusammenhang gerissenen Bibelversen versuchen in ihre eigene Enge zu treiben, poltern immer nur: Römerbrief, Kapitel 4, Vers 25: „Wegen UNSERER Verfehlungen wurde er hingegeben, wegen unserer Gerechtmachung wurde ER auferweckt.“
Die Abrahamgeschichte, die zu diesem Schlussvers elementar dazugehört, lassen sie großzügig weg. Es ist doch viiiiiel besser, wenn ich anderen Schuld einreden, sie schwach und gefügig halten kann, indem ich sie mit psychischem Druck in eine kleinhaltende Heilsangst zwinge.
Liebe Geschwister der Hoffnung, noch einmal:
„Geht und lernt, was es heißt: Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer!“
Jesus war, ist und wird kein Opfer vor Gott! Gott forderte keinen Sündenbock. Im Lamm Gottes, das sich freiwillig zur Schlachtbank auf Golgotha begab und sich zu jeder Messfeier freiwillig auf den Altar legt, schenkt Gott sich hin: weniger, um uns von unseren peinlichen Verfehlungen reinzuwaschen, als vielmehr um uns die Erkenntnis seiner Liebe zu vermitteln.
Jeus Kreuz ist kein Ort der Sühne für einen zornigen Gott, der nur durch Opfergaben zu besänftigen ist. Jesu Handeln ist der absolute Höhepunkt einer bedingungslosen Hingabe aus vertrauender Liebe. Das lasst uns glauben und leben! Amen.

Dreifaltigkeit

© P. Felix Meckl
Es gilt das am 31. Mai 2026 in St. Augustinus, Berlin gesprochene Wort.

Liebe Geschwister in der Hoffnung,
Das Herz unseres Glaubens, das wir heute feiern, ist keine trockene Theorie, sondern ein lebendiges Geheimnis der Liebe. Gott ist dreifaltig: Vater, Sohn und Heilige Geistkraft. ER ist der barmherzige Schöpfer, der uns rettende Bruder und die verheißende Liebe in unserer Mitte.
„Der Herr ist ein barmherziger und gnädiger Gott, langmütig und reich an Huld und Treue.“ So hörten wir es gerade in der ersten Lesung aus dem Buch Exodus (Ex 34, 6). Mose durfte diese Erfahrung am Berg Sinai machen. Und im Evangelium (Joh 3, 16–18) fasst Johannes das Zentrum unseres Glaubens in die unsterblichen Worte: „Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat.“
Die Heilige Geistkraft wird selten explizit erwähnt. Sie ist die Realität, die wir wahrnehmen. Sie hat uns hier zusammengeführt, lässt uns danken, singen, bitten und beten. Sie durchweht Raum und Zeit, Wort und Klang wie unser Atem.
Dreifaltigkeit. Trinität. Ein philosophisches Konstrukt, lange nach Jesus von Nazareth erdacht, entwickelt in unzähligen – teilweise sogar blutigen – Diskussionen.
Für viele klingt es heute noch nach einer komplizierten Rechenaufgabe:
Wie kann einer drei sein und drei einer?
Auch viele Bilder wirken uns fremd, irritieren.
Unser Gottesbild scheint ein unlösbares Rätsel für unseren menschlichen Verstand. Doch darf uns das nicht schrecken!
Jede Rede von Gott war, ist und bleibt nur Stückwerk. SEINE resp. IHRE Größe und Vielfalt, sein Wirken und ihre Liebe können wir nur bruchstückhaft wahrnehmen, geschweige denn verstehen.
Weil Gott aber real ist, da ist, mit uns Menschen mitgeht durch alle Höhen und Tiefen, in alle Erfahrungen und Entwicklungen, müssen wir uns immer wieder neu dieser Existenz stellen und versuchen IHN respektive SIE für uns zu deuten.
So möchte ich Sie heute einladen, die Dreifaltigkeit mit ganz anderen Augen zu betrachten – durch die Linse einer kulinarischen Spezialität, die wir alle sicher kennen: dem Fürst-Pückler-Eis.
Dieses Eis, berühmt geworden durch den preußischen Offizier und Landschaftsarchitekten Fürst Hermann von Pückler-Muskau (1785 bis 1871), besteht bekanntlich aus drei Schichten: Schokolade, Vanille und Erdbeere.
Drei Geschmacksrichtungen. Drei Farben. Drei völlig unterschiedliche Charaktere. Und doch sind sie untrennbar miteinander verbunden.
Dem Wesen nach sind sie eins, als gefrorene Sahne mit Zucker, aber dennoch ganz individuelle Geschmackserfahrungen. Zusammen bilden sie das Fürst-Pückler-Eis. Ob das Eis seines Hofkoches Louis Ferdinand Jungius für den überzeugten Monotheisten Pückler im Kochbuch von 1839 als Gottesbild geschaffen wurde, bleibt Spekulation.
Doch lassen wir uns diesen dreifachen Genuss einmal auf unserem gläubigen Gaumen zergehen:

Die Schokolade: Gott, der Vater – fester Grund und Schöpfer der Erde
Dunkel, kräftig, intensiv und erdig. Schokolade ist der Teil des Eises, der Substanz hat. So ist Gott, der Vater. ER ist der felsige Grund unseres Lebens. ER ist der Schöpfer, der uns Halt gibt. Wie die dunkle Schokolade uns oft ein tiefes, sattes Aroma schenkt, so ist Gott der Ursprung, aus dem wir schöpfen. ER ist der, der uns ins Leben gerufen hat, uns aus der braunen Erde geformt hat und uns beständig treu mit Fülle beschenkt.

Als zweites: Die Vanille: Gott, der Sohn – Die sanfte Hingabe, die alles durchwirkt
Hell, zart, lieblich und vertraut. Sie schmilzt auf der Zunge und versöhnt selbst Widersprüche. So ist Jesus Christus, der Sohn. ER ist die Menschwerdung Gottes. ER ist nicht gekommen, um zu richten, sondern um zu retten. ER macht Gott für uns liebevoll nah, süß und sinnlich erfahrbar. Wie die Vanille eine milde Süße in das Eis bringt, so bringt Jesus die Liebe Gottes direkt in unser Leben. ER zeigt uns, wie Gott ist: sanftmütig, heilend, den Menschen liebevoll zugewandt.

Schließlich die Erdbeere als Heilige Geistkraft – Eine spritzige Frische, die aus den kalten Tagen ins Leben in Fülle weist
Fruchtig, lebendig, erfrischend ist sie; manchmal überraschend säuerlich. Das ist ruach, die Heilige Geistkraft. SIE ist die Kraft, die in uns wirkt und uns antreibt. SIE weht, wo SIE will. SIE bringt Farbe und Lebendigkeit in unser Glaubensleben. SIE ist diejenige, die uns die Augen öffnet und uns die Botschaft Jesu frisch und lebendig schmecken lässt.

Das Entscheidende, liebe Schwestern und Brüder im Glauben, ist aber: Jede Sorte schmeckt anders. Kein langweiliges einseitiges Wahrnehmen jener großen Fülle, die Gott uns gewährt.
Wenn man die drei Geschmäcker zusammen auf dem Löffel hat, entsteht ein harmonisches Ganzes. Ein Geschmackserlebnis, das mehr ist als die Summe seiner Teile.
So ist unser Gott. Er ist der eine Gott, aber er begegnet uns in dieser dreifachen Vielfalt.
ER ist uns nah als Schöpfer, der uns hält.
ER ist uns nah als Bruder und Retter, der uns den Weg zeigt.
Und SIE ist uns nah als ständige Inspiration und Lebenskraft in unserem Alltag.
Gott ist nicht fern und starr, vertrocknet und alt, verstaubt oder fremd. Er ist nicht eindimensional oder aus leblosem Material gezimmert.
Unser Gott ist vielfältig, dynamisch, lebendig. Gott ist in sich selbst schon eine Gemeinschaft der Liebe. Und zu genau dieser Gemeinschaft der Liebe lädt Gott uns ein.
Wir dürfen an diesem Dreifaltigkeitssonntag staunen, dass Gott uns so unfassbar liebt. ER liebt uns so sehr, dass ER sich uns in all diesen Facetten schenkt – damit für jeden von uns etwas dabei ist, das uns nährt, erfreut und in jeder Krise auch erfreut und rettet.
Lassen Sie uns Gott in seiner Dreifaltigkeit nicht als unlösbares Rätsel oder halbseidene Darstellung betrachten, sondern als ein wunderbar, stets neues Geschenk annehmen, das darauf wartet, von uns genossen, geliebt und geteilt zu werden. Amen.

Bild: David Bumgardner / unsplash

Pfingsten

© P. Felix Meckl
Es gilt das am 24. Mai 2026 in St. Augustinus, Berlin gesprochene Wort.

Wenn halbwegs belesene Menschen von Pfingsten hören, dann denken sie an das Wunder der Feuerzungen. Doch hört man die Lesung aus der Apostelgeschichte, reiht sich Wunder an Wunder:
Wunder 1: alle waren an einem Ort. Das erleben wir kaum. Jede und jeder hat vielzählige Verpflichtungen, verschiedene Systeme, die sich selten überschneiden. Oft vermissen wir jemanden, er oder sie fehlt uns, als Mitfeiernde, als Ratgeber, als Begleitung. Doch am Pfingsttag waren sie alle an einem Ort.
Das 2. Wunder ist dann das bekannte, berühmte Wunder, dass der Raum erfüllt wurde mit Brausen und Sturm und dass IHNEN – das finde ich spannend – IHNEN Zungen erschienen wie von Feuer. Der Verfasser der Apostelgeschichte berichtet als Außenstehender. Er schreibt nur vom himmlischen Brausen, das wohl alle erlebt haben. Die Feuerzungen erschienen IHNEN, also ganz individuell. Vielleicht ist das schon ein drittes Wunder?
Wunder 4: alle wurden vom Heiligen Geist erfüllt.
Wunder 5: sie begannen zu reden
Wunder 6: in anderen Sprachen – was für ein Geschenk!
In diesen wenigen Versen reiht sich Wunder an Wunder. Kein Wunder also, dass wir Pfingsten feiern und dass Pfingsten so bekannt ist.
Die anderen beiden Texte der heutigen Leseordnung ergänzen diese Wundersammlung, holen sie aus der Berichterstattung eines einmaligen Ereignisses heraus und machen sie ewiggültig.
Vor allem der Korintherbrief, wo Paulus allen Gemeinden und Gemeinschaften ins Gewissen schreibt: „Es gibt verschiedene Gnadengaben, aber nur den einen Geist. Es gibt verschiedene Dienste, aber nur den einen Herrn. Es gibt verschiedene Kräfte, die wirken, aber nur den einen Gott.“
Aber in all diesen naturgegebenen und gottgewollten Vielfalt:
„ER“, also Gott in der heiligen Geistkraft, „SIE bewirkt alles in allen.“
Jede und jeder von uns darf sein, ist so gewollt, wie er oder sie ist. Jedes Wesen hat individuelle Fähigkeiten, Charismen, Stärken und Schwächen. Nur in der Summe können wir stark sein. Nur in der gebündelten Vielfalt sind wir wahre Einheit.
Schließen wir die einen aus, sind wir verstümmelter Leib.
Doch dürfen wir – wenn wir dieses Bild verwenden und mitdenken – nicht das Jesuswort vergessen, dass Matthäus uns zweimal überliefert: nach dem Rangstreit der Jünger und bei den Weherufen seiner Bergpredigt.
„Wenn dir deine Hand oder dein Fuß Ärgernis gibt, dann hau sie ab und wirf sie weg!“ oder „wenn dir dein Auge Ärgernis gibt, dann reiß es aus!“ Als Beweggrund für solch gewaltsames Zuwiderhandeln gegen die Einheit in der Vielfalt benennt Jesus immer nur eins: das Verachten der Kleinen, der Schwachen, der Ausgegrenzten.
Wer also gegen die volle Einheit in der Vielfalt ist, der ist gegen Gott und kann somit nicht zu dir gehören. Das klingt hart, ist aber konsequent! Das mag uns erschrecken, ist aber notwendig. Ausgrenzung geschieht immer auf Kosten der Schwachen, gegen Minderheiten. Dagegen steht Jesus mit allem, was er ist.
Gut, dass dann das Evangelium, in diese harte Notwendigkeit und die vielleicht ausgelöste Aufwühlung hinein, die wohl wichtigste österliche Botschaft Jesu zu Gehör bringt: „Friede sei mit euch! Friede sei mit euch! Friede sei mit euch!“
Unzählige Male berichten die Evangelisten von diesem Gruß Jesu, von diesem Wunsch des alten Freundes, von dieser Zusage des Meisters. Friede sei mit euch!
Der heutige Abschnitt macht deutlich, dass die Gabe der Heiligen Geistkraft nicht mit Druck oder Angst, nicht mit Appellen oder Auflagen beginnt, sondern mit Frieden. Jesus haucht diesen Frieden zu. Einen göttlichen Frieden, der wie das Säuseln, das der Prophet Elija am Horeb bei seiner Gottesbegegnung gehört hat, daherkommt. Frieden macht keinen Lärm! Frieden ist still, schweigt. Frieden gibt dem wesentlichen Raum.
Liebe Geschwister im Glauben,
Pfingsten sagt uns: Du musst dich nicht verstellen, um von Gott geliebt zu sein. Und du musst andere nicht ändern, um ihnen mit Respekt zu begegnen.
Wer aus Gottes Geist lebt, ist nicht laut, macht andere nicht klein, redet nicht an anderen vorbei.
Wer aus Gottes Geistkraft lebt, baut Brücken, hört zu und gibt – selbst fremden – Menschen Mut ihr Leben vertrauensvoll als Geschenk zu leben.
Die Heilige Geistkraft macht aus vielen Stimmen kein Chaos, sondern eine gemeinsame Hoffnung für alle.

Bild: Geoffroy Hauwen / unsplash

To celebrate our loneliness. Wir sind allein! Allein, allein, allein, allein.

© P. Felix Meckl
Es gilt das am 17. Mai 2026 in St. Augustinus, Berlin gesprochene Wort.

Wir sind allein…

Dieses Lied hat mich berührt, ab dem Moment, als ich es zum ersten Mal gehört habe. Ich wusste nicht weshalb, habe es immer und immer wieder gehört. Es brannte sich ein, wurde zum Ohrwurm. Schließlich fand ich heraus, warum mich dieses Lied so trifft: es ist die Widersprüchlichkeit zwischen Aussageinhalt und Wirkungsmacht der Melodie.

Wir sind allein.

Damit geht es schon mal los.

Der Text ist ein Oxymoron. Ein WIR ist doch nicht allein. Klar, eine kleine Gruppe kann sich in der Wüste alleine fühlen.

Aber der Widerspruch ist virulent: WIR sind mindestens zwei und damit ist Mann respektive Frau nicht allein. Es gibt ein Gegenüber, ein Nebeneinander, ein Miteinander ist möglich. Aber es ist eben nur möglich; nicht gesetzt oder gesichert wahrnehmbar.

In Deutschland fühlen sich etwa 19 Prozent der Menschen manchmal oder häufig einsam. In Berlin berichten Umfragen zufolge sogar bis zu 50 Prozent der Großstädter von Phasen der Isolation. Bei 56 % Singlehaushalten, nicht verwunderlich.

Zwischen Einsamkeit und Alleinsein jedoch herrscht ein großer Unterschied. Einsam ist man in einer 4 Millionenstadt selten: weder im ÖPNV noch in Geschäften und Behörden, Museen oder Kneipen. Auch in den Wohnungen hört man – mal mehr mal weniger nervig – die Nachbarn trampeln, sprechen oder Musik hören.

Allein sein ist mehr ein Zustand, denn das Gefühl, das uns – und ich glaube eine jede und einen jeden von uns – immer wieder einmal quält. Gegen Einsamkeit kann ich aktiv etwas tun: ich kann rausgehen aus meiner Wohnung, kann einem Verein beitreten oder mich einer Gemeinschaft wie der KSG anschließen. Einsamkeit wird dadurch gebrochen.

Gegen das Alleinsein mag das helfen, aber nicht automatisch.
„We look into faces, wait for a sign. Wir sind allein. A prisoner behind the walls.“

Gegen das Alleinsein hilft nur seine Haltung zu ändern.
Dafür spricht Jesus seine vielen Zusagen. Genau das üben wir ein in diesen zehn Tagen zwischen seiner Himmelfahrt und dem Pfingstfest.

„Du magst einsam sein, du magst dich allein fühlen: ich aber bin immer bei dir. Ich bleibe bei dir, wie ich bei dir war. Die alte Zusage des Vaters im brennenden Dornbusch gilt – beständig in Raum und Zeit und ewig neu, besonders für dich, der du mich gerade brauchst.“

Jesu Aussage geht sogar noch weiter. ER sagt: „ich komme wieder. Ich sende euch eine Trösterin. Ich lasse euch nicht zurück. Ich gehe und bereite vor. Ich sorge für dich.“

Das hilft gegen das lähmende, schmerzende, angstmachende Gefühl des Alleinseins.

Ob die Jüngerinnen und Jünger sich allein gefühlt haben, als sie sich eingeschlossen hatten in den engen alten Raum im Obergeschoss und gebunden im Gebet ausharrten auf bessere Zeiten, wissen wir nicht. So ein Sich-Einhausen birgt jedoch immer die Gefahr über die Einsamkeit auch abzudriften ins Alleinsein.

„He’s livin‘ in a universe; a heart away. Inside of him there’s no one else; just a heart away. The time will come to be blessed; a heart away; to celebrate his loneliness“ Singt Polarkreis 18 aus Dresden gleich zum Auftakt seines bekanntesten Liedes, das sich 2008 insgesamt 49 Wochen in den Deutschen Charts hielt.

Diesen einen Herzschlag entfernt ist die Heilige Geistkraft. Sie erwarten wir in diesen Tagen; erbitten, ja erflehen sie. In so mancher Novene immer flehentlicher. „Komm, Heiliger Geist. Schaff das Leben neu. Erfülle uns und die ganze Welt.“

Und in diesem Erhoffen und Ersehnen, in diesem Herbeiwünschen und Vertrauen wird die christliche Dimension des Alleinseins klar:

Niemals sind wir allein, deshalb können wir in dieser energiegeladenen beschwingten Melodie als Chor rufen: Wir sind allein. Die Heilige Geistkraft gibt uns den Mut dazu, gibt uns die Kraft dazu, öffnet uns den Blick weder an Einsamkeit noch an manchmal gefühltem Alleinsein zu verzweifeln.

Die Geistkraft wird kommen und sie ist schon da. Seit dem ersten Atemzug in uns lebendig. Mit der Taufe geheiligt. In der Firmung bekräftigt.

Erflehen wir sie neu für dieses Jahr, in dem wir stehen und vertrauen wir als Chor, dass alles, was Gott Jesus geschenkt hat, er auch uns schenken will: die Liebe, die Gewissheit und ein Leben in Fülle. Amen.

 

Here I am – hier bin ich

© Nicole Oster
Es gilt das am 10. Mai 2026 in St. Augustinus, Berlin gesprochene Wort.
As delivered on 10 May 2026, at St. Augustinus, Berlin.

Here I am, Lord, is it I Lord?- hier bin ich, Gott

So haben wir beim Zwischengesang gesungen.

Here I am, hier bin ich. Send mich her, denn hier bin ich.

Hier bin ich. Mit allem, was mich ausmacht, meinen Fehlern und Schwächen, meinen Talenten und meinem Wissen, meinen Fragen und Zweifeln, Unsicherheiten, meinen Ideen und Fähigkeiten.

Hier bin ich. Auch als Pastoralreferentin, Katholikin, Frau in der Kirche, als Predigerin. Wie viele Frauen im Rahmen der Predigerinnentage.

Hier bin ich, sage ich heute und stelle mich damit in eine Reihe von Frauen in Bibel und Kirchengeschichte gesagt haben „hier bin ich, hier ist mein Platz“ und „ich gehe hier nicht weg.“

Manchmal ist ihr „hier bin ich“ laut, raumfüllend, manchmal eher leise und füllt die Zwischenräume und mal in Taten, mal in Wort und Schrift. Und oft wurde/ wird es kleingehalten, wurde versucht, es zum Verstummen zu bringen. Doch es ist weiterhin zu hören.

Alle Frauen der Bibel und Kirchengeschichte aufzuzählen, würde zu lange dauern, aber auf ein paar möchte ich doch hinweisen.

Da sind die Erzmütter, Rebekka, Lea & Rahel. Was wäre ohne Saras Lachen, ohne Rebekkas Segen für ihre Söhne?

Da sind die Frauen im Stammbaum Jesus: Rahab, Tamar, Batseba und Rut. Sie haben einen prominenten Platz im Neuen Testament gefunden. Und das als Frauen, deren Lebenswandel nicht besonders schicklich war, als Ausländerinnen und als Personen, die sich selbst für ihr Schicksal eingesetzt haben.

Und dann sind da zwei Marias.

Zum einen Maria, die Mutter Jesu. Da könnte man jetzt sagen, aber deren „hier bin ich“ ist doch laut, sie ist bekannt und hat einen Platz in der Kirche. Das stimmt, wobei meiner Meinung nach, ein paar Aspekte von ihr in den Hintergrund gerückt sind.

Vor allem im Blick auf das magnificat, ihr Loblied auf Gott- und was für ein Loblied

„Meine Seele preist die Größe des Herrn“ Diese Zeile ist bekannt und meistens bleibt es bei dieser Zeile, doch es geht noch weiter.

„Er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die niedrigen, die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben und lässt die Reichen leer ausgehen“ spricht von Gottes umwälzender Kraft, die Machtverhältnisse auf den Kopf stellt. Maria singt: ich bin da, und vertraue auf Gott und seine umwälzende, revolutionäre Kraft. Maria ist nicht nur demütig, sondern auch kraftvoll und aktiv.

Und dann ist da noch Maria Magdalena. Apostelin, Zeugin der Auferstehung, die von Jesus persönlich einen Sendungsauftrag erhält. Doch in der Kirchengeschichte wurde ihr „hier bin ich“ (fast) zum Verstummen gebracht, wurde sie zur Sünderin gemacht, degradiert. Erst seit ein paar Jahren wird sie wieder als Apostelin der Apostel gefeiert.

Da sind noch viel mehr Frauen in Bibel und Kirchengeschichte, die in Worten, Taten oder schriftlich zeigen „Hier bin ich“.

Wie Katharina von Siena, unsere Patronin Edith sein, Mystikerinnen wie Teresa von Ávila oder auch heute: Frauen, die auf dem Synodalen Weg aktiv sind und in sozialen Medien Zeugnis von ihrem Glauben ablegen und Räume einnehmen.

Räumen, in denen wir Frauen manchmal nicht gerne gesehen sind, und doch sind wir da und bleiben da.

Here I am Lord, I will go Lord!

Ich darf mich trauen Platz einzunehmen. So wie’s zu mir passt. Laut oder leise, auf Social Media, im Schreiben, sprechen, in Taten oder Worten,…

Ich darf Raum einnehmen und Platz beanspruchen. In Kirche, Gesellschaft, in Arbeit und Studium und auch hier in der KSG. Darf meine Fragen stellen und meine Themen einbringen, mitgestalten und auch verkündigen, denn dazu ist jede und jeder von uns berufen.

Ich darf Raum einnehmen, mit allem, was mich ausmacht. Denn jede*r von uns ist gerufen.

Here I am Lord!

Das ist nicht immer leicht. Manchmal übernehmen Zweifel und Angst die Oberhand.

Doch hier kommt das Evangelium von heute in Spiel.

Es ist ein Teil von Jesu Abschiedsrede und die Jünger sind ängstlich, wissen nicht, wie sie weiter seine Botschaft verkünden sollen, sind auf der Suche nach ihrem Platz. Jesus verspricht ihnen: Ich bin da, ich werde immer da sein. Vertraut auf meine Liebe und haltet meine Gebote, dann bleibt ihr bei mir und ich stärke euch. Durch meine Liebe und durch die Heilige Geistkraft.

Diese Zusage gilt den Jünger*innen damals und gilt uns, jeder und jedem Einzelnen auch heute.

Mit dem Bewusstsein, dass da jemand ist, die mir den Rücken stärkt, mir Mut und Inspiration gibt und mir Sachen zutraut, kann ich selbstbewusst sagen

HIER BIN ICH! Amen.

Bild: Alex Beauchamp / unsplash

B-E-R-U-F-U-N-G

© P. Felix Meckl OSA
Es gilt das am 26. April 2026 in St. Augustinus, Berlin gesprochene Wort.

Liebe Firmbewerber*innen, liebe Studierende, Sw und Br

„Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben.“ (Joh 10,10).

Dieser Satz Jesu, den wir als Schlusswort des heutigen Evangeliums gehört haben, steht mitten im Johannesevangelium.

„Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben.“ (Joh 10,10).

Er ist ein Versprechen, gerade heute, am Weltgebetstag um geistliche Berufungen.

Vielleicht klingt „geistliche Berufung“ für euch erst einmal altbacken, zugespitzt nach Kloster oder Priesteramt.
Doch Berufung ist der Ruf Gottes an jeden, an dich, dein Leben nicht einfach irgendwie ablaufen zu lassen, sondern es in Fülle zu leben – intensiv, echt, geliebt.

Lasst uns daher mal das Wort Berufung näher anschauen. Dazu brauche ich bitte acht mutige Schäflein, gerne Studis UND Firmbewerber*innen. Auch Eltern und Gäste sind mir willkommen. Denn Berufung trifft nicht nur eine Gruppe, sie trifft uns alle.

Acht Leute kommen nach vorn und bekommen DIN A3-Bögen mit den Buchstaben B E R U F U N G.

Was steckt alles drin in diesem Wort?

Beruf:
Ja, es geht um einen Job. Um etwas, das man erlernt, das man ausübt, um Geld zu verdienen. Dazu muss man lernen: in der Schule, bei der Ausbildung, an der Uni und dann ein Leben lang, um up-to-date zu bleiben. Ein Beruf ist aber auch noch für etwas anderes gut als Geldverdienen und das ist vielleicht sogar wichtiger. Na, eine Idee? Es geht um Erfüllung und Sinnhaftigkeit. Wenn ich meinen Job gern mache und Sinn darin sehe, dann ist er Berufung. Denn Sinn erfüllt mit Freude und die strahlt aus auf andere, macht die Welt dadurch besser, baut Reich Gottes auf.

Ruf:
Ruf. Da ruft einer. Es ist eine Art Schrei, manchmal ganz laut zu hören, fast schon drängend. Manchmal aber ist der Ruf sehr versteckt, man muss genau hinhören, achtsam sein. Auch muss man aufpassen WER da ruft: die Welt? Das schnöde Geld? Die Eltern? Ein Lehrer oder eine Professorin?
Beim Ruf müssen wir alle genau hinhören – auf den Ruf Gottes in unserem Leben. Sie ruft, sie hat gerufen und sie wird rufen – immer wieder – wohin ist klar: in das Leben in Fülle, so wie Jesus es uns versprochen hat.

Er:
ER ruft! Gott ruft, Jesus ruft und die Hl. Geistkraft denken wir mit. ER, der dreieine Gott ruft nach dir, in Welt und Zeit.
ER kann aber auch der Mensch zu deiner Rechten oder deiner Linken sein. Oder der, der am Boden liegt und Hilfe braucht, der in der Schule gemobbt wird und eine Unterstützung nötig hat.
In all diesen Fällen ruft ER dich.
Aber Vorsicht! Hört nie nicht auf die Wölfe! Schon gar nicht auf jene, die im strahlenden Schafspelz daherkommen.

Be:
To be. Bei der Berufung geht es um das ganze Sein. Es geht nicht nur um eine Sonntagspflicht oder ein Gebot, auch nicht um ein Versprechen oder Gelübde. Es geht um das ganze Sein. Alles was mich ausmacht, alles was ich bin, kann und habe, alles gehört hinein in diese Berufung. Da sind Talente und Schwächen, Fähigkeiten und Ängste, Kreativität und Faulheit. All das gehört zu mir, zu meinem Sein und all das hat eine Bedeutung vor Gott.
Berufung zu leben heißt all das mitzudenken.

Fun:
Ja, Fun, Spaß. Berufung darf auch Spaß machen! J

U:
U, you. Das englische Ein-Buchstaben-Wort, ein Homophon, das häufig in der Textspeak verwendet wird.
You. Das kommt gleich zweimal vor!
Es geht um dich!
Das ist so wichtig, dass es im Wort Berufung gleich zweimal vorkommt. DU bist wichtig! Dich hat Gott im Blick. Deine Berufung gehört dir!
Deine Berufung ist ganz individuell. Sie mag anderen ähneln, aber es ist dein Leben, dein Weg, deine Berufung zu einem Leben in Fülle.

So, da haben wir es: sechs Worte, sechs Dimensionen in diesem einen alten abgedroschenen Wort.
Danke und zurück auf die Plätze. Die Plakate lasst ihr einfach hier.

Berufung ist kein festgelegter Plan, sondern ein Weg, den ihr mit dem guten Hirten geht. Er traut euch zu, Leben in Fülle zu leben und diese Fülle in unsere Welt zu bringen.
Hört auf seine Stimme. Traut euch zu, Hirten eures eigenen Lebens zu sein. Der ewig-gute Hirte geht immer mit euch. Amen.

Bild: Zhuo Cheng you / unsplash

3. Ostersonntag

© Nicole Oster und Felix Meckl
Es gilt das am 19. April 2026 in St. Augustinus, Berlin gesprochene Wort.

Nicole Oster: Zukunft mit Gott – ich finde das ein echt schönes Motto. Und das passt so gut zum Frühling, zu Ostern…
Zukunft mit Gott ist bunt, vielfältig, Gemeinschaft und ein freundliches, friedliches Miteinander, Lachen, Tanzen, Gesang…
Felix Meckl: Naja, also, ich weiß ja nicht. Zukunft mit Gott? Man müsste schon fast eine rosarote Brille aufhaben, wenn du da so erzählst. Ich finde, du übertreibst…
NO: Was stört dich denn so an dem Thema?
FM: Kann man wirklich so begeistert von einer Zukunft mit Gott reden in einer Welt, die voller Krieg ist? Wo sich selbst der Papst und der amerikanische Präsident öffentlich streiten? Wo Schwächen ausgenutzt, die Kleinen kleingehalten werden? Da steckt für mich nicht viel Zukunft drin. Oder schau mal in die Kirche in Deutschland, mit ihren Grabenkämpfen und fundamentalistischen Gruppen. Da ist für mich kein Gott mit Zukunft.
NO: Ich kann deine Gedankengänge verstehen. Für mich zeigen gerade diese Ereignisse in der Welt und den Kirchen, dass wir an einer Zukunft mit Gott arbeiten müssen. Zukunft mit Gott ist nicht einfach von heute auf morgen da. Wir müssen schon mitarbeiten. Und das finde ich schön, dass wir diese Zukunft mitgestalten können.
FM: Klingt nach Arbeit.
NO: Nach schöner Arbeit. Ich sehe da sehr viele Gestaltungsmöglichkeiten und jede*r kann sich mit seinen Talenten und Ideen einbringen. Gemeinsam unterwegs sein. So wie wir es eben im Evangelium gehört haben. Gemeinsam unterwegs sein, durch Tiefen und Höhen. Du erinnerst mich ein wenig an die Jünger*innen aus dem Evangelium vorhin. Die hatten auch wenig bis keine Hoffnung für Zukunft. Waren mutlos und verzweifelt. Was ja auch in deren Situation verständlich war.
FM: Die hatten allen Grund dazu. Jesus war gestorben und begraben. Sie waren enttäuscht und hatten Angst. Ich kann das voll verstehen, dass die einfach weglaufen wollten von den tragischen Ereignissen. Weglaufen tun heute ja auch viele: schau dir die Kirchenaustrittszahlen an oder die Statistiken vom Kirchenbesuch. Man muss ja fast schon dankbar sein für alle, die noch nicht ausgetreten sind. So waren auch die Emmausjünger schwer beladen.

NO: Ich sage ja, verständlich. Zeit für Trauer ist wichtig und die sollte man sich nehmen: auch mal eine Pause von den Nachrichten machen. Aber dabei darf man nicht stehen bleiben. Und da frage ich mich schon, ob die beiden Jünger die Botschaft Jesu verstanden haben. Denn wäre es nicht viel schöner, wenn sie dageblieben wären in Jerusalem und geholfen hätten die Botschaft Jesu lebendig zu halten statt zu fliehen. Statt den Kopf in den Sand zu stecken und die Welt auszublenden.
Aber die Geschichte bleibt ja nicht bei deren Weglaufen stehen Das ist ja der Anfang. Und sie waren nicht alleine.
FM: Zu zweit… na ja
NO: Ja, zu zweit sein ist ein Anfang. Austausch, Verbundenheit. Da ist jemand, der mich sieht, mit dem ich meine Gefühle, Gedanken, Sorgen teilen kann. Da ist schon ein wenig Zukunft spürbar. Und sie bleiben ja nicht zu zweit. Da kommt noch jemand Drittes hinzu.
FM: Das hat jetzt wirklich kaum Bezug zu heute. Oder glaubst du wirklich, dass Jesus einfach zum Spaziergang hinzukommt?
NO: Jetzt nicht so wie bei den Jüngern, aber ich glaube schon, dass Jesus uns begleitet. Genau das sagt uns doch die Erzählung von Emmaus:
Jesus geht mit. Von Anfang an ist er dabei. Und die Jünger spüren es schon in ihren Herzen, während er mit ihnen redet. Und endgültig, als sie Mahl miteinander halten.
Und da hast du dein Beispiel, wie Jesus heute gegenwärtig ist: wenn wir Gemeinschaft feiern, hier im Gottesdienst und so vielen anderen Momenten, in denen wir im Sinne Jesu handeln. Wenn wir füreinander da sind. Wenn wir uns in Diskussionen einmischen und für Menschen einsetzen, für Gerechtigkeit laut werden (im kleinen oder großen Rahmen). Sei es Nachhaltigkeit, soziales Engagement, oder das einfache zuhören, wenn jemand uns braucht.
Es gibt so viele Möglichkeiten!
Dann gestalten wir Zukunft mit Gott.
Auch mit dem Studium, dem Beginn des neuen Semesters beginnt Zukunft. Damit gestaltet jede und jeder Zukunft, eure eigene Zukunft und vielleicht ja auch gemeinsam, vielleicht auch Zukunft mit Gott.
„Brannte nicht unser Herz“ für mich einer der schönsten Sätze der Bibel. Dieses Gefühl, wenn du erfüllt von Freude und Zuversicht bist. Wenn man merkt, hier kann ich was bewirken, hier bin ich am richtigen Ort, hier will und soll ich sein.
Klar, das Gefühl ist nicht immer da und manchmal echt schwer zu finden. Aber das schöne ist doch, dass wir eine Gemeinschaft haben. Wir sind nicht allein unterwegs. Weder im Studium, auf der Arbeit, in der Ausbildung und nicht im Privatleben. Da sind Kommiliton*innen, Kolleg*innen, Freund*innen, Familie, die KSG…
FM: Ja, du hast schon recht. Zukunft mit Gott entsteht am besten – wenn nicht sogar – NUR in Gemeinschaft. Und so unterschiedlich wir Gemeinschaft leben, so unterschiedlich sind unsere Zugänge zu Gott, unsere Gottesbilder und Vorstellungen.
NO: Zukunft mit Gott ist so vielfältig wie die Studiengänge, Interessen, wie wir alle hier in der KSG. Und das ist das schöne: diese Vielfalt – denn Zukunft ist nicht schwarz, Zukunft ist bunt.
Nur wenn wir gemeinsam Zukunft gestalten, unsere Ideen, Interessen zusammenbringen, dann entsteht Zukunft. Das geht wahrscheinlich nicht ohne Streit und Reibereien. Das habt ihr in euren Freundschaften und Familien auch schon erfahren, wir in der KSG auch, aber das zeigt ja auch Ostern: nach rabenschwarzer Nacht kommt wieder Sonne.
FM: Ja, es gibt eine Zukunft mit Gott, weil wir einen Gott mit Zukunft haben – bunt und vielfältig, zugewandt und nah.
NO: Mit ihm können wir Zukunft gestalten, gemeinsam, jede und jeder von uns.
FM: Wie schon der Hl. Augustinus uns einlädt:
Gemeinsam zur Gemeinde: Seid ein Herz und eine Seele auf dem Weg zu Gott.
Gemeinsam zueinander: Amen. 😊