Vom Warum zum Wozu
Liebe Gemeinde,
Umkehr, Schuld, Drohungen, …Apokalypse, Ende der Welt.
Die Lesungstexte in der Fastenzeit sind davon geprägt und wie ich finde immer herausfordernd. Auf theologische Weise und auch, was das Bild von Jesus angeht. In den Evangelien in der Fastenzeit begegnet uns nicht der liebevolle Jesus, der schöne Gleichnisse erzählt und von Gott, der die Liebe ist, redet. Hier ist ein Jesus, der Klartext redet, harte Worte benutzt und auch Drohungen ausspricht.
Beim ersten Lesen/Hören wirkt das eher abschreckend, wirft Fragen auf.
Genauer betrachtet:
Aufhänger des Evangeliums ist die Ermordung eines Galiläers durch die Römer. Nach dem Konzept des Tun-Ergehens-Zusammenhangs, also ich tue was Gutes, mir widerfährt gutes und umgekehrt, ich handle schlecht, mir ergeht es schlecht, müssten diese Galiläer Sünder sein. Ein wenig wie Karma.
Jesus dementiert das.
Er bringt eine andere Logik: Von der Warum zu der Wozu Frage
Nicht „warum ist es den Galiläern so ergangen?“, sondern „was kann ich daraus für mein Handeln lernen?“
Die Wozu Frage lädt ein, zu fragen, was ich aus Situationen lernen kann.
Das ist nicht immer leicht. Vor allem, wenn es um schwierige Situationen in meinem Leben geht. Das geht oft erst mit Abstand und mehr Reflektion. Beim Verlust von einem Familienmitglied – stelle ich mir nicht direkt die Wozu-Frage, da werfe ich Gott mein Warum an den Kopf, aber nach einer gewissen Zeit, kann ich erkennen, dass ich Thema Trauer verstehe, Wert des Lebens und der Liebe neue sehe; oder die Absage von einem Job, als Chance sehe; oder das Handel von Personen sehen und merken, so möchte ich nicht mit meinem Kollegen umgehen…
Unser Handeln, unser Tun hat Konsequenzen, aber es hat keine unmittelbaren oder unumkehrbaren Konsequenzen. Weil ich eine schlechte Tat begangen habe, werde ich nicht automatisch direkt bestraft. Das Gleichnis mit dem Feigenbaum vertieft das: der Winzer ist quasi der Fürsprecher des Baumes. Er setzt sich für den Baum ein, damit dieser eine Gnadenfrist bekommt und die Chance hat, gute Früchte zu bringen. Sprich, Jesus als unser Fürsprecher, der uns auffordert, Gutes zu tun, nach dem Evangelium, seinem Vorbild zu leben und gutes zu tun. Nicht aus Angst vor Strafe (Tun-Ergehens-Zusammenhang), sondern aus Hoffnung auf Vergebung.
Korintherbrief
Ein ähnliches Beispiel dafür gibt uns der Paulusbrief. Die Korinther wähnen sich in Heilssicherheit, weil sie getauft sind und durch die Abendmahlsfeier schon Anteil an JC haben.
Paulus bringt sie auf den Boden der Tatsachen zurück und macht ihnen klar, dass man sich nicht auf der Taufe und dem Ausüben kultischer Vollzüge ausruhen kann. Der regelmäßige Messbesuch reicht nicht, um ich des Heils sicher zu sein.
Nein, Christentum ist mehr als Gottesdienst. Den aus der Taufe erwächst auch die Aufgabe, als Christin zu leben und zu handeln. Das bezieht sich auf die Liturgie und auch auf das diakonische, soziale Handeln als Christin und auch die Weitergabe des Glaubens.
Sich in Heilssicherheit zu wiegen wegen kultischer Vollzüge, ist ein großer Irrtum.
„Wer also zu stehen meint, der gebe acht, dass er nicht fällt.“
Paulus und Jesus legen den Fokus auf das Handeln als Christ.
🡪 wie handle ich als Christ?
🡪 was kann ich auch aus dem Handeln anderer und meinen Erfahrungen lernen?
Umkehr ist immer möglich und unser Taufbewusstsein fordert uns zum Handeln heraus.
Immer wieder Handeln überdenken und prüfen, ob es dem christlichen Glauben, Liebesgebot entspricht.
Dabei kann ich immer auf die Treue Gottes vertrauen.
Predigt von Nicole Oster.

Evan Dennis / unsplash