Bild: © Erzbistum Berlin/Jörg Farys

Die Fastenzeit: Umkehr und Neuanfang

© P. Felix M. Meckl OSA
Es gilt das am 22. Februar 2026 in St. Augustinus, Berlin gesprochene Wort.

Liebe Studierende,
Schwestern und Brüder im Herrn,

auch in den biblischen Texten haben wir es gemerkt: die Fastenzeit hat begonnen. Kritische Themen, belastete Worte, zur Selbstreflexion aufwühlende Passagen haben wir heute gehört.

Doch sie sind Wort Gottes, niedergeschrieben zwar von Menschen einer anderen Zeit, Kultur und Sprache aber eben durch seinen Geist inspiriert, von seiner Offenbarung geprägt. Wie so oft ist es also entscheidend, mit welchem Gottesbild ich diese Texte wahrnehme und sie auf mich einwirken lasse.

Ist Gott für mich der alte weiß-bärtige Opa auf der Wolke, der mal – Zeus gleich – Blitze schleudert und dann klebrig-süße Bonbons verteilt? Helles Licht? Strahlende Energie?

Auch die Leseweise ist entscheidend: Sola scriptura?, wie die neocharismatischen Christen es tun? Verstaubtes notwendiges Übel? Oder historisch kritisch, wie die Exegeten es uns lehren?

Das sind Gottesbilder bzw. Herangehensweisen für seine wohl komprimierteste Offenbarung in den Hl. Schriften. Entscheidend aber – also so richtig entscheidend – für das richtige Verstehen und ein gewinnbringendes Wahrnehmen der biblischen Lesungen, ist die richtige Beziehung zu Gott.

Egal wie ER aussieht, egal wie ich IHN und seine Offenbarung einordne: entscheidend ist in welcher Beziehung ich zu ihm lebe, hoffe, liebe.

Das Buch Genesis in der ersten Lesung zeigte uns Gott als Schöpfer: ER formte dich und mich aus Staub, blies uns seinen göttlichen Lebensatem ein und machte uns dadurch lebendig – ihm gleich, heißt es im ersten Schöpfungsbericht.

Im zweiten Schöpfungsbericht ist wichtig, dass Gott uns zuerst geschaffen hat. Wir waren seine Priorität! Dann erst kam der Garten, die schöne Erde und Natur! Wir waren die ersten, wir waren und sind ihm wichtig. Augustinus fasst das zusammen in: „Gottes Sehnsucht ist der Mensch!“

Dass wir Gottes Sehnsucht sind, dass wir IHM wichtig sind, können wir erkennen an seiner großen Geduld und Liebe.
Obwohl wir oft nicht auf seine Worte hören, seinen wohlgemeinten Befehlen nicht folgen, sondern meinen alles besser machen zu können, mehr wissen zu wollen und IHM immer ähnlicher sein möchten… ER bleibt treu! Er bleibt liebevoll zugewandt. ER vernichtet nicht, tötet nicht, sondern bestraft – höchstens – er bestraft mit dem Leben und der Freiheit.

Durch den Baum der Erkenntnis, von dem unsere Vorfahren gegessen haben und wir ständig daran weiteressen als denkende Wesen, neugierig auf den Sinn des Lebens und ständig auf der Suche nach Optimierung der eigenen Situation, durch diesen Baum öffnete ER uns einen Weg in die Freiheit und in das Leben. ER setzte die angedrohte Strafe nicht um, weil ER liebt.

Seine Beziehung zu uns ist davon geprägt, angefüllt: Liebe! Die väterlich-mütterliche Liebe des Schöpfers, gepaart mit dem Stolz eines Handwerkers über sein Projekt und durchwoben mit der feuerfesten – geprüften und geläuterten – Geduld des ewigen Gottes.

Wir können IHN immer wieder auf die Probe stellen, IHN herausfordern, uns blindlings auf IHN verlassen, ohne die Konsequenzen für andere oder für uns selbst zu bedenken. Wir können alle Selbstständigkeit aufgeben, weil ER ja der immer gute liebe Gott ist und gar nicht anders kann, als um uns besorgt zu sein… das wäre falsche, liebe Hoffende und Suchende im Glauben.

Das wäre teuflisch, weil wir dann wären wir der Satan im heutigen Evangelium. Wie ER Jesus versucht, würde ein so handelnder Mensch Gott versuchen. Würde zur Schlange werden, die zischelnd und listig falsche Erkenntnis bringt.

Wollen wir das?
Wollen wir sein wie die Schlange, die Böses tut, ohne einen Vorteil zu haben? Wollen wir sein wie der Teufel im heutigen Evangelium, der nur aus Spaß an der Freude, demütigen, erniedrigen, vorführen und sich suhlen will im eigenen Rechthaben?

Bitte, es möge dich in die Freiheit führen… Gott wird auch dort mit dir sein. Da bin ich mir ganz sicher!
Aber ob du darin dein Glück finden wirst? Allein, da egoistisch? Reich, aber ohne tragende Liebe?

Jesus lädt uns ein: Leib UND Vernunft wertzuschätzen, denn Brot befriedigt nicht allein. Gottes Geist führt uns in ein Leben in Fülle.

Jesus warnt uns, dass wir Gottes Liebe nicht ausnutzen sollen. Das höher, weiter, mehr bringt uns in eine tödliche Spirale der Langeweile und Unzufriedenheit.

Jesus ermutigt uns Gott als Alpha und Omega zu verstehen, eine Beziehung auf Augenhöhe zu führen, indem wir IHM demütig dienen, aber so seine Zugewandtheit als Stärkung erleben können. Echte Liebe eben!

Lasst uns, liebe Freunde, so vor Gott stehen, das Leben in Fülle mit IHM feiern und unsere Beziehung mit IHM pflegen.
Die vorösterliche Bußzeit liefert uns wertvolle Impulse, nutzen wir sie und richten sie neu aus: unsere Liebe auf Gott. ER bringt sie uns entgegen. Nehmen wir sie maßlos auf, um sie weitergeben zu können. Amen.

Bild: © Erzbistum Berlin/Jörg Farys

Helau & Ciao!

© P. Felix M. Meckl OSA
Es gilt das am 15. Februar 2026 in St. Augustinus, Berlin gesprochene Wort.

Liebe Schwestern und Brüder,
alle dazwischen und außerhalb,

Zwar sind wir nicht verkleidet hier,
doch mancherorts – man glaubt es schier,
tobt Fastnacht, Karneval und Chaos
während andre würd´n flüchten gern auf Laos.
Keine Sorg, ich will´s nicht übertreiben,
doch in Reimen euch die Predigt schreiben.

Der Fasching zeigt mit Spaß und List:
Dass jeder mehr als Maske ist.
Menschen lachen, singen, tanzen gern,
vergessen Sorgen nah und fern.
Doch draußen, jenseits unsrer Tür,
steht eine Welt in Kälte, Angst und Gier.

Die Nachrichten sind laut und schwer,
von Krieg und Streit — es wird nicht leer.
Die Mächt´gen ringen mit Gewalt,
manch Zukunft scheint schon eisig kalt.
Grad für jene, die bald zur Musterung sollen,
da ist viel müssen, wenig wollen.

Verunsichert ist groß und klein,
wie soll da noch Vertrauen sein?
Was gilt, was trägt, was bleibt bestehn,
wenn Sicherheiten untergehn?
Weil Trumps und Putins Marionetten,
auch in Deutschlands – SOGENANNTER – Alternative kletten.
Deren Polemik, Hass und Lügereien,
mir mächtig schlagen auf die Innereien.

Da hören wir für Korinth ein Wort,
von Paulus — klar, er war da tief im Ort:
Nicht Menschenklugheit zählt allein,
Gott weiht uns in sein Geheimnis ein.

Was keiner sah, was keiner dacht,
hat Gott für seine Freund´ gemacht.
Sein Geist lässt uns eine Tiefe sehn,
wo seine Hoffnung im Dunkel kann bestehn.

Nicht Lärm der Welt, nicht Macht, nicht Geld
bestimmt, was wirklich Zukunft hält.
Gott spricht im Stillen, leise, sacht,
doch stärker als der Waffen Macht.

Sein Reich besteht aus Glas und Licht,
dort jeder Mensch zeigt sein Gesicht,
dort alle nur auf Liebe und Vertrauen bauen,
nicht Blöd- und Grobiane uns verhauen.

Einigkeit die Herzen bindet,
damit jede und jeder seinen Platz dort findet.
Gottes Reich es wächst schon auf Erden,
auch in uns, es muss gesehen werden.

Uns Jesus sagt am Berg so klar,
was Gottes guter Wille war:
Das Gesetz — nicht alt, nicht überholt,
sondern von Liebe ganz durchholt.

Nicht nur die Tat, auch Herz und Sinn
führt uns zum Nächsten hin.
Schon Zorn verletzt, schon Hass macht blind,
weil wir doch alle nur Geschwister sind.

Er ruft zur Wahrheit ohne Spiel:
Euer Ja sei Ja — das ist das Ziel.
Kein Schwur, kein Trug, kein falscher Schein,
Gott lädt zur klaren Rede ein.

Diese Rede muss von innen kommen,
weltzugewandt, nicht wie die Frommen.
Ehrlich, tolerant und weise,
nicht immer laut, meist eher leise.
Die Botschaft Jesu, sie will alle sammeln,
jene auch die still vergammeln.

Wie passt das nun zur Narrenzeit,
zu Büttenwort und Heiterkeit?
Wo Spaß und Lachen vorgeschrieben,
trotz aller Sorgen und auch Kriegen?
Sehr gut passt´s — wenn wir es recht verstehn:
Auch Masken können Wahrheit säen.

Denn wer im Spaß Gottes Wahrheit sagt,
hat oft das Tiefste laut gewagt.
Der Narr hält allen Spiegel vors Gesicht,
damit das Herz sein Urteil spricht.

So schaun wir auch zur KSG noch hin,
Semesterende und ein Neubeginn.

Die Prüfungszeit dünnt unsere Reihen,
weil viele doch schon Zeit sich leihen,
damit die Noten besser werden,
mit Leistungsdruck und Rückenbeschwerden.

Doch auch diese Stunden geh´n vorbei,
ihr alle wisst´s, ich red´kein Brei:
Ein notwendiges Übel ist´s für alle doch,
Augen zu und Ärmel hoch.
Bald ist´s geschafft und ihr könnt liegen,
in Sonnenstuhl und Erholungsbetrieben.

Wir vom Hauptamt drücken euch die Daumen,
sind da für euch mit Segen und Pflaumen,
bei ora et labora-Treffen,
wo ihr den Druck sollt dann vergessen.

Nach Ostern beginnt ein neues Semester,
das Osterfest wirkt wie Silvester,
wo nicht Jahr und Datum sich erneuen,
sondern Jesu Vorbild will erfreuen.

Erfreut sind alle wir auch hier,
geschrieben steht´s dort auf Papier:
zwei neue Gesichter und ein Bekanntes,
Männlein, Weiblein und Verwandtes,
der Gemeinderat wurd´ neu gewählt,
ein Onlinetool hat´s ausgezählt.

Danke für den Dienst euch allen,
tut es gern, es wird euch g´fallen.
Gemeinsam wollen wir Großes vollbringen
ohne Wundertaten wird´s auch gelingen:
Termine für Studis und andere Gruppen,
mit Engagement und Spaß zu wuppen.

So lasst uns heut im Feierkleid
nicht fliehen vor der ernsten Zeit.
WIR tragen Hoffnung in die Welt,
die Gott in unsre Herzen stellt.

Wenn Lachen Angst ein wenig bricht,
dann wirkt darin schon Gottes Licht.
Wenn Wahrheit klingt in Scherz und Wort,
trägt Fasching Glauben weiter fort.

Drum geht hinaus mit frohem Mut,
Gott meint es mit uns Menschen gut.
Sein Geist zeigt Wege — Schritt für Schritt,
geht Jesus doch in allen mit.

Helau dem Glauben, der uns hält,
Alaaf der Hoffnung für die Welt.
Amen.

Bild: flavour and spice / unsplash

Jesus gibt dem Leben Würze

© P. Felix M. Meckl OSA
Es gilt das am 8. Februar 2026 in St. Augustinus, Berlin gesprochene Wort.
As delivered on 8 February 2026, at St. Augustinus, Berlin.

Liebe Schwestern und Brüder im Glauben,

im Neuen Testament wird Gott uns oft vorgestellt als Vater. Klar, Jesus hat uns dieses neue Bild von ihm geschenkt. Vor allem in den Gleichnissen verkündet Jesus seinen Vater als „barmherzigen Vater“ der die Reue seines aufmüpfigen, aber bekehrten Sohnes weitherzig annimmt. Oder Gott wird als gütiger Hausherr, als milder Gutsbesitzer oder als geduldiger und gnadenvoller Weinbergbesitzer dargestellt.

Im NT geht es also um Beziehungen zwischen Gott und seinen Kindern oder einem Herrn und seinen Knechten respektive Mägden.

Im Ersten Testament des Ersten Bundes hingegen erscheint Gott oft als Handwerker. Gleich zu Beginn der Genesis ist er der Töpfer, der den Menschen aus Lehm formt. In den Psalmen wird er besungen als Weber, der den Teppich abschneidet, wenn das Leben zu Ende gewoben ist. Auch als Goldschmied wird Gott dargestellt, wenn er das Feuer schürt, um das wertvolle Gold von der Schlacke zu trennen.

Das heutige Evangelium, natürlich dem Neuen Testament entnommen, stellt also eine Besonderheit dar, denn Gott wurde uns als Koch aufgezeigt. ER ist der Koch und wir sind das Salz, das er in die Weltsuppe seiner Schöpfung hineingibt.

Sind wir zu viele, verderben wir den Brei. Sind wir zu wenige, ist es fad. Doch jede und jeder von uns ist ein Salzkorn, das seinen Beitrag dazu leistet, dass die Welt um uns herum schmeckt.

Ich liebe dieses Bild!

Es nimmt nämlich erst einmal Druck heraus: Wir müssen diese Kirche und keine Fußballstadien füllen! Klar ein Salzbraten kann einem auch einmal schmecken, aber da kommt es in der Masse nicht auf jede und jeden einzelnen an. Beim normalen Kochen hingegen, ist jede Prise wichtig. Jede noch so kleine Ansammlung tut dem gesamten Gericht gut. „Wo zwei oder drei…“ ihr erinnert euch!?

Entlastend finde ich dieses Bild vom Salz der Erde auch, da wir nicht allein die Schöpfung bilden. Da gibt es noch Kartoffeln und Möhren, Lauch und Blumenkohl. Es mag auch noch andere Gewürze geben: Pfeffer, Kümmel, Curry oder Ysop. Weiterhin die Vögel des Himmels und die Fische im Meer, Schafe, Ziegen und Rinder und auch die wilden Tiere, alles, was auf den Pfaden der Erde dahinzieht. Kurzum, die ganze Schöpfung liegt zusammen in einem göttlichen Suppentopf. Da findet jede und jeder etwas, das schmeckt!

Und in diesem Gefüge sollen wir das Salz sein?! Wie gelingt uns das?
Nun, auch hier hilft uns das Bild vom Salz weiter:

Salz zieht seine Kraft aus der Vergangenheit. Vor Jahrhunderten wurde es eingeschlossen im Himalaya oder ausgeschwemmt in die Ozeane unserer Erde. Gottes Geist ist also da, gegenwärtig. Er muss nur gehoben resp. gewonnen werden. Dazu braucht es Mühe, ja. Salz liegt ganz selten nur so herum. Es muss einreduziert oder befreit werden. Dann muss es brauchbar gemacht werden, gereinigt von allem Unrat und portioniert in sinnvolle Einheiten. Wenn unser Glaube dann frisch aber traditionsverbunden, rein aber voller Energie vorliegt, dann können wir anfangen zu würzen.

Dabei lehrt uns das Salz auch Demut. Denn wir sind nur ein kleines Korn. Allein bewirke ich wenig. Ok, jedes Korn lässt sich schmecken und bei einem anderen löst es etwas aus. Aber so richtig wirken können wir nur in Gemeinschaft mit den anderen, wenn wir uns demütig hingeben, uns auflösen im Gesamt und darauf vertrauen, dass es allen zugutekommt, was wir da beitragen.

Ist euch das Bild zu fremd? Zu philosophisch? Zu naiv?
Das tut mir leid. Ich wollte kein schlechter Prediger sein, wie Paulus uns heute gewarnt hat. Aber ich will euch auch nicht „überreden durch gewandte und kluge Worte“ oder euch nur eine „glänzende Rede oder gelehrte Weisheit (einer christlichen Philosophie) vortragen“.

Ich, liebe Freunde auf dem Weg, will euch ein Geheimnis verkünden, das ich von diesem großen Gott verstanden habe:
Es liegt an uns, IHN schmeckbar und durch IHN alles Sein schmackhaft zu machen. Eben als Salz der Erde oder als Licht auf dem Leuchter.

Wie es uns in kleinen Schritten, ganz individuell angepasst an unseren Charakter gelingen kann, weder unser Licht unter den Scheffel zu stellen noch als geschmackloses Salz verworfen zu werden, hören wir nun in der ersten Lesung dieses Sonntages aus dem Buch Jesaja.

Vertrauen und Zukunft

© Nicole Oster
Es gilt das am 01.02.2026 in St. Augustinus, Berlin gesprochene Wort.
As delivered on 1 February 2026, at St. Augustinus, Berlin.

Liebe Gemeinde,

„welche Erwartungen haben Sie für sich und Ihre Zukunft?“ Diese Frage habe ich im Dezember Bewerberinnen für ein Stipendium gestellt. Eine große Frage, die gar nicht so leicht zu beantworten ist und Zeit zum Nachdenken braucht.

Welche Erwartungen habe ich für mich und mein Leben? Wie stelle ich mir die Zukunft und speziell meine Zukunft vor?

Einen Teil der Antwort wird wahrscheinlich das Studium oder die Promotion, der Berufswunsch, den man verfolgt oder verfolgt hat und in dem man jetzt arbeitet. Das ist ein Teil der Antwort. Doch da ist noch mehr. Leben ist nicht nur Arbeit oder Studium – da gehören auch meine Wünsche für mein Privatleben, Freunde &Familie, Reisewünsche, meine Erwartungen an Politik, Gesellschaft und Kirche dazu. Wie gesagt, es ist eine ganz schön große Frage.

Wie stelle ich mir die Zukunft vor?

Auf der GV vor zwei Wochen haben wir das Semesterthema fürs Sommersemester gewählt: Zukunft mit Gott!

Und heute planen wir im Anschluss das Sommersemester, sammeln Ideen, wie wir das Thema in der KSG umsetzen und die verschiedenen Dimensionen des Themas entfalten können.

Auch die Lesungen, besonders das Evangelium des heutigen Tages, geben uns einen Einblick, wie Zukunft mit Gott aussehen kann.

Da ist einmal Zefanja, bei dem Gerechtigkeit das zentrale Thema ist. Zefanja kritisiert all die Machthaber, die ihre Macht missbrauchen und stellt ein Gegenprogramm auf. Gerechtigkeit und Demut, Frieden. Allen, die Gott aufrichtig suchen, verheißt er Frieden und Gerechtigkeit, die anderen erwartet der Zorn des Herrn. Zefanja macht deutlich, dass es möglich ist, sich zu ändern, Gutes zu tun, statt Macht zu missbrauchen und dass nur Zukunft mit Gott hat, wer gerecht und friedlich handelt.

In der Gemeinde von Korinth herrscht Streit und Spaltung. Anscheinend halten sich manche Leute der Gemeinde für etwas Besseres, sodass es den sozial schlechter gestellten Leuten schwerfällt, in die Gemeinde hineinzukommen. Paulus macht klar, dass bei Gott jeder und jede einen Platz hat. Denn gerade die Schwachen, Armen und Sklaven hat Gott erwählt und sie gehören ebenso zur Gemeinde wie alle anderen. Paulus macht klar, dass Gott für alle Zukunft verheißt, die ihn rühmen.

Im Evangelium haben wir einen Ausschnitt der Bergpredigt gehört, die man als Programmrede Jesu bezeichnen könnte. 8 Seligpreisungen, gerichtet an die Jünger und alle Menschen, die Jesus auf den Berg gefolgt sind. Zentral sind die Gerechtigkeit und die Verheißung des Himmelreiches. Im Reich Gottes gibt es keine Trauer mehr, keine Armut, keine Benachteiligung und keine Verfolgung – stattdessen herrschen Friede, Gemeinschaft und Gerechtigkeit. Das ist der Zuspruch Jesu an seine Anhänger. Dass Gott ihnen Zukunft schenken wird und sie bei ihm einen Platz haben.

Die Seligpreisungen sind dabei keine Vertröstung auf das Reich Gottes im Himmel, sondern auch eine Handlungsaufforderung für das Hier und Jetzt. Denn das Himmelreich ist nicht irgendetwas Fernes, sondern schon konkret auf der Erde erfahrbar.

Die Seligpreisungen enthalten Zuspruch und auch Aufforderungen, Haltungen und Handlungen. Denn nur wenn wir dabei mithelfen, wird das Reich Gottes auch hier und jetzt spürbar.

Wenn wir anderen helfen, Gemeinschaft stiften, uns für die Umwelt einsetzen und Frieden stiften, dann gestalten wir Zukunft mit Gott.

Die Seligpreisungen machen deutlich, dass wir darauf vertrauen dürfen, dass Gott uns Zukunft schenkt und ermutigt uns, mit Gott Zukunft zu gestalten. Damit die Welt immer ein Stück mehr zum Reich Gottes wird.

Gestalten wir Zukunft mit Gott. Amen

Bild: Mostafa Meraji / unsplash

Predigt am 18. Januar

© P. Felix M. Meckl OSA
As delivered on January 18, 2026, at St. Augustinus, Berlin.
Es gilt das am 18. Januar 2026 in St. Augustinus, Berlin gesprochene Wort.

Liebe Studierende, liebe Gemeinde,
Schwestern und Brüder im Glauben,

es ist die Messe vor unserer Gemeindeversammlung. Gemeindeversammlung ist ein besonderer Moment. Wir kommen nicht nur zusammen, um Entscheidungen zu treffen oder Berichte zu hören. Vielmehr versammeln wir uns als Gemeinde um uns neu zu vergewissern:

Warum sind wir eigentlich hier? Was macht mich und uns aus?
Was trägt uns – als Gemeinde, als Studierende, als Hauptamtliche, als Einzelne?

Die Texte, die uns die Leseordnung vorgab, führen uns mitten hinein in diese Fragen.

1. „Du bist mein Knecht“ – Berufung ist Geschenk (Jes 49,3–6)

Im Buch Jesaja hörten wir Worte, die zunächst sehr persönlich klingen: „Du bist mein Knecht, Israel, durch den ich meine Herrlichkeit zeigen will.“ Sie zeigen uns, dass Berufung nicht mit Leistung beginnt, sondern mit Zuspruch. Gott spricht zu, zeigt sich zugewandt, bevor etwas getan wird. Und dann kommt dieser überraschende Satz: „Es ist zu wenig, dass du mein Knecht bist … ich mache dich zum Licht der Nationen.“

Ja, dieser Gott denkt größer, als wir selbst von uns denken; will uns dabei aber nicht überfordern. Trotz aller Erfahrungen von Zweifel, Überforderung, Unsicherheit, das Gefühl, nicht zu genügen. Gott will mich genau so!
Jesaja verschweigt diese Spannung nicht. Auch er kennt das Gefühl, sich scheinbar vergeblich abzumühen.

Doch Gott sagt: Dein Leben ist nicht umsonst. Deine Berufung ist größer als dein momentanes Empfinden. Du bist mir wichtig, von Anfang an.

Für uns als Gemeinde heißt das: Wir sind nicht Selbstzweck. Und für euch als Studierende heißt es: Ihr seid mehr als euer Studiengang, eure Noten, eure Zukunftspläne oder die Menge eures Engagements.
Gott hat euch im Blick – und durch euch andere.

2. „Berufen zum Heiligsein“ – Gnade trägt Gemeinschaft (1 Kor 1,1–6)

In diesem Verständnis schreibt Paulus an seine Gemeinde in Korinth, die alles andere als perfekt ist: Spannungen, Streit, moralische Konflikte, Konkurrenz – vieles, was wir auch heute kennen. Und doch beginnt Paulus nicht mit Kritik, sondern mit Dank: „Ich danke meinem Gott allezeit euretwegen für die Gnade Gottes.“
Das ist bemerkenswert!
Und ich glaube, ich spreche für meine beiden Kolleginnen und auch für die Gemeinderatsmitglieder: „Wir danken Gott und seiner Gnade, dass wir uns und euch haben!“

Gemeinde lebt nicht davon, dass alles stimmt, funktioniert und super groß ist: Gemeinde lebt davon, dass Gottes Gnade trägt, bewusst wird und sich ausbreitet. Paulus erinnert die Korinther daran, wer sie sind, bevor er darüber spricht, was sie tun sollen.

Daher lasst euch sagen: Unsere Einheit als KSG Berlin gründet, nicht in gleichen Meinungen, in Aktionismus oder leeren Traditionen, sondern in der Gnade Gottes.
Als Suchende bringen wir alle Fragen, Sorgen, Unsicherheiten vielleicht auch Zweifel mit. Das ist kein Mangel, sondern Geschenk – aneinander zu wachsen, miteinander zu ringen, füreinander in Christus zu vertrauen.

3. „Siehe, das Lamm Gottes“ – Der Mittelpunkt unseres Glaubens (Joh 1,29–36)

Im Zentrum dieser Dynamik steht das Evangelium aus dem Johannesevangelium. Johannes der Täufer sieht Jesus und sagt: „Siehe, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt.“

Der Täufer hätte viel über sich selbst sagen können: Er war gefragt, hatte Einfluss bei Groß und Klein, wurde ernst genommen. Aber Johannes weiß: Ich bin nicht das Zentrum. Seine Aufgabe ist es, auf einen anderen hinzuweisen.

Und genau hier liegt der Kern unseres christlichen Glaubens und hoffentlich auch unserer Gemeinde: Wir sollten uns alle nicht zu wichtig nehmen!
Die Demut des Johannes macht nicht klein, nicht schwach, nicht unwichtig.
Die Demut des Johannes lehrt sich selbst wahrzunehmen, sich selbst richtig einzuordnen – niemals unterwürfig, sondern mutig, einheitsliebend, extrovertiert aber immer klar den im Blick, um den es geht: Jesus von Nazareth, unseren Christus.

Im heutigen Evangeliumsabschnitt wird nicht einmal Jesus als Lehrer, als Meister, als Übermensch vorgestellt, nicht als moralisches Vorbild, nicht als Problemlöser, nicht als verehrungswürdiger Gott sondern als Lamm Gottes.

Ein Bild, das von Hingabe spricht, von Verletzlichkeit, von Liebe, die sich schenkt. Er nimmt die Sünde der Welt hinweg – nicht nur individuelle Fehler, sondern das, was Menschen voneinander trennt, was Gemeinschaft zerstört, was Leben klein macht, was uns trennt von ihm und voneinander

4. Von der Beobachtung zur Nachfolge

Liebe Schwestern und Brüder,

Lasst diesen Abend einen Wendepunkt sein!
Lasst Glauben nicht stehen bleiben beim Zuschauen. Lasst ihn Antrieb sein zur Bewegung. Bleibe du nicht nur Beobachter, wage demütig die Nachfolge!

Lasst uns eine gesunde Gemeinde sein, die davon lebt, dass Christus im Mittelpunkt steht, nicht Programme, nicht Strukturen, nicht einzelne Personen.

Gott beruft einen jeden und eine jede von uns ganz individuell (Jesaja),
Gott beschenkt uns als Gemeinde auf dem Weg mit seiner Gnade (Paulus) und
ER ruft uns ganz unterschiedlich in die Nachfolge seines Sohnes Jesus (Johannes).

„Seht das Lamm Gottes!“ und gehen wir mit ihm. Amen.

Bild: © Erzbistum Berlin/Jörg Farys

Being Seen – An Encounter That Changes Everything

© P. Jan Korditschke SJ
As delivered on January 11, 2026, at St. Augustinus, Berlin.
Es gilt das am 11. Januar 2026 in St. Augustinus, Berlin gesprochene Wort.

Being Seen – An Encounter That Changes Everything

Sermon at the Queer Church Service on Luke 19:1-10 at KSG Edith Stein

Dear friends,

We’ve just heard in the Gospel of Luke about a man who hides himself. Not in a closet, but on a mulberry tree—in the middle of Jericho, in broad daylight. Zacchaeus, a grown man, chief tax collector, wealthy and powerful—and at the same time socially excluded. He climbs a tree like a child, trying to stay hidden while playing hide-and-seek.

The art of being invisible

Do you know what that’s like? The skill of being present without revealing yourself openly? Zacchaeus has mastered this skill. The Bible says he is short in stature. But his true smallness isn’t in his height; it’s in having to make himself small to survive in a world that labels him as “wrong” or “bad”.

When have you – figuratively speaking – sat on a mulberry tree? Maybe during a family dinner, when you tried to behave in a way that matched heteronormative or cisnormative standards. Or when you stayed silent as your classmates gossiped about “those people” — knowing they were also referring to you. Or when you didn’t grimace at the question “Do you have a boyfriend?” even though the honest answer could have been: “I have a girlfriend,” “Neither nor,” or “It’s complicated.”

Zacchaeus finds a balance. He is close enough to see Jesus but far enough away to feel safe. He wants to see Jesus, but he doesn’t want to be noticed. Curiosity and self-protection guide his actions simultaneously.

The moment that changes everything

And then it happens. Jesus stops right under the tree where Zacchaeus is sitting. He looks up, not by chance or casually, but intentionally. “Zacchaeus,” he calls. He doesn’t say, “Hey, you up there!” or “Hey, you tax collector!” He calls him by name.

Imagine this moment: Zacchaeus‘ heart skips a beat. His panic: “Have I been discovered? What does Jesus think of me now? Should I pretend I didn’t hear him?”

“Come down quickly! I must stay at your house today.”– No condemnation. No embarrassing questions. No well-meaning advice. Just: “I want to be with you. At your table. With you.”

Your Jesus moments

When has someone ever addressed you so directly? When has someone truly seen you—not just your role or mask, but you as a person? Maybe it was that friend who said, “No matter who you love, you’ll always be my best friend.” Or a friend who reassured you, “I like you just the way you are.” The therapist who helped you accept yourself instead of trying to “cure” you. Your grandmother, who didn’t fully understand you but wished you happiness.

Maybe it was in a queer bookstore where you first discovered stories with people like you as the heroes. Or at your first Pride parade, when you realized: “There are many of us.” Or in the kitchen of your shared apartment at three in the morning, when you finally let your guard down.

There are people who see you, who give you space to be yourself, and whose presence allows you to blossom.

The anger of the crowd

Back to the biblical story. The crowd is angry with Jesus. “He has gone to stay with a sinner,” they grumble. The outrage is clear. How could Jesus do this? With this one?

You recognize these voices. They whisper in comment sections, preach from pulpits, and sometimes they sit at the family table. “This isn’t normal,” they claim. “It’s just a phase.” “What will people think?” “It’s against God’s plan.”

But do you know what Jesus says to the grumbling voices? Nothing. Absolutely nothing. He doesn’t argue, he doesn’t justify himself, he doesn’t let himself be swayed. He goes to Zacchaeus‘ house.

The Power of Presence

Jesus sits down at Zacchaeus‘ table. That’s all. No moral judgment. No big sermon on repentance. No 10-point plan for improving his life. Jesus is there. This presence transforms everything because, through sharing the meal, Jesus offers Zacchaeus recognition.

And Zacchaeus? He cannot and will not hide his joy. He, who had been hiding just a moment ago, jumps up and declares so that everyone can hear: “I will give half of my wealth to the poor!” Zacchaeus is generous. Not because Jesus demands it, but because Zacchaeus can finally breathe again. Because someone truly sees him and stays with him.

Being like Zacchaeus, being like Jesus

Maybe you see yourself as Zacchaeus in this story, but you can be both: like Zacchaeus, who climbs down from the tree, and like Jesus, who sees Zacchaeus and calls him by name.

Every time you create space for someone to come out of hiding, respect their pronouns and avoid using dead names. When you approach the person sitting alone in the canteen because you understand what it’s like to be lonely and you signal: “Your story is important. Tell me about it,” or say: “You belong here, just as you are,” you share what sustains you.

The salvation that comes today

“Today salvation has come to this house,” Jesus affirms. “Salvation” does not mean perfection, but rather a healthy relationship with God, oneself, and others. Today, Zacchaeus experiences salvation—not sometime in the future when he is perfect, nor tomorrow when society will have changed. Today.

This “today” also applies to you. Today, God offers you salvation—not the day after tomorrow, when queer people will finally be able to live and work openly in the church without fear. It’s yours today, even if many people still do not accept you. Even if you are still searching, with all your insecurities, your wonderful imperfections, your scars, and struggles.

This salvation isn’t a magic trick. It doesn’t suddenly make the world safe or erase painful memories. But it says: “You belong. You are a child of God. You are part of this vibrant, colorful, queer family of humanity.”

Coming down from the tree

So, dear people: where are you still hiding? Which tree are you sitting in? What would happen if you came down today? If you showed others who and how you really are?

Yes, it’s risky. Some people might get offended. That’s why you should seek safe spaces. Find allies, like here at KSG Edith Stein. Move at your own pace.

Remember: there are people like Jesus waiting for you—people who say, “Come, I want to hear your story” and who celebrate who you truly are.

And don’t forget: YOU can be such people for others. You can act like Jesus. So go and become that healing gaze for others. The voice that says: “I see you,” and invites: “Come down, let’s be together.”

Zacchaeus climbed down from the tree, not as a perfect man or without trembling, but with confidence: “I am seen, and I am worth showing myself.” You are worth that, too.

Bild: © Erzbistum Berlin/Jörg Farys

Predigt zur Einführung von P. Felix Meckl OSA

© P. Felix M. Meckl OSA
Es gilt das am 4. Januar 2026 in St. Augustinus Berlin gesprochene Wort.

Liebe Brüder und Schwestern im Glauben,

jetzt darf ich das Wort Gottes, das wir eben in Lesung und Evangelium gehört haben, auslegen. Darin sehe ich einer meiner zentralsten Aufgaben als Pfarrer der Studierendengemeinde: Ich leite die verschiedenen Formen der Liturgie, in der wir zusammen Gottesdienst feiern und Gottes Dienst annehmen. Gerne werde ich dieses Privileg mal abgeben resp. teilen, denn wir alle sind Suchende. Tastend unterwegs, dem einen wahren Gott entgegen. Jeder Impuls, jeder Hinweis auf diesem Weg ist wichtig; wird wirksam und heilsam sein, tröstend und bereichernd, alles neumachend und dabei ewig gleich sein.

Heute, da ich in meinen neuen Dienst eingeführt wurde, will aber ich auf die heiligen Texte schauen und versuchen, mit Euch zu teilen, was ich darin gelesen und verstanden habe – für mich und für uns. Als rote Linien im Meer von Gottes Worten dienen mir die Stichworte: Demut und Dauer.

Gottes Wort, wie wir es heute gehört haben, bietet Umfängliches: Rat und Richtung, Warnung und Lob, ewige Gültigkeit und bestechende Aktualität.

Kirche ist für mich eine Gemeinschaft von Heiligen, die auf Zeit miteinander unterwegs sind. Mal dauert dies ein Leben lang. Wenn man in eine Gemeinde hineingetauft und durch Kindheit und die darin gefeierten kirchlichen Momente verwurzelt ist. Gleichzeitig aber, brechen viele immer auf, verlassen ihre Heimatgemeinden – freiwillig oder sogar gezwungen durch wirtschaftliche oder gar politische Not. Sie finden Anschluss in anderen Gemeinden, denn wir sind eine weltweite Gemeinschaft und in allen Kirchen wird mehr oder weniger dasselbe gefeiert. Damit erzähle ich nichts Neues, aber es geht mir hier um die Wahrnehmung! Es gibt eine lebenslange Verwurzelung und zeitgleich eine Pilgerschaft.

Im Idealfall verstehen wir Kirche im altbewährten Bild: Kirche als Gottes Zelt auf Erden. Immer gleich und doch mobil, mal leicht, mal schwer zu errichten, aber vertraut und heimelig, manchmal schwer zu ertragen oder komplex im Mit-aufbauen. Kirche der Ewigkeit in der Zeit.

Für die KSG Berlin sehe ich – auf den ersten vier Wochen – viele Fragen und Herausforderungen in diesem Themenfeld: wie lange gehört jemand zur Gemeinde? Wie fängt es an? Wie hört es auf, damit es woanders weitergehen kann? Wer gestaltet was mit? Wo sind Grenzen, Ressourcen und wo sind nicht genutzte Potenziale? Diesen Fragen müssen wir – Hauptamtliche wie Ehrenamtliche – uns stellen, damit wir als pilgerndes Gottesvolk unterwegs bleiben.

Im Rahmen meiner Einarbeitung habe ich mich durch 60-70 Ordner gewühlt, habe in verstaubten Akten geblättert und versucht Geschichte und Geschichten zu erfahren und zu verstehen. Viel Wertvolles, manch profanes, einiges was sich selbst überlebt hat und wirkliche Schätze, quasi Sternstunden der Gottesnähe. So einiges kann weg, manches muss bleiben.

Nach Papier und Vergangenheit sollen jetzt mit dem neuen Jahr Zukunft und Menschen mehr in den Mittelpunkt rücken: Wen finden wir in der schillernden Dunkelheit der Großstadt Berlin als wichtige Kooperationspartner? Wer hilft uns, die rechten Worte zu finden in den anstehenden Aufgaben? Ganz konkret: Wer stellt sich zum Dienst bei der anstehenden Wahl zum Gemeinderat? Wann und wo brechen wir Gottes Zelt ab, um anderorts etwas aufzubauen?

Bei all diesen Herausforderungen bin ich mir bewusst, dass ich die in der Lesung besungene Weisheit nicht mit Löffeln gegessen habe. Gott ist die Weisheit und ER wird sie uns mitteilen. Mit dieser Demut trete ich meinen Dienst an und bitte euch alle um wohlwollende Unterstützung.

Das Licht ist in der Welt: seit dem ersten Schöpfungstag, seit der Menschwerdung Gottes in Jesus von Nazareth und jetzt wieder neu in uns allen, durch dieses Weihnachtsfest. Lasst uns dieses Licht und aus Gottes Wort jeden Funken teilen, den wir von IHM verstanden haben. Licht wird mehr, wenn man es teilt. So sei es auch in der KSG Edith Stein Berlin, mit Glauben, Hoffnung und Liebe als Gemeinschaft der Suchenden unterwegs zu sein, auf Gott hin.

Und wie schon Augustinus sagte (Primizspruch): Was du in anderen entzünden willst, muss brennen in dir. Amen.

Glaube im Spiegel der Zeit

Glaube im Spiegel der Zeit

TikTok, Instagram und co. Entführen uns zumeist in eine andere Welt. Wir können der realen Welt entfliehen, den Alltag vergessen. Doch ist daran nicht immer nur alles positiv zu sehen. Wir sind in der sog. „digitalen Welt“, genauso wie in der realen, vielen Eindrücken ausgesetzt, was wir zum Teil vielleicht gar nicht mal mehr so bemerken, hinsichtlich der Algorhythmen, welche diese Welt auf unsere ureigenen Interessen auslegen. Doch was, wenn neue Eindrücke oder besonders Trends sich den Weg in unser Bewusstsein bahnen? Das kann nicht nur der Fall sein mit Shopping Halls oder diversen Challenges, sondern auch mit christlichen Content.
Der christliche Glaube wird dort zumeist gerne instrumentalisiert, um dem Fortschritt der Gesellschaft, wie es den Anschein hat, irgendwie entgegenzuwirken oder zu verlangsamen. Fakt ist, wir leben in einer Gesellschaft, die sich rasant verändert hat und noch immer tut, unter anderem eben auch im Blick auf die Rollenbilder, die uns vielleicht noch in der Kindheit vermittelt wurden. Feminismus, Transaktivisten und co. Setzen sich für die gleichen Rechte aller Menschen ein. Doch, inwiefern hängt das mit dem zuvor angesprochenen christlichen Social Media zusammen? Ganz einfach, wie schon erwähnt wirken viele Trends in der christlichen Social Media Bubble gerne entgegen der gesellschaftlichen Entwicklung. Um ein Beispiel zu nennen: Der Trend der sogenannten Tradwifes, der momentan auf TikTok und Instagram einen großen Wirbel veranstaltet und durch die Decke geht.
Lasst mich das Phänomen kurz erklären, auch für diejenigen, die vielleicht noch nichts davon mitbekommen haben. Tradwifes, eine abgekürzte Form für „traditional wifes“ – „traditionelle Ehefrauen“, sind ein Abbild dessen, was Frauen in der westlichen Welt besonders in den 1950er und 1960er verkörpert haben. Vorweg möchte ich sagen, dass es per Se aber gar nichts schlechtes ist, wenn eine Frau sich bewusst dafür entscheidet, eine solche traditionelle Rolle einzunehmen. Das große ABER dabei ist jedoch, wenn sie aufgrund des gesellschaftlichen Zwangs dort hineingetrieben worden ist, um die Erwartungen anderer zu erfüllen.
Was tragen aber nun virale Trends wie der der Tradwifes zu unserer realen Welt bei und warum kann dies gefährlich werden? Nun ja, sie vermitteln ein absolut romantisiertes Bild dieser doch zumeist harten Realität und wir als Konsumierende dieser Inhalte, dieses total romantisierten zumeist unwirklich perfekten Bildes bekommen keinen Aufschluss darüber, warum eben ein solches doch stark cliché-haftes Rollenbild heutzutage vielleicht schwieriger sein könnte, als viele vielleicht zunächst annehmen. Und da wären wir wieder im Spiegel der Gesellschaft. Viele greifen dieses Narrativ des Bildes der Tradwifes auf und wollen dieses der doch soweit emanzipierten Frau wieder überstülpen – ob diese es nun will oder eben nicht.
Warum erzähle ich jetzt aber davon? Die einfache Antwort befindet sich schon in der Einleitung dieser Predigt. Der christliche Glaube wird gerne für bestimmte Zwecke instrumentalisiert – nämlich gerne von Rechten, die sich christlicher Narrative bedienen, die zumeist nicht hinterfragt werden – wir kennen die (von Rechten stammenden) Argumente von wegen „das christliche Abendland und seine Werte müssen geschützt werden“. So schreibt die Zeit dagegen bspw. Dass es das Phänomen der Tradwifes gar nicht im politisch linken Kontext zu finden ist. Warum? Da patriarchale Strukturen dort zumeist weniger vertreten sind, als es nun einmal im rechten politischen Kontext der Fall ist. Anders gesagt, die Frau ist dem Mann weniger untergeordnet. Hinsichtlich einer solchen Einordnung, bei der man sich beim Konsum auf Tiktok und co. Gar nicht recht konzentriert, da das eigentliche Anliegen ja einfach nur abschalten sein soll. Doch immer muss der Kontext des Contents den wir verfolgen beachtet werden. Die Berliner Morgenpost spricht, um bei unserem Beispiel zu bleiben, in Bezug auf diesen Trend der „traditionellen Ehefrau“ von einer „Gefahr für die Demokratie“, denn „Das Propagieren dieses weiblichen Rollenbildes befeuert den aktuellen Rechtsruck in Deutschland. „Ich muss hier an die Gegenüberstellung einer ‚modernen, befreiten Feministin‘ gegenüber der ‚traditionellen Frau‘ der AfD Sachsen denken“, schreibt eine Userin und dies wird auch von Experten, wie Margreth Lüneburg, Professorin für Kommunikationswissenschaften, bestätigt. Solche Trends dienen der politischen Indoktrinierung. „Hinter diesen Videos verbirgt sich eine klare, strategische Kommunikation der Rechten“, sagt die Expertin. Noch weitaus verbreiteter als in Deutschland seien diese Mechanismen in den USA.
Manche von euch mögen sich dennoch die Frage stellen – Was ist denn nun so schlimm daran, wenn ich diese Videos konsumiere, sie unterhalten mich doch? Dann kann nur darauf hingewiesen werden, dass so ein Content immer ein wenig hinterfragt werden muss, auch hinsichtlich des politischen Kontextes, für welchen er ausgenutzt werden kann. Wie schon erwähnt, solche Eindrücke prägen uns, ob bewusst oder unbewusst, und es kann daher gefährlich für unsere gemeinsam geteilte reale Welt werden, in der eben nicht nur jeder für sich ist, wenn wir nicht anfangen solche Dinge zu hinterfragen. Gott gab uns allen immerhin den freien Willen, damit wir uns selbst ein Bild machen und für uns entscheiden können. Wir müssen aus unseren eigenen online aufgebauten Parallelwelt austreten können, in der wir Unterhaltung erfahren und anfangen uns die Frage zu stellen – Was machen diese Eindrücke eigentlich mit mir selbst? Meinem Umgang mit meinen Mitmenschen? Stehe ich wirklich hinter dem, was ich da gerade schaue?
Wissen wir eigentlich, wer uns da was vermitteln möchte? Die Frage ist tatsächlich wichtig, denn: oft gehören diese, zum Teil auch als Vorbilder oder Inspiration dienenden Personen, wie heute Nara Smith oder in den 80ern vllt. auch Tom Cruise, ganz bestimmten Richtungen des Christentums, oder vermeidlich des Christentums an. Doch sind gerade sie es, die in Strukturen von Freikirchen oder Sekten ihren Glauben leben, in denen es immer strikte Regeln und Rollenbilder gibt, zumeist mit einer strengen Hierarchie. Möchten wir das auch? Unsere Freiheit in Leben und Glauben so abhängig machen? Oder diesen Formen des gelebten Glaubens vielleicht auch zustimmen dabei nicht realisierend, in welche instrumentalisierte Falle man dabei vielleicht gerade tappt? Denn Fakt ist, dass viele solcher vermeidlich christlichen Glaubensausrichtungen von einer ganz bestimmten politischen Richtung ausgenutzt werden. Sie stimmen stark in ihrem gesellschaftlichen Verständnis überein, das zumeist menschenverachtend aufgebaut ist. Sie picken sich sozusagen das aus dem Christentum und seinen Werten das raus, was sie selbst gut für ihre eigenen Zwecke benutzen können. Tatsächliche christliche Werte spielen heute für viele dabei aber keine übergeordnete Rolle mehr, doch wenn man sie für seine Zwecke nutzen kann, ganz im Sinne „des Schutzes unseres Landes mit seinen Werten und Traditionen“ – dann, warum nicht darauf zurückgreifen?
Es soll aber auch gesagt sein, dass es natürlich auch anders herum geht. So gibt es auch Creator*innen, die darüber aufklären, was wirklich in der Bibel wörtlich steht oder wie es auch ausgelegt werden kann, um eben nicht nur einem ganz bestimmten Narrativ zu entsprechen. Auch gibt es viele, die darüber aufklären aus solchen fundamentalistischen Gemeinden oder zumindest doch sehr radikalen, wie den Mormonen, auszusteigen, was es für das eigene Leben bedeutet und welche Konsequenzen sich daraus ergeben, immer mit dem Hintergedanken, dass sie es geschafft haben, andere aber in diesen Strukturen, die nun zumeist von der Gegenseite romantisiert werden, gefangen sind.
Anhand der Social Media Trends lässt sich erkennen, dass es gerade wieder einen Aufschwung des Glaubens und der Narrative dessen gibt, doch können sie in vielerlei Richtung ausgelegt und diskutiert werden. Doch sollte dich dein eigenes Glaubensleben nicht in deinem Alltagsleben einschränken, wie es vielleicht bei so manchen Trends den Anschein haben könnte. Man muss für sich eine klare Linie ziehen und sich von diesen, doch leicht fundamentalistisch anmutenden Trends, abgrenzen können, denn der Glaube darf und muss in Freiheit ausgelebt werden und das sollte ein jeder von uns auch tun und dürfen. Genauso kann ein jeder seinen eigenen Glauben festigen und stark machen, um nicht auf solche Strategien hineinzufallen oder gar den Erwartungen anderer zu entsprechen.
Papst Franziskus sprach mal davon, dass unsere Welt von Gurus, Hexen und Hexern – anders gesagt von „falschen Rettern, die versuchen Christus Platz einzunehmen“ bedroht sei – von Personen, die dem Christentum evtl. gar nicht mal so nahe stehen. Doch vielleicht hat sich in den fast 15 Jahren, seit Franziskus diese Worte veröffentlichte, eine Menge getan. Vielleicht hat sich das Blatt gewendet und es sind eben solche ernannten christlichen Influencer, die heute die Welt ins Wanken bringen und den Glauben, sowie die Weltsicht vieler erschüttern können. Es gibt viele Arten Christ-Sein zu leben und jeder kann dies auf seine Weise auch tun, doch sollten dabei nie die Rechte und Grenzen anderer verletzt werden. Wo meine Freiheit endet, beginnt die eines anderen. „Es werden Tage kommen, an denen von allem, was ihr hier seht, kein Stein auf dem andern bleibt, der nicht niedergerissen wird.“ Ist das so? Bewegen wir uns gerade darauf zu? Oder bauen wir den schon halb eingerissen Tempel gerade Stein für Stein wieder auf? Dass wir nicht Acht geben und doch wieder in die Irre geführt werden?
Denn: Trends, Algorithmen und glänzende Bilder auf Social Media versprechen Identität und Richtung – doch sie können sich rasch ändern und Sicherheit nur oberflächlich geben.

 

Social Media whisk us away into another world. We can escape reality and forget our everyday lives for a while. But not everything about this is positive. In the so-called “digital world,” just as in the real one, we are exposed to countless impressions—many of which we hardly even notice anymore because algorithms tailor this world to our personal interests. But what happens when new impressions or particular trends make their way into our consciousness? This doesn’t happen only with shopping hauls or various challenges—it also happens with Christian content.
Christian faith is often instrumentalized there, seemingly to slow down or counteract societal progress. The fact is: we live in a society that has rapidly changed—and still is changing—especially regarding gender roles we may have learned in childhood. Feminism, trans activists, and others advocate for equal rights for all people. But how does this connect to Christian social media? Quite simply: as mentioned, many trends within the Christian social-media bubble seem to work against societal development. One example is the so-called “tradwife” trend that is currently causing quite a stir on TikTok and Instagram.
Let me briefly explain the phenomenon for those who haven’t encountered it yet. “Tradwives,” short for “traditional wives,” are an image of the role women in the Western world often held in the 1950s and 1960s. I want to make clear: there is nothing inherently wrong if a woman freely chooses such a traditional role. The big BUT is when she is pushed into it by social pressure, expected to fulfill the standards of others.
But what do viral trends like the tradwife movement contribute to our real world—and why can they be dangerous? They promote a highly romanticized picture of a reality that was often harsh. As consumers of these idealized, dreamy images, we usually receive no explanation of why a cliché-laden role model like this might be more difficult today than it seems. And this brings us back to society at large: many people adopt the tradwife narrative and try to impose it on women—even if the women themselves do not want it.
Why am I talking about this? The answer lies in the introduction: Christian faith is often used for specific purposes—particularly by right-wing groups that rely on Christian narratives, which are frequently accepted without question. We know the arguments claiming that “the Christian Occident and its values must be protected.” According to Die Zeit, the tradwife phenomenon does not appear in left-wing contexts. Why? Because patriarchal structures are far less present there than in right-wing politics—simply put, women are less subordinated to men. It is difficult to notice such dynamics when scrolling TikTok where the main goal is to “just switch off.” But context always matters.
Berliner Morgenpost, for instance, describes the tradwife trend as a “danger to democracy” because “promoting this female role model fuels the current shift to the right in Germany.” One user writes: “I can’t help but think of the contrast between a ‘modern, liberated feminist’ and the ‘traditional woman’ of AfD Saxony.” Experts, such as communications professor Margreth Lüneburg, confirm this. Such trends serve political indoctrination. “Behind these videos lies a clear strategic communication of the right,” she explains. These mechanisms are even more widespread in the United States than in Germany.
Some of you might still ask: “What’s so bad about watching these videos? They’re entertaining!” But it must be said: this kind of content should always be questioned—especially regarding the political context it can be used to support. As mentioned, such impressions shape us, consciously or unconsciously, and this can become dangerous for the real world we share—because no one lives in isolation. We must ask ourselves: What do these impressions do to me? To my interactions with others? Do I truly agree with what I’m watching?
Do we even know who is trying to convey what to us? This question is crucial. Many of these seemingly inspirational figures—whether today’s Nara Smith or, in the 1980s, Tom Cruise—belong to particular branches of Christianity, or claim to. Often, they are part of free churches or sect-like groups characterized by strict rules and rigid role hierarchies. Do we want that? Do we want our freedom in life and faith to depend on such structures? Or do we accidentally endorse these forms of faith without realizing that we are falling into an instrumentalized trap? The fact is: many of these supposedly Christian movements are used by specific political groups because they share a similar worldview—one that is often built on exclusion. They pick selectively from Christian values whatever suits their purposes. Genuine Christian values no longer play a major role—unless they can be weaponized “to protect our country, its values, and its traditions.”
But it should also be said: the opposite exists as well. There are creators who explain what the Bible actually says—or how it can be interpreted in ways that do not simply affirm a narrow narrative. Many speak openly about leaving fundamentalist or highly restrictive groups, such as the Mormons, and share what this means for their lives, always mindful that while they were able to free themselves, others remain trapped in structures that are now being romanticized by the opposite side.
These social-media trends show that narratives of faith are making a comeback—but they can be interpreted and discussed in many different ways. Your own spiritual life should never restrict your everyday life, as some trends might imply. We must draw clear boundaries and distance ourselves from content that seems even slightly fundamentalist—for faith must be lived in freedom. Everyone should be able to strengthen their own beliefs so as not to fall for such strategies or feel compelled to meet others’ expectations.
Pope Francis once said that our world is threatened by gurus, witches, and sorcerers—“false saviors who try to take Christ’s place”—people who may not even be close to Christianity. But perhaps, in the nearly fifteen years since he said this, things have changed. Perhaps the tide has turned, and it is now these self-appointed Christian influencers who shake the world and unsettle the faith and worldview of many. There are many ways to live as a Christian, and everyone may do so in their own way—but never at the expense of others. Where my freedom ends, another’s begins.
“There will come days when not one stone will be left upon another; all will be thrown down.” Is that what is happening? Are we moving toward that? Or are we rebuilding a half-destroyed temple stone by stone—unaware that we are being led astray again?
Because: trends, algorithms, and glossy images on social media promise identity and direction—but they can change quickly and offer only a superficial sense of security.

 

[Predigt von Marina von Brechan]

Bild: Anette Jones pixabay

Predigt zum Patronatsfest des Katholisches Schulzentrum Edith Stein

„Frieden schaffen“

Liebe Schulgemeinschaft,
„das Leben ist es wert, gelebt zu werden“. So lautet ein Tagebucheintrag von Etty Hillesum. Ich finde diesen Satz sehr bemerkenswert. Nicht nur, wenn man beachtet, dass Etty diesen Satz im Durchgangslager Westerbork in ihr Tagebuch schrieb im Wissen um all die Gräueltaten, sondern auch in Anbetracht unserer heutigen Zeit.
Der Satz spricht für mich von Kraft, Hoffnung und Mut. Und auch von der Zuversicht, dass es gut werden kann. So wie Etty auch schreibt, dass Frieden möglich ist, für sich hat sie diese Hoffnung nicht mehr, aber für zukünftige Generationen, und damit auch für uns heute.
Um diesen Frieden zu erreichen, so schreibt Etty, müssen wir Menschen Gott dabei helfen.
Wie kann das gelingen?
Da finde in der Lesung aus dem Kolosserbrief zwei gute Ratschläge.
Paulus hat den Brief an die ihm unbekannte Gemeinde in Kolossä geschrieben, da in der Gemeinde Irrlehren kursierten und er sich um den Glauben der Menschen sorgte. Der Abschnitt, aus dem die Lesung stammt, handelt von den praktischen Konsequenzen für das Leben als Christ und die gelten auch für uns hier und heute.
Liebt einander vollkommen
Einander lieben, gut miteinander umgehen- das hört sich erstmal leicht an. Doch wie sieht es mit der Umsetzung im Alltag aus? Wie schnell sind wir sauer auf unsere Mitmenschen, wenn sich im Supermarkt jemand an der Kasse vordrängelt, bei der S-Bahn beim einsteigen drängelt und mir die Tasche dabei in die Seite haut oder wie sieht es in der Politik aus? Freundlicher Umgang ist da eher selten zu sehen.
Als Christ*innen sollen wir ein Vorbild und unsere Mitmenschen gut behandeln, Nächstenliebe zeigen, das muss nicht die riesengroße Geste sein, es reicht manchmal schon ein Lächeln, das Zurückhalten meines Ärgers, ein freundliches Wort, oder das Einstehen für andere.
Friede wohne bei euch
Frieden ist ein wichtiges Gut, das wusste Etty Hillesum und das spüren auch wir heute. Wo fängt man an beim Frieden?
Bei mir, meiner Familie und Freund*innen, Arbeit, Schule und Freizeit. Ich kann für mich überlegen, wo ich in meinem Umfeld die Welt ein wenig friedlicher gestalten kann, wo ich Zeichen des Friedens setzen kann. Auch das reicht oft ein Lächeln, eine ausgestreckte, hilfsbereite Hand und der konkrete Einsatz für Frieden, indem ich mich stark mache für ein gutes Miteinander und Versöhnung.
Frieden fängt bei mir an und ich kann ihn weitergeben.
So können wir, kann jeder einzelne von uns im Sinne von Etty Hillesum Gotte beim Schaffen von Frieden helfen.
Denn Frieden ist möglich und wir können ihn mitgestalten. Lasst uns zu Werkzeugen des Friedens werden. Amen.

Bild: Sunguk Kim

Semestereröffnung

Aufbruch

Predigt Bruder Johannes

[english below ]

  1. Leben heißt aufbrechen, wer nicht aufbricht verpasst das Leben.
    Wegen des Studiums haben viele Studierende ihre Heimat verlassen. Machen fällt das schwer vertraute familiäre Bindungen und Freundschaften nicht mehr in unmittelbarer Nähe zu haben, andere stoßen einen Freudenschrei aus und sagen: „Endlich nach Berlin“
  2. Lesung hat auch mit Aufbruch zu tun, es fügt sich für das Volk Israel endlich der Ägyptischen Unterdrückung zu entkommen, sie deuten dies als Gottes Fügung und fühlen sich von Gott getragen.
    Das Glück hält aber nur kurz an, dann warten neue Herausforderungen auf sie: Hunger und Durst in der Wüste, bedrohende Gefahren durch andere Völker, wie im Text die Amalekiter erwähnt werden.

Ähnlich wird es manchem Studenten gehen, er kommt mit Freude nach Berlin, erlebt dann aber auch bald Hunger nach Beziehungen, weil eine Stadt auch sehr einsam machen kann, Durst nach Leben, weil das Leben mehr ist als Studieren und jobben um  die Wohnung zu bezahlen.
Oder da schwebt der dauernde Zweifel über dem Studium: „Schaffe ich das???“. Wenn dann noch Konflikte mit Mitstudierenden dazu kommen, kann es eng werden.

 

  1. Lesung und Evangelium sind eine Ermutigung sich bei all dem an Gott zu wenden. Er sieht und erhört unseren Hilfeschrei wie der der Witwe im Evangelium.

Die Israeliten greifen in dieser Situation auch auf Gott zurück, denn sie hatten seine Hilfe ja schon erfahren. Mose der Anführer des Volkes betet für sie und wird dabei von Aaron und Hur unterstützt. Solange Mose die Hände zum gebet erhoben behält siegen sie, sobald sie sinken verlieren sie. So konnten sie die Gefahren abwehren. Gott hat ein Herz für den Menschen.

  1. In solchen Situationen ist aber auch Gemeinschaft wichtig, Aaron und Hur unterstützen Mose.
    Deshalb ist eine Katholische Hochschulgemeinde so wichtig für die Stadt. Hier sollte der aus der Fremde kommende Beheimatung erfahren, andere Studierende finden, die ein Ohr für seine Nöte haben und sehen was jemand braucht. Die KSG sollte dann aber auch ein Ort sein, wo man gemeinsam seinen Glauben vertieft und in zeitgemäßen Gottesdiensten feiert.
    Und darüber hinaus geht es dann auch darum ein gemeinsames Engagement für Benachteiligte Menschen in Berlin mitzutragen, um die Stadt etwas heller zu machen.
  2. Das Semestermotto lautet:  „Frieden geht. Hoffnung oder schon zu spät?“
    Nein, es ist nicht zu spät, denn du und die KSG können ihn anfangen heute zu leben und ein Leuchtturm in dieser Stadt Berlin sein. Bist du bereit diesen Ort dafür mitzugestalten und Zeit dafür einzusetzen? Trägst du verlässlich Engagements mit durch auch wenn es mal schwierig wird?
    Darauf wird es ankommen. Möglich ist der Frieden.

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First semester opening service KSG Berlin 19 October 2025

  1. Life means setting out, those who do not set out miss out on life.

Many students have left home to study. Some find it difficult to no longer have familiar family ties and friendships in their immediate vicinity, others let out a cry of joy and say: ‘To Berlin at last’

  1. 2nd reading also has to do with departure, it is fitting for the people of Israel to finally escape Egyptian oppression, they interpret this as God’s providence and feel carried by God.

But the happiness only lasts for a short time, then new challenges await them: Hunger and thirst in the desert, threatening dangers from other peoples, as the Amalekites are mentioned in the text.

Some students will feel the same way, coming to Berlin with joy, but then soon experiencing hunger for relationships, because a city can also be very lonely, thirst for life, because life is more than just studying and working to pay for a flat.

Or there is the constant doubt hovering over your studies: „Can I do it? When conflicts with fellow students are added to this, things can get tight.

3 The reading and the Gospel are an encouragement to turn to God in all of this. He sees and hears our cry for help, like that of the widow in the Gospel.

The Israelites also turn to God in this situation because they had already experienced his help. Moses, the leader of the people, prays for them and is supported by Aaron and Hur. As long as Moses keeps his hands raised in prayer, they win; as soon as they fall, they lose. This is how they were able to ward off the dangers. God has a heart for mankind.

4 But community is also important in such situations, Aaron and Hur support Moses.

That is why a Catholic university community is so important for the city. Here, those coming from abroad should feel at home, find other students who listen to their needs and see what someone needs. The KSG should also be a place where people can deepen their faith together and celebrate it in contemporary church services.

And beyond that, it is also about sharing a common commitment to disadvantaged people in Berlin in order to make the city a little brighter.

5 The motto for the semester is: „Peace is possible. Hope or already too late?“

No, it’s not too late, because you and KSG can start living it today and be a beacon in this city of Berlin. Are you ready to help shape this place and dedicate your time to it? Are you reliably committed, even when things get difficult?

That’s what it will come down to. Peace is possible.

Predigt Bruder Johannes