Vertrauen und Zukunft
Es gilt das am 01.02.2026 in St. Augustinus, Berlin gesprochene Wort.
As delivered on 1 February 2026, at St. Augustinus, Berlin.
Liebe Gemeinde,
„welche Erwartungen haben Sie für sich und Ihre Zukunft?“ Diese Frage habe ich im Dezember Bewerberinnen für ein Stipendium gestellt. Eine große Frage, die gar nicht so leicht zu beantworten ist und Zeit zum Nachdenken braucht.
Welche Erwartungen habe ich für mich und mein Leben? Wie stelle ich mir die Zukunft und speziell meine Zukunft vor?
Einen Teil der Antwort wird wahrscheinlich das Studium oder die Promotion, der Berufswunsch, den man verfolgt oder verfolgt hat und in dem man jetzt arbeitet. Das ist ein Teil der Antwort. Doch da ist noch mehr. Leben ist nicht nur Arbeit oder Studium – da gehören auch meine Wünsche für mein Privatleben, Freunde &Familie, Reisewünsche, meine Erwartungen an Politik, Gesellschaft und Kirche dazu. Wie gesagt, es ist eine ganz schön große Frage.
Wie stelle ich mir die Zukunft vor?
Auf der GV vor zwei Wochen haben wir das Semesterthema fürs Sommersemester gewählt: Zukunft mit Gott!
Und heute planen wir im Anschluss das Sommersemester, sammeln Ideen, wie wir das Thema in der KSG umsetzen und die verschiedenen Dimensionen des Themas entfalten können.
Auch die Lesungen, besonders das Evangelium des heutigen Tages, geben uns einen Einblick, wie Zukunft mit Gott aussehen kann.
Da ist einmal Zefanja, bei dem Gerechtigkeit das zentrale Thema ist. Zefanja kritisiert all die Machthaber, die ihre Macht missbrauchen und stellt ein Gegenprogramm auf. Gerechtigkeit und Demut, Frieden. Allen, die Gott aufrichtig suchen, verheißt er Frieden und Gerechtigkeit, die anderen erwartet der Zorn des Herrn. Zefanja macht deutlich, dass es möglich ist, sich zu ändern, Gutes zu tun, statt Macht zu missbrauchen und dass nur Zukunft mit Gott hat, wer gerecht und friedlich handelt.
In der Gemeinde von Korinth herrscht Streit und Spaltung. Anscheinend halten sich manche Leute der Gemeinde für etwas Besseres, sodass es den sozial schlechter gestellten Leuten schwerfällt, in die Gemeinde hineinzukommen. Paulus macht klar, dass bei Gott jeder und jede einen Platz hat. Denn gerade die Schwachen, Armen und Sklaven hat Gott erwählt und sie gehören ebenso zur Gemeinde wie alle anderen. Paulus macht klar, dass Gott für alle Zukunft verheißt, die ihn rühmen.
Im Evangelium haben wir einen Ausschnitt der Bergpredigt gehört, die man als Programmrede Jesu bezeichnen könnte. 8 Seligpreisungen, gerichtet an die Jünger und alle Menschen, die Jesus auf den Berg gefolgt sind. Zentral sind die Gerechtigkeit und die Verheißung des Himmelreiches. Im Reich Gottes gibt es keine Trauer mehr, keine Armut, keine Benachteiligung und keine Verfolgung – stattdessen herrschen Friede, Gemeinschaft und Gerechtigkeit. Das ist der Zuspruch Jesu an seine Anhänger. Dass Gott ihnen Zukunft schenken wird und sie bei ihm einen Platz haben.
Die Seligpreisungen sind dabei keine Vertröstung auf das Reich Gottes im Himmel, sondern auch eine Handlungsaufforderung für das Hier und Jetzt. Denn das Himmelreich ist nicht irgendetwas Fernes, sondern schon konkret auf der Erde erfahrbar.
Die Seligpreisungen enthalten Zuspruch und auch Aufforderungen, Haltungen und Handlungen. Denn nur wenn wir dabei mithelfen, wird das Reich Gottes auch hier und jetzt spürbar.
Wenn wir anderen helfen, Gemeinschaft stiften, uns für die Umwelt einsetzen und Frieden stiften, dann gestalten wir Zukunft mit Gott.
Die Seligpreisungen machen deutlich, dass wir darauf vertrauen dürfen, dass Gott uns Zukunft schenkt und ermutigt uns, mit Gott Zukunft zu gestalten. Damit die Welt immer ein Stück mehr zum Reich Gottes wird.
Gestalten wir Zukunft mit Gott. Amen

