Dreifaltigkeit

© P. Felix Meckl
Es gilt das am 31. Mai 2026 in St. Augustinus, Berlin gesprochene Wort.

Liebe Geschwister in der Hoffnung,
Das Herz unseres Glaubens, das wir heute feiern, ist keine trockene Theorie, sondern ein lebendiges Geheimnis der Liebe. Gott ist dreifaltig: Vater, Sohn und Heilige Geistkraft. ER ist der barmherzige Schöpfer, der uns rettende Bruder und die verheißende Liebe in unserer Mitte.
„Der Herr ist ein barmherziger und gnädiger Gott, langmütig und reich an Huld und Treue.“ So hörten wir es gerade in der ersten Lesung aus dem Buch Exodus (Ex 34, 6). Mose durfte diese Erfahrung am Berg Sinai machen. Und im Evangelium (Joh 3, 16–18) fasst Johannes das Zentrum unseres Glaubens in die unsterblichen Worte: „Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat.“
Die Heilige Geistkraft wird selten explizit erwähnt. Sie ist die Realität, die wir wahrnehmen. Sie hat uns hier zusammengeführt, lässt uns danken, singen, bitten und beten. Sie durchweht Raum und Zeit, Wort und Klang wie unser Atem.
Dreifaltigkeit. Trinität. Ein philosophisches Konstrukt, lange nach Jesus von Nazareth erdacht, entwickelt in unzähligen – teilweise sogar blutigen – Diskussionen.
Für viele klingt es heute noch nach einer komplizierten Rechenaufgabe:
Wie kann einer drei sein und drei einer?
Auch viele Bilder wirken uns fremd, irritieren.
Unser Gottesbild scheint ein unlösbares Rätsel für unseren menschlichen Verstand. Doch darf uns das nicht schrecken!
Jede Rede von Gott war, ist und bleibt nur Stückwerk. SEINE resp. IHRE Größe und Vielfalt, sein Wirken und ihre Liebe können wir nur bruchstückhaft wahrnehmen, geschweige denn verstehen.
Weil Gott aber real ist, da ist, mit uns Menschen mitgeht durch alle Höhen und Tiefen, in alle Erfahrungen und Entwicklungen, müssen wir uns immer wieder neu dieser Existenz stellen und versuchen IHN respektive SIE für uns zu deuten.
So möchte ich Sie heute einladen, die Dreifaltigkeit mit ganz anderen Augen zu betrachten – durch die Linse einer kulinarischen Spezialität, die wir alle sicher kennen: dem Fürst-Pückler-Eis.
Dieses Eis, berühmt geworden durch den preußischen Offizier und Landschaftsarchitekten Fürst Hermann von Pückler-Muskau (1785 bis 1871), besteht bekanntlich aus drei Schichten: Schokolade, Vanille und Erdbeere.
Drei Geschmacksrichtungen. Drei Farben. Drei völlig unterschiedliche Charaktere. Und doch sind sie untrennbar miteinander verbunden.
Dem Wesen nach sind sie eins, als gefrorene Sahne mit Zucker, aber dennoch ganz individuelle Geschmackserfahrungen. Zusammen bilden sie das Fürst-Pückler-Eis. Ob das Eis seines Hofkoches Louis Ferdinand Jungius für den überzeugten Monotheisten Pückler im Kochbuch von 1839 als Gottesbild geschaffen wurde, bleibt Spekulation.
Doch lassen wir uns diesen dreifachen Genuss einmal auf unserem gläubigen Gaumen zergehen:

Die Schokolade: Gott, der Vater – fester Grund und Schöpfer der Erde
Dunkel, kräftig, intensiv und erdig. Schokolade ist der Teil des Eises, der Substanz hat. So ist Gott, der Vater. ER ist der felsige Grund unseres Lebens. ER ist der Schöpfer, der uns Halt gibt. Wie die dunkle Schokolade uns oft ein tiefes, sattes Aroma schenkt, so ist Gott der Ursprung, aus dem wir schöpfen. ER ist der, der uns ins Leben gerufen hat, uns aus der braunen Erde geformt hat und uns beständig treu mit Fülle beschenkt.

Als zweites: Die Vanille: Gott, der Sohn – Die sanfte Hingabe, die alles durchwirkt
Hell, zart, lieblich und vertraut. Sie schmilzt auf der Zunge und versöhnt selbst Widersprüche. So ist Jesus Christus, der Sohn. ER ist die Menschwerdung Gottes. ER ist nicht gekommen, um zu richten, sondern um zu retten. ER macht Gott für uns liebevoll nah, süß und sinnlich erfahrbar. Wie die Vanille eine milde Süße in das Eis bringt, so bringt Jesus die Liebe Gottes direkt in unser Leben. ER zeigt uns, wie Gott ist: sanftmütig, heilend, den Menschen liebevoll zugewandt.

Schließlich die Erdbeere als Heilige Geistkraft – Eine spritzige Frische, die aus den kalten Tagen ins Leben in Fülle weist
Fruchtig, lebendig, erfrischend ist sie; manchmal überraschend säuerlich. Das ist ruach, die Heilige Geistkraft. SIE ist die Kraft, die in uns wirkt und uns antreibt. SIE weht, wo SIE will. SIE bringt Farbe und Lebendigkeit in unser Glaubensleben. SIE ist diejenige, die uns die Augen öffnet und uns die Botschaft Jesu frisch und lebendig schmecken lässt.

Das Entscheidende, liebe Schwestern und Brüder im Glauben, ist aber: Jede Sorte schmeckt anders. Kein langweiliges einseitiges Wahrnehmen jener großen Fülle, die Gott uns gewährt.
Wenn man die drei Geschmäcker zusammen auf dem Löffel hat, entsteht ein harmonisches Ganzes. Ein Geschmackserlebnis, das mehr ist als die Summe seiner Teile.
So ist unser Gott. Er ist der eine Gott, aber er begegnet uns in dieser dreifachen Vielfalt.
ER ist uns nah als Schöpfer, der uns hält.
ER ist uns nah als Bruder und Retter, der uns den Weg zeigt.
Und SIE ist uns nah als ständige Inspiration und Lebenskraft in unserem Alltag.
Gott ist nicht fern und starr, vertrocknet und alt, verstaubt oder fremd. Er ist nicht eindimensional oder aus leblosem Material gezimmert.
Unser Gott ist vielfältig, dynamisch, lebendig. Gott ist in sich selbst schon eine Gemeinschaft der Liebe. Und zu genau dieser Gemeinschaft der Liebe lädt Gott uns ein.
Wir dürfen an diesem Dreifaltigkeitssonntag staunen, dass Gott uns so unfassbar liebt. ER liebt uns so sehr, dass ER sich uns in all diesen Facetten schenkt – damit für jeden von uns etwas dabei ist, das uns nährt, erfreut und in jeder Krise auch erfreut und rettet.
Lassen Sie uns Gott in seiner Dreifaltigkeit nicht als unlösbares Rätsel oder halbseidene Darstellung betrachten, sondern als ein wunderbar, stets neues Geschenk annehmen, das darauf wartet, von uns genossen, geliebt und geteilt zu werden. Amen.

Bild: David Bumgardner / unsplash

Pfingsten

© P. Felix Meckl
Es gilt das am 24. Mai 2026 in St. Augustinus, Berlin gesprochene Wort.

Wenn halbwegs belesene Menschen von Pfingsten hören, dann denken sie an das Wunder der Feuerzungen. Doch hört man die Lesung aus der Apostelgeschichte, reiht sich Wunder an Wunder:
Wunder 1: alle waren an einem Ort. Das erleben wir kaum. Jede und jeder hat vielzählige Verpflichtungen, verschiedene Systeme, die sich selten überschneiden. Oft vermissen wir jemanden, er oder sie fehlt uns, als Mitfeiernde, als Ratgeber, als Begleitung. Doch am Pfingsttag waren sie alle an einem Ort.
Das 2. Wunder ist dann das bekannte, berühmte Wunder, dass der Raum erfüllt wurde mit Brausen und Sturm und dass IHNEN – das finde ich spannend – IHNEN Zungen erschienen wie von Feuer. Der Verfasser der Apostelgeschichte berichtet als Außenstehender. Er schreibt nur vom himmlischen Brausen, das wohl alle erlebt haben. Die Feuerzungen erschienen IHNEN, also ganz individuell. Vielleicht ist das schon ein drittes Wunder?
Wunder 4: alle wurden vom Heiligen Geist erfüllt.
Wunder 5: sie begannen zu reden
Wunder 6: in anderen Sprachen – was für ein Geschenk!
In diesen wenigen Versen reiht sich Wunder an Wunder. Kein Wunder also, dass wir Pfingsten feiern und dass Pfingsten so bekannt ist.
Die anderen beiden Texte der heutigen Leseordnung ergänzen diese Wundersammlung, holen sie aus der Berichterstattung eines einmaligen Ereignisses heraus und machen sie ewiggültig.
Vor allem der Korintherbrief, wo Paulus allen Gemeinden und Gemeinschaften ins Gewissen schreibt: „Es gibt verschiedene Gnadengaben, aber nur den einen Geist. Es gibt verschiedene Dienste, aber nur den einen Herrn. Es gibt verschiedene Kräfte, die wirken, aber nur den einen Gott.“
Aber in all diesen naturgegebenen und gottgewollten Vielfalt:
„ER“, also Gott in der heiligen Geistkraft, „SIE bewirkt alles in allen.“
Jede und jeder von uns darf sein, ist so gewollt, wie er oder sie ist. Jedes Wesen hat individuelle Fähigkeiten, Charismen, Stärken und Schwächen. Nur in der Summe können wir stark sein. Nur in der gebündelten Vielfalt sind wir wahre Einheit.
Schließen wir die einen aus, sind wir verstümmelter Leib.
Doch dürfen wir – wenn wir dieses Bild verwenden und mitdenken – nicht das Jesuswort vergessen, dass Matthäus uns zweimal überliefert: nach dem Rangstreit der Jünger und bei den Weherufen seiner Bergpredigt.
„Wenn dir deine Hand oder dein Fuß Ärgernis gibt, dann hau sie ab und wirf sie weg!“ oder „wenn dir dein Auge Ärgernis gibt, dann reiß es aus!“ Als Beweggrund für solch gewaltsames Zuwiderhandeln gegen die Einheit in der Vielfalt benennt Jesus immer nur eins: das Verachten der Kleinen, der Schwachen, der Ausgegrenzten.
Wer also gegen die volle Einheit in der Vielfalt ist, der ist gegen Gott und kann somit nicht zu dir gehören. Das klingt hart, ist aber konsequent! Das mag uns erschrecken, ist aber notwendig. Ausgrenzung geschieht immer auf Kosten der Schwachen, gegen Minderheiten. Dagegen steht Jesus mit allem, was er ist.
Gut, dass dann das Evangelium, in diese harte Notwendigkeit und die vielleicht ausgelöste Aufwühlung hinein, die wohl wichtigste österliche Botschaft Jesu zu Gehör bringt: „Friede sei mit euch! Friede sei mit euch! Friede sei mit euch!“
Unzählige Male berichten die Evangelisten von diesem Gruß Jesu, von diesem Wunsch des alten Freundes, von dieser Zusage des Meisters. Friede sei mit euch!
Der heutige Abschnitt macht deutlich, dass die Gabe der Heiligen Geistkraft nicht mit Druck oder Angst, nicht mit Appellen oder Auflagen beginnt, sondern mit Frieden. Jesus haucht diesen Frieden zu. Einen göttlichen Frieden, der wie das Säuseln, das der Prophet Elija am Horeb bei seiner Gottesbegegnung gehört hat, daherkommt. Frieden macht keinen Lärm! Frieden ist still, schweigt. Frieden gibt dem wesentlichen Raum.
Liebe Geschwister im Glauben,
Pfingsten sagt uns: Du musst dich nicht verstellen, um von Gott geliebt zu sein. Und du musst andere nicht ändern, um ihnen mit Respekt zu begegnen.
Wer aus Gottes Geist lebt, ist nicht laut, macht andere nicht klein, redet nicht an anderen vorbei.
Wer aus Gottes Geistkraft lebt, baut Brücken, hört zu und gibt – selbst fremden – Menschen Mut ihr Leben vertrauensvoll als Geschenk zu leben.
Die Heilige Geistkraft macht aus vielen Stimmen kein Chaos, sondern eine gemeinsame Hoffnung für alle.

Bild: Geoffroy Hauwen / unsplash

To celebrate our loneliness. Wir sind allein! Allein, allein, allein, allein.

© P. Felix Meckl
Es gilt das am 17. Mai 2026 in St. Augustinus, Berlin gesprochene Wort.

Wir sind allein…

Dieses Lied hat mich berührt, ab dem Moment, als ich es zum ersten Mal gehört habe. Ich wusste nicht weshalb, habe es immer und immer wieder gehört. Es brannte sich ein, wurde zum Ohrwurm. Schließlich fand ich heraus, warum mich dieses Lied so trifft: es ist die Widersprüchlichkeit zwischen Aussageinhalt und Wirkungsmacht der Melodie.

Wir sind allein.

Damit geht es schon mal los.

Der Text ist ein Oxymoron. Ein WIR ist doch nicht allein. Klar, eine kleine Gruppe kann sich in der Wüste alleine fühlen.

Aber der Widerspruch ist virulent: WIR sind mindestens zwei und damit ist Mann respektive Frau nicht allein. Es gibt ein Gegenüber, ein Nebeneinander, ein Miteinander ist möglich. Aber es ist eben nur möglich; nicht gesetzt oder gesichert wahrnehmbar.

In Deutschland fühlen sich etwa 19 Prozent der Menschen manchmal oder häufig einsam. In Berlin berichten Umfragen zufolge sogar bis zu 50 Prozent der Großstädter von Phasen der Isolation. Bei 56 % Singlehaushalten, nicht verwunderlich.

Zwischen Einsamkeit und Alleinsein jedoch herrscht ein großer Unterschied. Einsam ist man in einer 4 Millionenstadt selten: weder im ÖPNV noch in Geschäften und Behörden, Museen oder Kneipen. Auch in den Wohnungen hört man – mal mehr mal weniger nervig – die Nachbarn trampeln, sprechen oder Musik hören.

Allein sein ist mehr ein Zustand, denn das Gefühl, das uns – und ich glaube eine jede und einen jeden von uns – immer wieder einmal quält. Gegen Einsamkeit kann ich aktiv etwas tun: ich kann rausgehen aus meiner Wohnung, kann einem Verein beitreten oder mich einer Gemeinschaft wie der KSG anschließen. Einsamkeit wird dadurch gebrochen.

Gegen das Alleinsein mag das helfen, aber nicht automatisch.
„We look into faces, wait for a sign. Wir sind allein. A prisoner behind the walls.“

Gegen das Alleinsein hilft nur seine Haltung zu ändern.
Dafür spricht Jesus seine vielen Zusagen. Genau das üben wir ein in diesen zehn Tagen zwischen seiner Himmelfahrt und dem Pfingstfest.

„Du magst einsam sein, du magst dich allein fühlen: ich aber bin immer bei dir. Ich bleibe bei dir, wie ich bei dir war. Die alte Zusage des Vaters im brennenden Dornbusch gilt – beständig in Raum und Zeit und ewig neu, besonders für dich, der du mich gerade brauchst.“

Jesu Aussage geht sogar noch weiter. ER sagt: „ich komme wieder. Ich sende euch eine Trösterin. Ich lasse euch nicht zurück. Ich gehe und bereite vor. Ich sorge für dich.“

Das hilft gegen das lähmende, schmerzende, angstmachende Gefühl des Alleinseins.

Ob die Jüngerinnen und Jünger sich allein gefühlt haben, als sie sich eingeschlossen hatten in den engen alten Raum im Obergeschoss und gebunden im Gebet ausharrten auf bessere Zeiten, wissen wir nicht. So ein Sich-Einhausen birgt jedoch immer die Gefahr über die Einsamkeit auch abzudriften ins Alleinsein.

„He’s livin‘ in a universe; a heart away. Inside of him there’s no one else; just a heart away. The time will come to be blessed; a heart away; to celebrate his loneliness“ Singt Polarkreis 18 aus Dresden gleich zum Auftakt seines bekanntesten Liedes, das sich 2008 insgesamt 49 Wochen in den Deutschen Charts hielt.

Diesen einen Herzschlag entfernt ist die Heilige Geistkraft. Sie erwarten wir in diesen Tagen; erbitten, ja erflehen sie. In so mancher Novene immer flehentlicher. „Komm, Heiliger Geist. Schaff das Leben neu. Erfülle uns und die ganze Welt.“

Und in diesem Erhoffen und Ersehnen, in diesem Herbeiwünschen und Vertrauen wird die christliche Dimension des Alleinseins klar:

Niemals sind wir allein, deshalb können wir in dieser energiegeladenen beschwingten Melodie als Chor rufen: Wir sind allein. Die Heilige Geistkraft gibt uns den Mut dazu, gibt uns die Kraft dazu, öffnet uns den Blick weder an Einsamkeit noch an manchmal gefühltem Alleinsein zu verzweifeln.

Die Geistkraft wird kommen und sie ist schon da. Seit dem ersten Atemzug in uns lebendig. Mit der Taufe geheiligt. In der Firmung bekräftigt.

Erflehen wir sie neu für dieses Jahr, in dem wir stehen und vertrauen wir als Chor, dass alles, was Gott Jesus geschenkt hat, er auch uns schenken will: die Liebe, die Gewissheit und ein Leben in Fülle. Amen.

 

Here I am – hier bin ich

© Nicole Oster
Es gilt das am 10. Mai 2026 in St. Augustinus, Berlin gesprochene Wort.
As delivered on 10 May 2026, at St. Augustinus, Berlin.

Here I am, Lord, is it I Lord?- hier bin ich, Gott

So haben wir beim Zwischengesang gesungen.

Here I am, hier bin ich. Send mich her, denn hier bin ich.

Hier bin ich. Mit allem, was mich ausmacht, meinen Fehlern und Schwächen, meinen Talenten und meinem Wissen, meinen Fragen und Zweifeln, Unsicherheiten, meinen Ideen und Fähigkeiten.

Hier bin ich. Auch als Pastoralreferentin, Katholikin, Frau in der Kirche, als Predigerin. Wie viele Frauen im Rahmen der Predigerinnentage.

Hier bin ich, sage ich heute und stelle mich damit in eine Reihe von Frauen in Bibel und Kirchengeschichte gesagt haben „hier bin ich, hier ist mein Platz“ und „ich gehe hier nicht weg.“

Manchmal ist ihr „hier bin ich“ laut, raumfüllend, manchmal eher leise und füllt die Zwischenräume und mal in Taten, mal in Wort und Schrift. Und oft wurde/ wird es kleingehalten, wurde versucht, es zum Verstummen zu bringen. Doch es ist weiterhin zu hören.

Alle Frauen der Bibel und Kirchengeschichte aufzuzählen, würde zu lange dauern, aber auf ein paar möchte ich doch hinweisen.

Da sind die Erzmütter, Rebekka, Lea & Rahel. Was wäre ohne Saras Lachen, ohne Rebekkas Segen für ihre Söhne?

Da sind die Frauen im Stammbaum Jesus: Rahab, Tamar, Batseba und Rut. Sie haben einen prominenten Platz im Neuen Testament gefunden. Und das als Frauen, deren Lebenswandel nicht besonders schicklich war, als Ausländerinnen und als Personen, die sich selbst für ihr Schicksal eingesetzt haben.

Und dann sind da zwei Marias.

Zum einen Maria, die Mutter Jesu. Da könnte man jetzt sagen, aber deren „hier bin ich“ ist doch laut, sie ist bekannt und hat einen Platz in der Kirche. Das stimmt, wobei meiner Meinung nach, ein paar Aspekte von ihr in den Hintergrund gerückt sind.

Vor allem im Blick auf das magnificat, ihr Loblied auf Gott- und was für ein Loblied

„Meine Seele preist die Größe des Herrn“ Diese Zeile ist bekannt und meistens bleibt es bei dieser Zeile, doch es geht noch weiter.

„Er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die niedrigen, die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben und lässt die Reichen leer ausgehen“ spricht von Gottes umwälzender Kraft, die Machtverhältnisse auf den Kopf stellt. Maria singt: ich bin da, und vertraue auf Gott und seine umwälzende, revolutionäre Kraft. Maria ist nicht nur demütig, sondern auch kraftvoll und aktiv.

Und dann ist da noch Maria Magdalena. Apostelin, Zeugin der Auferstehung, die von Jesus persönlich einen Sendungsauftrag erhält. Doch in der Kirchengeschichte wurde ihr „hier bin ich“ (fast) zum Verstummen gebracht, wurde sie zur Sünderin gemacht, degradiert. Erst seit ein paar Jahren wird sie wieder als Apostelin der Apostel gefeiert.

Da sind noch viel mehr Frauen in Bibel und Kirchengeschichte, die in Worten, Taten oder schriftlich zeigen „Hier bin ich“.

Wie Katharina von Siena, unsere Patronin Edith sein, Mystikerinnen wie Teresa von Ávila oder auch heute: Frauen, die auf dem Synodalen Weg aktiv sind und in sozialen Medien Zeugnis von ihrem Glauben ablegen und Räume einnehmen.

Räumen, in denen wir Frauen manchmal nicht gerne gesehen sind, und doch sind wir da und bleiben da.

Here I am Lord, I will go Lord!

Ich darf mich trauen Platz einzunehmen. So wie’s zu mir passt. Laut oder leise, auf Social Media, im Schreiben, sprechen, in Taten oder Worten,…

Ich darf Raum einnehmen und Platz beanspruchen. In Kirche, Gesellschaft, in Arbeit und Studium und auch hier in der KSG. Darf meine Fragen stellen und meine Themen einbringen, mitgestalten und auch verkündigen, denn dazu ist jede und jeder von uns berufen.

Ich darf Raum einnehmen, mit allem, was mich ausmacht. Denn jede*r von uns ist gerufen.

Here I am Lord!

Das ist nicht immer leicht. Manchmal übernehmen Zweifel und Angst die Oberhand.

Doch hier kommt das Evangelium von heute in Spiel.

Es ist ein Teil von Jesu Abschiedsrede und die Jünger sind ängstlich, wissen nicht, wie sie weiter seine Botschaft verkünden sollen, sind auf der Suche nach ihrem Platz. Jesus verspricht ihnen: Ich bin da, ich werde immer da sein. Vertraut auf meine Liebe und haltet meine Gebote, dann bleibt ihr bei mir und ich stärke euch. Durch meine Liebe und durch die Heilige Geistkraft.

Diese Zusage gilt den Jünger*innen damals und gilt uns, jeder und jedem Einzelnen auch heute.

Mit dem Bewusstsein, dass da jemand ist, die mir den Rücken stärkt, mir Mut und Inspiration gibt und mir Sachen zutraut, kann ich selbstbewusst sagen

HIER BIN ICH! Amen.

Bild: Alex Beauchamp / unsplash

B-E-R-U-F-U-N-G

© P. Felix Meckl OSA
Es gilt das am 26. April 2026 in St. Augustinus, Berlin gesprochene Wort.

Liebe Firmbewerber*innen, liebe Studierende, Sw und Br

„Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben.“ (Joh 10,10).

Dieser Satz Jesu, den wir als Schlusswort des heutigen Evangeliums gehört haben, steht mitten im Johannesevangelium.

„Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben.“ (Joh 10,10).

Er ist ein Versprechen, gerade heute, am Weltgebetstag um geistliche Berufungen.

Vielleicht klingt „geistliche Berufung“ für euch erst einmal altbacken, zugespitzt nach Kloster oder Priesteramt.
Doch Berufung ist der Ruf Gottes an jeden, an dich, dein Leben nicht einfach irgendwie ablaufen zu lassen, sondern es in Fülle zu leben – intensiv, echt, geliebt.

Lasst uns daher mal das Wort Berufung näher anschauen. Dazu brauche ich bitte acht mutige Schäflein, gerne Studis UND Firmbewerber*innen. Auch Eltern und Gäste sind mir willkommen. Denn Berufung trifft nicht nur eine Gruppe, sie trifft uns alle.

Acht Leute kommen nach vorn und bekommen DIN A3-Bögen mit den Buchstaben B E R U F U N G.

Was steckt alles drin in diesem Wort?

Beruf:
Ja, es geht um einen Job. Um etwas, das man erlernt, das man ausübt, um Geld zu verdienen. Dazu muss man lernen: in der Schule, bei der Ausbildung, an der Uni und dann ein Leben lang, um up-to-date zu bleiben. Ein Beruf ist aber auch noch für etwas anderes gut als Geldverdienen und das ist vielleicht sogar wichtiger. Na, eine Idee? Es geht um Erfüllung und Sinnhaftigkeit. Wenn ich meinen Job gern mache und Sinn darin sehe, dann ist er Berufung. Denn Sinn erfüllt mit Freude und die strahlt aus auf andere, macht die Welt dadurch besser, baut Reich Gottes auf.

Ruf:
Ruf. Da ruft einer. Es ist eine Art Schrei, manchmal ganz laut zu hören, fast schon drängend. Manchmal aber ist der Ruf sehr versteckt, man muss genau hinhören, achtsam sein. Auch muss man aufpassen WER da ruft: die Welt? Das schnöde Geld? Die Eltern? Ein Lehrer oder eine Professorin?
Beim Ruf müssen wir alle genau hinhören – auf den Ruf Gottes in unserem Leben. Sie ruft, sie hat gerufen und sie wird rufen – immer wieder – wohin ist klar: in das Leben in Fülle, so wie Jesus es uns versprochen hat.

Er:
ER ruft! Gott ruft, Jesus ruft und die Hl. Geistkraft denken wir mit. ER, der dreieine Gott ruft nach dir, in Welt und Zeit.
ER kann aber auch der Mensch zu deiner Rechten oder deiner Linken sein. Oder der, der am Boden liegt und Hilfe braucht, der in der Schule gemobbt wird und eine Unterstützung nötig hat.
In all diesen Fällen ruft ER dich.
Aber Vorsicht! Hört nie nicht auf die Wölfe! Schon gar nicht auf jene, die im strahlenden Schafspelz daherkommen.

Be:
To be. Bei der Berufung geht es um das ganze Sein. Es geht nicht nur um eine Sonntagspflicht oder ein Gebot, auch nicht um ein Versprechen oder Gelübde. Es geht um das ganze Sein. Alles was mich ausmacht, alles was ich bin, kann und habe, alles gehört hinein in diese Berufung. Da sind Talente und Schwächen, Fähigkeiten und Ängste, Kreativität und Faulheit. All das gehört zu mir, zu meinem Sein und all das hat eine Bedeutung vor Gott.
Berufung zu leben heißt all das mitzudenken.

Fun:
Ja, Fun, Spaß. Berufung darf auch Spaß machen! J

U:
U, you. Das englische Ein-Buchstaben-Wort, ein Homophon, das häufig in der Textspeak verwendet wird.
You. Das kommt gleich zweimal vor!
Es geht um dich!
Das ist so wichtig, dass es im Wort Berufung gleich zweimal vorkommt. DU bist wichtig! Dich hat Gott im Blick. Deine Berufung gehört dir!
Deine Berufung ist ganz individuell. Sie mag anderen ähneln, aber es ist dein Leben, dein Weg, deine Berufung zu einem Leben in Fülle.

So, da haben wir es: sechs Worte, sechs Dimensionen in diesem einen alten abgedroschenen Wort.
Danke und zurück auf die Plätze. Die Plakate lasst ihr einfach hier.

Berufung ist kein festgelegter Plan, sondern ein Weg, den ihr mit dem guten Hirten geht. Er traut euch zu, Leben in Fülle zu leben und diese Fülle in unsere Welt zu bringen.
Hört auf seine Stimme. Traut euch zu, Hirten eures eigenen Lebens zu sein. Der ewig-gute Hirte geht immer mit euch. Amen.

Bild: Zhuo Cheng you / unsplash

3. Ostersonntag

© Nicole Oster und Felix Meckl
Es gilt das am 19. April 2026 in St. Augustinus, Berlin gesprochene Wort.

Nicole Oster: Zukunft mit Gott – ich finde das ein echt schönes Motto. Und das passt so gut zum Frühling, zu Ostern…
Zukunft mit Gott ist bunt, vielfältig, Gemeinschaft und ein freundliches, friedliches Miteinander, Lachen, Tanzen, Gesang…
Felix Meckl: Naja, also, ich weiß ja nicht. Zukunft mit Gott? Man müsste schon fast eine rosarote Brille aufhaben, wenn du da so erzählst. Ich finde, du übertreibst…
NO: Was stört dich denn so an dem Thema?
FM: Kann man wirklich so begeistert von einer Zukunft mit Gott reden in einer Welt, die voller Krieg ist? Wo sich selbst der Papst und der amerikanische Präsident öffentlich streiten? Wo Schwächen ausgenutzt, die Kleinen kleingehalten werden? Da steckt für mich nicht viel Zukunft drin. Oder schau mal in die Kirche in Deutschland, mit ihren Grabenkämpfen und fundamentalistischen Gruppen. Da ist für mich kein Gott mit Zukunft.
NO: Ich kann deine Gedankengänge verstehen. Für mich zeigen gerade diese Ereignisse in der Welt und den Kirchen, dass wir an einer Zukunft mit Gott arbeiten müssen. Zukunft mit Gott ist nicht einfach von heute auf morgen da. Wir müssen schon mitarbeiten. Und das finde ich schön, dass wir diese Zukunft mitgestalten können.
FM: Klingt nach Arbeit.
NO: Nach schöner Arbeit. Ich sehe da sehr viele Gestaltungsmöglichkeiten und jede*r kann sich mit seinen Talenten und Ideen einbringen. Gemeinsam unterwegs sein. So wie wir es eben im Evangelium gehört haben. Gemeinsam unterwegs sein, durch Tiefen und Höhen. Du erinnerst mich ein wenig an die Jünger*innen aus dem Evangelium vorhin. Die hatten auch wenig bis keine Hoffnung für Zukunft. Waren mutlos und verzweifelt. Was ja auch in deren Situation verständlich war.
FM: Die hatten allen Grund dazu. Jesus war gestorben und begraben. Sie waren enttäuscht und hatten Angst. Ich kann das voll verstehen, dass die einfach weglaufen wollten von den tragischen Ereignissen. Weglaufen tun heute ja auch viele: schau dir die Kirchenaustrittszahlen an oder die Statistiken vom Kirchenbesuch. Man muss ja fast schon dankbar sein für alle, die noch nicht ausgetreten sind. So waren auch die Emmausjünger schwer beladen.

NO: Ich sage ja, verständlich. Zeit für Trauer ist wichtig und die sollte man sich nehmen: auch mal eine Pause von den Nachrichten machen. Aber dabei darf man nicht stehen bleiben. Und da frage ich mich schon, ob die beiden Jünger die Botschaft Jesu verstanden haben. Denn wäre es nicht viel schöner, wenn sie dageblieben wären in Jerusalem und geholfen hätten die Botschaft Jesu lebendig zu halten statt zu fliehen. Statt den Kopf in den Sand zu stecken und die Welt auszublenden.
Aber die Geschichte bleibt ja nicht bei deren Weglaufen stehen Das ist ja der Anfang. Und sie waren nicht alleine.
FM: Zu zweit… na ja
NO: Ja, zu zweit sein ist ein Anfang. Austausch, Verbundenheit. Da ist jemand, der mich sieht, mit dem ich meine Gefühle, Gedanken, Sorgen teilen kann. Da ist schon ein wenig Zukunft spürbar. Und sie bleiben ja nicht zu zweit. Da kommt noch jemand Drittes hinzu.
FM: Das hat jetzt wirklich kaum Bezug zu heute. Oder glaubst du wirklich, dass Jesus einfach zum Spaziergang hinzukommt?
NO: Jetzt nicht so wie bei den Jüngern, aber ich glaube schon, dass Jesus uns begleitet. Genau das sagt uns doch die Erzählung von Emmaus:
Jesus geht mit. Von Anfang an ist er dabei. Und die Jünger spüren es schon in ihren Herzen, während er mit ihnen redet. Und endgültig, als sie Mahl miteinander halten.
Und da hast du dein Beispiel, wie Jesus heute gegenwärtig ist: wenn wir Gemeinschaft feiern, hier im Gottesdienst und so vielen anderen Momenten, in denen wir im Sinne Jesu handeln. Wenn wir füreinander da sind. Wenn wir uns in Diskussionen einmischen und für Menschen einsetzen, für Gerechtigkeit laut werden (im kleinen oder großen Rahmen). Sei es Nachhaltigkeit, soziales Engagement, oder das einfache zuhören, wenn jemand uns braucht.
Es gibt so viele Möglichkeiten!
Dann gestalten wir Zukunft mit Gott.
Auch mit dem Studium, dem Beginn des neuen Semesters beginnt Zukunft. Damit gestaltet jede und jeder Zukunft, eure eigene Zukunft und vielleicht ja auch gemeinsam, vielleicht auch Zukunft mit Gott.
„Brannte nicht unser Herz“ für mich einer der schönsten Sätze der Bibel. Dieses Gefühl, wenn du erfüllt von Freude und Zuversicht bist. Wenn man merkt, hier kann ich was bewirken, hier bin ich am richtigen Ort, hier will und soll ich sein.
Klar, das Gefühl ist nicht immer da und manchmal echt schwer zu finden. Aber das schöne ist doch, dass wir eine Gemeinschaft haben. Wir sind nicht allein unterwegs. Weder im Studium, auf der Arbeit, in der Ausbildung und nicht im Privatleben. Da sind Kommiliton*innen, Kolleg*innen, Freund*innen, Familie, die KSG…
FM: Ja, du hast schon recht. Zukunft mit Gott entsteht am besten – wenn nicht sogar – NUR in Gemeinschaft. Und so unterschiedlich wir Gemeinschaft leben, so unterschiedlich sind unsere Zugänge zu Gott, unsere Gottesbilder und Vorstellungen.
NO: Zukunft mit Gott ist so vielfältig wie die Studiengänge, Interessen, wie wir alle hier in der KSG. Und das ist das schöne: diese Vielfalt – denn Zukunft ist nicht schwarz, Zukunft ist bunt.
Nur wenn wir gemeinsam Zukunft gestalten, unsere Ideen, Interessen zusammenbringen, dann entsteht Zukunft. Das geht wahrscheinlich nicht ohne Streit und Reibereien. Das habt ihr in euren Freundschaften und Familien auch schon erfahren, wir in der KSG auch, aber das zeigt ja auch Ostern: nach rabenschwarzer Nacht kommt wieder Sonne.
FM: Ja, es gibt eine Zukunft mit Gott, weil wir einen Gott mit Zukunft haben – bunt und vielfältig, zugewandt und nah.
NO: Mit ihm können wir Zukunft gestalten, gemeinsam, jede und jeder von uns.
FM: Wie schon der Hl. Augustinus uns einlädt:
Gemeinsam zur Gemeinde: Seid ein Herz und eine Seele auf dem Weg zu Gott.
Gemeinsam zueinander: Amen. 😊

Bild: Adél Grőber / unsplash

Das Senfkorn Hoffnung – Zwischen Zweifel und Osterjubel

© P. Felix M. Meckl OSA
Es gilt das am 12. April 2026 in St. Augustinus, Berlin gesprochene Wort.

Ostern feiern wir, damit wir das Leben haben.
So, liebe Geschwister im Glauben, übertrage ich den letzten Satz des eben gehörten Evangeliums. Die Jüngerinnen und Jünger der ersten Stunde haben ihre Erlebnisse aufgeschrieben, damit wir „durch den Glauben Leben haben“.
Unsere aufgeklärten Gehirne rebellieren zwar eher bei den Worten und Bildern der Auferstehung Jesu, aber tief in uns ist dieses Senfkorn Hoffnung. Tief in uns schlummert die Angst vor dem Tod, die Frage nach dem Danach, die Sehnsucht nach Leben in Gottes Namen.
Ostern thematisiert all das: Jesu Tod am Karfreitag, die schwere Vorfreude des Karsamstags und schließlich der Ostermorgen. 50 Tage, pentēkonta Tage bis Pfingsten. 50 Tage dürfen wir jetzt Ostern feiern, nachspüren was in uns lebt, wohin uns unsere Sehnsucht zieht, wo wir die lebendige Gegenwart Jesu und seiner Hl. Geistkraft spüren.
Ostern feiern wir, damit wir das Leben haben.
Die Texte dieses Sonntages zeigen uns Wege, wie wir als Gemeinschaft und jede und jeder von uns als Individuum diesen befreienden und lebensspendenden Glauben leben sollen.
In der ersten Lesung begegnete uns das Vorbild der Jerusalemer Urgemeinde, das auch wir Augustiner als Ideal in unserer Ordensregel vorgeschrieben haben. Es ermutigt uns großherzig zu teilen: Brot, Gebet und Furcht. Wir sollen ein stückweit in den Tag hineinleben, aber nur so weit, dass es Gottes Zuwendung nicht ausnutzt, sondern sie vertrauensvoll erwidert. Die Urgemeinde mahnt uns aber auch zur Regelmäßigkeit. Sie trafen sich täglich zum Gotteslob. Aber ich glaube, es ist legitim die Regelmäßigkeit als entscheidend hervorzuheben. 😉
Mit der zweiten Lesung ermutigt Petrus in seinem ersten Brief alle, die in Bedrängnis leben. Wenn ich diese Worte höre, erlebe ich sie Kraft spendend, tröstend und ja auch ermutigend aufzubrechen und Neues zu wagen. Petri Glaube ist kein lahmes beschaulich meditatives Schweigen; er lädt ein zu jubeln in – wie er so grandios schreibt: „unaussprechlicher und von Herrlichkeit erfüllter Freude“.
Dass nicht immer alles Friede, Freude, Eierkuchen ist und sein kann, wissen wir. Dazu brauchen wir nur in unsere vollen Kalender, in die leeren Kassen oder die Nachrichtensendungen dieser Tage schauen. Auch ganz persönlich wissen wir von Krisen, negativen Erfahrungen und Ängsten. Doch das Evangelium will uns zeigen: juble dennoch und steht zusammen, Gott ist mit euch und dir, ganz persönlich.
Jede und jeder erfährt Gott anders und SIE lässt sich auf jeden und jede ganz individuell ein. Sprich ruhig aus, was du brauchst, wovon du dir Glaubensgewissheit erhoffst. Sei ein Thomas, frage kritisch nach, sei irritiert, bleibe neugierig, vertraue nicht zu schnell. Nach acht Tagen – das ist heute – kommt der Auferstandene wieder zu uns; zeigt sich, spricht, wünscht den Frieden.
Wenn du ihn jetzt nicht siehst oder spürst, ist das ok. Vertraue darauf, dass ER da ist, in deiner Nächsten, im Gegenüber, in unserer Mitte. In der geweihten Kerze der hochheiligen Nacht, in den gewohnten Zeichen von Brot und Wein, im gemeinsamen hoffnungsvollen Tasten nach Wahrheit und Bestätigung.

In diesem gemeinsamen Suchen lade ich euch jetzt ein, eure Taufe zu erneuern mit dem Osterwasser. Steht dazu bitte auf, werdet ruhig und übernehmt jene Verantwortung, die euch durch die Taufe zugetragen ist:
Ihr seid Königinnen und Könige, Propheten und Prophetinnen, Priesterinnen und Priester.

Ostersonntag: „Wie davon erzählen?“

© Nicole Oster

Liebe Gemeinde,

Ich liebe Konzerte und Musicals, man erlebt alle Emotionen, für jedes Gefühl, jede Phase des Lebens gibt es ein Lied.

Manche Lieder versetzen mich in bestimmte Zeiten, Erfahrungen meines Lebens zurück.

Ich glaube, dass auch der Evangelist Matthäus Musicals, Konzerte und Theater geliebt hätte, vielleicht sogar seinen Beruf in der Sparte gefunden hätte. Denn seine Erzählung der Auferstehung ist voll Drama, eine große Inszenierung.

Hier Erdbeben, da Blitz, der Stein, weg, die Wächter, die umfallen, und der Engel in strahlend hellem Gewand.

Inszenierung, die den Höhepunkt ankündigt, direkt zum Anfang der Geschichte.

Und mittendrin die Frauen. Da schreibt Mt nur Maria von Magdala und die andere Maria waren unterwegs zum Grab. Kein Grund warum, kein Bericht, wie sie auf diese Ereignisse reagiert haben. Überhaupt sagen die beiden kein Wort in diesem Abschnitt. Obwohl sie doch die Hauptpersonen sind, die ersten Zeuginnen des leeren Grabes, der Auferstehungsbotschaft und sie begegnen sogar dem Auferstandenen persönlich. Diskrepanz

Ich möchte Mt nichts unterstellen, vielleicht ist diese Lücke bewusst gewählt, doch sie fällt auf. Ich möchte diese füllen. Näher die Frauen betrachten und überlegen, was ihre Reaktion sein könnte, ihre Gefühle, ihre Worte.

Da ist der dramatische Anfang mit Erdbeben, Stein, ohnmächtigen Wächtern. „Was ist denn hier los“ „Das ist doch nicht normal!“ könnte Maria gesagt haben. Große Verwunderung, und auch Furcht. Sie hätten auch zurücklaufen, sich verstecken können. Doch sie gehen mutig weiter und begegnen dem Engel, der ihnen die Botschaft der Auferstehung verkündet. Die sie laut Mt einfach geglaubt haben, ohne Nachfrage und Zweifel. Ich hätte da Fragen: „wie und wann soll das geschehen sein“; „wer bist du und wo ist Jesus“

„Wie bitte sollen wir DAS den Männern erklären?“ „Die werden das für Geschwätz halten“. Ich hätte ja auch mal einen Blick in das Grab geworfen.

Schlussendlich überzeugt und voll Glauben machen sich die Frauen auf den Rückweg, beschwingt, beflügelt- und dann Höhepunkt 2. Sie begegnen dem Auferstandenen persönlich. Haben sie ihn direkt erkannt? Oder doch gefragt „Wer bist du?“

„Da hatte der Engel wirklich recht. Du bist auferstanden. Halleluja!“

„Aber wenn du doch hier bist, warum sollen wir zu den Jüngern gehen? Die werden das doch als Geschwätz abtun, wenn wir denen das alles berichten. Komm doch mit uns!“

„Also schön, dass du uns das erzählst, uns beauftragst, schließlich, waren wir da, unterm Kreuz und bei deiner Beerdigung. Aber wenn du schon da bist, dann begleite uns und erzähle es ihnen persönlich“.

Und dann stelle ich mir vor, wie Jesus die Frauen ermutigt, sie beauftragt, sendet. Apostelinnen!!!

Das ist die offene Frage es Evangeliums: was haben die Frauen den Jüngern erzählt und wie haben diese reagiert?

Es als Geschwätz abgetan, selbst zum Grab gelaufen geglaubt?

Ich möchte diese Frage an sie weitergeben- wie erzählen sie die Osterbotschaft weiter?

…Stille…

Für mich sind Lieder eine gute Möglichkeit, Botschaften zu transportieren. Wie gesagt, ich liebe Musicals und Konzerte und ein Lied, dass für mich von Ostern, Auferstehung spricht ist „I am a Mountain“ von Coldplay.

Dort heißt es

„Ich habe dieses Gefühl und nur Gott weiß, was es ist
Ich habe das Gefühl, dass ich mich in jemanden neuen verwandle
Ich habe das Gefühl, dass die Decke zum Durchbrechen da ist

Ich habe dieses Gefühl und jetzt ist nichts mehr beängstigend
Ich habe das Gefühl, ich kann Blitze heraufbeschwören
Ich hatte das Gefühl, ich würde fallen, jetzt fliege ich

Ich habe dieses Gefühl und nur Gott weiß, was es ist

Stand auf einem Meer aus Schmerz
Lass es regnen, lass es regnen, lass es regnen
Ich werde wieder auf den Beinen sein
Denn ich bin ein Berg
Meine Liebe zu dir wird bleiben
Denn ich bin ein Berg

… Lied …

Egal, wie tief das Meer, wie rabenschwarz die Nacht- es geht vorbei.

Denn Gottes Liebe bleibt, beständig wie ein Berg.

So können wir freudig und von gesendet gehen und verkünden: Er ist auferstanden Halleluja!

 

 

Bild: Lee Lawson / unsplash

Karfreitag: Rabenschwarze Nacht

© Nicole Oster

Rabenschwarze Nacht.

Liebe Gemeinde,

 

Der Vorhang ist gefallen Rabenschwarze Nacht

Es ist aus und vorbei. Da am Kreuz hängt Jesus, unsere Hoffnung. Und darunter stehen wir, mit unseren Fragen, Sorgen, Trauer.

Mit unseren eigenen Erfahrungen von Karfreitag. Den Verlusten, die erlitten haben, unseren Erfahrungen von Scheitern, den Toten, die wir beklagen, mit den Kreuzeserfahrungen in unseren Leben. Die Momente in unserem Leben, die sich wie eine rabenschwarze Nacht angefühlt haben, hängen mit Jesus am Kreuz.

Es ist rabenschwarze Nacht. Jesus stirbt am Kreuz. Es ist vollbracht.

Jesus hat das Kreuz auf sich genommen. Im Wissen/Vertrauen, dass es nicht zu Ende ist. Im Wissen, dass es schwer wird, ihn großes Leid erwartet, doch im Vertrauen, dass es weitergeht, dass er nicht alleine ist.

Mir ist der Karfreitag wichtig. Er gehört dazu. So wie die Karfreitagsmomente zu unserem Leben gehören. Heute und hier haben sie Platz. Jesu „es ist vollbracht“ steht für mich auch dafür, dass ich diesen Tag aushalten muss, aushalten kann. Diese Dunkelheit und Trauer ertrage und akzeptiere. Trauer, Tod, Verlust gehören dazu. Ich kann sie nicht aus meinen Leben ausradieren, verleugnen. Doch sie bestimmen nicht mein Leben. Ich bleibe niht bei Karfreitag stehen. Ich muss den Karfreitag aushalten, akzeptieren, dass es immer wieder Karfreitage in meinem Leben geben wird. Doch sie gehen vorbei. Ich kann sie aushalten, ertragen. Denn ich bin nicht allein am Karfreitag. Gott ist da.

Karfreitag zeigt mir, dass rabenschwärze Nächte vorbeigehen und die Sonne wiederkommt.

Denn bevor es heller wird, wird’s richtig finster. Rabenschwarze Nacht. Bevor der Frühling kommt, regiert der Winter. Rabenschwarze Nacht.

 

Bild: © Erzbistum Berlin/Jörg Farys

Impuls nach dem Evangelium des Palmsonntags

© P. Felix Meckl OSA
Es gilt das am 29. März in St. Augustinus, Berlin gesprochene Wort.

Liebe Geschwister voller Hoffnung,
nicht hoch zu Ross zieht Jesus in Jerusalem ein, sondern bescheiden, demütig auf einem jungen Esel. Dennoch – oder gerade deshalb – erkennen ihn die Leute. Sie sehen ER ist es! Da kommt einer – im Namen des Herrn – von dem wir etwas Neues, etwas Gutes, etwas Ehrliches zu erwarten haben.

Zur Zeit Jesu waren viele falsche Propheten unterwegs. Wie heute war es eine Krisenzeit.
Die einen polterten mit Lügen, andere instrumentalisierten die Ängste der Leute. Manche flüchteten sich ins biedermeierliche Privatleben. Viele sehnten sich nach Aufbruch, Neustart, der Erfüllung alter Verheißungen.

Aber Jesus wurde als König empfangen, als Messias, als Retter und Erlöser, als Heiland der Welt. Hosanna riefen die Menschen ihm zu, huldigten ihm, legten ihre Kleider in den Staub der Straßen, damit der Sohn Gottes, der gesalbte Messias, sauber einziehen konnte. Hosanna!

Schon oft habe ich um Demut geworben. Nicht um das sich kleinmachen und niederducken vor einem übergroßen Gott. Sondern das sich in Dienst nehmen lassen durch Gott. Jede und jeder von uns hat eine Aufgabe, eine Berufung am Aufbau des Reiches Gottes mitzubauen.
Hier und jetzt, da wir auf der Straße stehen, dann wenn wir Gottesdienst feiern, aber genauso gut in jedem anderen Moment des Alltags: das Reich Gottes geschieht an der Uni, geschieht im Beruf, geschieht in der Begegnung mit Freunden, geschieht sogar in den flüchtigen Begegnungen auf der Straße.

Schleiche ich in mich versunken dahin, blind für die Sorgen und Nöte der Zeit, vielleicht sogar abgeschottet mit Kopfhörern?
Schreite ich überheblich – wie hoch zu Ross –, herabschauend auf die Welt um mich herum, die mich doch nicht interessiert, weil Meines das Wichtigste ist?
Hosanna? Wird da keiner rufen!

Liebe Brüder und Schwestern,
lasst uns Esel sein!
Lasst uns ein Beispiel nehmen an dem jungen Fohlen von dem wir im Evangelium gehört haben.
Lassen wir uns bereitwillig in Dienst nehmen von Gott!
Lasst uns neugierig sein auf die Welt!
Lasst uns ruhig auch mal störrisch sein, unseren Willen und unsere Bedürfnisse einfordern! Gott kann damit umgehen.
Lasst uns für Jesus und den gemeinsamen Vater Werkzeug sein, um das Reich Gottes aufzubauen – hier in Berlin und überall sonst.

Ziehen wir nun hinüber in die Kirche, mit dem Herrn, gegenwärtig im Evangeliar.
IA, wir sind die Esel, die eine wichtige Rolle spielen.
Durch uns kommt Jesus in die Welt und in seine Kirche. Hosanna!