Bild: Adél Grőber / unsplash

Das Senfkorn Hoffnung – Zwischen Zweifel und Osterjubel

© P. Felix M. Meckl OSA
Es gilt das am 12. April 2026 in St. Augustinus, Berlin gesprochene Wort.

Ostern feiern wir, damit wir das Leben haben.
So, liebe Geschwister im Glauben, übertrage ich den letzten Satz des eben gehörten Evangeliums. Die Jüngerinnen und Jünger der ersten Stunde haben ihre Erlebnisse aufgeschrieben, damit wir „durch den Glauben Leben haben“.
Unsere aufgeklärten Gehirne rebellieren zwar eher bei den Worten und Bildern der Auferstehung Jesu, aber tief in uns ist dieses Senfkorn Hoffnung. Tief in uns schlummert die Angst vor dem Tod, die Frage nach dem Danach, die Sehnsucht nach Leben in Gottes Namen.
Ostern thematisiert all das: Jesu Tod am Karfreitag, die schwere Vorfreude des Karsamstags und schließlich der Ostermorgen. 50 Tage, pentēkonta Tage bis Pfingsten. 50 Tage dürfen wir jetzt Ostern feiern, nachspüren was in uns lebt, wohin uns unsere Sehnsucht zieht, wo wir die lebendige Gegenwart Jesu und seiner Hl. Geistkraft spüren.
Ostern feiern wir, damit wir das Leben haben.
Die Texte dieses Sonntages zeigen uns Wege, wie wir als Gemeinschaft und jede und jeder von uns als Individuum diesen befreienden und lebensspendenden Glauben leben sollen.
In der ersten Lesung begegnete uns das Vorbild der Jerusalemer Urgemeinde, das auch wir Augustiner als Ideal in unserer Ordensregel vorgeschrieben haben. Es ermutigt uns großherzig zu teilen: Brot, Gebet und Furcht. Wir sollen ein stückweit in den Tag hineinleben, aber nur so weit, dass es Gottes Zuwendung nicht ausnutzt, sondern sie vertrauensvoll erwidert. Die Urgemeinde mahnt uns aber auch zur Regelmäßigkeit. Sie trafen sich täglich zum Gotteslob. Aber ich glaube, es ist legitim die Regelmäßigkeit als entscheidend hervorzuheben. 😉
Mit der zweiten Lesung ermutigt Petrus in seinem ersten Brief alle, die in Bedrängnis leben. Wenn ich diese Worte höre, erlebe ich sie Kraft spendend, tröstend und ja auch ermutigend aufzubrechen und Neues zu wagen. Petri Glaube ist kein lahmes beschaulich meditatives Schweigen; er lädt ein zu jubeln in – wie er so grandios schreibt: „unaussprechlicher und von Herrlichkeit erfüllter Freude“.
Dass nicht immer alles Friede, Freude, Eierkuchen ist und sein kann, wissen wir. Dazu brauchen wir nur in unsere vollen Kalender, in die leeren Kassen oder die Nachrichtensendungen dieser Tage schauen. Auch ganz persönlich wissen wir von Krisen, negativen Erfahrungen und Ängsten. Doch das Evangelium will uns zeigen: juble dennoch und steht zusammen, Gott ist mit euch und dir, ganz persönlich.
Jede und jeder erfährt Gott anders und SIE lässt sich auf jeden und jede ganz individuell ein. Sprich ruhig aus, was du brauchst, wovon du dir Glaubensgewissheit erhoffst. Sei ein Thomas, frage kritisch nach, sei irritiert, bleibe neugierig, vertraue nicht zu schnell. Nach acht Tagen – das ist heute – kommt der Auferstandene wieder zu uns; zeigt sich, spricht, wünscht den Frieden.
Wenn du ihn jetzt nicht siehst oder spürst, ist das ok. Vertraue darauf, dass ER da ist, in deiner Nächsten, im Gegenüber, in unserer Mitte. In der geweihten Kerze der hochheiligen Nacht, in den gewohnten Zeichen von Brot und Wein, im gemeinsamen hoffnungsvollen Tasten nach Wahrheit und Bestätigung.

In diesem gemeinsamen Suchen lade ich euch jetzt ein, eure Taufe zu erneuern mit dem Osterwasser. Steht dazu bitte auf, werdet ruhig und übernehmt jene Verantwortung, die euch durch die Taufe zugetragen ist:
Ihr seid Königinnen und Könige, Propheten und Prophetinnen, Priesterinnen und Priester.

Ostersonntag: „Wie davon erzählen?“

© Nicole Oster

Liebe Gemeinde,

Ich liebe Konzerte und Musicals, man erlebt alle Emotionen, für jedes Gefühl, jede Phase des Lebens gibt es ein Lied.

Manche Lieder versetzen mich in bestimmte Zeiten, Erfahrungen meines Lebens zurück.

Ich glaube, dass auch der Evangelist Matthäus Musicals, Konzerte und Theater geliebt hätte, vielleicht sogar seinen Beruf in der Sparte gefunden hätte. Denn seine Erzählung der Auferstehung ist voll Drama, eine große Inszenierung.

Hier Erdbeben, da Blitz, der Stein, weg, die Wächter, die umfallen, und der Engel in strahlend hellem Gewand.

Inszenierung, die den Höhepunkt ankündigt, direkt zum Anfang der Geschichte.

Und mittendrin die Frauen. Da schreibt Mt nur Maria von Magdala und die andere Maria waren unterwegs zum Grab. Kein Grund warum, kein Bericht, wie sie auf diese Ereignisse reagiert haben. Überhaupt sagen die beiden kein Wort in diesem Abschnitt. Obwohl sie doch die Hauptpersonen sind, die ersten Zeuginnen des leeren Grabes, der Auferstehungsbotschaft und sie begegnen sogar dem Auferstandenen persönlich. Diskrepanz

Ich möchte Mt nichts unterstellen, vielleicht ist diese Lücke bewusst gewählt, doch sie fällt auf. Ich möchte diese füllen. Näher die Frauen betrachten und überlegen, was ihre Reaktion sein könnte, ihre Gefühle, ihre Worte.

Da ist der dramatische Anfang mit Erdbeben, Stein, ohnmächtigen Wächtern. „Was ist denn hier los“ „Das ist doch nicht normal!“ könnte Maria gesagt haben. Große Verwunderung, und auch Furcht. Sie hätten auch zurücklaufen, sich verstecken können. Doch sie gehen mutig weiter und begegnen dem Engel, der ihnen die Botschaft der Auferstehung verkündet. Die sie laut Mt einfach geglaubt haben, ohne Nachfrage und Zweifel. Ich hätte da Fragen: „wie und wann soll das geschehen sein“; „wer bist du und wo ist Jesus“

„Wie bitte sollen wir DAS den Männern erklären?“ „Die werden das für Geschwätz halten“. Ich hätte ja auch mal einen Blick in das Grab geworfen.

Schlussendlich überzeugt und voll Glauben machen sich die Frauen auf den Rückweg, beschwingt, beflügelt- und dann Höhepunkt 2. Sie begegnen dem Auferstandenen persönlich. Haben sie ihn direkt erkannt? Oder doch gefragt „Wer bist du?“

„Da hatte der Engel wirklich recht. Du bist auferstanden. Halleluja!“

„Aber wenn du doch hier bist, warum sollen wir zu den Jüngern gehen? Die werden das doch als Geschwätz abtun, wenn wir denen das alles berichten. Komm doch mit uns!“

„Also schön, dass du uns das erzählst, uns beauftragst, schließlich, waren wir da, unterm Kreuz und bei deiner Beerdigung. Aber wenn du schon da bist, dann begleite uns und erzähle es ihnen persönlich“.

Und dann stelle ich mir vor, wie Jesus die Frauen ermutigt, sie beauftragt, sendet. Apostelinnen!!!

Das ist die offene Frage es Evangeliums: was haben die Frauen den Jüngern erzählt und wie haben diese reagiert?

Es als Geschwätz abgetan, selbst zum Grab gelaufen geglaubt?

Ich möchte diese Frage an sie weitergeben- wie erzählen sie die Osterbotschaft weiter?

…Stille…

Für mich sind Lieder eine gute Möglichkeit, Botschaften zu transportieren. Wie gesagt, ich liebe Musicals und Konzerte und ein Lied, dass für mich von Ostern, Auferstehung spricht ist „I am a Mountain“ von Coldplay.

Dort heißt es

„Ich habe dieses Gefühl und nur Gott weiß, was es ist
Ich habe das Gefühl, dass ich mich in jemanden neuen verwandle
Ich habe das Gefühl, dass die Decke zum Durchbrechen da ist

Ich habe dieses Gefühl und jetzt ist nichts mehr beängstigend
Ich habe das Gefühl, ich kann Blitze heraufbeschwören
Ich hatte das Gefühl, ich würde fallen, jetzt fliege ich

Ich habe dieses Gefühl und nur Gott weiß, was es ist

Stand auf einem Meer aus Schmerz
Lass es regnen, lass es regnen, lass es regnen
Ich werde wieder auf den Beinen sein
Denn ich bin ein Berg
Meine Liebe zu dir wird bleiben
Denn ich bin ein Berg

… Lied …

Egal, wie tief das Meer, wie rabenschwarz die Nacht- es geht vorbei.

Denn Gottes Liebe bleibt, beständig wie ein Berg.

So können wir freudig und von gesendet gehen und verkünden: Er ist auferstanden Halleluja!

 

 

Bild: Lee Lawson / unsplash

Karfreitag: Rabenschwarze Nacht

© Nicole Oster

Rabenschwarze Nacht.

Liebe Gemeinde,

 

Der Vorhang ist gefallen Rabenschwarze Nacht

Es ist aus und vorbei. Da am Kreuz hängt Jesus, unsere Hoffnung. Und darunter stehen wir, mit unseren Fragen, Sorgen, Trauer.

Mit unseren eigenen Erfahrungen von Karfreitag. Den Verlusten, die erlitten haben, unseren Erfahrungen von Scheitern, den Toten, die wir beklagen, mit den Kreuzeserfahrungen in unseren Leben. Die Momente in unserem Leben, die sich wie eine rabenschwarze Nacht angefühlt haben, hängen mit Jesus am Kreuz.

Es ist rabenschwarze Nacht. Jesus stirbt am Kreuz. Es ist vollbracht.

Jesus hat das Kreuz auf sich genommen. Im Wissen/Vertrauen, dass es nicht zu Ende ist. Im Wissen, dass es schwer wird, ihn großes Leid erwartet, doch im Vertrauen, dass es weitergeht, dass er nicht alleine ist.

Mir ist der Karfreitag wichtig. Er gehört dazu. So wie die Karfreitagsmomente zu unserem Leben gehören. Heute und hier haben sie Platz. Jesu „es ist vollbracht“ steht für mich auch dafür, dass ich diesen Tag aushalten muss, aushalten kann. Diese Dunkelheit und Trauer ertrage und akzeptiere. Trauer, Tod, Verlust gehören dazu. Ich kann sie nicht aus meinen Leben ausradieren, verleugnen. Doch sie bestimmen nicht mein Leben. Ich bleibe niht bei Karfreitag stehen. Ich muss den Karfreitag aushalten, akzeptieren, dass es immer wieder Karfreitage in meinem Leben geben wird. Doch sie gehen vorbei. Ich kann sie aushalten, ertragen. Denn ich bin nicht allein am Karfreitag. Gott ist da.

Karfreitag zeigt mir, dass rabenschwärze Nächte vorbeigehen und die Sonne wiederkommt.

Denn bevor es heller wird, wird’s richtig finster. Rabenschwarze Nacht. Bevor der Frühling kommt, regiert der Winter. Rabenschwarze Nacht.

 

Bild: © Erzbistum Berlin/Jörg Farys

Impuls nach dem Evangelium des Palmsonntags

© P. Felix Meckl OSA
Es gilt das am 29. März in St. Augustinus, Berlin gesprochene Wort.

Liebe Geschwister voller Hoffnung,
nicht hoch zu Ross zieht Jesus in Jerusalem ein, sondern bescheiden, demütig auf einem jungen Esel. Dennoch – oder gerade deshalb – erkennen ihn die Leute. Sie sehen ER ist es! Da kommt einer – im Namen des Herrn – von dem wir etwas Neues, etwas Gutes, etwas Ehrliches zu erwarten haben.

Zur Zeit Jesu waren viele falsche Propheten unterwegs. Wie heute war es eine Krisenzeit.
Die einen polterten mit Lügen, andere instrumentalisierten die Ängste der Leute. Manche flüchteten sich ins biedermeierliche Privatleben. Viele sehnten sich nach Aufbruch, Neustart, der Erfüllung alter Verheißungen.

Aber Jesus wurde als König empfangen, als Messias, als Retter und Erlöser, als Heiland der Welt. Hosanna riefen die Menschen ihm zu, huldigten ihm, legten ihre Kleider in den Staub der Straßen, damit der Sohn Gottes, der gesalbte Messias, sauber einziehen konnte. Hosanna!

Schon oft habe ich um Demut geworben. Nicht um das sich kleinmachen und niederducken vor einem übergroßen Gott. Sondern das sich in Dienst nehmen lassen durch Gott. Jede und jeder von uns hat eine Aufgabe, eine Berufung am Aufbau des Reiches Gottes mitzubauen.
Hier und jetzt, da wir auf der Straße stehen, dann wenn wir Gottesdienst feiern, aber genauso gut in jedem anderen Moment des Alltags: das Reich Gottes geschieht an der Uni, geschieht im Beruf, geschieht in der Begegnung mit Freunden, geschieht sogar in den flüchtigen Begegnungen auf der Straße.

Schleiche ich in mich versunken dahin, blind für die Sorgen und Nöte der Zeit, vielleicht sogar abgeschottet mit Kopfhörern?
Schreite ich überheblich – wie hoch zu Ross –, herabschauend auf die Welt um mich herum, die mich doch nicht interessiert, weil Meines das Wichtigste ist?
Hosanna? Wird da keiner rufen!

Liebe Brüder und Schwestern,
lasst uns Esel sein!
Lasst uns ein Beispiel nehmen an dem jungen Fohlen von dem wir im Evangelium gehört haben.
Lassen wir uns bereitwillig in Dienst nehmen von Gott!
Lasst uns neugierig sein auf die Welt!
Lasst uns ruhig auch mal störrisch sein, unseren Willen und unsere Bedürfnisse einfordern! Gott kann damit umgehen.
Lasst uns für Jesus und den gemeinsamen Vater Werkzeug sein, um das Reich Gottes aufzubauen – hier in Berlin und überall sonst.

Ziehen wir nun hinüber in die Kirche, mit dem Herrn, gegenwärtig im Evangeliar.
IA, wir sind die Esel, die eine wichtige Rolle spielen.
Durch uns kommt Jesus in die Welt und in seine Kirche. Hosanna!

Lazarus: Ein Ruf ins Leben

© P. Felix M. Meckl OSA
Es gilt das am 22. März 2026 in St. Augustinus, Berlin gesprochene Wort.

Liebe Schwestern und Brüder im Glauben,

wer von uns kennt das nicht: Das Gefühl, festzustecken. Ich saß – wie einige wissen – in Indien fest, weil kriegsbedingt meine Rückflüge gestrichen wurden. Wir alle kennen den Druck, in einer Welt voller Krisen – Klima, Kriege, soziale Ungerechtigkeit – irgendwie „funktionieren“ zu müssen. Vielleicht steckt ihr auch in einer Hausarbeit fest, die seit Wochen unvollendet auf dem Desktop liegt.
Das sind Momente, in denen sich das Leben nicht nach Weite anfühlt, sondern nach einer engen Kiste. Nach einem Tunnel ohne Licht. Nach einem Grab.

Im Evangelium hörten wir gerade eine Geschichte, die oft als reines „Wunder-Spektakel“ missverstanden wird. Jesus erweckt Lazarus von den Toten.
Aber wenn wir genauer hinschauen, besonders durch die Brille unserer heutigen Zeit und unserer allzu menschlichen Sehnsucht nach einer befreienden Spiritualität, dann entdecken wir darin etwas viel Größeres:
Wir entdecken die unendliche Weite der Liebe Gottes, die keine Mauern, keine Grabsteine und keine gesellschaftlichen Erwartungen akzeptiert.

Die Geschichte beginnt mit einer tiefen Enttäuschung. Martha und Maria, die Schwestern des Lazarus, schicken nach Jesus. Ihr Bruder liegt im Sterben. Und was macht Jesus? Er wartet. Er lässt sich Zeit. Er prokrastiniert. Als er endlich ankommt, ist Lazarus seit vier Tagen tot. Martha begegnet ihm mit einem Satz, den wir vielleicht alle schon einmal leise in Richtung Himmel geschrien haben: „Herr, wärst du hier gewesen.“

Das ist die ehrliche Klage des Menschen. Wo bist du, Gott, wenn die Welt aus den Fugen gerät? Wo bist du, wenn die Einsamkeit im Wohnheimzimmer zu groß wird? Wo bist du, Gott, wenn die Prüfungen schiefgehen?
Marthas Vorwurf ist zutiefst menschlich. Und Jesus? Er reagiert nicht mit einer theologischen Vorlesung über die Notwendigkeit des Leidens, wie fromme Kirche das gerne tut. Er reagiert nicht mit dogmatischen Sätzen. Er reagiert mit seiner Präsenz.

 

An dieser Stelle zeigt sich die erste Dimension der unendlichen Weite der Liebe Gottes: Sie ist eine Liebe, die mitgeht.
Johannesevangelium, Kapitel 11, Vers 35: „Da weinte Jesus.“
Der Gott, an den wir glauben, ist kein unbewegter Beweger, kein distanzierter Herr, kein strenger Prof, der von oben herab Noten verteilt.
Er ist ein Gott, der mit uns im Dreck sitzt, der den Schmerz über die Gewalt in der Welt, ja sogar die Enge des Todes teilt. Diese Tränen Jesu sind das Siegel einer Liebe, die sich nicht zu fein ist für unsere menschliche Zerbrechlichkeit. Das ist progressiver Glaube: Gott findet nicht nur im Opfer oder im Weihrauch statt, sondern in der Solidarität mit den Weinenden.

Doch Jesus, wäre nicht unser Jesus bliebe er beim Weinen stehen. Jesus geht zum Grab. Er befiehlt: „Nehmt den Stein weg!“
Und hier beginnt die Provokation der Weite.
Martha zögert noch – sie sorgt sich um den Geruch, um die Realität des Verfalls. Sie will das Grab lieber geschlossen halten, weil man sich mit dem Tod arrangiert hat.
Wie oft halten wir unsere eigenen Gräber geschlossen? Wir verstecken unsere Ängste, unsere Zweifel, unsere „unperfekten“ Seiten hinter schweren Steinen aus Scham oder Anpassung. Wie oft reden wir unseren Anteil heraus, flüchten in Eskapismus?

Die Liebe Gottes aber ist grenzenlos. Sie ruft mit lauter Stimme: „Lazarus, komm heraus!“ Das ist kein Befehl zur bloßen biologischen Wiederbelebung. Es ist auch kein effekthaschender Populismus.
Es ist der Ruf in die Freiheit! Es ist der Ruf Gottes an jede und jeden von uns: Komm heraus aus deiner Angst! Komm heraus aus dem Zwang, dich ständig optimieren zu müssen! Komm heraus aus der Grabesruhe deiner Gleichgültigkeit! Lebe für dich und für andere!

Die unendliche Weite der Liebe Gottes bedeutet, dass es keinen Ort gibt – nicht einmal den Tod oder das totale Scheitern –, an dem Gott nicht schon auf uns wartet, um uns zurück ins Leben zu rufen. Hier klingt auch die Ezechiel-Lesung nach.
An diesem Sonntag schwingt sie sich ein: Die radikale Botschaft unserer Tradition: Das Leben hat das letzte Wort, nicht das Grab.

 

Und dann folgt ein Satz Jesu, der besonders uns als Gemeinschaft, als Studierendengemeinde, gilt. Als Lazarus herauskommt, noch gebunden an Händen und Füßen mit Leinenbinden, da sagt Jesus zu den Umstehenden: „Löst ihm die Binden und lasst ihn gehen!“

Hier wird Glaube politisch und praktisch. Jesus tut das Wunder, aber wir Menschen müssen die Binden lösen. Wir sind gerufen, einander die Binden zu lösen. Die Binden des Leistungsdrucks, der Vorurteile, der Diskriminierung. Die Fesseln der Angst und Unsicherheit.
In einer Kirche, die oft selbst wie ein Grab wirkt, eng und verstaubt, ist dies unser Auftrag: Die Weite der Liebe Gottes dadurch sichtbar zu machen, dass wir Räume der Freiheit schaffen. Dass wir einander helfen, die Fesseln abzustreifen, die uns klein halten.

 

Liebe Freunde,
die unendliche Weite der Liebe Gottes ist kein abstraktes Konzept oder schönes Blabla-Kirchensprech. Die unendliche Weite der Liebe Gottes ist eine Kraft, die uns heute und hier begegnet. Sie fordert uns heraus, die Steine wegzuwälzen – bei uns selbst und in der Gesellschaft. Sie ermutigt uns, auch dann noch auf die Weite zu hoffen, wenn wir nur die Enge sehen.

Wenn ihr heute aus dieser Kirche geht, nehmt diesen Ruf mit:
Ihr seid nicht für das Grab bestimmt. Ihr seid weder die Summe eurer Fehler noch die Abbilder eurer Ängste und schon gar nicht das Sammelalbum für Credit Points.
Ihr seid geisterfüllte Wesen einer unendlichen Liebe, die keine Grenzen kennt.

Gott ist die Weite, in der wir atmen. Gott ist die Liebe, die uns ruft. Gott ist die Kraft, die uns die Binden lösen will, damit wir endlich gehen können – frei, aufrecht und voller Hoffnung.

Amen.

Bild: Gary Meulemans / unsplash

Treffpunkt Brunnen

© Nicole Oster
Es gilt das am 8. März 2026 in St. Augustinus, Berlin gesprochene Wort.
As delivered on 8 March 2026 at St. Augustinus, Berlin.

Liebe Gemeinde,

kennen Sie so Gespräche, in denen man komplett aneinander vorbeiredet?

Irgendwie spricht man schon vom selben Thema, aber auf sehr unterschiedlichen Ebenen; oder Gespräche, bei denen man einfach nicht versteht, was der Gesprächspartner einem sagen möchte. Ich hatte mal eine Prüfung in Philosophie, bei der ich einfach nicht die Fragen vom Prüfer verstanden habe und echt ein paar Mal nachfragen musste. Hat zum Glück für’s Bestehen gereicht.

So ist es auch bei dem Gespräch von Jesus und der Samariterin, von dem wir im Evangelium gehört haben. Es ist ein Gespräch voller Missverständnisse und Kommunikation auf unterschiedlichen Ebenen. Ich habe diese Geschichte schon oft gehört oder gelesen, doch bei der Vorbereitung der Predigt ist mir deutlich geworden, wie genial Johannes dieses Gespräch komponiert hat.

Da ist einmal der Ort. Brunnen waren zentrale und wichtige Orte für Dörfer. Dort traf man sich, tauschte sich aus, es waren soziale Orte. Die Frau geht in der Mittagszeit zum Brunnen, eine ungewöhnliche Zeit, die etwas über ihren Stand im Dorf aussagt. Sie steht am Rand, ist von der Gesellschaft ausgeschlossen.

Dann kommt Jesus zum Brunnen und beginnt ein Gespräch mit der Frau. Das ist in mehreren Punkten besonders. Zum einen, dass auch Jesus in der Mittagszeit zum Brunnen geht, er muss bewusst die Frau treffen wollen und es ist das längste Gespräch Jesu im Johannesevangelium, und das nicht nur mit einer Frau, sondern mit einer Frau aus Samarien. Samariter und Juden waren zu der Zeit miteinander zerstritten und pflegten keinen Umgang miteinander.  Schon diese Feststellungen zu Anfang zeigen, dass dieses Gespräch besonders ist.

Dabei reden sie auf sehr unterschiedlichen Ebenen. Die Frau denkt praktisch: Da kommt jemand, zum Brunnen, es ist heiß, er möchte also etwas zu trinken haben – logisch. Jesus dagegen redet metaphorisch vom Wasser, nämlich vom Wasser des Lebens. Und es ist nicht Jesus, der Durst hat, sondern er möchte den Durst der Frau nach Mehr, nach einem Leben in Fülle stillen.

Dieses Gespräch ist voller Missverständnisse und einfach grandios komponiert von Johannes. Dann kommt es zum Wendepunkt, als Jesus von sich als lebendigem Wasser spricht und die Frau nach ihrer Vergangenheit fragt. Und die Frau öffnet sich ihm, sie spürt das Vertrauen.

Die 5 Männer der Frau können wörtlich verstanden werden, dass sie mehrere Männer hatte und als verschiedene Götter, bei denen sie hoffte, ihre spirituelle Sehnsucht stillen zu können. Die Frau erzählt ohne Scham von ihrer Vergangenheit und Jesus verurteilt nicht.

Das Vertrauen Jesu, seine Offenheit, sein Nicht-Verurteilen der Frau führen zu ihrem Bekenntnis „Ich weiß, dass der Messias kommt“ und sie wird zur Glaubensbotin, zur Apostelin. Denn sie verkündet dem Dorf von Jesus, und alle kommen zu Brunnen und damit zum Glauben an Jesus.

Für mich ist das Besondere dieser Perikope, dass Jesus einfach da ist. Allein sein Dasein und zuhören, sein Nicht-Verurteilen, reicht, dass die Samariterin sich öffnet, sich ihm anvertraut und ihre Sehnsucht erkennt.

Jesus ist es egal, dass sie Samariterin ist, dass sie eine Frau ist, wie ihr Ansehen im Dorf ist und wie ihre Vergangenheit aussieht. Ihm geht es um den Menschen. Die Sehnsucht, die in einem steckt.

Darin steckt für mich Hoffnung. Hoffnung, wie wir in der Lesung gehört haben.

„Denn die Hoffnung lässt nicht zugrunde gehen, denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen.“

Für mich zeigt sich hier die Hoffnung, dass da jemand ist, der mich kennt und liebt, mit all meinen Ecken und Kanten, und bei dem ich sein kann, wie ich bin, mit meinen Fehlern und meiner Sehnsucht. Der mich ermutigt, mir diese Fragen zu stellen:

  • Was ist meine Sehnsucht?
  • Wo kann ich sein, als Person mit all meinen Ecken und Kanten?

Sich diese Fragen zu stellen, erfordert Mut, Ausdauer, sich selbst Fragen zu stellen, nach den Wünschen fürs Leben, im Blick auf Studium, Beruf, Beziehungen,…

Auf Social Media ist gerade „and for the Lady perhaps“ ein kleiner Trend.

So wie „and for the lady perhaps the fall of the patriarchy“ oder „for the lady perhaps an Iced latte and the next book of her favorite series“. Das ist natürlich erstmal witzig, ironisch gemeint, aber ich finde, da steckt mehr drin. Was wünsche ich mir, nach was sehne ich mich? Vielleicht ist es eine Idee, diese Fragen mit in die Woche zu nehmen und zu überlegen, was ich Jesus am Brunnen erzählen würde.

Ich kann mir sehr gut vorstellen, wie Jesus am Brunnen unserer Zeit, im Café, oder am S-Bahnhof sitzt und fragt „and for the lady/men/human perhaps?“

Was würdest du antworten?

Amen.

Bild: © Erzbistum Berlin/Jörg Farys

Die Fastenzeit: Umkehr und Neuanfang

© P. Felix M. Meckl OSA
Es gilt das am 22. Februar 2026 in St. Augustinus, Berlin gesprochene Wort.

Liebe Studierende,
Schwestern und Brüder im Herrn,

auch in den biblischen Texten haben wir es gemerkt: die Fastenzeit hat begonnen. Kritische Themen, belastete Worte, zur Selbstreflexion aufwühlende Passagen haben wir heute gehört.

Doch sie sind Wort Gottes, niedergeschrieben zwar von Menschen einer anderen Zeit, Kultur und Sprache aber eben durch seinen Geist inspiriert, von seiner Offenbarung geprägt. Wie so oft ist es also entscheidend, mit welchem Gottesbild ich diese Texte wahrnehme und sie auf mich einwirken lasse.

Ist Gott für mich der alte weiß-bärtige Opa auf der Wolke, der mal – Zeus gleich – Blitze schleudert und dann klebrig-süße Bonbons verteilt? Helles Licht? Strahlende Energie?

Auch die Leseweise ist entscheidend: Sola scriptura?, wie die neocharismatischen Christen es tun? Verstaubtes notwendiges Übel? Oder historisch kritisch, wie die Exegeten es uns lehren?

Das sind Gottesbilder bzw. Herangehensweisen für seine wohl komprimierteste Offenbarung in den Hl. Schriften. Entscheidend aber – also so richtig entscheidend – für das richtige Verstehen und ein gewinnbringendes Wahrnehmen der biblischen Lesungen, ist die richtige Beziehung zu Gott.

Egal wie ER aussieht, egal wie ich IHN und seine Offenbarung einordne: entscheidend ist in welcher Beziehung ich zu ihm lebe, hoffe, liebe.

Das Buch Genesis in der ersten Lesung zeigte uns Gott als Schöpfer: ER formte dich und mich aus Staub, blies uns seinen göttlichen Lebensatem ein und machte uns dadurch lebendig – ihm gleich, heißt es im ersten Schöpfungsbericht.

Im zweiten Schöpfungsbericht ist wichtig, dass Gott uns zuerst geschaffen hat. Wir waren seine Priorität! Dann erst kam der Garten, die schöne Erde und Natur! Wir waren die ersten, wir waren und sind ihm wichtig. Augustinus fasst das zusammen in: „Gottes Sehnsucht ist der Mensch!“

Dass wir Gottes Sehnsucht sind, dass wir IHM wichtig sind, können wir erkennen an seiner großen Geduld und Liebe.
Obwohl wir oft nicht auf seine Worte hören, seinen wohlgemeinten Befehlen nicht folgen, sondern meinen alles besser machen zu können, mehr wissen zu wollen und IHM immer ähnlicher sein möchten… ER bleibt treu! Er bleibt liebevoll zugewandt. ER vernichtet nicht, tötet nicht, sondern bestraft – höchstens – er bestraft mit dem Leben und der Freiheit.

Durch den Baum der Erkenntnis, von dem unsere Vorfahren gegessen haben und wir ständig daran weiteressen als denkende Wesen, neugierig auf den Sinn des Lebens und ständig auf der Suche nach Optimierung der eigenen Situation, durch diesen Baum öffnete ER uns einen Weg in die Freiheit und in das Leben. ER setzte die angedrohte Strafe nicht um, weil ER liebt.

Seine Beziehung zu uns ist davon geprägt, angefüllt: Liebe! Die väterlich-mütterliche Liebe des Schöpfers, gepaart mit dem Stolz eines Handwerkers über sein Projekt und durchwoben mit der feuerfesten – geprüften und geläuterten – Geduld des ewigen Gottes.

Wir können IHN immer wieder auf die Probe stellen, IHN herausfordern, uns blindlings auf IHN verlassen, ohne die Konsequenzen für andere oder für uns selbst zu bedenken. Wir können alle Selbstständigkeit aufgeben, weil ER ja der immer gute liebe Gott ist und gar nicht anders kann, als um uns besorgt zu sein… das wäre falsche, liebe Hoffende und Suchende im Glauben.

Das wäre teuflisch, weil wir dann wären wir der Satan im heutigen Evangelium. Wie ER Jesus versucht, würde ein so handelnder Mensch Gott versuchen. Würde zur Schlange werden, die zischelnd und listig falsche Erkenntnis bringt.

Wollen wir das?
Wollen wir sein wie die Schlange, die Böses tut, ohne einen Vorteil zu haben? Wollen wir sein wie der Teufel im heutigen Evangelium, der nur aus Spaß an der Freude, demütigen, erniedrigen, vorführen und sich suhlen will im eigenen Rechthaben?

Bitte, es möge dich in die Freiheit führen… Gott wird auch dort mit dir sein. Da bin ich mir ganz sicher!
Aber ob du darin dein Glück finden wirst? Allein, da egoistisch? Reich, aber ohne tragende Liebe?

Jesus lädt uns ein: Leib UND Vernunft wertzuschätzen, denn Brot befriedigt nicht allein. Gottes Geist führt uns in ein Leben in Fülle.

Jesus warnt uns, dass wir Gottes Liebe nicht ausnutzen sollen. Das höher, weiter, mehr bringt uns in eine tödliche Spirale der Langeweile und Unzufriedenheit.

Jesus ermutigt uns Gott als Alpha und Omega zu verstehen, eine Beziehung auf Augenhöhe zu führen, indem wir IHM demütig dienen, aber so seine Zugewandtheit als Stärkung erleben können. Echte Liebe eben!

Lasst uns, liebe Freunde, so vor Gott stehen, das Leben in Fülle mit IHM feiern und unsere Beziehung mit IHM pflegen.
Die vorösterliche Bußzeit liefert uns wertvolle Impulse, nutzen wir sie und richten sie neu aus: unsere Liebe auf Gott. ER bringt sie uns entgegen. Nehmen wir sie maßlos auf, um sie weitergeben zu können. Amen.

Bild: © Erzbistum Berlin/Jörg Farys

Helau & Ciao!

© P. Felix M. Meckl OSA
Es gilt das am 15. Februar 2026 in St. Augustinus, Berlin gesprochene Wort.

Liebe Schwestern und Brüder,
alle dazwischen und außerhalb,

Zwar sind wir nicht verkleidet hier,
doch mancherorts – man glaubt es schier,
tobt Fastnacht, Karneval und Chaos
während andre würd´n flüchten gern auf Laos.
Keine Sorg, ich will´s nicht übertreiben,
doch in Reimen euch die Predigt schreiben.

Der Fasching zeigt mit Spaß und List:
Dass jeder mehr als Maske ist.
Menschen lachen, singen, tanzen gern,
vergessen Sorgen nah und fern.
Doch draußen, jenseits unsrer Tür,
steht eine Welt in Kälte, Angst und Gier.

Die Nachrichten sind laut und schwer,
von Krieg und Streit — es wird nicht leer.
Die Mächt´gen ringen mit Gewalt,
manch Zukunft scheint schon eisig kalt.
Grad für jene, die bald zur Musterung sollen,
da ist viel müssen, wenig wollen.

Verunsichert ist groß und klein,
wie soll da noch Vertrauen sein?
Was gilt, was trägt, was bleibt bestehn,
wenn Sicherheiten untergehn?
Weil Trumps und Putins Marionetten,
auch in Deutschlands – SOGENANNTER – Alternative kletten.
Deren Polemik, Hass und Lügereien,
mir mächtig schlagen auf die Innereien.

Da hören wir für Korinth ein Wort,
von Paulus — klar, er war da tief im Ort:
Nicht Menschenklugheit zählt allein,
Gott weiht uns in sein Geheimnis ein.

Was keiner sah, was keiner dacht,
hat Gott für seine Freund´ gemacht.
Sein Geist lässt uns eine Tiefe sehn,
wo seine Hoffnung im Dunkel kann bestehn.

Nicht Lärm der Welt, nicht Macht, nicht Geld
bestimmt, was wirklich Zukunft hält.
Gott spricht im Stillen, leise, sacht,
doch stärker als der Waffen Macht.

Sein Reich besteht aus Glas und Licht,
dort jeder Mensch zeigt sein Gesicht,
dort alle nur auf Liebe und Vertrauen bauen,
nicht Blöd- und Grobiane uns verhauen.

Einigkeit die Herzen bindet,
damit jede und jeder seinen Platz dort findet.
Gottes Reich es wächst schon auf Erden,
auch in uns, es muss gesehen werden.

Uns Jesus sagt am Berg so klar,
was Gottes guter Wille war:
Das Gesetz — nicht alt, nicht überholt,
sondern von Liebe ganz durchholt.

Nicht nur die Tat, auch Herz und Sinn
führt uns zum Nächsten hin.
Schon Zorn verletzt, schon Hass macht blind,
weil wir doch alle nur Geschwister sind.

Er ruft zur Wahrheit ohne Spiel:
Euer Ja sei Ja — das ist das Ziel.
Kein Schwur, kein Trug, kein falscher Schein,
Gott lädt zur klaren Rede ein.

Diese Rede muss von innen kommen,
weltzugewandt, nicht wie die Frommen.
Ehrlich, tolerant und weise,
nicht immer laut, meist eher leise.
Die Botschaft Jesu, sie will alle sammeln,
jene auch die still vergammeln.

Wie passt das nun zur Narrenzeit,
zu Büttenwort und Heiterkeit?
Wo Spaß und Lachen vorgeschrieben,
trotz aller Sorgen und auch Kriegen?
Sehr gut passt´s — wenn wir es recht verstehn:
Auch Masken können Wahrheit säen.

Denn wer im Spaß Gottes Wahrheit sagt,
hat oft das Tiefste laut gewagt.
Der Narr hält allen Spiegel vors Gesicht,
damit das Herz sein Urteil spricht.

So schaun wir auch zur KSG noch hin,
Semesterende und ein Neubeginn.

Die Prüfungszeit dünnt unsere Reihen,
weil viele doch schon Zeit sich leihen,
damit die Noten besser werden,
mit Leistungsdruck und Rückenbeschwerden.

Doch auch diese Stunden geh´n vorbei,
ihr alle wisst´s, ich red´kein Brei:
Ein notwendiges Übel ist´s für alle doch,
Augen zu und Ärmel hoch.
Bald ist´s geschafft und ihr könnt liegen,
in Sonnenstuhl und Erholungsbetrieben.

Wir vom Hauptamt drücken euch die Daumen,
sind da für euch mit Segen und Pflaumen,
bei ora et labora-Treffen,
wo ihr den Druck sollt dann vergessen.

Nach Ostern beginnt ein neues Semester,
das Osterfest wirkt wie Silvester,
wo nicht Jahr und Datum sich erneuen,
sondern Jesu Vorbild will erfreuen.

Erfreut sind alle wir auch hier,
geschrieben steht´s dort auf Papier:
zwei neue Gesichter und ein Bekanntes,
Männlein, Weiblein und Verwandtes,
der Gemeinderat wurd´ neu gewählt,
ein Onlinetool hat´s ausgezählt.

Danke für den Dienst euch allen,
tut es gern, es wird euch g´fallen.
Gemeinsam wollen wir Großes vollbringen
ohne Wundertaten wird´s auch gelingen:
Termine für Studis und andere Gruppen,
mit Engagement und Spaß zu wuppen.

So lasst uns heut im Feierkleid
nicht fliehen vor der ernsten Zeit.
WIR tragen Hoffnung in die Welt,
die Gott in unsre Herzen stellt.

Wenn Lachen Angst ein wenig bricht,
dann wirkt darin schon Gottes Licht.
Wenn Wahrheit klingt in Scherz und Wort,
trägt Fasching Glauben weiter fort.

Drum geht hinaus mit frohem Mut,
Gott meint es mit uns Menschen gut.
Sein Geist zeigt Wege — Schritt für Schritt,
geht Jesus doch in allen mit.

Helau dem Glauben, der uns hält,
Alaaf der Hoffnung für die Welt.
Amen.

Bild: flavour and spice / unsplash

Jesus gibt dem Leben Würze

© P. Felix M. Meckl OSA
Es gilt das am 8. Februar 2026 in St. Augustinus, Berlin gesprochene Wort.
As delivered on 8 February 2026, at St. Augustinus, Berlin.

Liebe Schwestern und Brüder im Glauben,

im Neuen Testament wird Gott uns oft vorgestellt als Vater. Klar, Jesus hat uns dieses neue Bild von ihm geschenkt. Vor allem in den Gleichnissen verkündet Jesus seinen Vater als „barmherzigen Vater“ der die Reue seines aufmüpfigen, aber bekehrten Sohnes weitherzig annimmt. Oder Gott wird als gütiger Hausherr, als milder Gutsbesitzer oder als geduldiger und gnadenvoller Weinbergbesitzer dargestellt.

Im NT geht es also um Beziehungen zwischen Gott und seinen Kindern oder einem Herrn und seinen Knechten respektive Mägden.

Im Ersten Testament des Ersten Bundes hingegen erscheint Gott oft als Handwerker. Gleich zu Beginn der Genesis ist er der Töpfer, der den Menschen aus Lehm formt. In den Psalmen wird er besungen als Weber, der den Teppich abschneidet, wenn das Leben zu Ende gewoben ist. Auch als Goldschmied wird Gott dargestellt, wenn er das Feuer schürt, um das wertvolle Gold von der Schlacke zu trennen.

Das heutige Evangelium, natürlich dem Neuen Testament entnommen, stellt also eine Besonderheit dar, denn Gott wurde uns als Koch aufgezeigt. ER ist der Koch und wir sind das Salz, das er in die Weltsuppe seiner Schöpfung hineingibt.

Sind wir zu viele, verderben wir den Brei. Sind wir zu wenige, ist es fad. Doch jede und jeder von uns ist ein Salzkorn, das seinen Beitrag dazu leistet, dass die Welt um uns herum schmeckt.

Ich liebe dieses Bild!

Es nimmt nämlich erst einmal Druck heraus: Wir müssen diese Kirche und keine Fußballstadien füllen! Klar ein Salzbraten kann einem auch einmal schmecken, aber da kommt es in der Masse nicht auf jede und jeden einzelnen an. Beim normalen Kochen hingegen, ist jede Prise wichtig. Jede noch so kleine Ansammlung tut dem gesamten Gericht gut. „Wo zwei oder drei…“ ihr erinnert euch!?

Entlastend finde ich dieses Bild vom Salz der Erde auch, da wir nicht allein die Schöpfung bilden. Da gibt es noch Kartoffeln und Möhren, Lauch und Blumenkohl. Es mag auch noch andere Gewürze geben: Pfeffer, Kümmel, Curry oder Ysop. Weiterhin die Vögel des Himmels und die Fische im Meer, Schafe, Ziegen und Rinder und auch die wilden Tiere, alles, was auf den Pfaden der Erde dahinzieht. Kurzum, die ganze Schöpfung liegt zusammen in einem göttlichen Suppentopf. Da findet jede und jeder etwas, das schmeckt!

Und in diesem Gefüge sollen wir das Salz sein?! Wie gelingt uns das?
Nun, auch hier hilft uns das Bild vom Salz weiter:

Salz zieht seine Kraft aus der Vergangenheit. Vor Jahrhunderten wurde es eingeschlossen im Himalaya oder ausgeschwemmt in die Ozeane unserer Erde. Gottes Geist ist also da, gegenwärtig. Er muss nur gehoben resp. gewonnen werden. Dazu braucht es Mühe, ja. Salz liegt ganz selten nur so herum. Es muss einreduziert oder befreit werden. Dann muss es brauchbar gemacht werden, gereinigt von allem Unrat und portioniert in sinnvolle Einheiten. Wenn unser Glaube dann frisch aber traditionsverbunden, rein aber voller Energie vorliegt, dann können wir anfangen zu würzen.

Dabei lehrt uns das Salz auch Demut. Denn wir sind nur ein kleines Korn. Allein bewirke ich wenig. Ok, jedes Korn lässt sich schmecken und bei einem anderen löst es etwas aus. Aber so richtig wirken können wir nur in Gemeinschaft mit den anderen, wenn wir uns demütig hingeben, uns auflösen im Gesamt und darauf vertrauen, dass es allen zugutekommt, was wir da beitragen.

Ist euch das Bild zu fremd? Zu philosophisch? Zu naiv?
Das tut mir leid. Ich wollte kein schlechter Prediger sein, wie Paulus uns heute gewarnt hat. Aber ich will euch auch nicht „überreden durch gewandte und kluge Worte“ oder euch nur eine „glänzende Rede oder gelehrte Weisheit (einer christlichen Philosophie) vortragen“.

Ich, liebe Freunde auf dem Weg, will euch ein Geheimnis verkünden, das ich von diesem großen Gott verstanden habe:
Es liegt an uns, IHN schmeckbar und durch IHN alles Sein schmackhaft zu machen. Eben als Salz der Erde oder als Licht auf dem Leuchter.

Wie es uns in kleinen Schritten, ganz individuell angepasst an unseren Charakter gelingen kann, weder unser Licht unter den Scheffel zu stellen noch als geschmackloses Salz verworfen zu werden, hören wir nun in der ersten Lesung dieses Sonntages aus dem Buch Jesaja.

Vertrauen und Zukunft

© Nicole Oster
Es gilt das am 01.02.2026 in St. Augustinus, Berlin gesprochene Wort.
As delivered on 1 February 2026, at St. Augustinus, Berlin.

Liebe Gemeinde,

„welche Erwartungen haben Sie für sich und Ihre Zukunft?“ Diese Frage habe ich im Dezember Bewerberinnen für ein Stipendium gestellt. Eine große Frage, die gar nicht so leicht zu beantworten ist und Zeit zum Nachdenken braucht.

Welche Erwartungen habe ich für mich und mein Leben? Wie stelle ich mir die Zukunft und speziell meine Zukunft vor?

Einen Teil der Antwort wird wahrscheinlich das Studium oder die Promotion, der Berufswunsch, den man verfolgt oder verfolgt hat und in dem man jetzt arbeitet. Das ist ein Teil der Antwort. Doch da ist noch mehr. Leben ist nicht nur Arbeit oder Studium – da gehören auch meine Wünsche für mein Privatleben, Freunde &Familie, Reisewünsche, meine Erwartungen an Politik, Gesellschaft und Kirche dazu. Wie gesagt, es ist eine ganz schön große Frage.

Wie stelle ich mir die Zukunft vor?

Auf der GV vor zwei Wochen haben wir das Semesterthema fürs Sommersemester gewählt: Zukunft mit Gott!

Und heute planen wir im Anschluss das Sommersemester, sammeln Ideen, wie wir das Thema in der KSG umsetzen und die verschiedenen Dimensionen des Themas entfalten können.

Auch die Lesungen, besonders das Evangelium des heutigen Tages, geben uns einen Einblick, wie Zukunft mit Gott aussehen kann.

Da ist einmal Zefanja, bei dem Gerechtigkeit das zentrale Thema ist. Zefanja kritisiert all die Machthaber, die ihre Macht missbrauchen und stellt ein Gegenprogramm auf. Gerechtigkeit und Demut, Frieden. Allen, die Gott aufrichtig suchen, verheißt er Frieden und Gerechtigkeit, die anderen erwartet der Zorn des Herrn. Zefanja macht deutlich, dass es möglich ist, sich zu ändern, Gutes zu tun, statt Macht zu missbrauchen und dass nur Zukunft mit Gott hat, wer gerecht und friedlich handelt.

In der Gemeinde von Korinth herrscht Streit und Spaltung. Anscheinend halten sich manche Leute der Gemeinde für etwas Besseres, sodass es den sozial schlechter gestellten Leuten schwerfällt, in die Gemeinde hineinzukommen. Paulus macht klar, dass bei Gott jeder und jede einen Platz hat. Denn gerade die Schwachen, Armen und Sklaven hat Gott erwählt und sie gehören ebenso zur Gemeinde wie alle anderen. Paulus macht klar, dass Gott für alle Zukunft verheißt, die ihn rühmen.

Im Evangelium haben wir einen Ausschnitt der Bergpredigt gehört, die man als Programmrede Jesu bezeichnen könnte. 8 Seligpreisungen, gerichtet an die Jünger und alle Menschen, die Jesus auf den Berg gefolgt sind. Zentral sind die Gerechtigkeit und die Verheißung des Himmelreiches. Im Reich Gottes gibt es keine Trauer mehr, keine Armut, keine Benachteiligung und keine Verfolgung – stattdessen herrschen Friede, Gemeinschaft und Gerechtigkeit. Das ist der Zuspruch Jesu an seine Anhänger. Dass Gott ihnen Zukunft schenken wird und sie bei ihm einen Platz haben.

Die Seligpreisungen sind dabei keine Vertröstung auf das Reich Gottes im Himmel, sondern auch eine Handlungsaufforderung für das Hier und Jetzt. Denn das Himmelreich ist nicht irgendetwas Fernes, sondern schon konkret auf der Erde erfahrbar.

Die Seligpreisungen enthalten Zuspruch und auch Aufforderungen, Haltungen und Handlungen. Denn nur wenn wir dabei mithelfen, wird das Reich Gottes auch hier und jetzt spürbar.

Wenn wir anderen helfen, Gemeinschaft stiften, uns für die Umwelt einsetzen und Frieden stiften, dann gestalten wir Zukunft mit Gott.

Die Seligpreisungen machen deutlich, dass wir darauf vertrauen dürfen, dass Gott uns Zukunft schenkt und ermutigt uns, mit Gott Zukunft zu gestalten. Damit die Welt immer ein Stück mehr zum Reich Gottes wird.

Gestalten wir Zukunft mit Gott. Amen