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Jesus gibt dem Leben Würze

© P. Felix M. Meckl OSA
Es gilt das am 8. Februar 2026 in St. Augustinus, Berlin gesprochene Wort.
As delivered on 8 February 2026, at St. Augustinus, Berlin.

Liebe Schwestern und Brüder im Glauben,

im Neuen Testament wird Gott uns oft vorgestellt als Vater. Klar, Jesus hat uns dieses neue Bild von ihm geschenkt. Vor allem in den Gleichnissen verkündet Jesus seinen Vater als „barmherzigen Vater“ der die Reue seines aufmüpfigen, aber bekehrten Sohnes weitherzig annimmt. Oder Gott wird als gütiger Hausherr, als milder Gutsbesitzer oder als geduldiger und gnadenvoller Weinbergbesitzer dargestellt.

Im NT geht es also um Beziehungen zwischen Gott und seinen Kindern oder einem Herrn und seinen Knechten respektive Mägden.

Im Ersten Testament des Ersten Bundes hingegen erscheint Gott oft als Handwerker. Gleich zu Beginn der Genesis ist er der Töpfer, der den Menschen aus Lehm formt. In den Psalmen wird er besungen als Weber, der den Teppich abschneidet, wenn das Leben zu Ende gewoben ist. Auch als Goldschmied wird Gott dargestellt, wenn er das Feuer schürt, um das wertvolle Gold von der Schlacke zu trennen.

Das heutige Evangelium, natürlich dem Neuen Testament entnommen, stellt also eine Besonderheit dar, denn Gott wurde uns als Koch aufgezeigt. ER ist der Koch und wir sind das Salz, das er in die Weltsuppe seiner Schöpfung hineingibt.

Sind wir zu viele, verderben wir den Brei. Sind wir zu wenige, ist es fad. Doch jede und jeder von uns ist ein Salzkorn, das seinen Beitrag dazu leistet, dass die Welt um uns herum schmeckt.

Ich liebe dieses Bild!

Es nimmt nämlich erst einmal Druck heraus: Wir müssen diese Kirche und keine Fußballstadien füllen! Klar ein Salzbraten kann einem auch einmal schmecken, aber da kommt es in der Masse nicht auf jede und jeden einzelnen an. Beim normalen Kochen hingegen, ist jede Prise wichtig. Jede noch so kleine Ansammlung tut dem gesamten Gericht gut. „Wo zwei oder drei…“ ihr erinnert euch!?

Entlastend finde ich dieses Bild vom Salz der Erde auch, da wir nicht allein die Schöpfung bilden. Da gibt es noch Kartoffeln und Möhren, Lauch und Blumenkohl. Es mag auch noch andere Gewürze geben: Pfeffer, Kümmel, Curry oder Ysop. Weiterhin die Vögel des Himmels und die Fische im Meer, Schafe, Ziegen und Rinder und auch die wilden Tiere, alles, was auf den Pfaden der Erde dahinzieht. Kurzum, die ganze Schöpfung liegt zusammen in einem göttlichen Suppentopf. Da findet jede und jeder etwas, das schmeckt!

Und in diesem Gefüge sollen wir das Salz sein?! Wie gelingt uns das?
Nun, auch hier hilft uns das Bild vom Salz weiter:

Salz zieht seine Kraft aus der Vergangenheit. Vor Jahrhunderten wurde es eingeschlossen im Himalaya oder ausgeschwemmt in die Ozeane unserer Erde. Gottes Geist ist also da, gegenwärtig. Er muss nur gehoben resp. gewonnen werden. Dazu braucht es Mühe, ja. Salz liegt ganz selten nur so herum. Es muss einreduziert oder befreit werden. Dann muss es brauchbar gemacht werden, gereinigt von allem Unrat und portioniert in sinnvolle Einheiten. Wenn unser Glaube dann frisch aber traditionsverbunden, rein aber voller Energie vorliegt, dann können wir anfangen zu würzen.

Dabei lehrt uns das Salz auch Demut. Denn wir sind nur ein kleines Korn. Allein bewirke ich wenig. Ok, jedes Korn lässt sich schmecken und bei einem anderen löst es etwas aus. Aber so richtig wirken können wir nur in Gemeinschaft mit den anderen, wenn wir uns demütig hingeben, uns auflösen im Gesamt und darauf vertrauen, dass es allen zugutekommt, was wir da beitragen.

Ist euch das Bild zu fremd? Zu philosophisch? Zu naiv?
Das tut mir leid. Ich wollte kein schlechter Prediger sein, wie Paulus uns heute gewarnt hat. Aber ich will euch auch nicht „überreden durch gewandte und kluge Worte“ oder euch nur eine „glänzende Rede oder gelehrte Weisheit (einer christlichen Philosophie) vortragen“.

Ich, liebe Freunde auf dem Weg, will euch ein Geheimnis verkünden, das ich von diesem großen Gott verstanden habe:
Es liegt an uns, IHN schmeckbar und durch IHN alles Sein schmackhaft zu machen. Eben als Salz der Erde oder als Licht auf dem Leuchter.

Wie es uns in kleinen Schritten, ganz individuell angepasst an unseren Charakter gelingen kann, weder unser Licht unter den Scheffel zu stellen noch als geschmackloses Salz verworfen zu werden, hören wir nun in der ersten Lesung dieses Sonntages aus dem Buch Jesaja.