Predigt zum Patronatsfest des Katholisches Schulzentrum Edith Stein
„Frieden schaffen“
Liebe Schulgemeinschaft,
„das Leben ist es wert, gelebt zu werden“. So lautet ein Tagebucheintrag von Etty Hillesum. Ich finde diesen Satz sehr bemerkenswert. Nicht nur, wenn man beachtet, dass Etty diesen Satz im Durchgangslager Westerbork in ihr Tagebuch schrieb im Wissen um all die Gräueltaten, sondern auch in Anbetracht unserer heutigen Zeit.
Der Satz spricht für mich von Kraft, Hoffnung und Mut. Und auch von der Zuversicht, dass es gut werden kann. So wie Etty auch schreibt, dass Frieden möglich ist, für sich hat sie diese Hoffnung nicht mehr, aber für zukünftige Generationen, und damit auch für uns heute.
Um diesen Frieden zu erreichen, so schreibt Etty, müssen wir Menschen Gott dabei helfen.
Wie kann das gelingen?
Da finde in der Lesung aus dem Kolosserbrief zwei gute Ratschläge.
Paulus hat den Brief an die ihm unbekannte Gemeinde in Kolossä geschrieben, da in der Gemeinde Irrlehren kursierten und er sich um den Glauben der Menschen sorgte. Der Abschnitt, aus dem die Lesung stammt, handelt von den praktischen Konsequenzen für das Leben als Christ und die gelten auch für uns hier und heute.
Liebt einander vollkommen
Einander lieben, gut miteinander umgehen- das hört sich erstmal leicht an. Doch wie sieht es mit der Umsetzung im Alltag aus? Wie schnell sind wir sauer auf unsere Mitmenschen, wenn sich im Supermarkt jemand an der Kasse vordrängelt, bei der S-Bahn beim einsteigen drängelt und mir die Tasche dabei in die Seite haut oder wie sieht es in der Politik aus? Freundlicher Umgang ist da eher selten zu sehen.
Als Christ*innen sollen wir ein Vorbild und unsere Mitmenschen gut behandeln, Nächstenliebe zeigen, das muss nicht die riesengroße Geste sein, es reicht manchmal schon ein Lächeln, das Zurückhalten meines Ärgers, ein freundliches Wort, oder das Einstehen für andere.
Friede wohne bei euch
Frieden ist ein wichtiges Gut, das wusste Etty Hillesum und das spüren auch wir heute. Wo fängt man an beim Frieden?
Bei mir, meiner Familie und Freund*innen, Arbeit, Schule und Freizeit. Ich kann für mich überlegen, wo ich in meinem Umfeld die Welt ein wenig friedlicher gestalten kann, wo ich Zeichen des Friedens setzen kann. Auch das reicht oft ein Lächeln, eine ausgestreckte, hilfsbereite Hand und der konkrete Einsatz für Frieden, indem ich mich stark mache für ein gutes Miteinander und Versöhnung.
Frieden fängt bei mir an und ich kann ihn weitergeben.
So können wir, kann jeder einzelne von uns im Sinne von Etty Hillesum Gotte beim Schaffen von Frieden helfen.
Denn Frieden ist möglich und wir können ihn mitgestalten. Lasst uns zu Werkzeugen des Friedens werden. Amen.

Anette Jones pixabay