B-E-R-U-F-U-N-G
Es gilt das am 26. April 2026 in St. Augustinus, Berlin gesprochene Wort.
Liebe Firmbewerber*innen, liebe Studierende, Sw und Br
„Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben.“ (Joh 10,10).
Dieser Satz Jesu, den wir als Schlusswort des heutigen Evangeliums gehört haben, steht mitten im Johannesevangelium.
„Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben.“ (Joh 10,10).
Er ist ein Versprechen, gerade heute, am Weltgebetstag um geistliche Berufungen.
Vielleicht klingt „geistliche Berufung“ für euch erst einmal altbacken, zugespitzt nach Kloster oder Priesteramt.
Doch Berufung ist der Ruf Gottes an jeden, an dich, dein Leben nicht einfach irgendwie ablaufen zu lassen, sondern es in Fülle zu leben – intensiv, echt, geliebt.
Lasst uns daher mal das Wort Berufung näher anschauen. Dazu brauche ich bitte acht mutige Schäflein, gerne Studis UND Firmbewerber*innen. Auch Eltern und Gäste sind mir willkommen. Denn Berufung trifft nicht nur eine Gruppe, sie trifft uns alle.
Acht Leute kommen nach vorn und bekommen DIN A3-Bögen mit den Buchstaben B E R U F U N G.
Was steckt alles drin in diesem Wort?
Beruf:
Ja, es geht um einen Job. Um etwas, das man erlernt, das man ausübt, um Geld zu verdienen. Dazu muss man lernen: in der Schule, bei der Ausbildung, an der Uni und dann ein Leben lang, um up-to-date zu bleiben. Ein Beruf ist aber auch noch für etwas anderes gut als Geldverdienen und das ist vielleicht sogar wichtiger. Na, eine Idee? Es geht um Erfüllung und Sinnhaftigkeit. Wenn ich meinen Job gern mache und Sinn darin sehe, dann ist er Berufung. Denn Sinn erfüllt mit Freude und die strahlt aus auf andere, macht die Welt dadurch besser, baut Reich Gottes auf.
Ruf:
Ruf. Da ruft einer. Es ist eine Art Schrei, manchmal ganz laut zu hören, fast schon drängend. Manchmal aber ist der Ruf sehr versteckt, man muss genau hinhören, achtsam sein. Auch muss man aufpassen WER da ruft: die Welt? Das schnöde Geld? Die Eltern? Ein Lehrer oder eine Professorin?
Beim Ruf müssen wir alle genau hinhören – auf den Ruf Gottes in unserem Leben. Sie ruft, sie hat gerufen und sie wird rufen – immer wieder – wohin ist klar: in das Leben in Fülle, so wie Jesus es uns versprochen hat.
Er:
ER ruft! Gott ruft, Jesus ruft und die Hl. Geistkraft denken wir mit. ER, der dreieine Gott ruft nach dir, in Welt und Zeit.
ER kann aber auch der Mensch zu deiner Rechten oder deiner Linken sein. Oder der, der am Boden liegt und Hilfe braucht, der in der Schule gemobbt wird und eine Unterstützung nötig hat.
In all diesen Fällen ruft ER dich.
Aber Vorsicht! Hört nie nicht auf die Wölfe! Schon gar nicht auf jene, die im strahlenden Schafspelz daherkommen.
Be:
To be. Bei der Berufung geht es um das ganze Sein. Es geht nicht nur um eine Sonntagspflicht oder ein Gebot, auch nicht um ein Versprechen oder Gelübde. Es geht um das ganze Sein. Alles was mich ausmacht, alles was ich bin, kann und habe, alles gehört hinein in diese Berufung. Da sind Talente und Schwächen, Fähigkeiten und Ängste, Kreativität und Faulheit. All das gehört zu mir, zu meinem Sein und all das hat eine Bedeutung vor Gott.
Berufung zu leben heißt all das mitzudenken.
Fun:
Ja, Fun, Spaß. Berufung darf auch Spaß machen! J
U:
U, you. Das englische Ein-Buchstaben-Wort, ein Homophon, das häufig in der Textspeak verwendet wird.
You. Das kommt gleich zweimal vor!
Es geht um dich!
Das ist so wichtig, dass es im Wort Berufung gleich zweimal vorkommt. DU bist wichtig! Dich hat Gott im Blick. Deine Berufung gehört dir!
Deine Berufung ist ganz individuell. Sie mag anderen ähneln, aber es ist dein Leben, dein Weg, deine Berufung zu einem Leben in Fülle.
So, da haben wir es: sechs Worte, sechs Dimensionen in diesem einen alten abgedroschenen Wort.
Danke und zurück auf die Plätze. Die Plakate lasst ihr einfach hier.
Berufung ist kein festgelegter Plan, sondern ein Weg, den ihr mit dem guten Hirten geht. Er traut euch zu, Leben in Fülle zu leben und diese Fülle in unsere Welt zu bringen.
Hört auf seine Stimme. Traut euch zu, Hirten eures eigenen Lebens zu sein. Der ewig-gute Hirte geht immer mit euch. Amen.

Alex Beauchamp / unsplash