Sing mit bei ChorDuLa!
Seit Dienstag, 26.3.2024 trifft sich der KSG-Chor Chordula wieder regelmäßig zur Probe.
Wenn du neu einsteigen möchtest, melde dich bei Emilie.
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Liebe Studierende, liebe Gäste der KSG Edith Stein!
Ich danke dir, dass ich so staunenswert und wunderbar gestaltet bin. Ich weiß genau, wunderbar sind deine Werke.
So betet König David in einem Psalm. Im Alten Testament der Bibel stehen 150 Psalme. Es sind Gebete, in denen Schmerz, Leid und Anklage thematisiert werden; Es sind Gebete, die Lob und Dank formulieren. Die Psalmen decken eigentlich alle Gefühlsstände eines Menschen ab. Damals vor 3000 Jahren und auch heute. Der Vers, um den es heute in diesem Valentinsgottesdienst gehen soll, steht im Psalm 139, der von Gottes Allmacht und seiner wunderbaren Schöpfung erzählt.
Ich danke dir, Gott, dass ich so staunenswert und wunderbar gestaltet bin.
Wer könnte diesen Satz so aussprechen, so laut vor anderen sagen oder still im Gebet vor Gott tragen? Habe ich so etwas schon mal gesagt, gebetet? Wir würden es heute etwas anders formulieren: Danke, dass ich so ein toller, erfolgreicher Typ bin, danke, dass mir dies oder jenes gelungen ist….
Es gibt Menschen, die strahlen vor Selbstbewusstsein und makelloser Schönheit, sind geschickt in Diskussionen und gehen scheinbar mühelos und schmerzlos durchs Leben. Ich denke, jeder von uns kennt Kommilitonen‘ innen an der Uni und Menschen in seinem Umfeld. Menschen, die mit Professoren und Professorinnen reden, als wäre sie befreundet, für die Prüfungen und Klausuren kein Thema sind, die immer mit anderen zusammen sitzen in der Mensa beim Essen, immer im Mittelpunkt stehen.
Als ich noch hier in der KSG gearbeitet habe, sind mir auch andere Studierenden begegnet,
Junge Menschen, die Zweifel hatten, ob das Studium das richtige ist, die sich überfordert fühlten von der Stadt Berlin, der Größe, der Hektik und den 1000 Möglichkeiten; die unsicher waren, ob sie mithalten können, ob sie hier her passten;
Junge Menschen, die verloren und einsam in dieser Stadt lebten, umgeben von Partys, Treffs und Kneipen;
Junge Menschen, die gekämpft haben mit dem Leistungsdruck in ihrem Fachbereich, mit dem Wissen um persönliches Versagen, der Unfähigkeit zu vergeben und Vergebung anzunehmen.
Junge Menschen, die mit sich selbst genug zu tun hatten, weil sie in ihrem Körper nicht zufrieden waren, mit ihren eingeschränkten Möglichkeiten nicht zu recht kamen und sich selbst letztlich nicht so annehmen konnten wie sie waren.
Die Beobachtungen sind 10, 20 Jahre alt. Jetzt müsstest Ihr mir sagen, ob und was sich verändert hat. Was Ihr wahrnehmt in der Uni, in der KSG, in Eurem Freundeskreis.
Viele hätten diesen Vers nicht so sprechen können. Ich danke dir, dass ich so staunenswert und wunderbar gestaltet bin. Ich weiß genau, wunderbar sind deine Werke.
Dieser Vers aus dem Psalm 139 ist eine große persönliche Herausforderung für mich. Einerseits ist es einer meiner Lieblingspsalmen. Ich mag die Bilder: Du umgibst mich von allen Seiten, egal, wo ich bin, Du Gott weißt von mir, bei dir bin ich geborgen. Der Psalm erzählt von der Geborgenheit bei Gott, der Sorge und das Gottes Wissen um mich! Das Bild, dass Gott mich auch am Ende der Welt aufsucht und mir nah ist, ist gewaltig und unfassbar. Das Wissen darum und letztlich das Vertrauen darauf haben mich durch einige Schwierigkeiten getragen in meinem Leben.
Aber andererseits ist dieser Vers schwierig: ich danke dafür, dass ich so bin wie ich bin –das geht mir schwer über die Lippen, weil ich mich auch als ungenügend empfinde, nach anderen schiele rechts und links, mich vergleiche….
Was bewegt David, dem der Psalm zugeschrieben wird, so etwas zu schreiben?? In einigen Kommentaren heißt, dass David so von Bosheit, Gottlosigkeit und Treulosigkeit umgeben war, dass er einen Gegenpol dazu setzen wollte. Der Text ist 3000 Jahre alt Die Situation damals vor 3000 Jahren war vielleicht ähnlich unserer Situation heute: Fake News, Gewalt, Suche nach anderen Göttern, Verrohung der Sprache, Grundsätze des menschlichen Umgangs und des demokratischen Miteinanders geraten ins Wanken.
David beschreibt in seinem Psalm, wie nah Gott dem Menschen ist, von Anfang an, sogar pränatal. David entwirft in seinem Psalm ein Bild des menschlichen Körpers. Der menschliche Körper ist ein Kunstwerk, der an Komplexität, Einzigartigkeit und Kompliziertheit nicht zu überbieten ist. Jede Zelle hat ihre Bestimmung, jeder Körperteil seine Aufgabe. Wenn man sich allein vorstellt, was ein Mensch im ersten Lebensjahr alles lernt, welche Fähigkeiten entwickelt werden, was alles wie wächst und ineinandergreift. Vom hilflosen Säugling, der trinken, schlafen und kuscheln will zu einem Kleinkind, das krabbelt, sich hochzieht, greift und brabbelt, Kontakt mit anderen aufnimmt, beobachtet, sich Dinge und Vorgänge merkt. Die Anlagen dazu hat Gott in uns eingepflanzt. Ganz zu schweigen von dem Gehirn, das die Vorgänge im Körper steuert, Warnsignale sendet, das denkt, Schlussfolgerungen zieht, reflektiert, Fakten speichern und wiedergaben kann, Es ließe sich noch viel mehr zum menschlichen Körper aufzählen. Zu diesem Wunderwerk. Im Psalm heißt es: Ich weiß genau, staunenswert sind deine Werke, Ja, Gott, der Mensch ist ein Wunderwerk! Ja, so ein Wunderwerk bin ich, ist jede und jeder einzelnen von uns. Auch wenn wir uns manchmal nicht so erleben und uns so bejahen können als Wunderwerk. Die persönliche Herausforderung ist, dass wir uns gar nicht so fühlen oder meinen, uns nicht so fühlen zu dürfen. Also der zweite Teil unseres Verses ist etwas leichter zu beten: Ich weiß, staunenswert sind Deine Werke.
Aber da ist noch der erste Teil des Verses: Ich danke dir, dass ich so staunenswert und wunderbar gestaltet bin.
Erlebe ich mich als Teil von Gottes Schöpfung, erlebe ich mich als einzigartig, erlebe ich mich als wunderbar gestaltet? Weil Gott mich ins Leben gerufen hat nicht nur meine Eltern, weil Gott mich anschaut, wie ich bin – darum bin ich wunderbar. Ich bin ein wunderbar gemachtes Geschöpf Gottes – Alter und Krankheit, Tod und Versagen gehören zur Schöpfung und sind keine göttlichen Pannen. Dieser Psalm 139 ist eine väterliche und mütterliche Umarmung Gottes. Jeder Mensch ist wunderbar von Gott gemacht. Das ist ein Grundgedanke des christlichen Glaubens. Es spielt keine Rolle, was man glaubt, wie man aussieht, was man studiert oder arbeitet, wen man liebt, wie man lebt. Jedes Leben ist gleich wertvoll und von Gott gewollt.
Was müßte passieren , damit ich sagen kann: Ich danke dir, dass ich so staunenswert und wunderbar gestaltet bin. Ich würde gern einen Moment still werden und Euch einladen, dieser Frage ein wenig nachzugehen
Stille
Ich glaube ein Schritt dazu ist, dass andere es mir sagen, dass es mir gesagt wird, dass es mir zugesagt wird. Du bist ok so. Ich mag dich, weil Du du bist und du so bist, wie du bist.
Es gibt den Satz: das entscheidende Wort kann ich mir nicht selber sagen. Ich kann mir nicht selber sagen: Ich liebe dich, ich verzeihe dir, ich vertraue dir. Das muß mir jemand anderes sagen! Martin Buber sagt: durch das Du zum ich! Es ist eine anstrengende Herausforderung, eine Lebensaufgabe, zu sich selbst zu stehen, sich immer wieder neu anzunehmen, die Brüche in der Biographie anzuschauen, die körperlichen und intellektuellen Einschränkungen zu akzeptieren.
Das entscheidende Wort kann ich mir nicht selber sagen. In der Vorbereitung des Gottesdienstes haben wir uns dazu Gedanken gemacht, wie das zum Ausdruck gebracht werden kann, wie es sichtbar und vielleicht spürbar werden kann hier heute in dieser Stunde.
Zum einen könnt Ihr einen persönlichen Segen empfangen, für Euch allein, für Euch und Euren Partner, Eure Partnerin, ob verliebt oder befreundet, toder für ein besonders Anliegen. Segnen – benedicere – heißt etwas Gutes sagen. Wir Pater Max und ich werden im Namen Gottes Euch etwas Gutes sagen, Euch segnen, Euch einen persönlichen Zuspruch geben.
Zum anderen laden wir ein zu einer besonderen Form des Friedensgrußes. Dazu nachher mehr.
Unser Psalmvers ist eine einerseits eine Herausforderung und andererseits eine Ermutigung, sich selbst als wertvoll und einzigartig anzunehmen, weil ich genau so bin, wie Gott mich gedacht hat.
Amen
Vom 28.01. – 11.02. werden die neuen Gemeinderatsmitglieder gewählt.
Vier Personen kandidieren: Maxi, Vera, Jessica und Laura.
Ihr könnt jeweils an den Sonntagen wählen. Auch elektronische Briefwahl ist möglich.
In diesem Fall bitte ein Email an den Wahlvorstand, den Norbert oder Georg bilden.
Auch in diesem Jahr wollen wir gemeinsam in der KSG Weihnachten feiern. Wir nehmen an der Christmette der Ortsgemeinde am 24.12. um 17:00 teil. Anschließend verbingen wir einen weihnachtlichen Abend mit Essen, Geschenken und Musik in der KSG. Infos und Anmeldungen bitte an Pater Max.
25.12. Wir sind zu Gast bei der KSG Potsdam.
Informationen und Anmeldung bei Pater Max.
Am Sonntag, 14.01.24, um 20:00 findet die Gemeindeversammlung im Wintersemester statt. Die vorläufige Tagesordnung ist HIER zum Download bereit.
Hier findet ihr die Protokolle der letzten Sitzungen.
Guardini-Predigt, 19.11.2023
P. Max Cappabianca OP, gehalten in der Katholische Akademie
Lesung
aus dem ersten Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Thessalónich.
Über Zeiten und Stunden, Schwestern und Brüder,
brauche ich euch nicht zu schreiben.
Ihr selbst wisst genau,
dass der Tag des Herrn kommt wie ein Dieb in der Nacht. Während die Menschen sagen: Friede und Sicherheit!,
kommt plötzlich Verderben über sie
wie die Wehen über eine schwangere Frau
und es gibt kein Entrinnen.
Ihr aber, Brüder und Schwestern, lebt nicht im Finstern,
sodass euch der Tag nicht wie ein Dieb überraschen kann.
Ihr alle seid Söhne des Lichts
und Söhne des Tages.
Wir gehören nicht der Nacht
und nicht der Finsternis.
Darum wollen wir nicht schlafen wie die anderen,
sondern wach und nüchtern sein.
Liebe Schwestern und Brüder,
Die Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Thessalónich hat mich immer schon fasziniert. Der Tag des Herrn kommt wie ein Dieb in der Nacht! Was bedeutet das? Das Reich Gottes kommt unvorhergesehen? Gar traumatisierend – und das sind Erfahrungen mit Dieben! Also nichts Gutes verheißend? Auf alle Fälle wohl unkontrollierbar. Und letztlich kriminell! So ist das Kommen des Reiches Gottes?
Diese Bilder irritieren. Und das ist beabsichtigt. Unser Erwartungshorizont soll durchbrochen werden. Wir gehen dann auf dünnem Eis. Was bedeutet das für uns? Der Kern ist, dass wir nicht wissen, was dann kommt und wie es sein wird. Gottes Kommen und – dann – seine Gegenwart sind anders als wir es erwarten.
Damit wir nicht so überrumpelt und erschreckt werden, wie von einem Dieb in der Nacht, rät Paulus, nicht im Finstern zu leben. Sondern als Söhne und Töchter des Lichtes und des Tages. Und vor allem eins rät er, wach zu bleiben: „Darum wollen wir nicht schlafen wie die anderen, sondern wach und nüchtern sein.“
Auch das ein eigenartiges Bild. Was meint das denn? Ist das etwas, was man heute modisch als „Achtsamkeit“ bezeichnen würde? Eine Offenheit für Dinge, die allzu leicht übersehen zu werden drohen?
Aus meinem Liturgiestudium weiß ich noch, dass aus Textstellen wie diesen und anderen, die zum Wachen und Beten auffordern, das monastische Lebensmodell entstanden ist – eine besondere Form des Christseins, das für sich in Anspruch nimmt, stellvertretend für die Welt das Gebot des Wachens und Betens zu übernehmen.
Der Kern des klösterlichen Lebens ist das Wachen und Erwarten. Symbolisiert wird dies durch die langen Gebete, vor allen Dingen den nächtlichen, die mit ihren Psalmen und Hymnen nicht zu enden scheinen. Mönchisches Leben ist ein Leben des Wachens und Betens. Eine Kultur der Erwartung, die weiß, dass das Hier und Jetzt nur das Vorletzte ist…
Ich bin sicher, dass einige von Ihnen das Gedicht der Poetin Silja Walter kennen. Sie war Benediktinerin in der Schweiz und hat einen Text geschrieben mit dem Titel „Gebet des Klosters am Rande der Stadt“. Ich möchte es am Ende dieser Predigt vortragen, denn bei ihr wird diese Erwartung spürbar. Es pulsiert eine echte Beziehung zwischen der Schwester zu einem Gott, den sie vermisst. Der aber kommen wird. Nur halt ganz anders als gedacht.
Für mich hat diese Lesung aus dem Buch der Thessalonicher in diesen letzten Wochen und Monaten noch einmal eine ganz andere Bedeutung und Dringlichkeit gewonnen. Jüngst ist die Studie der Evangelischen und Katholischen Kirche publiziert werden, die in erschreckenderweise den Bedeutungsverlust und die Erosion des kirchlichen Lebens dokumentiert.
Aber auch in meinem Alltag erlebe ich es ständig, als Repräsentant dieser Institution Kirche auf einem sinkenden Schiff zu sein. Ich muss laufend rechtfertigen, warum ich denn noch dabei bin. Es wird vorausgesetzt, dass in dieser Institution gelogen wird und vertuscht. In den Augen vieler bin ich im besten Fall noch (!) gefangen im Netz einer menschenfeindlichen Institution, dem man wünscht, sich bald zu befreien. Im schlechtesten Fall ist man selber nicht nur Teil der „Täterinstitution“ (ein schreckliches Wort), sondern Täter (und wenn es durch Unterlassung ist!
Ich ertrage es oft nicht mehr! Wie die Freude des Evangeliums verkünden, wenn wir als Katholische Kirche derart im Morast stecken? Wie soll ich begeistern können, wenn man Mitleid auf mich schaut? Wie mit Freude die Verkündigung des Evangeliums anpacken, wenn keiner die Botschaft hören will?
Nun kann man sich ja auf vielfältige Weise einen spirituellen Reim darauf machen. Eine Hiobzeit für die Kirche? Notwendige Geburtswehen könnte man aus unserem Lesungstext ableiten: Ich zitiere: Während die Menschen sagen: Friede und Sicherheit!, kommt plötzlich Verderben über sie wie die Wehen über eine schwangere Frau und es gibt kein Entrinnen.
Und mit der Formulierung „einen spirituellen Reim darauf machen“ hören sie zurecht, die Selbstironie und Selbstkritik heraus. Im Glauben kann man sich vieles schönreden oder schöntrinken. Aber die Realität bleibt hässlich.
Früher war ich ein extrem, positiver zuversichtlicher Mensch. Und das prädestinierte mich als Dominikaner, der wie ja ein Orden der Verkündigung sind. Heute bin ich skeptischer und trau meinen eigenen Glaubensimpulsen nicht mehr. Ich will mir nichts vormachen. Ich will das Kaputte auch mitten in unseren kirchlichen Reihen aushalten und nicht gleich einen positiven Zweck daraus ableiten, wie es gläubige Menschen nun mal tun.
Ihr selbst wisst genau,
dass der Tag des Herrn kommt wie ein Dieb in der Nacht. Während die Menschen sagen: Friede und Sicherheit!,
kommt plötzlich Verderben über sie
wie die Wehen über eine schwangere Frau
und es gibt kein Entrinnen.
Für mich haben diese Zeilen eine echte Aktualität. Und die „Tröstung“, die der Glaube uns in dieser Situation schenken kann, ist kein warmes Wohlgefühl, sondern maximal die Aufforderung, nüchtern zu bleiben und mehr zu erwarten als das Hier und Jetzt. Zu warten, dass da noch mehr kommt, auch wenn wir keinerlei Vorstellung haben, wie das aussehen wird.
Ist das dann ein geläuterter Glaube? Oder ein verzweifelter? Ich selber oszilliere zwischen diesen beiden Polen. Und ich könnte mir vorstellen, dass es manchen von Ihnen ähnlich geht.
Ich bin Dominikaner und Teil unseres Lebens ist das gemeinsame Chorgebet (im Institut Chenu nicht gemeinsam, aber das ist eine Ausnahme). Wir beten Tag für Tag die Psalmen, Hymnen und Lesungen – und ich verstehe das als Ausdruck unruhigen Erwartens, dass es mit dem Glauben und der Kirche und überhaupt unserer Welt, die zerrissen ist von Krieg und Ungerechtigkeit, verdammt noch mal so nicht weitergehen kann.
Am Schluss trotzdem eine versöhnliche Kurve: Wenn ich die Psalmen bete, bin ich immer wieder zutiefst erschüttert über die Glaubenskraft, die aus Ihnen pulsiert. Das bringt etwas in mir in Schwingen. Und so ähnlich geht es mir mit dem Gedicht von Silja Walters. Wissend um die Gefahr, dass das zu einer spirituellen rosa Brille wird. Und doch spürend, dass da etwas lebendig ist. Das da ein Herz schlägt.
Mögen Ihnen da Gedicht von Silja Walter, grade angesichts der Situation, in der die Kirche ist, oder auch Länder wie Israel, Palästina und Ukraine oder auch ganz persönliche Umstände, die es einem schwer machen, Zuversicht zu haben… Doch eine Perspektive eröffnen.
In diese, meine Welt hinein, soll das Gedicht von Silja Walter sprechen. Zeilen, in denen sich ganz nüchtern Hoffnung und echte Erwartung spiegeln.
Gebet des Klosters am Rande der Stadt
Jemand muß zuhause sein,
Herr,
wenn du kommst.
Jemand muß dich erwarten,
oben auf dem Berg
vor der Stadt.
Jemand muß nach dir Ausschau halten
Tag und Nacht.
Wer weiß denn, wann du kommst?
Jemand muß wachen
unten an der Brücke,
um deine Ankunft zu melden,
Herr,
du kommst ja doch in der Nacht
wie ein Dieb.
Wachen ist unser Dienst,
wachen.
Auch für die Welt.
Sie ist so leichtsinnig,
läuft draußen herum
und nachts ist sie auch nicht
zuhause.
Denkt sie daran,
daß du kommst?
Daß du ihr Herr bist
und sicher kommst?
Herr,
durch meine Zellentüre
kommst du in die Welt
und durch mein Herz
zum Menschen.
Was glaubst du, täten wir sonst?
Wir bleiben, weil wir glauben.
Zu glauben und zu bleiben
sind wir da –
draußen
am Rande der Stadt.
Herr,
jemand muß dich aushalten,
dich ertragen,
ohne davonzulaufen.
Deine Abwesenheit aushalten,
ohne an deinem Kommen
zu zweifeln.
Dein Schweigen aushalten
und trotzdem singen.
Dein Leiden, deinen Tod mitaushalten
und daraus leben.
Das muß immer jemand tun
mit allen anderen.
Und für sie.
Und jemand muß singen,
Herr,
wenn du kommst,
das ist unser Dienst:
Dich kommen sehen und singen.
Weil du Gott bist.
Weil du die großen Werke tust,
die keiner wirkt als du.
Und weil du herrlich bist
und wunderbar wie keiner.
Silja Walter
All you need is love – Are Christians naive?
Christian faithful are sometimes accused of being naïve. But the Gospel carries much more wisdom as a superficial utopia. Homily by Father Max Cappabianca. 29 October 2023
You probably know the song “All you need is love” – a beautiful song, but perhaps a little naive. If it were that easy, Beatles. Love, love, love… It was written in 1967: a time when many dreamed of a different, better world.
We Christians are sometimes accused of being naive. In German we say “Friede, Freude, Eierkuchen” “Peace, joy, pancakes” and what we mean is that we see everything positively and thus become blind to reality. This is how many people see Christians and their message: a beautiful utopia. But Christianity is not suitable for realpolitik.
Where does it come from? From such gospels as we heard today. As if it were enough to love God, yourself, and your neighbours… As if these two commandments were enough to understand the complexity of this world…
It is very interesting to take a closer look at these three dimensions. Because if you look closely, there is a lot of wisdom in them!
The first dimension is of course no longer self-evident. Loving God and seeing this as a guarantee for your own way of life, only works if you believe in his existence. What if you don’t believe in God? Many then believe in surrogates. Kind of substitutes of “gods” who don’t necessarily have to be transcendent, supernatural. These can also be very mundane things like power, money or success. The crucial thing is that salvation is expected from them! And if we look at history, most regimes such as fascism and communism are nothing more than substitute religions.
And the second and third dimensions are related to each other. We should love our neighbours as ourselves!
It is assumed that we love ourselves. But as we know, this is not a given. How many people have problems with self-love. And this is exactly where the Christian message begins. The Christian faith says nothing other than “You are loved,” and that is the basis for being able to love yourself.
In the Gospel, self-love is linked to neighbourly love. As I love myself, I should love my neighbour. We now – and not just from psychology: because I love myself, I can love my neighbour.
As simple as this insight sounds, it is so true! Many conflicts in this world – whether on a personal or socio-political level – depend on the extent to which you are capable of loving or not! The word “love” shouldn’t mislead us. Love as a concept has become banal, superficial. It’s more than just erotic love. It is what we might call “assumption.” Feeling accepted, without preconditions. That then has consequences for my actions. For my commitment and for my attitude towards my friends and my enemies!
“All you need is love.” Yes, its sounds naive! But it’s true! It’s all we need. We may be considered naive, but we Christians should never be tired of proclaiming this simple message. 1) Believe that there is a God and love him. 2) Knowing yourself as loved and therefore loving yourself and 3) therefore loving your neighbour. This can change the world. Amen.
***
Ihr kennt bestimmt das Lied „All you need is love“ – ein schönes Lied, aber vielleicht auch ein wenig naiv. Wenn’s so einfach wäre, möchte man den Beatles sagen. Love, love, love… 1967 wurde es geschrieben: Eine Zeit, in der viele von einer anderen, besseren Welt träumten.
Uns Christen wird ja manchmal vorgeworfen, wir seien naiv. Im Deutschen sagt man „Friede, Freude, Eierkuchen“ und meint damit, dass man alles positiv sieht, und damit blind wird für die Wirklichkeit. So sehen viele Christen und ihre Botschaft: Als eine schöne Utopie. Für Realpolitik sei das Christentum aber nicht geeignet.
Woher kommt das? Auch von solchen Evangelien, wie wir heute es gehört haben. Als würde es reichen Gott zu lieben, sich selbst und den Nachbarn… Als würde diese beiden Gebote genügen, um der Komplexität dieser Welt gerecht zu werden.
Es ist aber sehr interessant, einmal genauer auf diese drei Dimensionen zu schauen. Denn bei genauerer Betrachtung steckt in ihnen viel Weisheit!
Die erste Dimension ist natürlich nicht mehr selbstverständlich. Dass man Gott liebt und dies als Garant für die eigene Lebensführung betrachtet, funktioniert nur, wenn man an seine Existenz glaubt. Was ist wenn man nicht an Gott glaubt? Viele glauben dann an Surrogate. An Ersatzgötter, die nicht unbedingt transzendent sein müssen. Das können auch ganz profane Dinge sein wie Macht, Geld oder Erfolg. Das entscheidende ist, dass man von ihnen Heil erwartet! Und wenn wir in die Geschichte schauen, dann sind die meisten Regime wie Faschismus, Kommunismus nichts andres als Ersatzreligionen.
Und die zweite und dritte Dimension hängen miteinander zusammen. Wir sollen den Nachbarn lieben wie uns selbst!
Vorausgesetzt wird, dass wir uns selber lieben. Aber wie wir wissen, ist das nicht selbstverständlich. Wie viele haben gerade mit der Selbstliebe Probleme. Und tatsächlich setzt die christliche Botschaft genau an dieser Stelle an. Der christliche Glaube sagt nichts anderes als „Du bist geliebt“, und das ist die Basis, sich selber lieben zu können.
Im Evangelium wird die Selbstliebe mit der Nächstenliebe verknüpft. So wie ich mich liebe, soll ich den Nachbarn lieben. Wir wissen inzwischen – nicht nur aus der Psychologie: Weil ich mich liebe, kann ich den Nächsten lieben.
So schlicht diese Erkenntnis klingt: So wahr ist sie! Viele Konflikte in dieser Welt – gleich ob auf der persönlichen oder gesellschaftlich-politischen Ebene – hängen davon ab, inwieweit ihr zum Lieben in der Lage sind oder nicht! Das Wort „Liebe“ darf uns dabei nicht in die Irre leiten. Liebe ist als Begriff banal geworden. Es ist mehr als nur die erotische Liebe. Es ist das was wir als „Annahme“ bezeichnen könnten. Sich angenommen fühlen, ohne Vorbedingungen. Das hat dann Konsequenzen für mein Handeln. Für mein Engagement, und für meine Haltung zur Welt!
“All you need is love.” Ja das ist es! Es ist alles was wir brauchen. Es mag naiv sein, aber wir Christen sollten nicht müde werden, diese einfach Botschaft zu verkündigen. 1) Daran glauben dass es einen Gott gibt und ihn lieben. 2) Sich selber als geliebt wissen und daher sich selber lieben und 3) deswegen den Nächsten lieben.