Nicht weniger Last – mehr Rücken: Was Beten im Glauben wirklich bedeutet

Ein bisschen so wie der Prophet Habakuk hat sich vielleicht jeder schon mal gefühlt; jeder, der zu Gott in einem bestimmten Anliegen gebetet hat: Wie lange soll ich noch rufen und du hörst nicht? Es kann unter Umständen sehr frustrierend sein, immer wieder in denselben Anliegen zu beten und keine Wirkung zu sehen – im Kleinen, wenn ich um Gesundheit bete, aber trotzdem krank bleibe; oder im Großen, wenn wir immer wieder die schrecklichen Kriege dieser Welt vor Gott bringen, aber die Gewalt geht weiter.

Und wie als Antwort darauf hören wir am heutigen Sonntag Jesus, der seinen Jüngern sagt: Tja, wenn ihr mal ein bisschen Glauben hättet, dann würde das schon funktionieren mit dem Beten! Na vielen Dank. Erst werde ich nicht erhört, und dann ist es auch noch meine eigene Schuld? Das ist erst mal nicht sehr ermutigend. Aber wie immer lohnt es sich, genauer hinzuschauen, was Jesus sagt. Wenn er von einem Senfkorn spricht, meint er nicht nur etwas sehr Kleines. In einem anderen Gleichnis steht das Senfkorn für das Reich Gottes. Es erscheint im Anfang klein, wächst aber über alle Erwartungen über sich hinaus. Man kann also auch verstehen: Wenn ihr Glauben hättet, der den Keim des Gottesreiches in sich trägt, wenn ihr solchen Glauben hättet, der das Potenzial hat, das Reich Gottes zu verwirklichen.

Das ist zumindest mal eine Rückfrage an mein persönliches Beten: Steckt darin eigentlich die Hoffnung auf das Reich Gottes – und nicht nur darauf, was mir selbst praktisch und tröstlich erscheint? Und vielleicht kann man auch dieses etwas kuriose Wort vom Maulbeerbaum, der im Meer wurzelt, in diese Richtung deuten. Ich weiß natürlich nicht, worum Sie im Gebet bitten, aber bei mir hat es praktisch nie mit Bäumen zu tun, die wundersam den Standort wechseln. Ich denke auch nicht, dass wir im Wortsinn darum bitten sollten. Aber womöglich meint Jesus doch: Wenn ihr Glauben hättet, dann würdet ihr um Dinge bitten, die euch jetzt noch gar nicht einfallen. Und dann wärt ihr erstaunt, was auf einmal alles möglich wird.

Von der heiligen Teresa von Ávila ist der Rat überliefert: Bete nicht um eine leichtere Last, sondern um einen stärkeren Rücken! Das klingt erst mal etwas bonmot-haft, aber es steckt schon etwas sehr Bedenkenswertes darin. Wenn es Probleme gibt, dann ist mein erster Impuls als gläubiger Mensch, Gott zu bitten: Bitte nimm diese Probleme weg. Und das ist ja auch erst mal nicht verwerflich. Aber es mag ja auch sein, dass Gott etwas anderes im Sinn hat. Manchmal liegt vielleicht tatsächlich ein eigener Wert darin, dass ich eine schwierige Situation im Glauben aushalte – so wie Paulus an Timotheus schreibt: Leide mit mir für das Evangelium! Gott gibt dazu die Kraft. Oder so, wie der Prophet seine Klage auf große Tafeln schreiben soll, damit alle sehen, was gerade falsch läuft.

Aber auch dann, wenn Gott in unser Leben eingreift und Hilfe bringt, wird er das womöglich so tun, dass er uns die Weisheit und die Kraft gibt, die Dinge um uns herum zu ändern.