Erntedank
Es gilt das am 4. Oktober 2026 in St. Augustinus, Berlin gesprochene Wort.
As delivered on October 4, 2026, at St. Augustinus, Berlin.
Liebe Schwestern und Brüder im Glauben,
Das Gleichnis im heutigen Evangelium – gerade auch in Kombination mit den anderen beiden Lesungen – ist eine harte Botschaft für ein Erntedankfest, aber sie trifft den Kern.
Gott ist der Gutsherr, und diese Welt ist sein Weinberg. Er hat uns das Leben, die Natur und alle Güter anvertraut – nicht als unser unumschränktes Eigentum, sondern als Pacht. Er hat viel investiert und ging bis zum Äußersten. Er gab weitaus mehr als wir alle zusammen.
Erntedank erinnert uns: Wir sind nicht die Besitzer der Schöpfung, wir sind nur ihre Verwalter.
Die Weingärtner im Gleichnis vergaßen den Geber. Sie dachten, alles gehöre ihnen allein. Das ist die Gefahr, vor der Jesus uns warnt: die Früchte des Lebens zu konsumieren, ohne nach dem zu fragen, der sie wachsen lässt. Und er mahnt uns, nicht immer nur zu nehmen, sondern auch zu geben. Wir sind berufen, als Kinder Gottes, ihm immer ähnlicher zu werden.
Deshalb sagt Jesus am Ende des Gleichnisses: „Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, der ist zum Eckstein geworden.“ – Für uns heißt das: Lass dich nicht entmutigen, lass dich nicht klein machen. Schau auf mich!
Und er zieht die Konsequenz: „Das Reich Gottes wird von euch genommen und einem Volk gegeben werden, das seine Früchte bringt.“ – Gehöre zu mir, zu meinem Volk. Folge mir nach und bringe gute Frucht.
Geben und nehmen, erhalten und weiterschenken. Nicht aus moralischer Verpflichtung oder eschatologischer Berechnung, sondern aus dankbarer Liebe und weiser Erkenntnis.
Erntedank heißt: Gott seine Früchte zurückzugeben.
Nicht, weil er hungrig wäre, sondern weil Früchte wie Gerechtigkeit, Dankbarkeit und das Teilen mit den Schwachen die Ernte sind, die er von uns erwartet.
Lasst uns gute Weingärtner sein, die die Schöpfung bewahren und Gott voller Freude den Ertrag eines dankbaren Glaubens bringen.
Amen.

Valentina Ivanova / unsplash