Die Freude, aus seinem Leben etwas Großartiges zu machen

Predigt von P. Max Cappabianca OP zur Semestereröffnung in der KHSB

Liebe Studierenden,

Wenn man ein neues Studium beginnt, oder selbst wenn man schon weiter ist, dann ist es gut, am Anfang einen Moment innezuhalten, und grundsätzliche Fragen zu stellen. Warum mach ich das eigentlich? Welches Ziel verfolge ich? Was ist, wenn es nicht klappt? Was hat mich motiviert hierher zu kommen?

Natürlich ist so ein Gottesdienst nicht der Rahmen, um das erschöpfend zu behandeln. Vor allem ist das ja auch eine sehr individuelle Sache: Das ist für jede und jeden von anders, und jede*r muss selbst die Antwort darauf finden.

Aber was uns miteinander verbindet ist, dass wir nicht nur Lernmaschinen sind, die durch die Nudelmaschine der KHSB gejagt werden, um als gute Sozialarbeiter*innen ausgespuckt zu werden – oder Religionspädagoginnen oder welchen Studiengang auch immer ihr belegt habt. Sondern wir sind Individuen, die ganz persönlich ihren Weg suchen und gehen!

Und im Rahmen eures Studiums wird eure Persönlichkeit, eure Wünsche und Träume, Eure Befürchtungen und Ängste, eure Hoffnungen und Ideale einen ganz wichtigen, wenn nicht den entscheidenden Teil ausmachen.

Nicole und mir als Seelsorger:innen an der der KHSB ist es ein Anliegen, euch heute daran zu erinnern, dass ihr mit ganzer „Seele“ in das Semester geht. Das Wort klingt altmodisch, aber da steckt eine tiefe Wahrheit dahinter: Ihr seid nicht nur die Summe eures Wissens, das ihr euch aneignen werdet. Ihr seid noch nicht einmal die Summe eurer Lebensgeschichte, die euch zu dem gemacht hat, was ihr jetzt seid, denn ihr seid vor allem Potential, was noch zur Entfaltung gebracht werden will.

Ganz tief in euch in der Seele ist ein Raum, in dem die ganz große Fragen gestellt werden und um den ihr euch kümmern müsst – erst recht, wenn ihr ein Studium aufnehmen wollt, bei dem es Menschen geht, wie es bei euch der Fall ist.

Das besondere an diesem „Seelenraum“ ist, dass da andere Gesetze gelten als sonst. Da gelten nicht die Gesetze der Logik. Auch nicht die Gesetze der Wissenschaft. In der heutigen Lesung haben wir gehört: „Sorgt euch um nichts. Und der Friede Gottes, der alles Verstehen übersteigt, wird eure Herzen und eure Gedanken in Christus Jesus bewahren.“ Wenn es mal nicht so läuft, dann wünsche ich Ressourcen des Trostes, aber auch die Kraft wieder aufzustehen – und das ist nun mal eine Kraft, die „alles Verstehen übersteigt“.

Ich möchte euch heute für eure Studienbeginn Mut machen! Es wird nicht immer einfach sein. Manchmal werdet ihr Dinge tun müssen, die keinen Spaß machen! Studieren nervt oft. Und die Professor*innen auch. Ihr werdet hoffentlich eine tolle Zeit mit den Mitstudierenden haben. Aber auch da kann es manchmal krachen, und das ist gut so. Manche Freundschaft fürs Leben kann sich ergeben…

Eins vorweg: Soweit ich die KHSB kenne, wir man hier nicht glücklich, wenn man mit Duckmäuserei durchkommen will. Glücklich wird man hier, wenn man sich voll einbringt, wenn man mit Herzblut dabei ist! Mit Leib und Seele! Und das bedeutet, dass es aber gute und weniger gute Zeiten gibt. Und die schwierigen Zeiten sollen uns nicht mutlos machen. Das ist gemeint, wenn es heißt „Und der Gott des Friedens wird mit euch sein.“

Diesen Seelenraum haben wir jetzt in den Blick genommen. Und da spielt es auch gar keine Rolle, welcher Religion man angehört, oder ob man überhaupt einen Glauben hat. Entscheidend ist, dass man diesen Raum in unserm Innern offenhält. Immer wieder hinhört – innehält und auf seine Seele achtet. Wir tun das heute, und wir werden es im Laufe des Studiums immer wieder gemeinsam tun. Macht es auch für euch individuell. Macht es mit vertrauten Menschen. Auch wir Seelsorger*innen sind für euch da.

Entscheidend ist: Seid gut zu eurer Seele. Nehmt sie heute mit auf dem Weg in das Abenteuer Studium an der KHSB! Als Christ glaube ich, dass Gott diesen Seelenraum ganz besonders schützt.

Meister Eckhart, ein Mystiker des Mittelalters, spricht vom Seelenfünklein. Religion ist die Weisheit, die um diesen heiligen Ort in uns weiß. Und wenn Nicole und ich ich am Ende einen Segen für euch sprechen, dann ist dies nichts anderes als eine Bitte, dass er euch in jedem Augenblick eurer Studiums an der KHSB zur Seite steht, vielleicht grade dann, wenn ihr es am wenigsten spürt. Dass er Kraft gibt! Dass er euch Mut schenkt! Und die Freude, aus eurem Leben etwas Großartiges zu machen. Amen.