Alles Neu?!
Liebe Gemeinde,
wie würde deine perfekte Welt aussehen, wenn du sie neu schaffen könntest?
In der zweiten Lesung aus der Offenbarung ist „Alles Neu“ das Thema, könnte man sagen.
Dazu kam mir das Lied „alles neu“ von Peter Fox in den Sinn.
Dort heißt es: „Hey, alles glänzt
So schön neu (Yeah, yeah, yeah)
Hey, wenn’s dir nicht gefällt
Mach neu (Wouh)
Die Welt mit Staub bedeckt
Doch ich will seh’n, wo’s hingeht“
Alles neu ist das Programm für die Lesung aus der Offenbarung.
Neuer Himmel, neue erde, eine neue Stadt Jerusalem.
„Seht ich mache alles neu.“
Ein scheint das zu der Zeile „wenn’s dir nicht gefällt, mach neu“ zu passen. Aber schafft Gott einen neuen Himmel und eine neue Erde, weil die alten nicht gut genug waren oder ihm nicht mehr gefallen haben?
Im Gegenteil. In der Schöpfungsgeschichte heißt es, „Gott sah, es war sehr gut“.
Der neue Himmel und die neue Erde sind keine Verbesserungen, weil es nicht gut war oder Gott nicht gefallen hat.
Gott schafft etwas ganz Neues. Es wird nichts altes verbessert oder erneuert. In der Apokalyptik geht es um ein transformatives Handeln Gottes, eine grundlegende Erneuerung. Typisch für Apokalypse.Apokalypse- Schleier heben, etwas wird sichtbar. Hier ist es die neue Stadt.
Dabei knüpft Johannes an das Schöpfungshandeln Gottes in Genesis an und wandelt es zugleich. Begann die Schöpfung mit einem Garten, so liegt hier der Fokus auf einer Stadt, dem neuen Jerusalem. Diese ganze Stadt wird zum Wohnort Gottes.
Eine Stadt, wie sie Cassandra Steen und Adel Tawil im Lied Stadt besingen:
„Eine Stadt, in der es keine Angst gibt, nur Vertrau’n
Wo wir die Mauern aus Gier und Verächtlichkeit abbau’n
Wo das Licht nicht erlischt, das Wasser hält
Und jedes Morgenrot und der Traum sich lohnt
Und wo jeder Blick durch Zeit und Raum in unsre Herzen fließt“
Eine Stadt ohne Trauer, Tränen und Tod. Ohne Diskriminierung, und wo alle Menschen sie gleichen Rechte und die gleiche Würde haben.Wo man Gott nicht suchen muss, sondern Sie schon da ist.
Dort stellt sich nicht mehr die Frage, wo wir Gott im Beton-Dschungel finden.
Doch das ist die Zukunft- was bedeutet das für uns im hier und jetzt, wo wir Gott suchen?
Da hilft ein Blick in das Ev weiter.
Es ist der Beginn der Abschiedsrede Jesu, eine programmatische Rede, die mit seinen Jünger*innen führt.
Zentral in diesem Abschied ist das neue Gebot, das Jesus den Seinen gibt.
„Liebt einander! Wie ich euch geliebt habe, so sollt ihr auch einander lieben.“
So lautet Jesu neues Gebot. Doch so neu ist es gar nicht. Das Liebesgebot findet sich schon alten Testament
„Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Ich bin der HERR.“
Das Neue am Gebot von Jesus ist, dass er es mit sich selbst, mit der Hingabe für die Seinen am Kreuz verbindet.
Alles neu?! Ja und nein. Ein altes Gebot, das für die die Jünger*innen damals und uns heute eine neue Bedeutung hat, da es uns mit Jesus verbindet. Es ist neu, weil es den Bezug zu Jesus hat und damit auch zu seiner Botschaft vom Reich Gottes. Das auch auf die neue Erde und Himmel verweist. Keine Trauer, keine Tränen mehr, und auch keine Diskriminierung.
Mit dem neuen Gebot lädt uns Jesus ein, an einer Welt mitzuarbeiten, die erfüllt ist von dieser Liebe.
Eine Stadt, in der es keine Angst gibt, nur Vertrau’n
Wo wir die Mauern aus Gier und Verächtlichkeit abbau’n
Wo das Licht nicht erlischt, das Wasser hält
Indem wir einander lieben und diese Liebe weitergeben. Darin zeigt sich Gott.
Solange die neue Stadt, neuer Himmel und Erde noch nicht da sind, ist es unsere Aufgabe, das Gebot Jesu zu erfüllen, einander zu lieben, Gott in der Stadt zu suchen und an der Stadt Gottes mitzubauen.
Amen.

