Keine Sorge, Gott geht mit.
Es gilt das am 18. Oktober 2026 in St. Augustinus, Berlin gesprochene Wort.
As delivered on October 18, 2026, at St. Augustinus, Berlin.
Keine Sorge- Gott geht mit
Unter diesem Motto steht das Wintersemester in der KSG
Eine Zusage zum Start ins Studium, ins neue Semester, in die Ausbildung und auch für den Arbeitsalltag
Zusage, dass Gott da ist, mich begleitet und ich nicht alleine bin, wenn ich mich mit Anfragen vom Bafög-Amt ärgere, planlos auf das VL-Verzeichnis schaue oder so gar keine Lust auf die Aufgabe habe, die mein Chef mir zugeteilt hat.
Auf diese Zusage Gottes darf ich mich verlassen
Und ich darf sie auch weitergeben, ausstrahlen- auch wenn es nicht immer einfach ist, frei von meinem Glauben, meinem Christin-Sein zu erzählen und ich oft angefragt werde, mit Vorurteilen konfrontiert werde. Das erfordert Mut und Durchhaltevermögen.
Vor allem in Berlin. Als ich vor 2 Jahren hergezogen bin, war ich total fasziniert von Berlin, so viele Angebote, so viele Möglichkeiten und habe schnell gemerkt, dass diese Vielfalt auch überfordert. So/Zu viele Angebote und Möglichkeiten.
„Willkommen im Erwachsensein“ heißt ein Lied aus dem Musical Kudamm 59.
„Willkommen im Erwachsensein, keiner lügt so schön wie wir.
Willkommen in der Einsamkeit, keiner lügt so schön wie wir.
Gestern Nacht hab ich geträumt ich wäre ein Kind,
und ich war glücklich ohne Angst und alles stimmt.“
Ich kann das Gefühl des Liedes verstehen, als Kind, im Kindergarten war vieles einfacher, schöner. Keine Steuererklärung, ich musste nicht versuchen, irgendwie noch in die Vorlesung reinzukommen und mich nicht mit Anträgen und Wohnungssuche rumschlagen.
Es braucht Mut und Durchhaltevermögen, in Berlin anzukommen und auch mit Anfragen, was mein Christ-sein angeht, umzugehen.
Da hilft auch ein Blick ins Evangelium. Jesus stand in seinem Leben vielen Anfragen gegenüber. Meistens von den Pharisäern, der religiösen Elite, die ihn mit ihren Fragen auf die Probe stellten und überführen wollten. Auch in der Stelle von heute stellen ihn die Pharisäer mal wieder auf die Probe und wollen ihn mit ihrer Frage in eine Falle locken. Dürfen/Sollen Christen Steuern zahlen? -> Fangfrage
Jesus ist klar, dass die Pharisäer ihn vorführen wollen und antwortet ziemlich geschickt, indem er einfach nicht antwortet bzw. sehr offen.
„Gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört und Gott, was Gott gehört!“
Schöne offene Antwort für die Pharisäer, ich hätte heute gerne eine klare Antwort, was Jesus damit gemeint hat.
Holt gerne mal eine Münze heraus und schaut sie euch an. Auf der einen Seite ist der Zahlwert und auf der anderen Seite an Abbild von etwas landestypischen, in manchen Ländern ein König oder ein Gebäude, der Adler,…
Auf der Münze im röm. Reich war der Kaiser, der pontifex maximus, abgedruckt -> Religion und Politik verbunden. Das ist die spannende Frage für die Jünger*innen und Jesus und der Punkt, womit die Pharisäer ihn auf die Probe stellen wollen. Erkennen Sie den vom Kaiser auch als rel. Herrscher an?
-> Jesus antwortet: gebt dem Kaiser (zurück), was dem Kaiser. Es ist klarr, die Jünger*innen sind Teil des Staates und damit auch normale Bürger mit allen Rechten und Pflichten. So wie auch wir als Christ*innen alle Rechten und Pflichten als Bürger*innen des Staates haben und nutzen, wie wählen, tw. auch Steuern zahlen, Religionsfreiheit usw.
Dem Kaiser gehört die Münze. Gebt dem Kaiser zurück, was dem Kaiser gehört -> Steuer zahlen geht also klar.
Wichtiger/Spannender ist der zweite Teil: gebt Gott, was Gott gehört.
Jede Münze hat eine Prägung und auch wir Menschen haben eine Prägung. Gott hat uns als sein Ebenbild geschaffen. Wir sind geprägt von/durch ihn. Haben Würde und Wert, einen unmessbaren, unbezahlbaren Wert -> denn Gott hat uns als sein Ebenbild, ihm ähnlich geschaffen und zwar gut! Das ist eine Zusage an uns.
Eine Zusage von Gott, dass jede*r von uns wertvoll ist, und eine Würde hat, einfach weil wir sind, dafür müssen wir nichts leisten, keine Qualifikationen oder Punkte vorweisen. Ich bin wertvoll, ganz unabhängig von meine Leistung- einfach, weil ich bin.
Und das darf ich mir zusagen lassen, mir bewusst machen, vor allem in Situationen, in denen ich gefordert, angefragt bin. Wo das Prüfungsamt, der Chef, …, Sachen von mir wollen, Leistungen, Nachweise, … Wenn da viele über mich, meinen Wert, meine Leistung verfügen wollen, mir sagen- ich gehöre nicht euch- Ermutigung/Entlastung, dass ich wertvoll bin und meinen Wert nicht beweisen muss.
Und das auch zu zeigen, im Reden und Tun. Gebt Gott, was Gott gehört, stellt uns vor die Frage, ob wir das auch in unserem Leben, in unsere, Reden und Handeln verkörpern?
Es ist ein Auftrag, vom Christsein zu erzählen, wenn ich gefragt werden. Das ist nicht immer leicht in Berlin. Da bekommt man schon mal schräge Blicke oder auch nicht so freundliche Kommentare, wenn ich erzähle, dass ich glaube oder sogar bei der katholischen Kirche arbeite und doch ergeben sich auch immer wieder schöne Gespräche.
Gebt Gott, was Gott gehört -> Ich kann und darf mir immer wieder bewusst machen, dass ich Gottes Ebenbild bin, wenn ich in meinen Geldbeutel schaue und eine Münze mit ihrer Prägung betrachte.
Ich bin Gottes Ebenbild, geliebt und gewollt, mit Würde ausgestattet und frei meine Entscheidungen zu treffen, meinen Weg zu gehen. Keine Sorge, Gott geht mit. Amen.

Young-Kyung Kim / unsplash