Alex Jackmann / unsplashBild: Alex Jackmann / unsplash

Hoffnung. Immer noch und immer wieder neu

© Nicole Oster
Es gilt das am 02. August 2026 in St. Augustinus, Berlin gesprochene Wort.
As delivered on August 2, 2026 at St. Augustinus, Berlin.

Fünf sind geladen, zehn sind gekommen. Gieß Wasser zur Suppe, heiß alle willkommen.
So könnte man auch das heutige Evangelium zusammenfassen.
Das wäre eine kurze Predigt und wir kämen schneller zum Essen
Aber wäre doch ein wenig zu einfach und wird dem Evangelium nicht gerecht.
Schauen wir auf den Ausgangspunkt des Evangeliums.
Wenige Verse vorher wird von der Enthauptung Johannes des Täufers berichtet. Johannes, der für viele eine Hoffnungsfigur war und für den Messias gehalten wurde.
Das Volk braucht neue Hoffnung. Am Anfang steht Verzweiflung, Trauer und Sorge. Auch Jesus von Trauer erfüllt, sucht eigentlich die Abgschiedenheit des Berges zur Trauer, zum Beten.
Aber das Volk sucht ihn, seine Worte, neue Hoffnung.
Er hätte auch wegschicken können, sich zurückziehen, die Jünger vorschicken. Aber er widmet sich dem Volk. Hat Mitleid, heilt und hört bestimmt auch zu, erzählt. Denn er fühlt mit ihnen, fühlt, dass sie Hoffnung, Trost, Zuspruch brauchen.
Jesus merkt die Trauer der Menschen, was sie von ihm erwarten, und vielleicht merkt er bei sich innen auch, dass ihm Gemeinschaft doch gut tut.
Miteinander das Schwere aushalten, teilen und gemeinsam wieder Hoffnung schöpfen.
Das ist die Hoffnung, von der auch Paulus in der Lesung geschrieben hat. Die Gewissheit, dass nichts uns von der Liebe Gottes trennen kann.
Die Hoffnung und das Vertrauen auf Gottes Liebe. Als Christen haben Verzweiflung, Resignation, Angst nicht das letzte Wort. Das ist unsere Basis, die Grunderfahrung von Gott geliebt zu sein.
Das bedeutet nicht, dass ich schweren Momenten etwas positives abgewinnen muss.
Da wäre Beschönigen. Trauer hat ihren Platz. Auch Angst und Verzweiflung. Es gibt Momente in unseren Leben, die einfach bescheiden sind. Die wir aushalten müssen.
Wie das Attentat auf den CSD, der Verlust eines Elternteils, wenn ich die Politik und das Weltgeschehen so beobachte- Weltschmerz spüre. Diese Gefühle haben ihren Platz.
Ich darf trauern, zweifeln, Angst haben – aber diese Gefühle behalten nicht die Oberhand.
Denn da ist die Hoffnung, dass wieder Licht kommt. Die Grunderfahrung von Gott geliebt zu sein. Das ist der Anhaltspunkt für unsere Hoffnung
Dies Hoffnung gibt mir auch den Mut aufzustehen, ganz aktuell im Blick auf das letzte Wochenende, das Attentat auf den CSD. Auch da trägt mich die Hoffnung, macht mir Mut aufzustehen, gegen Instrumentalisierung von Politik und auch von katholischen Priestern, die das Attentat als Zeichen Gottes gegen die queere Communitiy auslegen. Die Hoffnung gibt mir Mut, für die Liebe und das Leben einzustehen.
Die Hoffnung, die wir Christen haben, verneint nicht die Trauer oder die Angst.
Die Hoffnung zeigt uns einen Weg, bringt Licht und macht Mut.
Wir dürfen zweifeln, trauern, Angst haben, uns auch zurückziehen- doch die Basis der Liebe Gottes, die Hoffnung auf eine gute, bessere Zukunft bleibt.
So wie Jupiter Jones in einem Lied singen „du fragst auf das Leben“ und ich sag „immer noch“. Ich habe immer noch Hoffnung, Hoffnung auf eine Welt, wie sie Gott verheißt, eine Welt, die gut ist, voll Hoffnung und Liebe.
Diese Hoffnung ist was Jesus der Menschenmenge mitgibt, zurückgibt. So wie Jesus dem Volk, Männer, Frauen und Kindern Hoffnung zurückgibt
Gemeinsam trauern sie und schöpfen wieder neue Hoffnung.
Durch Gemeinschaft, zuhören und gemeinsames Essen – sie sind eingeladen zum Bleiben, denn bei Jesus ist für alle Platz
Jede*r ist willkommen; Keine Türsteher, die Leute wegschicken; offene Türen und Herzen.
Das ist auch, was wir Sonntags feiern
Die Gemeinschaft
Wir alle, die wir zusammen kommen
Mit unseren Gefühlen – so ganz unterschiedlich bilden eine Gemeinschaft und teilen: Brot & Wein, Gefühle, Sorgen, Hoffnungen.

Komm wie du bist
Und bring alles an dir mit
Komm wie du bist
Hier ist Platz für dich
Amen.