Dreifaltigkeit

© P. Felix Meckl
Es gilt das am 31. Mai 2026 in St. Augustinus, Berlin gesprochene Wort.

Liebe Geschwister in der Hoffnung,
Das Herz unseres Glaubens, das wir heute feiern, ist keine trockene Theorie, sondern ein lebendiges Geheimnis der Liebe. Gott ist dreifaltig: Vater, Sohn und Heilige Geistkraft. ER ist der barmherzige Schöpfer, der uns rettende Bruder und die verheißende Liebe in unserer Mitte.
„Der Herr ist ein barmherziger und gnädiger Gott, langmütig und reich an Huld und Treue.“ So hörten wir es gerade in der ersten Lesung aus dem Buch Exodus (Ex 34, 6). Mose durfte diese Erfahrung am Berg Sinai machen. Und im Evangelium (Joh 3, 16–18) fasst Johannes das Zentrum unseres Glaubens in die unsterblichen Worte: „Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat.“
Die Heilige Geistkraft wird selten explizit erwähnt. Sie ist die Realität, die wir wahrnehmen. Sie hat uns hier zusammengeführt, lässt uns danken, singen, bitten und beten. Sie durchweht Raum und Zeit, Wort und Klang wie unser Atem.
Dreifaltigkeit. Trinität. Ein philosophisches Konstrukt, lange nach Jesus von Nazareth erdacht, entwickelt in unzähligen – teilweise sogar blutigen – Diskussionen.
Für viele klingt es heute noch nach einer komplizierten Rechenaufgabe:
Wie kann einer drei sein und drei einer?
Auch viele Bilder wirken uns fremd, irritieren.
Unser Gottesbild scheint ein unlösbares Rätsel für unseren menschlichen Verstand. Doch darf uns das nicht schrecken!
Jede Rede von Gott war, ist und bleibt nur Stückwerk. SEINE resp. IHRE Größe und Vielfalt, sein Wirken und ihre Liebe können wir nur bruchstückhaft wahrnehmen, geschweige denn verstehen.
Weil Gott aber real ist, da ist, mit uns Menschen mitgeht durch alle Höhen und Tiefen, in alle Erfahrungen und Entwicklungen, müssen wir uns immer wieder neu dieser Existenz stellen und versuchen IHN respektive SIE für uns zu deuten.
So möchte ich Sie heute einladen, die Dreifaltigkeit mit ganz anderen Augen zu betrachten – durch die Linse einer kulinarischen Spezialität, die wir alle sicher kennen: dem Fürst-Pückler-Eis.
Dieses Eis, berühmt geworden durch den preußischen Offizier und Landschaftsarchitekten Fürst Hermann von Pückler-Muskau (1785 bis 1871), besteht bekanntlich aus drei Schichten: Schokolade, Vanille und Erdbeere.
Drei Geschmacksrichtungen. Drei Farben. Drei völlig unterschiedliche Charaktere. Und doch sind sie untrennbar miteinander verbunden.
Dem Wesen nach sind sie eins, als gefrorene Sahne mit Zucker, aber dennoch ganz individuelle Geschmackserfahrungen. Zusammen bilden sie das Fürst-Pückler-Eis. Ob das Eis seines Hofkoches Louis Ferdinand Jungius für den überzeugten Monotheisten Pückler im Kochbuch von 1839 als Gottesbild geschaffen wurde, bleibt Spekulation.
Doch lassen wir uns diesen dreifachen Genuss einmal auf unserem gläubigen Gaumen zergehen:

Die Schokolade: Gott, der Vater – fester Grund und Schöpfer der Erde
Dunkel, kräftig, intensiv und erdig. Schokolade ist der Teil des Eises, der Substanz hat. So ist Gott, der Vater. ER ist der felsige Grund unseres Lebens. ER ist der Schöpfer, der uns Halt gibt. Wie die dunkle Schokolade uns oft ein tiefes, sattes Aroma schenkt, so ist Gott der Ursprung, aus dem wir schöpfen. ER ist der, der uns ins Leben gerufen hat, uns aus der braunen Erde geformt hat und uns beständig treu mit Fülle beschenkt.

Als zweites: Die Vanille: Gott, der Sohn – Die sanfte Hingabe, die alles durchwirkt
Hell, zart, lieblich und vertraut. Sie schmilzt auf der Zunge und versöhnt selbst Widersprüche. So ist Jesus Christus, der Sohn. ER ist die Menschwerdung Gottes. ER ist nicht gekommen, um zu richten, sondern um zu retten. ER macht Gott für uns liebevoll nah, süß und sinnlich erfahrbar. Wie die Vanille eine milde Süße in das Eis bringt, so bringt Jesus die Liebe Gottes direkt in unser Leben. ER zeigt uns, wie Gott ist: sanftmütig, heilend, den Menschen liebevoll zugewandt.

Schließlich die Erdbeere als Heilige Geistkraft – Eine spritzige Frische, die aus den kalten Tagen ins Leben in Fülle weist
Fruchtig, lebendig, erfrischend ist sie; manchmal überraschend säuerlich. Das ist ruach, die Heilige Geistkraft. SIE ist die Kraft, die in uns wirkt und uns antreibt. SIE weht, wo SIE will. SIE bringt Farbe und Lebendigkeit in unser Glaubensleben. SIE ist diejenige, die uns die Augen öffnet und uns die Botschaft Jesu frisch und lebendig schmecken lässt.

Das Entscheidende, liebe Schwestern und Brüder im Glauben, ist aber: Jede Sorte schmeckt anders. Kein langweiliges einseitiges Wahrnehmen jener großen Fülle, die Gott uns gewährt.
Wenn man die drei Geschmäcker zusammen auf dem Löffel hat, entsteht ein harmonisches Ganzes. Ein Geschmackserlebnis, das mehr ist als die Summe seiner Teile.
So ist unser Gott. Er ist der eine Gott, aber er begegnet uns in dieser dreifachen Vielfalt.
ER ist uns nah als Schöpfer, der uns hält.
ER ist uns nah als Bruder und Retter, der uns den Weg zeigt.
Und SIE ist uns nah als ständige Inspiration und Lebenskraft in unserem Alltag.
Gott ist nicht fern und starr, vertrocknet und alt, verstaubt oder fremd. Er ist nicht eindimensional oder aus leblosem Material gezimmert.
Unser Gott ist vielfältig, dynamisch, lebendig. Gott ist in sich selbst schon eine Gemeinschaft der Liebe. Und zu genau dieser Gemeinschaft der Liebe lädt Gott uns ein.
Wir dürfen an diesem Dreifaltigkeitssonntag staunen, dass Gott uns so unfassbar liebt. ER liebt uns so sehr, dass ER sich uns in all diesen Facetten schenkt – damit für jeden von uns etwas dabei ist, das uns nährt, erfreut und in jeder Krise auch erfreut und rettet.
Lassen Sie uns Gott in seiner Dreifaltigkeit nicht als unlösbares Rätsel oder halbseidene Darstellung betrachten, sondern als ein wunderbar, stets neues Geschenk annehmen, das darauf wartet, von uns genossen, geliebt und geteilt zu werden. Amen.