To celebrate our loneliness. Wir sind allein! Allein, allein, allein, allein.
Es gilt das am 17. Mai 2026 in St. Augustinus, Berlin gesprochene Wort.
Wir sind allein…
Dieses Lied hat mich berührt, ab dem Moment, als ich es zum ersten Mal gehört habe. Ich wusste nicht weshalb, habe es immer und immer wieder gehört. Es brannte sich ein, wurde zum Ohrwurm. Schließlich fand ich heraus, warum mich dieses Lied so trifft: es ist die Widersprüchlichkeit zwischen Aussageinhalt und Wirkungsmacht der Melodie.
Wir sind allein.
Damit geht es schon mal los.
Der Text ist ein Oxymoron. Ein WIR ist doch nicht allein. Klar, eine kleine Gruppe kann sich in der Wüste alleine fühlen.
Aber der Widerspruch ist virulent: WIR sind mindestens zwei und damit ist Mann respektive Frau nicht allein. Es gibt ein Gegenüber, ein Nebeneinander, ein Miteinander ist möglich. Aber es ist eben nur möglich; nicht gesetzt oder gesichert wahrnehmbar.
In Deutschland fühlen sich etwa 19 Prozent der Menschen manchmal oder häufig einsam. In Berlin berichten Umfragen zufolge sogar bis zu 50 Prozent der Großstädter von Phasen der Isolation. Bei 56 % Singlehaushalten, nicht verwunderlich.
Zwischen Einsamkeit und Alleinsein jedoch herrscht ein großer Unterschied. Einsam ist man in einer 4 Millionenstadt selten: weder im ÖPNV noch in Geschäften und Behörden, Museen oder Kneipen. Auch in den Wohnungen hört man – mal mehr mal weniger nervig – die Nachbarn trampeln, sprechen oder Musik hören.
Allein sein ist mehr ein Zustand, denn das Gefühl, das uns – und ich glaube eine jede und einen jeden von uns – immer wieder einmal quält. Gegen Einsamkeit kann ich aktiv etwas tun: ich kann rausgehen aus meiner Wohnung, kann einem Verein beitreten oder mich einer Gemeinschaft wie der KSG anschließen. Einsamkeit wird dadurch gebrochen.
Gegen das Alleinsein mag das helfen, aber nicht automatisch.
„We look into faces, wait for a sign. Wir sind allein. A prisoner behind the walls.“
Gegen das Alleinsein hilft nur seine Haltung zu ändern.
Dafür spricht Jesus seine vielen Zusagen. Genau das üben wir ein in diesen zehn Tagen zwischen seiner Himmelfahrt und dem Pfingstfest.
„Du magst einsam sein, du magst dich allein fühlen: ich aber bin immer bei dir. Ich bleibe bei dir, wie ich bei dir war. Die alte Zusage des Vaters im brennenden Dornbusch gilt – beständig in Raum und Zeit und ewig neu, besonders für dich, der du mich gerade brauchst.“
Jesu Aussage geht sogar noch weiter. ER sagt: „ich komme wieder. Ich sende euch eine Trösterin. Ich lasse euch nicht zurück. Ich gehe und bereite vor. Ich sorge für dich.“
Das hilft gegen das lähmende, schmerzende, angstmachende Gefühl des Alleinseins.
Ob die Jüngerinnen und Jünger sich allein gefühlt haben, als sie sich eingeschlossen hatten in den engen alten Raum im Obergeschoss und gebunden im Gebet ausharrten auf bessere Zeiten, wissen wir nicht. So ein Sich-Einhausen birgt jedoch immer die Gefahr über die Einsamkeit auch abzudriften ins Alleinsein.
„He’s livin‘ in a universe; a heart away. Inside of him there’s no one else; just a heart away. The time will come to be blessed; a heart away; to celebrate his loneliness“ Singt Polarkreis 18 aus Dresden gleich zum Auftakt seines bekanntesten Liedes, das sich 2008 insgesamt 49 Wochen in den Deutschen Charts hielt.
Diesen einen Herzschlag entfernt ist die Heilige Geistkraft. Sie erwarten wir in diesen Tagen; erbitten, ja erflehen sie. In so mancher Novene immer flehentlicher. „Komm, Heiliger Geist. Schaff das Leben neu. Erfülle uns und die ganze Welt.“
Und in diesem Erhoffen und Ersehnen, in diesem Herbeiwünschen und Vertrauen wird die christliche Dimension des Alleinseins klar:
Niemals sind wir allein, deshalb können wir in dieser energiegeladenen beschwingten Melodie als Chor rufen: Wir sind allein. Die Heilige Geistkraft gibt uns den Mut dazu, gibt uns die Kraft dazu, öffnet uns den Blick weder an Einsamkeit noch an manchmal gefühltem Alleinsein zu verzweifeln.
Die Geistkraft wird kommen und sie ist schon da. Seit dem ersten Atemzug in uns lebendig. Mit der Taufe geheiligt. In der Firmung bekräftigt.
Erflehen wir sie neu für dieses Jahr, in dem wir stehen und vertrauen wir als Chor, dass alles, was Gott Jesus geschenkt hat, er auch uns schenken will: die Liebe, die Gewissheit und ein Leben in Fülle. Amen.

Geoffroy Hauwen / unsplash