Here I am – hier bin ich

© Nicole Oster
Es gilt das am 10. Mai 2026 in St. Augustinus, Berlin gesprochene Wort.
As delivered on 10 May 2026, at St. Augustinus, Berlin.

Here I am, Lord, is it I Lord?- hier bin ich, Gott

So haben wir beim Zwischengesang gesungen.

Here I am, hier bin ich. Send mich her, denn hier bin ich.

Hier bin ich. Mit allem, was mich ausmacht, meinen Fehlern und Schwächen, meinen Talenten und meinem Wissen, meinen Fragen und Zweifeln, Unsicherheiten, meinen Ideen und Fähigkeiten.

Hier bin ich. Auch als Pastoralreferentin, Katholikin, Frau in der Kirche, als Predigerin. Wie viele Frauen im Rahmen der Predigerinnentage.

Hier bin ich, sage ich heute und stelle mich damit in eine Reihe von Frauen in Bibel und Kirchengeschichte gesagt haben „hier bin ich, hier ist mein Platz“ und „ich gehe hier nicht weg.“

Manchmal ist ihr „hier bin ich“ laut, raumfüllend, manchmal eher leise und füllt die Zwischenräume und mal in Taten, mal in Wort und Schrift. Und oft wurde/ wird es kleingehalten, wurde versucht, es zum Verstummen zu bringen. Doch es ist weiterhin zu hören.

Alle Frauen der Bibel und Kirchengeschichte aufzuzählen, würde zu lange dauern, aber auf ein paar möchte ich doch hinweisen.

Da sind die Erzmütter, Rebekka, Lea & Rahel. Was wäre ohne Saras Lachen, ohne Rebekkas Segen für ihre Söhne?

Da sind die Frauen im Stammbaum Jesus: Rahab, Tamar, Batseba und Rut. Sie haben einen prominenten Platz im Neuen Testament gefunden. Und das als Frauen, deren Lebenswandel nicht besonders schicklich war, als Ausländerinnen und als Personen, die sich selbst für ihr Schicksal eingesetzt haben.

Und dann sind da zwei Marias.

Zum einen Maria, die Mutter Jesu. Da könnte man jetzt sagen, aber deren „hier bin ich“ ist doch laut, sie ist bekannt und hat einen Platz in der Kirche. Das stimmt, wobei meiner Meinung nach, ein paar Aspekte von ihr in den Hintergrund gerückt sind.

Vor allem im Blick auf das magnificat, ihr Loblied auf Gott- und was für ein Loblied

„Meine Seele preist die Größe des Herrn“ Diese Zeile ist bekannt und meistens bleibt es bei dieser Zeile, doch es geht noch weiter.

„Er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die niedrigen, die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben und lässt die Reichen leer ausgehen“ spricht von Gottes umwälzender Kraft, die Machtverhältnisse auf den Kopf stellt. Maria singt: ich bin da, und vertraue auf Gott und seine umwälzende, revolutionäre Kraft. Maria ist nicht nur demütig, sondern auch kraftvoll und aktiv.

Und dann ist da noch Maria Magdalena. Apostelin, Zeugin der Auferstehung, die von Jesus persönlich einen Sendungsauftrag erhält. Doch in der Kirchengeschichte wurde ihr „hier bin ich“ (fast) zum Verstummen gebracht, wurde sie zur Sünderin gemacht, degradiert. Erst seit ein paar Jahren wird sie wieder als Apostelin der Apostel gefeiert.

Da sind noch viel mehr Frauen in Bibel und Kirchengeschichte, die in Worten, Taten oder schriftlich zeigen „Hier bin ich“.

Wie Katharina von Siena, unsere Patronin Edith sein, Mystikerinnen wie Teresa von Ávila oder auch heute: Frauen, die auf dem Synodalen Weg aktiv sind und in sozialen Medien Zeugnis von ihrem Glauben ablegen und Räume einnehmen.

Räumen, in denen wir Frauen manchmal nicht gerne gesehen sind, und doch sind wir da und bleiben da.

Here I am Lord, I will go Lord!

Ich darf mich trauen Platz einzunehmen. So wie’s zu mir passt. Laut oder leise, auf Social Media, im Schreiben, sprechen, in Taten oder Worten,…

Ich darf Raum einnehmen und Platz beanspruchen. In Kirche, Gesellschaft, in Arbeit und Studium und auch hier in der KSG. Darf meine Fragen stellen und meine Themen einbringen, mitgestalten und auch verkündigen, denn dazu ist jede und jeder von uns berufen.

Ich darf Raum einnehmen, mit allem, was mich ausmacht. Denn jede*r von uns ist gerufen.

Here I am Lord!

Das ist nicht immer leicht. Manchmal übernehmen Zweifel und Angst die Oberhand.

Doch hier kommt das Evangelium von heute in Spiel.

Es ist ein Teil von Jesu Abschiedsrede und die Jünger sind ängstlich, wissen nicht, wie sie weiter seine Botschaft verkünden sollen, sind auf der Suche nach ihrem Platz. Jesus verspricht ihnen: Ich bin da, ich werde immer da sein. Vertraut auf meine Liebe und haltet meine Gebote, dann bleibt ihr bei mir und ich stärke euch. Durch meine Liebe und durch die Heilige Geistkraft.

Diese Zusage gilt den Jünger*innen damals und gilt uns, jeder und jedem Einzelnen auch heute.

Mit dem Bewusstsein, dass da jemand ist, die mir den Rücken stärkt, mir Mut und Inspiration gibt und mir Sachen zutraut, kann ich selbstbewusst sagen

HIER BIN ICH! Amen.