Zhuo Cheng you / unsplashBild: Zhuo Cheng you / unsplash

3. Ostersonntag

© Nicole Oster und Felix Meckl
Es gilt das am 19. April 2026 in St. Augustinus, Berlin gesprochene Wort.

Nicole Oster: Zukunft mit Gott – ich finde das ein echt schönes Motto. Und das passt so gut zum Frühling, zu Ostern…
Zukunft mit Gott ist bunt, vielfältig, Gemeinschaft und ein freundliches, friedliches Miteinander, Lachen, Tanzen, Gesang…
Felix Meckl: Naja, also, ich weiß ja nicht. Zukunft mit Gott? Man müsste schon fast eine rosarote Brille aufhaben, wenn du da so erzählst. Ich finde, du übertreibst…
NO: Was stört dich denn so an dem Thema?
FM: Kann man wirklich so begeistert von einer Zukunft mit Gott reden in einer Welt, die voller Krieg ist? Wo sich selbst der Papst und der amerikanische Präsident öffentlich streiten? Wo Schwächen ausgenutzt, die Kleinen kleingehalten werden? Da steckt für mich nicht viel Zukunft drin. Oder schau mal in die Kirche in Deutschland, mit ihren Grabenkämpfen und fundamentalistischen Gruppen. Da ist für mich kein Gott mit Zukunft.
NO: Ich kann deine Gedankengänge verstehen. Für mich zeigen gerade diese Ereignisse in der Welt und den Kirchen, dass wir an einer Zukunft mit Gott arbeiten müssen. Zukunft mit Gott ist nicht einfach von heute auf morgen da. Wir müssen schon mitarbeiten. Und das finde ich schön, dass wir diese Zukunft mitgestalten können.
FM: Klingt nach Arbeit.
NO: Nach schöner Arbeit. Ich sehe da sehr viele Gestaltungsmöglichkeiten und jede*r kann sich mit seinen Talenten und Ideen einbringen. Gemeinsam unterwegs sein. So wie wir es eben im Evangelium gehört haben. Gemeinsam unterwegs sein, durch Tiefen und Höhen. Du erinnerst mich ein wenig an die Jünger*innen aus dem Evangelium vorhin. Die hatten auch wenig bis keine Hoffnung für Zukunft. Waren mutlos und verzweifelt. Was ja auch in deren Situation verständlich war.
FM: Die hatten allen Grund dazu. Jesus war gestorben und begraben. Sie waren enttäuscht und hatten Angst. Ich kann das voll verstehen, dass die einfach weglaufen wollten von den tragischen Ereignissen. Weglaufen tun heute ja auch viele: schau dir die Kirchenaustrittszahlen an oder die Statistiken vom Kirchenbesuch. Man muss ja fast schon dankbar sein für alle, die noch nicht ausgetreten sind. So waren auch die Emmausjünger schwer beladen.

NO: Ich sage ja, verständlich. Zeit für Trauer ist wichtig und die sollte man sich nehmen: auch mal eine Pause von den Nachrichten machen. Aber dabei darf man nicht stehen bleiben. Und da frage ich mich schon, ob die beiden Jünger die Botschaft Jesu verstanden haben. Denn wäre es nicht viel schöner, wenn sie dageblieben wären in Jerusalem und geholfen hätten die Botschaft Jesu lebendig zu halten statt zu fliehen. Statt den Kopf in den Sand zu stecken und die Welt auszublenden.
Aber die Geschichte bleibt ja nicht bei deren Weglaufen stehen Das ist ja der Anfang. Und sie waren nicht alleine.
FM: Zu zweit… na ja
NO: Ja, zu zweit sein ist ein Anfang. Austausch, Verbundenheit. Da ist jemand, der mich sieht, mit dem ich meine Gefühle, Gedanken, Sorgen teilen kann. Da ist schon ein wenig Zukunft spürbar. Und sie bleiben ja nicht zu zweit. Da kommt noch jemand Drittes hinzu.
FM: Das hat jetzt wirklich kaum Bezug zu heute. Oder glaubst du wirklich, dass Jesus einfach zum Spaziergang hinzukommt?
NO: Jetzt nicht so wie bei den Jüngern, aber ich glaube schon, dass Jesus uns begleitet. Genau das sagt uns doch die Erzählung von Emmaus:
Jesus geht mit. Von Anfang an ist er dabei. Und die Jünger spüren es schon in ihren Herzen, während er mit ihnen redet. Und endgültig, als sie Mahl miteinander halten.
Und da hast du dein Beispiel, wie Jesus heute gegenwärtig ist: wenn wir Gemeinschaft feiern, hier im Gottesdienst und so vielen anderen Momenten, in denen wir im Sinne Jesu handeln. Wenn wir füreinander da sind. Wenn wir uns in Diskussionen einmischen und für Menschen einsetzen, für Gerechtigkeit laut werden (im kleinen oder großen Rahmen). Sei es Nachhaltigkeit, soziales Engagement, oder das einfache zuhören, wenn jemand uns braucht.
Es gibt so viele Möglichkeiten!
Dann gestalten wir Zukunft mit Gott.
Auch mit dem Studium, dem Beginn des neuen Semesters beginnt Zukunft. Damit gestaltet jede und jeder Zukunft, eure eigene Zukunft und vielleicht ja auch gemeinsam, vielleicht auch Zukunft mit Gott.
„Brannte nicht unser Herz“ für mich einer der schönsten Sätze der Bibel. Dieses Gefühl, wenn du erfüllt von Freude und Zuversicht bist. Wenn man merkt, hier kann ich was bewirken, hier bin ich am richtigen Ort, hier will und soll ich sein.
Klar, das Gefühl ist nicht immer da und manchmal echt schwer zu finden. Aber das schöne ist doch, dass wir eine Gemeinschaft haben. Wir sind nicht allein unterwegs. Weder im Studium, auf der Arbeit, in der Ausbildung und nicht im Privatleben. Da sind Kommiliton*innen, Kolleg*innen, Freund*innen, Familie, die KSG…
FM: Ja, du hast schon recht. Zukunft mit Gott entsteht am besten – wenn nicht sogar – NUR in Gemeinschaft. Und so unterschiedlich wir Gemeinschaft leben, so unterschiedlich sind unsere Zugänge zu Gott, unsere Gottesbilder und Vorstellungen.
NO: Zukunft mit Gott ist so vielfältig wie die Studiengänge, Interessen, wie wir alle hier in der KSG. Und das ist das schöne: diese Vielfalt – denn Zukunft ist nicht schwarz, Zukunft ist bunt.
Nur wenn wir gemeinsam Zukunft gestalten, unsere Ideen, Interessen zusammenbringen, dann entsteht Zukunft. Das geht wahrscheinlich nicht ohne Streit und Reibereien. Das habt ihr in euren Freundschaften und Familien auch schon erfahren, wir in der KSG auch, aber das zeigt ja auch Ostern: nach rabenschwarzer Nacht kommt wieder Sonne.
FM: Ja, es gibt eine Zukunft mit Gott, weil wir einen Gott mit Zukunft haben – bunt und vielfältig, zugewandt und nah.
NO: Mit ihm können wir Zukunft gestalten, gemeinsam, jede und jeder von uns.
FM: Wie schon der Hl. Augustinus uns einlädt:
Gemeinsam zur Gemeinde: Seid ein Herz und eine Seele auf dem Weg zu Gott.
Gemeinsam zueinander: Amen. 😊