Adél Grőber / unsplashBild: Adél Grőber / unsplash

Das Senfkorn Hoffnung – Zwischen Zweifel und Osterjubel

© P. Felix M. Meckl OSA
Es gilt das am 12. April 2026 in St. Augustinus, Berlin gesprochene Wort.

Ostern feiern wir, damit wir das Leben haben.
So, liebe Geschwister im Glauben, übertrage ich den letzten Satz des eben gehörten Evangeliums. Die Jüngerinnen und Jünger der ersten Stunde haben ihre Erlebnisse aufgeschrieben, damit wir „durch den Glauben Leben haben“.
Unsere aufgeklärten Gehirne rebellieren zwar eher bei den Worten und Bildern der Auferstehung Jesu, aber tief in uns ist dieses Senfkorn Hoffnung. Tief in uns schlummert die Angst vor dem Tod, die Frage nach dem Danach, die Sehnsucht nach Leben in Gottes Namen.
Ostern thematisiert all das: Jesu Tod am Karfreitag, die schwere Vorfreude des Karsamstags und schließlich der Ostermorgen. 50 Tage, pentēkonta Tage bis Pfingsten. 50 Tage dürfen wir jetzt Ostern feiern, nachspüren was in uns lebt, wohin uns unsere Sehnsucht zieht, wo wir die lebendige Gegenwart Jesu und seiner Hl. Geistkraft spüren.
Ostern feiern wir, damit wir das Leben haben.
Die Texte dieses Sonntages zeigen uns Wege, wie wir als Gemeinschaft und jede und jeder von uns als Individuum diesen befreienden und lebensspendenden Glauben leben sollen.
In der ersten Lesung begegnete uns das Vorbild der Jerusalemer Urgemeinde, das auch wir Augustiner als Ideal in unserer Ordensregel vorgeschrieben haben. Es ermutigt uns großherzig zu teilen: Brot, Gebet und Furcht. Wir sollen ein stückweit in den Tag hineinleben, aber nur so weit, dass es Gottes Zuwendung nicht ausnutzt, sondern sie vertrauensvoll erwidert. Die Urgemeinde mahnt uns aber auch zur Regelmäßigkeit. Sie trafen sich täglich zum Gotteslob. Aber ich glaube, es ist legitim die Regelmäßigkeit als entscheidend hervorzuheben. 😉
Mit der zweiten Lesung ermutigt Petrus in seinem ersten Brief alle, die in Bedrängnis leben. Wenn ich diese Worte höre, erlebe ich sie Kraft spendend, tröstend und ja auch ermutigend aufzubrechen und Neues zu wagen. Petri Glaube ist kein lahmes beschaulich meditatives Schweigen; er lädt ein zu jubeln in – wie er so grandios schreibt: „unaussprechlicher und von Herrlichkeit erfüllter Freude“.
Dass nicht immer alles Friede, Freude, Eierkuchen ist und sein kann, wissen wir. Dazu brauchen wir nur in unsere vollen Kalender, in die leeren Kassen oder die Nachrichtensendungen dieser Tage schauen. Auch ganz persönlich wissen wir von Krisen, negativen Erfahrungen und Ängsten. Doch das Evangelium will uns zeigen: juble dennoch und steht zusammen, Gott ist mit euch und dir, ganz persönlich.
Jede und jeder erfährt Gott anders und SIE lässt sich auf jeden und jede ganz individuell ein. Sprich ruhig aus, was du brauchst, wovon du dir Glaubensgewissheit erhoffst. Sei ein Thomas, frage kritisch nach, sei irritiert, bleibe neugierig, vertraue nicht zu schnell. Nach acht Tagen – das ist heute – kommt der Auferstandene wieder zu uns; zeigt sich, spricht, wünscht den Frieden.
Wenn du ihn jetzt nicht siehst oder spürst, ist das ok. Vertraue darauf, dass ER da ist, in deiner Nächsten, im Gegenüber, in unserer Mitte. In der geweihten Kerze der hochheiligen Nacht, in den gewohnten Zeichen von Brot und Wein, im gemeinsamen hoffnungsvollen Tasten nach Wahrheit und Bestätigung.

In diesem gemeinsamen Suchen lade ich euch jetzt ein, eure Taufe zu erneuern mit dem Osterwasser. Steht dazu bitte auf, werdet ruhig und übernehmt jene Verantwortung, die euch durch die Taufe zugetragen ist:
Ihr seid Königinnen und Könige, Propheten und Prophetinnen, Priesterinnen und Priester.