© Erzbistum Berlin/Jörg FarysBild: © Erzbistum Berlin/Jörg Farys

Impuls nach dem Evangelium des Palmsonntags

© P. Felix Meckl OSA
Es gilt das am 29. März in St. Augustinus, Berlin gesprochene Wort.

Liebe Geschwister voller Hoffnung,
nicht hoch zu Ross zieht Jesus in Jerusalem ein, sondern bescheiden, demütig auf einem jungen Esel. Dennoch – oder gerade deshalb – erkennen ihn die Leute. Sie sehen ER ist es! Da kommt einer – im Namen des Herrn – von dem wir etwas Neues, etwas Gutes, etwas Ehrliches zu erwarten haben.

Zur Zeit Jesu waren viele falsche Propheten unterwegs. Wie heute war es eine Krisenzeit.
Die einen polterten mit Lügen, andere instrumentalisierten die Ängste der Leute. Manche flüchteten sich ins biedermeierliche Privatleben. Viele sehnten sich nach Aufbruch, Neustart, der Erfüllung alter Verheißungen.

Aber Jesus wurde als König empfangen, als Messias, als Retter und Erlöser, als Heiland der Welt. Hosanna riefen die Menschen ihm zu, huldigten ihm, legten ihre Kleider in den Staub der Straßen, damit der Sohn Gottes, der gesalbte Messias, sauber einziehen konnte. Hosanna!

Schon oft habe ich um Demut geworben. Nicht um das sich kleinmachen und niederducken vor einem übergroßen Gott. Sondern das sich in Dienst nehmen lassen durch Gott. Jede und jeder von uns hat eine Aufgabe, eine Berufung am Aufbau des Reiches Gottes mitzubauen.
Hier und jetzt, da wir auf der Straße stehen, dann wenn wir Gottesdienst feiern, aber genauso gut in jedem anderen Moment des Alltags: das Reich Gottes geschieht an der Uni, geschieht im Beruf, geschieht in der Begegnung mit Freunden, geschieht sogar in den flüchtigen Begegnungen auf der Straße.

Schleiche ich in mich versunken dahin, blind für die Sorgen und Nöte der Zeit, vielleicht sogar abgeschottet mit Kopfhörern?
Schreite ich überheblich – wie hoch zu Ross –, herabschauend auf die Welt um mich herum, die mich doch nicht interessiert, weil Meines das Wichtigste ist?
Hosanna? Wird da keiner rufen!

Liebe Brüder und Schwestern,
lasst uns Esel sein!
Lasst uns ein Beispiel nehmen an dem jungen Fohlen von dem wir im Evangelium gehört haben.
Lassen wir uns bereitwillig in Dienst nehmen von Gott!
Lasst uns neugierig sein auf die Welt!
Lasst uns ruhig auch mal störrisch sein, unseren Willen und unsere Bedürfnisse einfordern! Gott kann damit umgehen.
Lasst uns für Jesus und den gemeinsamen Vater Werkzeug sein, um das Reich Gottes aufzubauen – hier in Berlin und überall sonst.

Ziehen wir nun hinüber in die Kirche, mit dem Herrn, gegenwärtig im Evangeliar.
IA, wir sind die Esel, die eine wichtige Rolle spielen.
Durch uns kommt Jesus in die Welt und in seine Kirche. Hosanna!