© Erzbistum Berlin/Jörg FarysBild: © Erzbistum Berlin/Jörg Farys

Die Fastenzeit: Umkehr und Neuanfang

© P. Felix M. Meckl OSA
Es gilt das am 22. Februar 2026 in St. Augustinus, Berlin gesprochene Wort.

Liebe Studierende,
Schwestern und Brüder im Herrn,

auch in den biblischen Texten haben wir es gemerkt: die Fastenzeit hat begonnen. Kritische Themen, belastete Worte, zur Selbstreflexion aufwühlende Passagen haben wir heute gehört.

Doch sie sind Wort Gottes, niedergeschrieben zwar von Menschen einer anderen Zeit, Kultur und Sprache aber eben durch seinen Geist inspiriert, von seiner Offenbarung geprägt. Wie so oft ist es also entscheidend, mit welchem Gottesbild ich diese Texte wahrnehme und sie auf mich einwirken lasse.

Ist Gott für mich der alte weiß-bärtige Opa auf der Wolke, der mal – Zeus gleich – Blitze schleudert und dann klebrig-süße Bonbons verteilt? Helles Licht? Strahlende Energie?

Auch die Leseweise ist entscheidend: Sola scriptura?, wie die neocharismatischen Christen es tun? Verstaubtes notwendiges Übel? Oder historisch kritisch, wie die Exegeten es uns lehren?

Das sind Gottesbilder bzw. Herangehensweisen für seine wohl komprimierteste Offenbarung in den Hl. Schriften. Entscheidend aber – also so richtig entscheidend – für das richtige Verstehen und ein gewinnbringendes Wahrnehmen der biblischen Lesungen, ist die richtige Beziehung zu Gott.

Egal wie ER aussieht, egal wie ich IHN und seine Offenbarung einordne: entscheidend ist in welcher Beziehung ich zu ihm lebe, hoffe, liebe.

Das Buch Genesis in der ersten Lesung zeigte uns Gott als Schöpfer: ER formte dich und mich aus Staub, blies uns seinen göttlichen Lebensatem ein und machte uns dadurch lebendig – ihm gleich, heißt es im ersten Schöpfungsbericht.

Im zweiten Schöpfungsbericht ist wichtig, dass Gott uns zuerst geschaffen hat. Wir waren seine Priorität! Dann erst kam der Garten, die schöne Erde und Natur! Wir waren die ersten, wir waren und sind ihm wichtig. Augustinus fasst das zusammen in: „Gottes Sehnsucht ist der Mensch!“

Dass wir Gottes Sehnsucht sind, dass wir IHM wichtig sind, können wir erkennen an seiner großen Geduld und Liebe.
Obwohl wir oft nicht auf seine Worte hören, seinen wohlgemeinten Befehlen nicht folgen, sondern meinen alles besser machen zu können, mehr wissen zu wollen und IHM immer ähnlicher sein möchten… ER bleibt treu! Er bleibt liebevoll zugewandt. ER vernichtet nicht, tötet nicht, sondern bestraft – höchstens – er bestraft mit dem Leben und der Freiheit.

Durch den Baum der Erkenntnis, von dem unsere Vorfahren gegessen haben und wir ständig daran weiteressen als denkende Wesen, neugierig auf den Sinn des Lebens und ständig auf der Suche nach Optimierung der eigenen Situation, durch diesen Baum öffnete ER uns einen Weg in die Freiheit und in das Leben. ER setzte die angedrohte Strafe nicht um, weil ER liebt.

Seine Beziehung zu uns ist davon geprägt, angefüllt: Liebe! Die väterlich-mütterliche Liebe des Schöpfers, gepaart mit dem Stolz eines Handwerkers über sein Projekt und durchwoben mit der feuerfesten – geprüften und geläuterten – Geduld des ewigen Gottes.

Wir können IHN immer wieder auf die Probe stellen, IHN herausfordern, uns blindlings auf IHN verlassen, ohne die Konsequenzen für andere oder für uns selbst zu bedenken. Wir können alle Selbstständigkeit aufgeben, weil ER ja der immer gute liebe Gott ist und gar nicht anders kann, als um uns besorgt zu sein… das wäre falsche, liebe Hoffende und Suchende im Glauben.

Das wäre teuflisch, weil wir dann wären wir der Satan im heutigen Evangelium. Wie ER Jesus versucht, würde ein so handelnder Mensch Gott versuchen. Würde zur Schlange werden, die zischelnd und listig falsche Erkenntnis bringt.

Wollen wir das?
Wollen wir sein wie die Schlange, die Böses tut, ohne einen Vorteil zu haben? Wollen wir sein wie der Teufel im heutigen Evangelium, der nur aus Spaß an der Freude, demütigen, erniedrigen, vorführen und sich suhlen will im eigenen Rechthaben?

Bitte, es möge dich in die Freiheit führen… Gott wird auch dort mit dir sein. Da bin ich mir ganz sicher!
Aber ob du darin dein Glück finden wirst? Allein, da egoistisch? Reich, aber ohne tragende Liebe?

Jesus lädt uns ein: Leib UND Vernunft wertzuschätzen, denn Brot befriedigt nicht allein. Gottes Geist führt uns in ein Leben in Fülle.

Jesus warnt uns, dass wir Gottes Liebe nicht ausnutzen sollen. Das höher, weiter, mehr bringt uns in eine tödliche Spirale der Langeweile und Unzufriedenheit.

Jesus ermutigt uns Gott als Alpha und Omega zu verstehen, eine Beziehung auf Augenhöhe zu führen, indem wir IHM demütig dienen, aber so seine Zugewandtheit als Stärkung erleben können. Echte Liebe eben!

Lasst uns, liebe Freunde, so vor Gott stehen, das Leben in Fülle mit IHM feiern und unsere Beziehung mit IHM pflegen.
Die vorösterliche Bußzeit liefert uns wertvolle Impulse, nutzen wir sie und richten sie neu aus: unsere Liebe auf Gott. ER bringt sie uns entgegen. Nehmen wir sie maßlos auf, um sie weitergeben zu können. Amen.