© Erzbistum Berlin/Jörg FarysBild: © Erzbistum Berlin/Jörg Farys

Predigt zur Einführung von P. Felix Meckl OSA

© P. Felix M. Meckl OSA
Es gilt das am 4. Januar 2026 in St. Augustinus Berlin gesprochene Wort.

Liebe Brüder und Schwestern im Glauben,

jetzt darf ich das Wort Gottes, das wir eben in Lesung und Evangelium gehört haben, auslegen. Darin sehe ich einer meiner zentralsten Aufgaben als Pfarrer der Studierendengemeinde: Ich leite die verschiedenen Formen der Liturgie, in der wir zusammen Gottesdienst feiern und Gottes Dienst annehmen. Gerne werde ich dieses Privileg mal abgeben resp. teilen, denn wir alle sind Suchende. Tastend unterwegs, dem einen wahren Gott entgegen. Jeder Impuls, jeder Hinweis auf diesem Weg ist wichtig; wird wirksam und heilsam sein, tröstend und bereichernd, alles neumachend und dabei ewig gleich sein.

Heute, da ich in meinen neuen Dienst eingeführt wurde, will aber ich auf die heiligen Texte schauen und versuchen, mit Euch zu teilen, was ich darin gelesen und verstanden habe – für mich und für uns. Als rote Linien im Meer von Gottes Worten dienen mir die Stichworte: Demut und Dauer.

Gottes Wort, wie wir es heute gehört haben, bietet Umfängliches: Rat und Richtung, Warnung und Lob, ewige Gültigkeit und bestechende Aktualität.

Kirche ist für mich eine Gemeinschaft von Heiligen, die auf Zeit miteinander unterwegs sind. Mal dauert dies ein Leben lang. Wenn man in eine Gemeinde hineingetauft und durch Kindheit und die darin gefeierten kirchlichen Momente verwurzelt ist. Gleichzeitig aber, brechen viele immer auf, verlassen ihre Heimatgemeinden – freiwillig oder sogar gezwungen durch wirtschaftliche oder gar politische Not. Sie finden Anschluss in anderen Gemeinden, denn wir sind eine weltweite Gemeinschaft und in allen Kirchen wird mehr oder weniger dasselbe gefeiert. Damit erzähle ich nichts Neues, aber es geht mir hier um die Wahrnehmung! Es gibt eine lebenslange Verwurzelung und zeitgleich eine Pilgerschaft.

Im Idealfall verstehen wir Kirche im altbewährten Bild: Kirche als Gottes Zelt auf Erden. Immer gleich und doch mobil, mal leicht, mal schwer zu errichten, aber vertraut und heimelig, manchmal schwer zu ertragen oder komplex im Mit-aufbauen. Kirche der Ewigkeit in der Zeit.

Für die KSG Berlin sehe ich – auf den ersten vier Wochen – viele Fragen und Herausforderungen in diesem Themenfeld: wie lange gehört jemand zur Gemeinde? Wie fängt es an? Wie hört es auf, damit es woanders weitergehen kann? Wer gestaltet was mit? Wo sind Grenzen, Ressourcen und wo sind nicht genutzte Potenziale? Diesen Fragen müssen wir – Hauptamtliche wie Ehrenamtliche – uns stellen, damit wir als pilgerndes Gottesvolk unterwegs bleiben.

Im Rahmen meiner Einarbeitung habe ich mich durch 60-70 Ordner gewühlt, habe in verstaubten Akten geblättert und versucht Geschichte und Geschichten zu erfahren und zu verstehen. Viel Wertvolles, manch profanes, einiges was sich selbst überlebt hat und wirkliche Schätze, quasi Sternstunden der Gottesnähe. So einiges kann weg, manches muss bleiben.

Nach Papier und Vergangenheit sollen jetzt mit dem neuen Jahr Zukunft und Menschen mehr in den Mittelpunkt rücken: Wen finden wir in der schillernden Dunkelheit der Großstadt Berlin als wichtige Kooperationspartner? Wer hilft uns, die rechten Worte zu finden in den anstehenden Aufgaben? Ganz konkret: Wer stellt sich zum Dienst bei der anstehenden Wahl zum Gemeinderat? Wann und wo brechen wir Gottes Zelt ab, um anderorts etwas aufzubauen?

Bei all diesen Herausforderungen bin ich mir bewusst, dass ich die in der Lesung besungene Weisheit nicht mit Löffeln gegessen habe. Gott ist die Weisheit und ER wird sie uns mitteilen. Mit dieser Demut trete ich meinen Dienst an und bitte euch alle um wohlwollende Unterstützung.

Das Licht ist in der Welt: seit dem ersten Schöpfungstag, seit der Menschwerdung Gottes in Jesus von Nazareth und jetzt wieder neu in uns allen, durch dieses Weihnachtsfest. Lasst uns dieses Licht und aus Gottes Wort jeden Funken teilen, den wir von IHM verstanden haben. Licht wird mehr, wenn man es teilt. So sei es auch in der KSG Edith Stein Berlin, mit Glauben, Hoffnung und Liebe als Gemeinschaft der Suchenden unterwegs zu sein, auf Gott hin.

Und wie schon Augustinus sagte (Primizspruch): Was du in anderen entzünden willst, muss brennen in dir. Amen.