Geht und erzählt von der Hoffnung!
von Nicole Oster
Liebe Gemeinde,
können Sie sich noch daran erinnern, wer Ihnen zuerst von Gott und Jesus erzählt hat? Vermutlich Eltern, Großeltern oder jemand in der Pfarrei. Die spannendere Frage ist vielmehr: wann ist Gott, ist der Glaube für ihr Leben relevant, existentiell geworden? Wann haben sie gemerkt, dass diese Texte und Geschichten auch mit mir, meinem Leben zu tun haben? Vielleicht ist ein besonderes Ereignis, vielleicht sind es auch viele kleine Sachen.
Für mich sind das vor allem Begegnungen mit Menschen, die für mich glaubhaft den Wert des Christentums gelebt haben. Und es ist auch die Hoffnung von Ostern, die mir in Trauermomenten geholfen hat. Die Botschaft, dass es mit dem Tod nicht zu Ende ist, sondern dass es weitergeht und das Leben gewinnt.
Ich finde die Ostergeschichten sehr schön, sie berühren mich und ich habe auch viele Fragen an sie. Vielleicht habe ich deshalb meine Abschlussarbeit über „Die Frauen als Zeuginnen der Auferstehung geschrieben“.
In allen Evangelien sind es die Frauen, die bei Jesus bleiben, von Kreuzigung bis zum Ostermorgen. Sie sind es, die das leere Grab entdecken und so zu den ersten Zeuginnen der Auferstehung werden. So auch im heutigen Evangelium. Sie sind bei der Grablegung dabei und machen sich einen Tag später auf den Weg, um sich noch einmal um Jesus zu kümmern, im Respekt und Liebe zu erweisen.
Doch am Grab angekommen erfolgt der Schockmoment. Es ist leer. Erst ist ihre Hoffnung am Kreuz gestorben und dann, als sie sich verabschieden wollen, ist nicht einmal mehr das möglich. Wie groß wird die Verzweiflung und Trauer der Frauen gewesen sein. Doch dann erwarten sie im Grab junge Männer, Engel.
„Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist auferstanden, er ist nicht hier!“
Und dann verstehen die Frauen, sie erinnern sich, begreifen die Worte Jesus, die damals noch so unverständlich waren. Es ist wahr- Jesus ist auferstanden! Ihre Hoffnung lebt.
In ihnen wächst Hoffnung, dass nicht alles verloren ist, dass es wieder gut werden kann. Hoffnung auf eine Welt, wie Jesus sie gepredigt hat. In der Barmherzigkeit, Liebe, Miteinander und Nächstenliebe herrschen und man einander hilft, Menschen die gleiche Würde und die gleichen Rechte haben.
Doch die Jünger tun ihren Bericht als Geschwätz ab. Was wird das für eine Demütigung für die Frauen gewesen sein? Sie sind ja keine Unbekannten in der Gemeinde und schon lange mit Jesus und den Jüngern unterwegs.
Was werden die Frauen gemacht haben, nachdem die Jünger ihnen nicht geglaubt haben? Mich beschäftigt diese Leerstelle. Und ich habe mir überlegt, wie ich sie füllen würde. Ich stelle mir vor, dass die Frauen ihre Botschaft dennoch weiterverbreitet haben. Vielleicht hatten sie sogar einen Auftrag von den Männern am Grab bekommen. Sie lassen sich nicht beirren und erzählen den anderen von ihrer Begegnung und von der Hoffnung, die neu in ihnen wächst. Wie würde dann heute die Kirche aussehen, wenn die Frauen die Osterbotschaft so laut und deutlich verkündet hätten? Wenn ihre Worte nicht als Geschwätz abgetan worden wäre und eine Maria Magdalena als Osterzeugin, als Apostelin bekannt wäre statt als Sünderin. Was wäre dann gewesen. Wie sähe unsere Kirche heute aus?
Doch was feststeht ist, dass die Frauen die ersten Osterzeuginnen sind und sie als erste vom leeren Grabe und der Hoffnung, die es enthält, erzählen. Das ist es, was von der Begegnung der Frauen am Grab und ihrem Bericht bleibt, die Osterhoffnung. Es ist nicht zu Ende, sondern geht weiter. Aus dem leeren Grab entsteht, wächst etwas Neues
Für mich spannt das auch einen Bogen zur ersten Lesung. Der Schöpfungsgeschichte. Dort heißt es am Ende des 6. Tag, als Gott sein Schöpfungswerk vollendet hat „und Gott sah, es war sehr gut“.
Die ganze Schöpfung ist sehr gut geschaffen und für mich steckt darin auch eine Botschaft an uns: Gott sagt, ich bin bei euch, ich habe in euch, in die ganze Welt die Möglichkeit gelegt, sehr gut zu sein, gutes zu schaffen.
Diese Welt ist sehr gut geschaffen und wir sind aufgerufen daran mitzuarbeiten, die Welt zu gestalten, dass dieses Gutsein immer mehr zum Vorschein kommt und die Worte Jesu von Nächstenliebe und dem Reich Gottes Wahrheit werden.
Das ist für mich die Botschaft von Ostern: Gott die sagt, es ist nicht vorbei es geht weiter, denn diese Welt und ihr seid sehr gut geschaffen. Geht und erzählt von der Hoffnung!
Frohe Ostern.

Rod Long / unsplash