Bitte kein Schwarzweiß! Colours of faith

Predigt zum Semesterschluss am 9.2.2025 von P. Max Cappabianca OP

Liebe Schwestern und Brüder,

heute darf ich noch einmal über das Semesterthema „Colours of faith“ predigen – ein schönes Thema, das angesichts dessen, was derzeit in den USA passiert, ungeahnt aktuell ist! Die Farben stehen für Vielfalt, für Diversität, gegen Einheitsbrei und – noch viel wichtiger! – sie stehen gegen ein Simples Schwarzweiß!

Ihr habt euch in unterschiedlicher Weise in den letzten Monaten mit dem Thema auseinandergesetzt und ich habe den Eindruck, dass diese KSG wirklich eine bunte, eine vielfältige ist, die keinen Anstoß nimmt, wenn jemand anders ist, sondern die sich an der Vielfalt der Schöpfung Gottes freut!

Leider ist dies aber nicht selbstverständlich! Heute Morgen habe ich den Film „Gotteskinder“ gesehen – ein deutscher Film, in dem es um eine evangelikale Sekte geht. Ich finde es großartig, dass die KSG gemeinsam sich den Film angeschaut, auch wenn krankheitsbedingt wenig da waren. Ich glaube, das war Deine Idee Nicole! Danke dafür und auch danke für das Filmplakat, dass ihr euch von der Filmregisseurin habt unterschreiben lassen und das nun in der KSG hängt.

Der Film erzählt die Geschichte der Geschwister Hannah und Timotheus, die zwischen Glauben und Selbstfindung stehen. Hannah hat ein Keuschheitsgelübde abgelegt, doch als sie sich in den neuen Nachbarsjungen Max verliebt, gerät ihre Überzeugung ins Wanken. Ihr Bruder Timotheus ringt mit seiner sexuellen Identität und sucht verzweifelt nach „Heilung“, weil er glaubt, dass seine Homosexualität eine Sünde ist. Beide stehen vor der Entscheidung, den Erwartungen ihrer gläubigen Eltern zu folgen oder ihren eigenen Gefühlen zu vertrauen. Leider hat der Film kein Happyend!

Nun könnte man sagen: Naja das sind bekloppten Evangelikalen! Aber leider ist das nur die halbe Wahrheit. Auch in der katholischen Kirche gibt es sektenartige Tendenzen, und ich erlebe auch immer wieder in der KSG, dass Leute hier nicht Freiheit suchen, sondern die klare Ansage, was denn „die katholische Kirche“ sagt und die dann ganz enttäuscht sind, wenn ich sage: Die katholische Kirche, das sind erst einmal wir alle!

Und als ich das heutige Evangelium von den Menschenfischern las, dachte ich mir: Mein Gott! Wie sehr kann das missverstanden werden als Aufruf zur Sektiererei! Menschendfischen? Wo bleibt die Freiheit? Das Bild stimmt vorne und hinten nicht! Aber in dem Film und auch in manchen fundamentalistischen katholischen Gemeinschaften kann man sehen, was es heißt, wenn man Menschen ihnen letztlich (!) den freien Willen abspricht und glaubt zu wissen, was für sie richtig ist – vor allem in Moralfragen!

Ich muss sagen: Da bin ich ziemlich stolz auf unsere KSG, dass die meisten hier diesem Missverständnis nicht aufsitzen! Ich sehe Studierende die Freude haben an den vielfältigen Lebensmodellen, die Menschen gleich welchen Geschlechts miteinander leben – getreu dem Motto: Allein die Liebe zählt!

Ich freue mich, wenn Studierende skeptisch werden, wenn ihnen jemand die Welt in Schwarzweiß zeichnet und die Vielfalt dazwischen platt macht!

Ich finde es großartig, wenn unsere Studierenden sich gegen alle Kräfte in unserer Gesellschaft stellen, die diese Vielfalt kaputt machen wollen. Interessanterweise stehen sie dabei Seit an Seite mit anderen, die nicht gläubig sind, die aber unsere Werte teilen! Davor haben wir keine Angst. Es ist gleich, warum Menschen Gutes tun wollen! Hauptsache sie tun es!

„Colours of faith“ – ich freue mich, dass wir die Vielfalt als ein Geschenk Gottes ansehen und uns nicht einreden lassen, wenn Leute uns weismachen wollen, Gott wolle dies oder wolle jenes! Wir sind alle auf der Suche und wir geben uns auch damit zufrieden, wenn wir mal keine Antwort haben. Ein suchender Glaube ist uns hundertmal lieber als ein eingebildeter Glauben!

Am Ende dieses Semester wollen wir diese Freiheit feiern, die der Glaube uns schenkt und seine Segen in die vorlesungsfreie Zeit mitnehmen, um diesen Grundimpuls unseres Glaubens in unsere Lebenswelten zu tragen: Zur Freiheit hat uns Jesus Christus befreit. Amen.