„Zweite Reihe ist auch nett“
Predigt von Nicole Oster
Ich brauche keine Ehrenplätze.
Ich stehe lieber in der zweiten Reihe. Da kann mensch auch in Ruhe alles beobachten. Mit meiner besten Freundin war ich im Juli beim Taylor Swift Konzert in Gelsenkirchen. Wir hatten Stehplätze und haben vorher besprochen, dass wir nicht um die Plätze ganz vorne an der Barrikade kämpfen wollen, sondern lieber gemütlich im hinteren Bereich mit Platz zum Tanzen stehen möchten.
(Im Vergleich zu anderen Konzerten lief das relativ friedlich ab, aber das Gedränge um die besten Plätze habe ich doch lieber vermieden.) Ehrenplätze brauche ich persönlich nicht.
Anders Johannes und Jakobus, die fragen Jesus nach den Ehrenplätzen rechts und links von ihm.
Jesus ist von der Frage nicht so angetan. Hat er den Jüngern doch oft erklärt, dass es bei ihm nicht um höher, schneller, weiter geht. Nachfolge bedeutet nicht Ruhm, Ehre, glänzende Auftritte, eher das Gegenteil.
Denn Nachfolge bedeutet auch Nachfolge ins Leid. Hingabe und Opfer.
Ruhm und Ehrenplätze hat Jesus nicht zu vergeben. Nachfolge ist kein roter Teppich, sondern der Weg Jesu ins Leid.
Und in der Nachfolge Jesu herrscht eine andere (Macht-)Logik. Es geht ums dienen, nicht ums herrschen.
Hier gilt nicht höher, schneller, weiter, immer der/die Beste, Klügste sein. Wer Jesus nachfolgen will, muss bereit sein, sich unterzuordnen, in die zweite Reihe zu treten und zu dienen.
„Wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein, und wer bei euch der Erste sein will, soll der Sklave aller sein.“
Dienen bedeutet, Verluste hinzunehmen, Familie zurückzulassen und mit wenig unterwegs zu sein, auch abgewiesen zu werden. Auch wird man herzlich aufgenommen werden, berührende Begegnungen machen. Doch muss man bereit sein, sich klein zu machen, das Wohl/Heil der anderen an erste Stelle zu setzen.
Denn darum geht es Jesu im Großen und Ganzen: um das Heil!
„Der Menschen ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen.“
Jesus präsentiert den Jüngern eine andere Machtlogik. Ehrenplätze hat er keine zu vergeben. Für ihn zählt nicht, wer der stärkste, mächtigste, klügste ist. Für Jesus zählt, wer ihm wirklich mit Hingabe nachfolgt und bereit ist zu dienen, in die hintere Reihe zu treten.
Das passt schon ein wenig zum Taylor Swift Konzert. Weniger drängeln um die besten Plätze, sondern das Konzert und die Gemeinschaft genießen, die Verbindung mit den anderen Konzertbesucher*innen und zu schauen, dass jede*r mal eine gute Sicht auf den Superstar hat und auch mit Wasser versorgt ist.
Ich glaube, dass ist auch im Sinne Jesus. Sich zurücknehmen für andere, auf die Mitmenschen schauen.
Nicht als Einzelkämpfer, sich den besten Platz sichern, sondern in die zweite Reihe treten und. Dort ist es auch nett.
Wo kann ich einen Schritt zurücktreten und dadurch anderen eine Chance geben, etwas ermöglichen?

